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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden


Qigong als Functional Training / TQJ 1-2017

Alfonso Losa: »Ein starker Rücken mit Functional Qi Gong«
Studio: WVG Medien GmbH, 2016, 151 Minuten

Alfonso Losa, Schauspieler, Fitness-Trainer und Qigong-Lehrer, hatte augenscheinlich die Idee, seine Kompetenzen zu bündeln. So entstand seine inzwischen zweite Qigong-DVD »Ein starker Rücken mit Functional Qigong«, in der er sein eigenes Programm, das, wie der Titel schon sagt, Functional Training mit Qigong zusammenbringen soll, auch selbst vorstellt.

Die DVD ist gegliedert in den Hauptteil »Workouts«, ein zusätzliches Kapitel »Kochen«, in dem der Ernährungsberater Losa unter anderem Rezepte für Smoothies, Porridge und Pasta nach der »5 Elemente-Ernährung« vorstellt, und schließlich die »Extras«. Im Hauptkapitel »Workouts« folgen auf das »Warm Up« drei (teilweise) verschiedene Workouts und zum Schluss eine »Wirbelsäulenlockerung«, jeweils einmal mit Erklärung und einmal nur mit Musik. Der Versuch einer Synthese von Qigong und Functional Training als dem »State of the Art« westlich-sportmedizinischer Trainingslehre ist an sich sehr zu begrüßen. Der vorliegende Versuch scheint mir aber in mehrerlei Hinsicht verbesserungsfähig.

Bei den »Erklärungen« handelt es sich ausschließlich um Übungsanweisungen. Solche sind natürlich unverzichtbar, aber dass hier keinerlei detaillierte Informationen über das Konzept und die Verbindungspunkte der jeweiligen östlichen und westlichen Trainingsprinzipien gegeben werden, ist schon ein ziemlicher Wermutstropfen. Das Gesamtkonzept bleibt undurchsichtig und damit auch unüberprüfbar – wir müssen uns blind auf die Behauptungen Alfonso Losas verlassen. Hierzu gehört auch, dass an keiner Stelle darauf eingegangen wird, aus welchen Zusammenhängen die Qigong-Übungen stammen beziehungsweise aus welchen Qigong-Übungen die gezeigten Übungen entwickelt wurden.

Die Vermutung, dass es sich größtenteils um Übungsgut aus den modernen standardisierten Übungsreihen Yijinjing und Baduanjin der Chinese Health Qigong Association, aus dem Shibashi sowie bei der Wirbelsäulenlockerung um eine Variante des Chanmigong handelt, wird durch eine kurze Recherche bestätigt. Alfonso Losa nennt »den Zen Mönch Dokuho« als seinen Lehrer. Auch wenn Dokuho Josef Meindl (München) in einer Zen-Linie ordiniert ist, entspricht er nicht den mit »Zen-Mönch« verbundenen Assoziationen.

Die in der DVD gegebenen Übungsanleitungen selbst sind im Großen und Ganzen stimmig bis auf zwei – allerdings wichtige – Details: Erstens fordert Alfonso Losa auf, beim tiefen Stehen den Po nach hinten rauszustrecken; das ist ein Übungsprinzip, das im Muskelaufbautraining tatsächlich angeraten ist, im Qigong aber dem grundlegenden Prinzip »Öffnung des Mingmen« (durch Hängenlassen der Lendenwirbelsäule) widerspricht. Zweitens gibt er wiederholt die Anweisung, während des Übens immer die Bauchspannung aufrechtzuerhalten, indem man den Bauchnabel zur Wirbelsäule zurückzieht. Auch diese Anweisung, die zwar für ein Training der Core-Muskulatur sinnvoll ist, darf man nicht einfach so auf das Qigong übertragen, ohne gegen grundlegende Prinzipien zu verstoßen.

Der erfreulichste Teil der DVD ist für mich die kurze Meditationsanleitung in den Extras. Unprätentiös und bodenständig führt Alfonso Losa durch eine einfache Sitzmeditation und konzentriert sich dabei auf das Wesentliche. Für den Hauptteil »Functional Qigong« gilt allerdings: Man hätte aus dem interessanten Thema mehr rausholen können.
(Markus Maria Wagner)

 

Verführung zum Taiji-Üben / TQJ 2016

Andreas W Friedrich: »Tai Chi. Personal Training«
Weltbild 2015, 78 Seiten, mit Lehr-DVD, 9,99 EUR, ISBN 978-3-8289-4397-1

Der Untertitel »Personal Training« ist offensichtlich nicht die Wahl des Autors. Der Weltbildverlag hat eine Reihe herausgebracht unter diesem Titel. Nun also auch zu Taijiquan. Ein dämlicher Titel – seit wann kann ein Buch (selbst mit DVD) ein »Personal Trainer« sein? Na, sei’s drum … Ähnlich sachlich kompetent erwies sich der Verlag, als er, so ließ mich der Autor wissen, auf der gemischten Schreibweise Tai Chi Quan bestand, weil man wohl meinte, das sei kundenkompatibler.

Andreas W Friedrich, den wir zu den Pionieren des Taijiquan in Deutschland rechnen dürfen, scheint es hauptsächlich um eins zu gehen: Menschen mit dem »Taiji-Virus« zu infizieren, damit sie – wie er – die Freude an diesem Übungsweg entdecken. Der Weltbildverlag mit seinen niedrigpreisigen Lizenzdrucken ist da ein guter Verteiler.

Das Buch wird mit ganz persönlichen Worten eingeleitet: Was ist für den Autor wohl das Wichtige am Taijiquan? Ein kleiner (fiktiver?) Dialog, der gut einstimmt, weil er die persönliche »Stimme« von Andreas Friedrich einführt, seinen integralen Zugang, seine Idee von Genuss und Spielfreude auf einem Übungsweg, der gerne lang sein darf … Dieser persönliche Blickwinkel wird nicht verborgen und zieht sich durchs ganze Buch.

