TQJ 04/2006

Rezensent:
Frank Aichlseder

Jan Silberstorff:
»Die 5 Level des Taijiquan. Nach Großmeister Chen Xiao Wang kommentiert von Meister Jan Silberstorff«
Lotus-Press 2006, 120 Seiten + DVD, 29,80 EUR(D) / 30,70 EUR(A),
ISBN: 3-935367-08-2

Der Text über die fünf Level des Taijiquan von Chen Xiaowang ist im Grunde ein moderner Klassiker, der bereits auch in dieser Zeitschrift erschienen ist. Moderner Klassiker deshalb, weil es sich bei dem Text um eine einmalige, stilübergreifende Abhandlung über die Entwicklungsstufen beim Erlernen einer inneren Kampfkunst handelt.

Manche, die den Text kennen, können sich mit seinen Aussagen nicht wirklich anfreunden, weil er aufzeigt, auf welchem (niedrigen) Level man sich in seinem eigenen Üben eigentlich befindet. Aber gerade die Tatsache, dass er einem diese Klarheit bringt, macht ihn so wertvoll für ernsthaft Übende.

Chen Xiaowang hat aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung und Übungspraxis den Weg, den ein Adept des Taijiquan zu gehen hat, in ungewöhnlicher Klarheit beschrieben. In dieser Weise ist das nur einem Menschen möglich, der an einem Punkt angelangt ist, von dem ich nicht genau weiß, wie es dort aussieht. Jeder, der sich auf den Text einlässt, findet sich an bestimmten Stellen wieder und ebenso die eigenen Erfahrungen und Probleme. Und interessanterweise klärt der Text gleich Fragen, die sich auf dem Übungsweg stellen. Für andere Probleme weist Chen Xiaowang darauf hin, dass eine Lösung ohne Lehrer eher Glück ist.

Kurzum, der Text ist die ideale Beschreibung des Übungsweges und der Phasen und Probleme, die auf dem Weg warten. Mich persönlich hat das eher ruhiger werden lassen.

Im vorliegenden Buch nun, vom Verlag sinnigerweise als »Seh-Buch« angepriesen, wird der Text zusätzlich von Jan Silberstorff kommentiert und erhält dadurch einen verständlicheren, weil vielleicht auch weltlicheren Ton. Anhand von Beispielen aus der eigenen Übungspraxis und Erfahrung verdeutlicht Jan Silberstorff viele ihm wichtige Punkte der Abhandlung.

Das Buch basiert auf einem Vortrag, den er über den Text gehalten hat, und dieser ist als DVD zum Anschauen dem Buch beigelegt – daher auch die Bezeichnung Seh-Buch. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine reine Transkription des Vortrags, sondern um eine mehrfach überarbeitete Version. Das Buch kommt aber immer noch sprachlich angenehm locker rüber. Und mit knapp 100 Seiten ist es auch schnell gelesen. – Das ist gut, weil man dann mehr Zeit zum Üben hat. Und wie wichtig diese Zeit zum Üben ist, wird mehr als einmal deutlich. Daher danke für diese kleine Perle, die nicht nur für Übende des Taijiquan ein schwer wiegender Denkanstoß sein sollte.