TQJ 4/2015

Rezensent:
Georg Patzer

Markus Maria Wagner:
Taijiquan. Klassische Schriften, Praxiskonzepte und Beziehungen zum Daoismus

Lotus-Press 2014, 290 Seiten, 22,95 EUR
ISBN 978-3-945430-22-4

»Holcombe kommt nach ausführlichen Erörterungen der Zusammenhänge altchinesischer Nicht-Unterscheidung fiktiver und nichtfiktiver narrativer Modi (Vereinigung von theatralen und kampfkünstlerischen Elementen) und der Verflechtungen von religiösen/daoistischen (Unsterblichkeit) und kampfkünstlerischen (Unverwundbarkeitskult) Zielsetzungen bei Geheimgesellschaften wie T‘ai-p‘ing, Boxer, Weißer Lotus und des allgemeinen Kultcharakters der Kampfkünste zu dem Schluss, dass das Selbstbild der Kampfkünstler, das Motive aus der Mythologie und dem Theater aufgenommen hat, vor dem Hintergrund von Chinas einzigartiger Weise der Vereinigung von Kampfkunst, buddho-daoistischer Religion und Theater verstanden werden muss.« Kann man das auch einfacher ausdrücken? Ein bisschen schon. Aber Wagners Buch ist eine wissenschaftliche Studie, durch die man sich schon mit etwas Mühe durcharbeiten muss.

Markus Maria Wagner, Philosoph, Reli-gionswissenschaftler und Leiter der Taiji-Akademie Marburg, ist aufgefallen, dass die Taijiquan-Adepten, die er im Westen und in China kennt, meist unreflektiert behaupten, dass das Taijiquan eng mit dem Daoismus verflochten sei. Aber wie genau? Zu diesem Zweck hat er die »Taiji-Klassiker« daraufhin genauer untersucht, »inwiefern daoistische Strukturen, Methoden und Philosopheme in das Gedankengut des Taijiquan Einzug gehalten haben«: Er untersucht die Konzepte von Jing, Qi, Shen und Yi, kommt auf den »Gründer des Taijiquan«, Zhang Sanfeng, zu sprechen, geht auf die Begriffe Wuji und Taiji ein und untersucht in gebotener Kürze so ziemlich alle Grundbegriffe, die im Taijiquan-Training vorkommen können, wie Embryonalatmung, Bend the Bow, Yin und Yang …

In einem zweiten Teil geht er auch auf Namen von einigen Taiji-Figuren ein, »Der weiße Kranich«, »Das Jade-Mädchen am Webstuhl«, »Die sieben Sterne« und »Die neun Paläste«, »Der goldene Hahn«, »Die Wolkenhände«, »Die Peitsche«, »Die Pipa«. Auch hier versucht er, die Zusammenhänge der Namen mit der daoistischen Philosophie darzustellen, erzählt zum Beispiel die Geschichte vom Jademädchen und dem Kuhhirten, die sich nur einmal im Jahr treffen können. Es gelingt ihm, die mythischen und philosophischen Bezüge zu nennen, wenn er sich auch leider aufgrund der Fülle an Material, Bezügen und Zusammenhängen und dem Mangel an Voruntersuchungen sehr beschränken muss und vieles nur anreißen kann. Aber wie er selbst im Vorwort schreibt: Das Buch ist vor allem als »Inspiration und Impulsgeber« für weitere Forschungen gedacht und nicht als vollständiges Kompendium.