TQJ 3/2005

Inhaltsverzeichnis

 

Editorial

Kolumne von Hans-Peter Sibler

Diskussion

Aktuelles

Veranstaltungskalender

 

Ordnung muss sein!? – Zur aktuellen Situation des Qigong in China
Interview mit einer Delegation der Chinese Health Qigong Association
Im Mai diesen Jahres kamen Vertreter der Chinese Health Qigong Association nach Deutschland, um die von offizieller Seite propagierten neuen Standardformen vorzustellen. Diese sind auf der Basis von Quellenforschung und sportmedizinischen Untersuchungen überarbeitete Varianten der »Acht Brokate«, des »Spiels der fünf Tiere«, des Yijinjing und der »Heilenden Laute«. Beim anschließenden Interview mit dem TQJ wurde deutlich, wie drastisch alle Qigong-Aktivitäten seit den Protesten der Falun-Gong-Anhänger eingeschränkt wurden. Alle Unterrichtenden mussten sich von der eigens gegründeten Behörde registrieren und überprüfen lassen und es gibt inzwischen für alle Bereiche Vorgaben in Bezug auf Qualifikation, Räumlichkeiten und Gruppengröße. Um dem allgemeinen »Wildwuchs« entgegenzuwirken, wurden in Forschungsgruppen traditionelle Formen standardisiert, um sie dann in China und auch im Ausland zu verbreiten.

»Das Dao erreicht, wer Yin und Yang miteinander harmonisiert« Die acht Trigramme und die 64 Hexagramme bezogen auf die Schiebenden Hände.
Von Jan Silberstorff
Aus der undifferenzierten Einheit des Wuji entstehen Yin und Yang und aus deren Interaktion die 10.000 Dinge. Diese Entwicklung wird detaillierter in den »vier Bildern«, den acht Trigrammen und den 64 Hexagrammen dargestellt. Die darin reflektierte Entstehungsgeschichte der Welt lässt sich auch in den Bildern der christlichen Mystik oder den Erkenntnissen der Physik wiederfinden. Jan Silberstorff entwirft in seinem Artikel aus dem Zusammenspiel von Yin und Yang Leitlinien für die Entwicklung im Tuishou, wo es im Wesentlichen darum geht, die eigene Energie und die des Gegenübers immer differenzierter wahrzunehmen und dann auch einzusetzen. Ob es bei einer Auseinandersetzung zu einem Kampf kommt oder schon beim ersten Kontakt klar ist, wer unterliegt, hängt in seinen Augen davon ab, wie groß bei den Kontrahenten der Unterschied in der Sensibilität für die energetischen Prozesse ist. Wer über unermüdliches Training letztlich zu einer vollkommenen Harmonie von Yin und Yang findet, tritt wieder in den Wuji-Zustand ein.

Es ist nie zu spät, etwas zu verändern – Portrait der Tanztherapeutin Fe Reichelt
Von Christel Sperlich
Die Tanztherapeutin Fe Reichelt arbeitet mit wesentlichen Grundprinzipien, die wir vom Qigong kennen. Dabei wurde sie geprägt durch ihre Kindheit in China und die Bekanntschaft mit chinesischer Philosophie, insbesondere dem Yijing. Eigentliches Qigong lernte sie erst kennen, als sie bereits ihre eigene Methode im Tanz und als Therapeutin entwickelt hatte, fand darin jedoch ihre Erkenntnisse bestätigt. Christel Sperlich stellt die gerade 80 Jahre alt gewordene Fe Reichelt als überaus lebendigen und dynamischen Menschen vor. Ihre Arbeit ist eng verbunden mit einer bewussten Wahrnehmung der Atmung, kreisförmigen Bewegungen und der Philosophie von Yin und Yang.

Den Prinzipien verpflichtet
Das Taijiquan nach Ma Tsun-Kuen Interview mit Fernando Chedel
Ma Tsun-Kuen kam als Emigrant 1973 nach Argentinien, wo er seine persönliche Auffassung vom Taijiquan, das er zunächst von einem daoistischen Mönch gelernt hatte, an eine kleine Gruppe von Schülern weitergab. Angelehnt an die Formen des Yang-Stils ist dieses Taijiquan stark an realistischen Anwendungen orientiert. Fernando Chedel, der die Schule von Ma Tsun-Kuen als Linienhalter fortführt, erzählt im Interview mit Luce Condamine, wie er seinen Lehrer kennen lernte und sofort von dessen Fähigkeiten beeindruckt war. In Bezug auf die Besonderheiten des Taijiquan und seine Unterrichtsschwerpunkte betont er, dass zu einem Gleichgewicht von Yin und Yang auch langsam und schnell, Nachgeben und Vordringen sowie weich und hart gehören und es auf die stetigen Wandlungen ankommt.