Nach gut 15 Seiten Allgemeinem zu Theorie und Praxis – durchaus ausreichend für eine Einführung – kommen neun grundlegende Übungen etwa zu Haltung, Stand, Gewichtsverlagerung und Zentrumsbewegung. Den Hauptteil des Buches bildet eine kurze Form, die der Autor aus dem klassischen Yang-Stil entwickelt hat. Er nennt sie die »neue, integrale Kurzform 12x4direkt«. Sie hat insgesamt 48 Bewegungen und wird in zwölf Lektionen à vier Bewegungen geübt. Die vier Bewegungen werden in zwei Yin-Yang-Paare eingeteilt. Als Bonus gibt es einen kleinen Anhang, der illustriert, wie Taijiquan-Partnerarbeit aussehen kann.
Alle Anleitungen sind mit Fotos illustriert, die mir aus der beigefügten Übungs-DVD entnommen zu sein scheinen. Im Druck kommen sie nicht so deutlich rüber wie auf dem Bildschirm. Und die kurzen Texte haben mich mal wieder darin bestätigt: So kann man keine Taiji-Form lernen. Die Bewegungsabläufe sind zu komplex, um sich mit einem Foto und zehn Zeilen beschreiben zu lassen. Aber das Buch scheint mir hier eher wie ein dickes Booklet gedacht zu sein. Das eigentliche Lernmedium soll die DVD sein. Die Form wurde extra so entwickelt, dass sie immer in dieselbe Richtung weist (inklusive der Diagonalen), damit Übende den Blick auf dem Bildschirm halten können – den virtuellen Lehrer also immer vor Augen.

Aber auch das scheint mir nur bedingt tauglich. Die DVD zeigt die Vorübungen zwar in wirklich schöner Ausführlichkeit, Andreas Friedrich erläutert klar und einladend. Doch die Form wird nur zweimal (einmal verbal kommentiert, einmal mit Musik unterlegt) frontal vom Autor gezeigt. Das ist schon der ganze »Unterricht«.

Doch ich billige dem Autor, dessen Begeisterung für Taijiquan unverkennbar und ansteckend ist, zu, dass er das weiß und es ihm darum auch nicht geht. Mir scheint, er möchte vielmehr einen Funken zünden, eine Lust wecken – niedrigschwellig (Buch und DVD unter 10 Euro) möglichst vielen Menschen eine Idee und einen Zugang geben – zum Taijiquan verführen. Das macht das Buch mit DVD ganz gut. Also: Buchempfehlung für Neugierige, Anfänger und Infizierbare.
(Dietlind Zimmermann)

 

Enzyklopädische Lehrvideothek / TQJ 3/2013

Andrew Dabioch und Ingo Schmidt: »Lehr-DVDs für Taijiquan, Qigong, Kungfu und Xingyiquan«
Tao Academy, derzeit 72 Titel für Taijiquan, 36 Titel für Qigong und 4 Titel für Xingyiquan. Laufzeit ca. 24 bis 100 Minuten, Preise ca. 10 bis 41 Euro.

Laufende Jubiläumsrabattaktion von 30 %, Vertrieb über www.tao-academy.de
Als Andrew Dabioch 1992/93 begann seine Lehrvideothek aufzubauen, gab es das »Genre« Lehrvideo in unseren Künsten gar nicht wirklich. Es gab eher wackelige Videomitschnitte von irgendwelchen Meistern, die irgendetwas vormachten. Nicht nur, dass Andrew Dabioch sich damals, zusammen mit seinem Kompagnon Ingo Schmidt, vornahm, technisch das Bestmögliche anzubieten – es sollten auch »echte« Lehrvideos sein. Und man muss sagen: Er hat damit einen Standard gesetzt, der sich auch heute noch sehen lassen kann.

Auf meine Anfrage, etwas aus seiner Lehrvideothek zu besprechen – ich bat um zwei DVDs zu der 88er Sanshou-Form des Yang-Stils – bekam ich außerdem eine DVD zur 12er Reihe Tan-Tui-Stil, Solo und Partnerform des Nord-Shaolin Kungfu zugesandt und eine DVD zu den Fünf-Wandlungen-Partnerformen des Xingyiquan. Deshalb nehme ich heute die Lehrvideothek als Ganzes in den Blick.
Am wenigsten überzeugt mich das Kungfu-Video, eines der frühsten aus der Produktionsreihe, obwohl es vor kurzem neu aufgenommen wurde. Andrew Dabioch zeigt solo und dann zusammen mit Ingo Schmidt alle zwölf Formen – kommentarlos. Man sieht alles gut. Aber: Was ist daran das Lehrvideo?

Der Standard, den ich zuvor meinte, ist hier nicht sichtbar. Ich kenne ihn aber aus Videos zu Säbel- oder Stockformen des Yang-Stil Taijiquan und finde ihn auf den DVDs zur Sanshou-Form wieder, ebenso auf der zum Xingyiquan: Diese – und das scheint mir für die Mehrheit der DVDs dieser Lehrvideothek zu gelten – sind folgendermaßen aufgeteilt: Die im Hauptmenü angegebenen einzelnen Lehrabschnitte differenzieren sich in der Regel noch in 1. Darstellung, 2. Lehrteil, 3. Übungsteil.

Die Menüführung ist nicht auf allen DVDs gleich, aber man kapiert schnell, wie man was ansteuern kann. So kann man entscheiden, welches Angebot im jeweiligen eigenen Übungsstadium sinnvoll ist, und es schnell auffinden. An solchen »Kleinigkeiten« sieht man, dass Lernende und ihre Bedürfnisse bei der Konzeption bedacht wurden.

