TQJ 4/2000

Inhaltsverzeichnis

Zur derzeitigen Situation des Qigong in China – Ein Erlebnisbericht
Von Petra Hinterthür
Petra Hinterthür hat in diesem Sommer sehr eindringlich erlebt, wie sich die Situation für Qigong-Praktizierende in der VR China verändert hat. Als Folge der Auseinandersetzungen um die Falun-Gong-Bewegung wurden zahlreiche Qigong-Systeme verboten, Qigong-LehrerInnen, -Kliniken und -Ausbildungsstätten werden strengen Kontrollen unterzogen. In der allgemeinen Atmosphäre von Einschüchterung und Unsicherheit war ihre Qigong-Reise eher von Stress als von Entspannung geprägt.

Die Einheit von Shen, Xin und Yi – Über das Zusammenwirken der verschiedenen Ausdrucksformen des Bewusstseins
Von Zhang Chang Chang 
In der chinesischen Sprache und auch im Qigong werden mit Shen, Xin und Yi verschiedene Aspekte des menschlichen Bewusstseins bezeichnet. Xin, das sowohl das Herz im engeren als auch in weiterem Sinne das Wesen eines Menschen, seinen Charakter, Gefühle und Intuition meint, bildet dabei die Basis. Zhang Chang Chang entschlüsselt die wechselseitigen Wirkungen, die die geistigen Aktivitäten, die Gefühle und Gedanken aufeinander ausüben. Eine Weiterentwicklung im Qigong geht mit Aufrichtigkeit einher, damit dass überflüssige Gedanken und Begierden nachlassen, das Herz ruhig und so der Geist der Intuition greifbar wird.

Wie entsteht Gesundheit? – Das Modell der Salutogenese beschreibt Aufgaben für Qigong und Taijiquan
Von Christian Auerbach
»Das Schädliche vertreiben und das Stärkende stützen« ist ein bekannter Leitgedanke des Qigong. Wenn es um Argumente geht, warum Qigong in unserem Gesundheitssystem nützlich sein kann, wird oftmals das Schwergewicht auf die »Vertreibung des Schädlichen«, die Heilwirkung insbesondere von medizinischem Qigong gelegt. Christian Auerbach plädiert hingegen für eine stärkere Beachtung der gesundheitsfördernden Aspekte. Er bedient sich dabei des Salutogenesemodells, mit dem die im Menschen selbst angelegten Fähigkeiten zu Selbstorganisation und Selbsthilfe untersucht und dargestellt werden. Den Kern dieser Widerstandsressourcen bildet nach Ansicht von Aaron Antonovsky, einem der Begründer dieser Wissenschaftsrichtung, ein »Sinn für Zusammenhänge« (sense of coherence), der dem Menschen Vertrauen in sich, den Sinn des Lebens und seine salutogenen Ressourcen verleiht. Der vielfältige Erfahrungsschatz des Qigong bietet sich hier als Unterstützung geradezu an.

Das Skelett: Im geheimen Dienst des Taijiquan –  Eine Betrachtung der Körpermechanik
Von Ömer Humbaraci
Ömer Humbaraci sieht einen entscheidenden Lernschritt im Taijiquan darin, sich mit den physikalischen Eigenschaften des Skeletts zu beschäftigen. Eine genaue Betrachtung dieser körpermechanischen Ebene ermöglicht es, die Kraftübertragung im Körper zu optimieren. Zur Einführung in dieses komplexe Thema und als Anregung zu eigener »Forschung« hat sich der Autor auf einige elementare Aspekte beschränkt. Der Vergleich zwischen Bogenkonstruktionen in der Architektur und der Stellung von Beinen und Becken zeigt deutlich, wie kleine Unterschiede die gesamte Statik verändern.

Unermüdlich üben und dabei nicht den Spaß verlieren – Ein Portrait von Wee Kee Jin
Von Daniel Grolle-Moscovici
Wee Kee Jin war der letzte persönliche Schüler des Taiji-Lehrers Huang Xiangxian, der als Schüler von Professor Zheng Manqing in Malaysia und Singapur zahlreiche Schulen leitete. Wee Kee Jin hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, sein eigenes Können nach besten Kräften zu entwickeln und das Erbe seines Lehrers an Lern- und vor allem Übungswillige weiterzugeben. Die »Basics« stehen dabei immer im Vordergrund seines Unterrichts. Daniel Grolle-Moscovici hatte Wee Kee Jin für Workshops nach Hamburg eingeladen. Aufgrund dieser nahen Begegnung und seiner Erfahrungen aus Seminaren stellt er diesen eifrigen Lehrer vor.