Die Seele verlässt den Körper
Von Xu Mingtang, bearbeitet von Joachim Stuhlmacher
Im Qigong bewegen wir uns zumeist auf der körperlichen und der geistigen Ebene, der Bereich der Seele wird seltener thematisiert. Xu Mingtang, der als Qigong-Lehrer und -Heiler international tätig ist, betont gerade die Entwicklungsmöglichkeiten, die sich auf seelischer Ebene bieten. Nachdem er bereits als Kind Erscheinungen von Toten hatte, fand er durch tiefe Meditation einen Weg, um bewusst den eigenen Körper zu verlassen und als Seele zu reisen. Dadurch wurden ihm außergewöhnliche Erfahrungen und Erkenntnisse zuteil. Um auch anderen diese Möglichkeit zu eröffnen, ist die Übungsweise des von ihm vermittelten Zhongyuan Qigong darauf ausgerichtet die Sinneswahrnehmung zu vertiefen, vollkommene Stille zu erreichen und die Sondermeridiane Zhongmai und Hunmai zu öffnen, damit die Seele bewusst aus dem Körper austreten kann.

Taiji Bailong Ball – Ein Ballspiel nach Taiji-Prinzipien
Interview mit Professor Bai Rong
Aus Erfahrungen mit Taijiquan und als Boxtrainer entwickelte der Professor für Sportwissenschaft Bai Rong das Taiji-Bailong-Ballspiel, das in China bereits von vielen Menschen jeden Alters geübt wird. Beim Einzelspiel geht es im Wesentlichen darum, einen Ball mit einem Schläger so in runden Bewegungen zu führen, dass er nicht zu Boden fällt. Schläger und Ball sind so konstruiert, dass dies am ehesten durch kreisförmige Bewegungen aus der Mitte gelingt, so dass eine Taiji-typische Bewegungsweise gefördert wird. Beim Spiel von zwei oder mehreren Personen ist besonders das weiche Aufnehmen des Balls, bevor er wieder abgegeben wird, auffällig. Jan Leminsky befragte den Begründer dieser neuen Sportart nach deren Entwicklung und Besonderheiten sowie nach seinen weiteren Plänen.

 

Events

5. Österreichische Taiji-Quan- und Qigong-Tage 
22. bis 24. April 2005 auf Schloss Schielleiten, Stubenberg am See (A)
Von Almut Schmitz

2. Daoyin Yangsheng Gong Symposium 
19. bis 22. Mai 2005 in Porto (P)
Von Stefanie Stoll und Martin Pendzialek

10. Tai Chi Caledonia 
10. bis 17. Juni 2005 in Stirling (UK)
Von Karsten Jaspersen

 

Rezensionen

Kurskalender

Branchenbuch

 

TQJ 3/2005
August – Oktober 2005

Zhen

Das Erbeben, Zhen: Erschüttern, aufrütteln, anregen, inspirieren; Ehrfurcht, erschrecken, zittern; die Erschütterung einer Befruchtung. – Ideogramm: Erregen und Regen.
Von den Farben ist dem Trigramm »Das Erbeben« Grün zugeordnet, die Farbe der knospenden Vegetation. In der Familie der Trigramme steht es für den erstgeborenen Sohn.
Sein Symbol ist der Donner, Lei: Aufsteigende, erregende Kraft; nach chinesischem Verständnis steigt der Donner aus der Erde auf und begegnet dem Blitz, der vom Himmel herunterkommt.
Sein Vorgang ist Erregen, Dong: Bewegen, beeinflussen, betreffen; arbeiten, Schritte unternehmen; aus dem Ei oder der Knospe hervorkommen.

Quelle: Rudolf Ritsema/Hansjakob Schneider (Hrsg.): »Eranos Yi Jing (I Ging). Das Buch der Wandlungen«, O. W. Barth 2000