Unter dem Punkt »Darstellung« wird einmal der Gesamtablauf der in diesem Programm zu lernenden Form(en) vorgeführt. Dies meist sowohl verlangsamt als auch in flüssiger/schneller Form. Auf gleiche Weise wird der jeweilige Abschnitt, der erlernt werden soll, dargestellt.

Im »Lehrteil« wird der einzelne Abschnitt gezeigt, nun aber sehr verlangsamt. Wenn nötig, halten die Vorführenden auch in der Bewegung inne – um Übergänge oder einzelne Aspekte erkennbar werden zu lassen. Und Andrew Dabioch gibt dazu mündlich verschiedenste kurze Erklärungen. Er beschreibt, was er tut, er zeigt und spricht von möglichen Varianten in der Anwendung und erläutert gegebenenfalls Hintergründe, zum Beispiel warum welche Bewegung einer bestimmten Wandlungsphase zugeordnet ist und wie diese mit einer anderen ineinandergreift.
Der »Übungsteil« lädt ein, nun »gemeinsam« zu üben. Wieder wird vorgeführt, relativ langsam und Bewegung für Bewegung, wieder hören wir Andrews Erläuterungen. Es ist für mich nicht wirklich zu erkennen, was den eigentlichen Unterschied zwischen dem Lehr- und dem Übungsteil ausmacht. Die Unterteilung scheint mir weniger einer methodisch genauen Differenzierung zu folgen, als dem Ablauf eines klassischen Unterrichts in der Gruppe: 1. der Lehrer zeigt, 2. er erläutert, was er zeigt, und 3. er lässt alle mitmachen, während er zeigt und erläutert.

Auf den DVDs, die ich jetzt erhielt, war die Kameraeinstellung statisch, also der Blickwinkel auf die Vorführenden nahezu gleichbleibend, damit waren rückwärtige Hand- oder Schrittstellungen nicht immer optimal zu sehen. Vielleicht ließe sich hier noch etwas optimieren.

Wer ist dieser »Lehrmeister«, wie Andrew Dabioch sich selbst nennt, der uns auf inzwischen über 116 DVDs sowohl Gongfu als auch Taijiquan, Qigong und nun auch Xingyiquan näher bringen will? Von wem hat er dies alles gelernt, aus welchen Quellen schöpft er? Wir erfahren darüber wenig, nur dass er alle diese Künste einmal erlernt hat und »1982 vor deutschen und chinesischen Meistern« seine Meistergraduierung empfing.

Was man angesichts dieser erstaunlichen Videothek sicher sagen kann: Hier hat sich ein westlicher Lernender mit absoluter Hingabe auf den Weg gemacht, schon vor langer Zeit. Und was er nicht im persönlichen Kontakt lernen konnte, hat er gesucht – und vieles gefunden. Denn so eine Sammlung braucht einen unermüdlich Sammelnden – einen, der nach allen Quellen forscht, die er finden kann. Und sich im Praktizieren zu eigen macht, was er findet. Mit seiner Videothek hat er anderen, die ähnlich auf der Suche sind, viel Mühe erspart: Er bietet seine Funde gut aufgearbeitet an, er teilt sie mit uns.

Ob sich damit einlöst, was er auch als Ziel dieser Videothek formuliert, nämlich dass man damit nun unabhängig von Lehrern lernen könne? Ja und nein. Unsere Übungswege bestehen aus einer Yang- und einer Yin-Seite: aus äußeren Formen und Übungen und inneren Prozessen. Für Ersteres sind gut und nachvollziehbar dargestellte Formabläufe eine wunderbare Stütze. Für das Zweite wird es immer der Begleitung durch eine Lehrperson bedürfen, jemanden, der oder die die im Übungsweg zu entfaltenden Prozesse in sich entwickelt und den Weitblick hat, die Lernenden in ihrer Ganzheit zu sehen und zu begleiten.
Für alle in erster Linie nach Übungsmaterial Suchenden halte ich die geradezu enzyklopädische Lehrvideothek von Andrew Dabioch und Ingo Schmidt für eine wahre Fundgrube.
(Dietlind Zimmermann)

 

Taijiquan über ein Jahrzehnt

Andreas W Friedrich: »Die Tai Ji Kurzform in 16 Sequenzen«
Institut für Integrales Tai Ji Quan & Qi Gong 2011, DVD ca. 70 Min., 25 Euro (UVP), ISBN 978-3-942830-02-7

Die Kurzform in 16 Sequenzen ist zwar nicht sehr verbreitet, aber eine schöne drei- bis vierminütige Einstiegsform in den Yang-Stil. Andreas W Friedrich unterrichtet sie schon seit vielen Jahren und hat sie bereits 1998 auf einem Video veröffentlicht.
Die neue DVD ist die siebte und umfangreich überarbeitete Auflage. Sie enthält zu Beginn den Lehrteil des Videos von 1998. Nach einer allgemeinen Einleitung folgt eine gelungene Vermittlung der Grundlagen. In ruhiger und klarer Weise erläutert Andreas Friedrich Stand, Handhaltungen und Schritte. Im anschließenden Teil mit der Vermittlung der Form wird diese in fünf Abschnitte untergliedert aus zwei Perspektiven gezeigt, von vorne (spiegelverkehrt) und von der Seite. Dann wird die Form »richtig« gezeigt, flüssig hintereinander. Das Ende des ersten Teils der DVD zeigt die Form von oben – mal eine außergewöhnliche und interessante Perspektive.