Eine weit verzweigte Familie – Die Entwicklung der verschiedenen Richtungen innerhalb der Chen-Familie
Von Dietmar Stubenbaum
Es gibt immer wieder unterschiedliche Darstellungen über die Geschichte des Taijiquan. Dietmar Stubenbaum hat wesentliche Passagen aus den Aufzeichnungen der Chen Familie zusammengetragen, die über einige ihrer bedeutenden Mitglieder Auskunft geben. Sein Lehrer Chen Peishan klärt ergänzend geläufige Irrtümer auf. Die unterschiedlichen Bezeichnungen für Formen und Stilausprägungen im Chen-Taijiquan führen häufig zu Verwirrung. Diese wird noch dadurch verstärkt, dass manche Begriffe verschieden benutzt werden. Dietmar Stubenbaum, der selbst mehrere Richtungen des Chen-Stils erlernt und eine Reihe namhafter Meister in China und auf Taiwan getroffen hat, erläutert die Zuordnung von Dajia und Xiaojia, Laojia und Xinjia sowie Zhaobao-Taijiquan und Huleijia.

Die Theorien der alten Meister im eigenen Üben nachvollziehen – Über die Prinzipien des Wu-Taijiquan
Von Ma Jiangbao
Ma Jiangbao ist Enkel des Wu-Stil Begründers Wu Jianquan und unterrichtet in Europa auf der Basis dieser Familientradition. In seinem Beitrag zu unserer Reihe über die Taiji-Prinzipien betrachtet er die drei Bereiche des Formtrainings, des Tuishou und der Theorie, welche dem eigenen Lernen die Richtung weist. Er betont die Bedeutung einer korrekten Körperhaltung, bei der Steißbein, Rücken, Nacken und Kopf eine Linie bilden, und der tiefen Konzentration, die für eine harmonische Ausführung der Form notwendig ist. Diese Haltung innerer Ruhe sollte nicht durch Gedanken über eine korrekte Ausführung gestört werden. Ma Jiangbaos Richtlinien für das Tuishou sind ganz am Yin/Yang-Prinzip orientiert: Überwinde Härte mit Weichheit, begegne der Offensive mit Ruhe, überwinde den Gegner mit weniger Kraft, aber besserem Können, weiche zurück um vorzudringen, kreisförmige Bewegungen.

Yin und Yang in der Schule – Die Energetik des Schulalltags und Perspektiven für einen Einsatz von Qigong
Von Joachim Stuhlmacher
Von vielen Seiten wird Kritik an unserem heutigen Bildungssystem geäußert. Mangelnde Effizienz, orientierungslose SchülerInnen, ausgebrannte LehrerInnen … – es gibt wenig konkrete Lösungsansätze für die offenkundigen Probleme. Joachim Stuhlmacher, der als Qigong-Lehrer seit Jahren Fortbildungsseminare für Lehrer hält, nutzt das Modell von Yin und Yang, um zu einem tieferen Verständnis der vorherrschenden Konstellationen zu kommen. Die teilweise extreme Unausgewogenheit, etwa zwischen geistigen und körperlichen Anforderungen, zwischen Anspannung und Ruhe, aber auch zwischen der Yang-betonten Energie der SchülerInnen und der Yin-betonten der Lehrkräfte, ist verantwortlich für massive Energieverluste. Qigong kann eine Möglichkeit bieten, diese Zusammenhänge leichter wahrzunehmen und in vielen Bereichen einen Ausgleich zu schaffen.

 

Events

Taijiquan-Festival in Spanien
Ein Rückblick von Wilhelm Mertens

Deutsche Qigong-Tage
Ein Rückblick von Helmut Oberlack und ein Interview mit Wang Guangde von Paul Shoju Schwerdt
>> Rückblick lesen (Der Link führt zu einer älteren Website)

Konferenz der National Qigong Association (USA)
Ein Rückblick von Ronnie Robinson
>> Deutsche gekürzte Fassung lesen | >> Britisches Original lesen
(Beide Links führen zu einer älteren Website)

Tao Camp in Slowenien
Ein Rückblick von Marek Balinski

TQJ 4/2000

November 2000 – Januar 2001