TQJ 2/2019

Rezensent:
Georg Patzer

Chen Jumin:
Shaolin Yi Zhi Chan. Buddhistisches Finger-Zen-Qigong
Kolibri 2018, 92 Seiten in Spiralbindung, 1 Poster, € 29,80
ISBN 978-3-928288-86-6

Chen Jumin ist im deutschsprachigen Raum wohl einer der bekanntesten Lehrer für Qigong und Yiquan – das sowieso nicht besonders oft unterrichtet wird. Nun gibt es ein neues Buch von ihm, über Yi Zhi Chan, genauer NeiJin YiZhi Chan, übersetzt »Meditative Zen-Übung für innere Jin-Kraft mit einem Finger«. Es ist eine besondere Übungsmethode der Qigong-Schule des Süd-Shaolin in Fujian und wird neben dem Zhanzhuang, der »Stehenden Säule«, und bewegten Qigong-Übungen unterrichtet. Mit dem Ziel, die Durchlässigkeit der Leitbahnen, die Zirkulation von Qi und Blut, die funktionelle Regulation der inneren Organe und das dynamische Gleichgewicht von Yin und Yang zu erreichen.

Es ist ein reines Übungsbuch, das, selten in Qigong-Büchern, ohne ausführliche Yin/Yang- und Wandlungsphasentheorie (oder das, was dafür gehalten wird) auskommt. Und so geht es sofort mit dem »körperwärmenden Qigong« los. Dantian beziehungsweise Arme mit dem Dantian schwingen, Dantian massieren, dann Dantian folgen, drehen, pressen, heben, ziehen, reiben und biegen – Dantian mahlen ist der Abschluss. Man steht dabei recht breit und wenn man sie zum Aufwärmen und damit zügig je zehnmal in jede Richtung gemacht hat, spürt man die Wirkung tatsächlich schon ziemlich gut.

Jetzt kommen die eigentlichen Fingerübungen, es ist ein präzises Strecken der Finger, die Chen Jumin bestimmten Leitbahnen zuordnet und damit bestimmten Heilwirkungen – dem Daumen die Lunge, dem Mittelfinger seltsamerweise ungenau »Erkrankungen diverser innerer Organe« und dem Ringfinger »Erkrankungen des Urogenitalsystems«. Danach folgt bewegtes Qigong: »Den Mond umarmen«, »Die Hände kreuzen«, »Den Ball tragen« – das werden viele so oder ähnlich aus der eigenen Praxis kennen.

Die Übungen sind, wie bei so vielen Qigong-Büchern, allesamt nichts Besonderes und auch nicht neu, ich habe ein Buch von 1986, in dem sie auch schon stehen. Praktisch ist dieses Handbuch wohl vor allem für Chen Jumins Schülerschaft als Gedächtnisstütze. Aber man kann die Übungen auch ohne seine persönlichen Anleitungen nachüben, denn sie sind einfach und genau beschrieben. Bestechend sind die schönen und deutlichen Fotos, und sehr praktisch ist das beigelegte Poster. Mit Zen hat das allerdings gar nichts zu tun.