Im zweiten Teil zeigt Andreas Friedrich die Form viermal aus verschiedenen Perspektiven, aufgenommen 2011 in seinem Studio. Dazu gibt er keine Erklärungen mehr, die den formalen Ablauf der Form betreffen, sondern »Leitsätze« zum Üben, die Haltung, Struktur, Aufmerksamkeit, Energiefluss betreffen.

Der dritte Teil zeigt drei Ausschnitte aus seiner »Kunst des Stehens«. Dabei wechselt er zwischen verschiedenen Standpositionen ohne jegliche Erklärung. Als »Bonus« gibt es noch Einblicke in das umfangreiche Lehrangebot mit Ausschnitten von Formen, Kampfkunstübungen und Tuishou sowie einer Kontaktform und freiem Kampf.

Es ist schon etwas schade, das bei der »Kunst des Stehens« und auch bei den Kampfkunstübungen keinerlei Erläuterungen aufgenommen wurden. So bleiben sie »irgendwie unerklärt im Raum stehen«. Andererseits habe ich versucht, diese »sprachlosen« Teile als besondere Herausforderung für meinen »Spürsinn via Augen« aufzufassen, der beim wiederholten Anschauen auch besser wurde. Dennoch: Auf einer DVD erwarte ich Erklärungen zu dem, was ich dort sehe.
Alles in allem eine sehr gelungene DVD, die Aufnahmen sind gut durchdacht und gemacht, die Erklärungen sind von Andreas Friedrich selbst und sehr angenehm gesprochen. Die 16er Kurzform wird gut und aus mehreren Perspektiven vorgestellt und kann so von jedem mit Taiji-Erfahrung verstanden werden.
Und ein netter Nebeneffekt dieser DVD ist, dass sie Andreas Friedrich aus verschiedenen Jahren zeigt und man nicht nur seine Veränderungen im Äußeren, sondern auch in der Art, sich zu bewegen, beobachten kann.
(Helmut Oberlack)

 

Körpermechanik beim Taijiquan

William C. C. Chen: »William C. C. Chen´s Body Mechanics of Tai Chi Chuan – A Workshop Documentation«
Tai Chi Studio Hannover 2012, DVD, 93 Minuten, Englisch

Nils Klug vom Tai Chi Studio Hannover hat eine neue DVD produziert. Sie zeigt Ausschnitte eines Workshops mit seinem Lehrer William C. C. Chen, aufgenommen bei einem Workshop in Hannover. Die DVD zeigt die wesentlichen Aspekte der Arbeit von William C. C. Chen. Dabei steht nicht die Form im Vordergrund, von ihr wird nur der erste Teil gezeigt.

In den einzelnen Kapiteln der DVD spricht William Chen zu den Themen Füße, Knie, Kua, Oberkörper, Finger, Kompression, Spiralen, Atmung, mentale Aspekte, Tui-shou, Anwendung und Boxen, wobei er sich immer wieder auf seinen Lehrer Zheng Manqing bezieht. Dabei erklärt er die grundlegenden Prinzipien und demonstriert sie mit entsprechenden Bewegungen, teilweise alleine, teilweise mit einem Partner.

Diese DVD gibt einen Einblick, wie William Chen Taijiquan und die Körpermechanik versteht und wie er in seinen Workshops unterrichtet. Hilfreich dabei ist auch das Stichwortverzeichnis, das eine kapitelübergreifende Suche ermöglicht. Aber natürlich kann man nicht erwarten, dass diese DVD ein vollständiges Bild seiner Arbeit zeigt.
Leider gibt es keine Übersetzung oder Untertitel in Deutsch, was allerdings ein großer produktionstechnischer Aufwand wäre. Doch glücklicherweise spricht William Chen ein recht gut zu verstehendes Englisch, so dass man ihm gut folgen kann. Hilfreich ist dabei auch die ruhige und klare Kameraführung. Dennoch ist es notwendig, Vorkenntnisse im Taijiquan zu haben und mit der Fachterminologie des Taijiquan vertraut zu sein.

Daher empfehle ich diese DVD nicht für AnfängerInnen, sondern entweder für SchülerInnen von William C. C. Chen, die zu Hause etwas nachschauen wollen, oder für erfahrene Taiji-SpielerInnen, die einen Einblick in seine Arbeit erhalten möchten.
(Helmut Oberlack)

Bezugsquelle: www.taiji-europa.de, Euro 29,99

 

Taijiquan und Atmung

Frieder Anders: »Das Innere Taijiquan – Mit dem individuellen Atemtyp zur eigenen Kraft finden«
Theseus 2011, 2 DVDs, 120 Min./185 Min., ISBN 978-3-89901-401-3

Frieder Anders beschäftigt sich schon seit Längerem mit der Verbindung von Taijiquan und Atmung. Er wendete die Lehre der Terlusollogie, die zwei Atem- beziehungsweise Konstitutionstypen, die Einatmer (lunar) und die Ausatmer (solar), unterscheidet, auf das Taijiquan an. Mit dem Atemtyp verändern sich Körperhaltung – der solare Typ zum Beispiel neigt sich leicht vor –, Gewichtsverteilungen und Bewegungsweisen.

Auf der ersten DVD gibt es zuerst eine kurze allgemeine Einführung in Taijiquan und in die Terlusollogie. Im Hauptteil sind Workshop-Situationen zu sehen, in denen Frieder Anders und seine Schüler »solar« und »lunar« verschiedene Partnerübungen ausführen, um die Unterschiede zu erfahren und zu spüren, auf welche Art man sich kraftvoller beziehungsweise effektiver bewegen kann. Frieder Anders geht hierbei auch auf die fünf Vertiefungsstufen Yin-Yang-Form, Zentrumsbewegungen, Armspirale (Qi-Form), Beinspirale und Halsspirale ein, für die er lunare und solare Bewegungsweisen zeigt. Im Anschluss werden die verschiedenen Atemweisen der beiden Typen gezeigt und in Partnerübungen getestet. Den Abschluss dieser DVD bilden Erfahrungsberichte von einigen SchülerInnen über das atemtypgerechte Üben, die berichten, wie sich ihr Taijiquan verbessert hat, seit sie in Übereinstimmung mit ihrem Atemtyp üben.

