TQJ 03/2006

Rezensent:
Dr. Rainer Landmann

Freya und Martin Bödicker
Philosophisches Lesebuch zum Tai Chi Chuan II

Boedicker 2006, 98 Seiten Pb, 7,80 EUR(D)/ 8,10 EUR(A),
ISBN 3-9810407-1-6

Dr. Martin und Freya Bödicker haben sich nicht nur um die Verbreitung der Wu-Tradi-tion im Westen verdient gemacht, sondern die Diskussion im Taijiquan auch stilübergreifend vertieft und die Praxis belebt. In den von ihnen herausgegebenen Büchern und in ihren »Themenheften zur Theorie des Taijiquan« (Taijiquan-Lilun) widmen sich beide intensiv und mit viel Liebe wichtigen Aspekten von Theorie und Technik, der Geschichte und Philosophie des Taijiquan.
2005 erschien in der Reihe »Schätze der chinesischen Kultur« der erste Band ihres »Philosophischen Lesebuchs zum Tai Chi Chuan«. Eine profunde Sammlung von Textpassagen aus zwölf klassischen Quellen, die den engen Zusammenhang zwischen der Bewegungskunst Taijiquan und wesentlichen Konzepten der chinesischen Denkweise deutlich werden lässt.
Freya und Martin Bödicker haben nun mit dem zweiten Band ein weiteres Mal in die Schatztruhe der chinesischen Philosophie gegriffen und präsentieren Textpassagen aus dreizehn Quellen. Neben bekannteren wie dem »Inneren Klassiker des Gelben Kaisers«, dem Mongzi (Menzius) und der »Erklärung des Taiji-Diagramms« des Neokonfuzianers Zhou Dunyi finden sich diesmal auch Passagen aus Schriften, die selbst eingefleischten Taijiquan-Freunden noch unbekannt sein könnten, wie die »Drei Strategien des Meisters vom gelben Stein« oder der »Klassiker der Klarheit und Ruhe«.
Jeder einzelne Abschnitt wird – wie auch im ersten Band – fundiert eingeleitet: Autoren und Werke werden lebendig in ihrem historischen Zusammenhang und in ihrer Bedeutung. Eine Einführung in die klassischen chinesischen Denkformen von Konfuzianismus, Daoismus und Mohismus und ein ausführliches und informatives Glossar ergänzen den zweiten Band, der so auch ohne Kenntnis des ersten Bandes zu einem runden Lesegenuss wird.
Für die Sorgfalt in der Gestaltung, für die unermessliche Arbeit, die in der Auswahl und in den Übersetzungen steckt, und für die Tatsache, dass Freya und Martin Bödicker dieses neue kleine, aber reichhaltige Schmuckstück zu einem erschwinglichen Preis anbieten, sei ihnen gedankt. In einer Zeit, in der die chinesische Denkweise im Westen den Bereich der exotischen Liebhaberei verlassen hat, enthält dieses Buch viele Inspirationen für alle Menschen – ob sie nun Taijiquan üben oder nicht.