Die zweite DVD beinhaltet die Form. Zuerst wird sie gezeigt, jeweils in der lunaren und der solaren Weise, wobei nur die Namen der Bewegungen angesagt werden. Anschließend wird das noch einmal wiederholt, jetzt in die einzelnen Bilder zerlegt, die genauer erklärt und, wo notwendig, aus verschiedenen Perspektiven gezeigt werden. Erfreulicherweise zeigen jeweils sechs Personen die Form, so dass das Zuschauen interessanter wird.

Insgesamt geben die beiden DVDs einen guten Einblick in die Arbeit von Frieder Anders und ergänzen sein Buch zu diesem Thema. Experimentierfreudige Taiji-SpielerInnen können sich sicherlich daranmachen, die gezeigten Übungen auszuprobieren und die Unterschiede zwischen Ein- und Ausatmer zu testen. Allerdings bedarf dies schon etlicher Erfahrung. Die Übungen auf der ersten DVD sind immer nur angerissen, aber sie sind nicht für eine Lehr-DVD aufbereitet. Und leider sind einige Stellen recht dunkel, was mich bei der sonst sehr professionell produzierten DVD verwundert hat. Die zweite DVD ist hingegen viel besser zum Nachmachen geeignet, aber interessanter erscheinen mir die Partner-übungen.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 3/2007

Chen-Stil Taijiquan

Ren Guangyi: »Chen Taijiquan«
YMAA Publication Center 2006, DVD, ISBN-13: 978-1-59439-081-4

Ren Guangyi, langjähriger Schüler von Chen Xiaowang, unterrichtet seit vielen Jahren in New York City Chen-Stil Taijiquan. Außerhalb der USA ist er bekannt geworden als Taiji-Lehrer von Lou Reed, der bei vielen Konzerten von ihm Taijiquan vorgeführt hat.

Nun gibt es eine DVD (aufgenommen in HD), auf der Ren Guangyi die Laojia Yilu, die erste Form des alten Rahmens, und die 49er Schwertform zeigt. Jede Form wurde aus drei verschiedenen Winkeln aufgenommen: direkt von vorne, schräg von vorne und schräg von hinten. Allerdings werden die Formen nur gezeigt, es gibt keinerlei Bewegungsbeschreibungen oder zusätzliche Übungen.
Allgemeine Infos zum Chen-Taijiquan und zu den einzelnen Formen gibt Lou Reed. Dabei erzählt er sicherlich nichts Neues. Lou Reed spricht natürlich Englisch, es ist jedoch möglich, eine französische Übersetzung einzustellen. Untertitel gibt es in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Bei den Formen gibt es auch die Namen der Figuren in der jeweiligen Sprache, allerdings klingen zumindest im Deutschen die Übersetzungen sehr nach »Automat«.

Zudem kann man wählen, ob man lieber »zentrierende« oder »energetisierende« Musik im Hintergrund hören möchte. Die Musik stammt natürlich von Lou Reed und es sind endlich mal nicht typisch chinesische oder fernöstlich-inspirierte Keyboard-Klänge zu hören, sondern Ambient.

Eine Besonderheit, die mir neu war, ist die so genannte »FlipperVision« – Fotos der gesamten Form, die daumenkinoartig abgespielt werden, wahlweise langsam oder schnell. Dadurch soll es leichter sein, die Details der einzelnen Bewegungen zu erkennen.
Alles in allem eine gut gemachte DVD für Taiji-Übende, die für diese beiden Formen Anschauungsmaterial suchen.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 3/2010

Schwertfechten

Jan Silberstorff: »Chen Taiji-Schwertkampf – Ein Basisweg zum freien Fechten«
Lohne 2010, DVD, 126 Min., ISBN 978-3935367-57-8

Als ich das letzte Buch von Jan Silberstorff über die Schiebenden Hände im Taijiquan rezensierte, wünschte ich mir zum Abschluss ein ebenso detailliertes Werk auch über den Schwertkampf. Mein Wunsch wurde in Teilen erhört, wenn auch anders als von mir erwartet. Zum einen war klar, dass ein Buch über den Schwertkampf eine längere Zeit an Vorbereitung brauchen würde. Umso überraschender, dass diese hier vorliegende Veröffentlichung nicht so lange auf sich warten ließ. Zum anderen aber eben überraschend, weil es sich um eine DVD handelt, die trotz bewegter Bilder es dennoch versteht, die Materie sehr tief greifend und doch verständlich zu vermitteln.

In der Regel bin ich kein Fan von Lehr-DVDs. Doch hier wählt Jan Silberstorff eine sowohl der Materie als auch dem Medium gerecht werdende Form der Darbietung. Thematisch ist die DVD unterteilt in eine ausführliche Einführung in das Thema Schwert, Schwertkampf und Schwerttechniken im Chen-Taijiquan, eine Darlegung der sieben Grundtechniken in der Chen-Schwertkunst und schließlich in einen Bereich mit Anleitungen, die es einem ermöglichen, systematisch zu üben. Während die Einführung ins Thema eher trocken in Form von Texttafeln vermittelt wird – zugegebenermaßen hinterlegt mit teils spektakulären Aufnahmen von Jan Silberstorff vor grandioser Landschaft – so sind die anderen Themenblöcke stets unterteilt in einen von ihm vorgetragenen theoretischen und einen von ihm und verschiedenen Partnern demonstrierten praktischen Teil. Sie lassen sich sowohl am Stück konsumieren und geben einen guten und fundierten Überblick über die Schwerttechnik an sich, lassen sich aber genauso gut Stück für Stück als Übungsanleitung oder -erinnerung verwenden.

Erfreulich ist, dass auch die DVD getragen ist von der Klarheit, mit der Jan Silberstorff seine Kunst vermittelt. Zuschauer erhalten den Eindruck einer persönlichen Unterweisung. Klar ist, dass ein fachkundiger Lehrer durch das Studium einer DVD nicht ersetzt werden kann. Aber diese DVD gibt einem eine Menge Möglichkeiten zum eigenen Üben.

Abgerundet wird die DVD durch einige Zusatzaufnahmen, in denen Jan Silberstorff sowohl die Schwertform als auch die Doppelschwertform zeigt, sowie mit Eindrücken aus der Schwertkampfschule von Gerhard Milbrat. Und schließlich kann man sich immer wieder an den Formdarbietungen vor der schönen Kulisse Mallorcas erfreuen.
Mich persönlich hat diese DVD erfreut, mein Wissen bereichert und meine Überzeugung gestärkt, dass es gute Lehr-DVDs geben kann. Ich freue mich nicht ganz uneigennützig auf die nächste Veröffentlichung.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 3/2010

Entspannungsübungen auf DVD

Taiji Europa (Hrsg.): »Entspannung für Körper und Geist«
Verlag 2010, DVD, ca. 77 Min., Deutsch/Englisch, 9,99 Euro

Taiji Europa, ein Projekt von Nils Klug und Ronnie Robinson, hat eine zweite DVD herausgegeben. Nachdem die erste mehrere europaweit bekannte LehrerInnen vorgestellt hat, bietet diese DVD nun praktische Übungen für die Entspannung.
Cornelia Gruber, Anneke van der Loos, Wilhelm Mertens, Silvia Oldenburg, Nabil Ranné, Ronnie Robinson, Eva Seiter und Paul Silverstrale zeigen eine oder mehrere Übungen, die man entweder mal zwischendurch oder auch als Vorbereitung zum Qigong oder zum Taijiquan machen kann. Die meisten Übungen werden im Stand ausgeführt, einige auch im Sitzen. Mal beinhalten sie mehr körperliche Bewegung oder Dehnungen, mal liegt mehr Gewicht auf der Vorstellung oder der Atmung.

Alle Anleitenden wurden von vorne aufgenommen, sie zeigen und erklären ihre Übungen, die alle gut zu verstehen und nachzuvollziehen sind. Unter dem Menupunkt »Extra« sind die Links zu den Internetadressen der ProtagonistInnen zu finden, so dass es einfach ist, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Außerdem gibt Wang Ning eine kurze Einführung in die Kalligraphie.

Die DVD ist so einfach wie schön gemacht. Sie hat nur wenige Schnitte und Großaufnahmen, wirkt dadurch sehr ruhig, quasi schon entspannend, jedoch ohne dabei langweilig zu sein. Rasmus Sievers, der schon öfter mit Nils Klug zusammengearbeitet hat, ist es gelungen, mit wenigen grafischen und filmischen Elementen eine in sich stimmige DVD herzustellen.

Fazit: eine schöne DVD mit interessanten Übungen, die ein großes Spektrum abdecken, und das zu einem sehr fairen Preis.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 2/2008

Historische Aufnahmen

Cheng Man Ching: »The Master Tapes«
Mastodon Productions 2007, 4 DVDs, 200 Minuten, ca. 100 EUR

In den USA ist Ende letzten Jahres eine Box mit vier DVDs unter dem Titel »Cheng Man Ching: The Master Tapes« erschienen. Die nur in Englisch vorliegenden DVDs enthalten Mitschnitte aus dem Unterricht des »Professors«, aufgenommen zwischen 1969 und 1971 in der Shr Jung Schule in New York, die Zheng Manqing dort gegründet hatte. Die DVDs sind ohne technischen »Schnickschnack«, einfache Filmaufnahmen von Unterrichtssituationen, die einen humorvollen und gewissenhaften Zheng Manqing zeigen.

Die erste DVD »Form« (50 Minuten) zeigt ihn beim Unterrichten der Form, unterstützt von seinen Schülern Tam Gibbs und Ed Young, die ihn auch übersetzen. Zwischendrin, wie bei den anderen DVDs auch, erzählen Maggie Newman, Ken van Sickle und Ed Young, drei seiner langjährigen SchülerInnen, aus ihrer Lehrzeit. Schade ist, dass es keine komplette Form zu sehen gibt. Der Produzent Don Miller bekam dafür nicht die Erlaubnis von Zheng Manqings Töchtern. Eventuell wird es eine eigene DVD damit geben. So muss man sich mit größeren und kleineren Sequenzen sowie mit einzelnen Figuren zufrieden geben und kann sich die Form so »zusammenbauen«.

Die zweite DVD behandelt das Schwert, eine Waffe, die Zheng Manqing sehr geliebt hat. Seinen Spaß mit dem Schwert kann man auf diesen 30-minütigen Mitschnitten an seinem Gesicht gut erkennen. Insgesamt wird zweimal die komplette Form gezeigt und viel freies Sparring.

Die dritte DVD (50 Minuten) trägt den Namen Push Hands und zeigt Zheng Manqing teils mit SchülerInnen beim Tuishou, teils beim Erklären von Prinzipien. Leider ist die Tonqualität bei allen DVDs nicht sonderlich gut, aber in jedem Fall ausreichend, Gleiches gilt im Übrigen auch für die Qualität der Filmaufnahmen. Auch das Tuishou hat Zheng Manqing sichtbar viel Spaß bereitet.

Die vierte DVD »Chi« ist mit 70 Minuten die längste und für mich die schönste. Zuerst zeigt sie Zheng Manqing in einer »Frage-und-Antwort-Stunde« umringt von SchülerInnen, dann beim Arrangieren von Blumen und schließlich beim Kalligraphie-Unterricht. Hier wird deutlich, dass Zheng Manqings Künste weit mehr als nur Taijiquan umfassten. Seine Ruhe und Freude beim Arrangieren der Blumen und bei der Kalligraphie haben mich berührt.

Die Stärke dieser DVDs ist, dass sie einen Eindruck von der Persönlichkeit Zheng Manqings vermitteln, einem der bekanntesten Taiji-Lehrer, der die Entwicklung des Taijiquan in Taiwan und im Westen stark beeinflusst hat. Das macht sie sicherlich für heutige Praktizierende seiner Tradition, die ihn nie persönlich kennen gelernt haben, interessant. Zum Lernen von Form und Techniken sind sie nicht geeignet.
(Helmut Oberlack)

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Yang-Stil auf drei DVDs

Andreas W Friedrich: »Tai Ji Quan«, Selbstverlag, 3 DVDs, 33 – 48 Min.

Andreas W Friedrich hat ein Set von drei Übungs-DVDs zum Integralen Yang-Stil – so nennt er seine Variation des Taijiquan – he-rausgegeben. Jede DVD beinhaltet einen Teil der traditionellen Langform: Erde, Himmel und Mensch. Der Aufbau der drei DVDs ist gleich: Zuerst werden für den jeweiligen Teil vorbereitende Übungen vorgestellt, zum Beispiel beim zweiten Teil die Fußtritte, dann wird der jeweilige Teil dreimal gezeigt. Das erste Mal »normal«, was bedeutet, Andreas Friedrich zeigt die Form und unterteilt sie in Yin- oder Yang-Phasen. Anschließend zeigt er die Form »langsam«, wobei er die Namen der jeweiligen Figuren benennt und Bewegungsanweisungen beziehungsweise Erklärungen gibt.

Abschließend zeigt er die Form »dynamisch«. Dies bedeutet nun nicht, dass Andreas Friedrich die Form schnell läuft, obwohl er schneller als »normal« ist. Meines Erachtens versucht er die innere Dynamik der Form sichtbar zu machen. Verbale Erklärungen gibt es nun nicht mehr, dafür ist die begleitende Musik ein wenig lauter, bleibt jedoch noch angenehm im Hintergrund. Dieses recht ambitionierte Vorhaben ist für mich der interessanteste Teil der DVDs. Beim mehrmaligen Ansehen dieser Abschnitte entstand bei mir ein Gefühl dafür, was er zeigen will. Ich fragte mich, ob mir Erklärungen dazu wirklich weiterhelfen würden oder ob der Reiz gerade darin liegt, sich auf die eigene Wahrnehmung zu besinnen. Vermutlich werden die SchülerInnen von Andreas Friedrich eher wissen, was in der »Dynamik« steckt.

Die DVDs sind schnörkellos aufgebaut, die Kamera steht frontal zu ihm. Die Bilder sind schön und ruhig, sie zeigen die Bewegungen klar und deutlich und sie geben die Ruhe des Taijiquan wieder. Alles in allem eine interessante Produktion, die wohl in erster Linie für die SchülerInnen von Andreas Friedrich gedacht ist. Aber auch für ernsthaft Taiji-Interessierte ist es überlegenswert, diese DVDs zu erstehen. Wer sie hat, kann sich an der gelungenen Gestaltung erfreuen.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 1/2007

Yang-Stil Taijiquan

Stephan Hagen: »Tai Chi Chuan. Der alte, klassische Yang-Stil«
3 DVDs, Gesamtlaufzeit: ca. 146 Minuten, 99 EUR,
EU-ISBN 9783928288491

Stephan Hagen ist seit Jahren eine Institution in der Taiji-Szene. Nun hat er eine kleine Reihe von Lehrfilmen produziert und in einem DVD-Paket zusammengefasst. Die Filme behandeln allesamt den so genannten »alten, klassischen Yang-Stil«, wie ihn Stephan Hagen von seinen Lehrern, insbesondere Chu Gin Soon und Chu King-Hung gelernt hat.

Die DVDs beinhalten jeweils einen der drei Teile der Form. Die erste DVD wartet zudem mit einer 16-minütigen Dokumentation über Taijiquan auf, in der Stephan Hagen viel Wissenswertes über seine Kunst preisgibt. Dazu ist auf dieser ersten DVD eine Reihe von Vor-übungen vertreten, die sich auch für Anfänger gut eignen, um in die Materie einzusteigen. Natürlich weist der Autor anfangs darauf hin, dass ein Studium von DVD nicht geboten ist und eine fachkundige Unterweisung durch einen Lehrer oder eine Lehrerin nicht ersetzt. Dennoch sind die Inhalte dieser DVDs sehr umfangreich und enthalten mehr Informationen, als SchülerInnen während einer Unterrichtsstunde aufnehmen können. Somit ist der Lehrteil der DVDs eine gute Ergänzung zum laufenden Unterricht.

Auf jeder DVD ist der behandelte Teil der Form sowohl ohne Unterbrechung als auch in mehrere Abschnitte unterteilt mit jeweils zwei Wiederholungen und ausgiebigen Erklärungen zu sehen. Die Wiederholungen der Abschnitte sind zudem aus verschiedenen Perspektiven gefilmt und geben so eine gute Sicht auf alle Details der Folgen.

Alles in allem ist das Werk sehr professionell gestaltet und umgesetzt. Der Inhalt ist informativ und der Lehrteil für SchülerInnen von Stephan Hagen ein wertvolles Nachschlagewerk. Allerdings ist der Preis für das Gesamtpaket nicht so gewählt, dass man es sich mal eben nebenbei kauft.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 3/2008

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Taijiquan grundsätzlich

John Loupos: »Tai Chi Connections. Advancing your tai chi experience«
YMAA Publication Center 2006, DVD, ca. 160 Minuten

John Loupos, Yang-Stilist seit 30 Jahren mit naturheilkundlichem Hintergrund, hat eine DVD produziert, die nicht formorientiert ist, sondern Grundsätzliches zum Thema hat. Sie setzt schon Kenntnisse im Taijiquan und seiner Terminologie voraus, ist also nur für Übende geeignet. John Loupos wendet sich mit dieser DVD an alle Taiji-Übenden, unabhängig von Stil und Form.
Nach einer kurzen allgemeinen Einführung, in der er sich vorstellt, erläutert er vier Punkte: »Beweglichkeit«, »Innere Struktur«, »Qi« und »Im Moment sein«. Es folgen drei Aufwärmübungen, die einen von der alltäglichen Geschwindkeit runterbringen sollen. Er betont die Wichtigkeit, die gezeigten Übungen in der eigenen Geschwindigkeit auszuführen, und dass die eigenen Grenzen zu respektieren seien. Bereits in diesem Kapitel geht er auf die richtige Stellung von Knien, Leistengegend (Kua) und Schultern/Brustkorb sowie auf die Verbindung zur Erde ein.

Dann folgt der erste Teil der langen Yang-Form, zuerst nur gezeigt, dann mit Anleitung. Dabei geht John Loupos weniger auf den äußeren Ablauf der Bewegung ein, sondern mehr auf die Bewegungen der Hüfte, das Sinken und die Struktur des Körpers (Wirbelsäule, Füße und Knie, Schultern und Ellenbogen). Anschließend zeigt er häufige Fehler. Auch dabei legt er Wert auf die richtige Struktur des Körpers in der jeweiligen Position. Ein eigenes Kapitel widmet er dem Fehler des Hoch- und Runtergehens bei Gewichtsverlagerungen (dem »Hüpfen«), dem man unter anderem mit imaginären Halteseilen aus Gummi begegnen kann.

Es folgt ein Kapitel zum Momentum, dem Schwung, der die Bewegungen gleichmäßig macht beziehungsweise machen soll. Anschließend stellt er, erfrischend unkonventionell, noch das »Schütteln« vor, eine von ihm im Unterricht verwendete Übung, bei der man während der Form den Körper schüttelt. Abschließend wird der erste Teil der Yang-Form aus einer anderen Kameraperspektive, von schräg hinten, gezeigt.

Alles in allem eine interessante DVD, die Übenden wesentliche Prinzipien des Taijiquan näher bringt. Die Sprache ist Englisch, es gibt wahlweise Untertitel in Spanisch und Deutsch.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 3/2006

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Taiji- und Qigong-Kitsch

Jason Chan: »Tai Chi – ein Weg zu Gesundheit und Wohlbefinden«
Komplett-Media 2005, DVD, 58 min, ISBN 3-8312-9134-9

Wer gerne Qigong- und Taiji-Bewegungen in der Atmosphäre eines englischen Schlosses sieht, unterlegt mit schöner Musik und der angenehmen Stimme einer Erzählerin, der sollte sich diese DVD ansehen. Jason Chan, ein in England lebender Chinese, entwickelte das »Infinite Tai Chi«, ein Übungsprogramm, das täglich nur zehn Minuten in Anspruch nimmt und die üblichen positiven Wirkungen des Taijiquan verspricht.

Das Programm ist in drei Teile gegliedert: Warming up, Hauptteil und Warming down. Beim Warming up werden im Wesentlichen die Gelenke bewegt sowie Rumpf und Beine gedehnt. Anschließend kann man Jason Chans kurzer Form folgen, die einige Taiji- und Qigong-Bewegungen wie Stoßen, Peitsche, Wellen Kräuseln, Adlerhaltung und Knie Streifen enthält, die mehrmals hintereinander ausgeführt werden ähnlich wie beim Taiji-Qigong. Es folgen zwei Übungen zur Atmung und zum balancierten Gehen sowie das bekannte »Stehen wie ein Baum«, allerdings mit fließenden Bewegungen, und die Wolkenhände. Daran schließen sich »fünf elementare Bewegungen zur Kontrolle der Qi-Energie« an.
Bevor es zum Warm down geht, kommen noch einige SchülerInnen von Jason Chan zu Wort, die – welch Überraschung – sehr angetan von den Übungen und deutlich gesünder sind.

Ich frage mich, für wen dieses Video gemacht wurde. Qigong-Erfahrene können vielleicht eine neue Übung finden, um sie in ihr Übungsprogramm einzubauen. Für AnfängerInnen ist dieses Video ungeeignet, denn niemand kann danach lernen und das unerklärte Erwähnen von Fachtermini wie Alignment, Bogenschritt oder Qi hochziehen bringt AnfängerInnen mehr Verwirrung denn Erhellung. Auch halte ich Anweisungen wie »vollendetes Gleichgewicht und Konzentration herstellen« oder »die Gefühle herauslassen«, während sich bei den Protagonisten keine Regung zeigt, für sinnlos. Als einzige Antwort auf meine Frage fiel mir ein: Es ist ein Promotion-Video für Jason Chan. Doch ich habe Zweifel, ob die recht kitschige Aufmachung der DVD und seine affektiert wirkenden Bewegungen ihm neue SchülerInnen einbringen werden.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 4/2008

Taiji spielen

Daniel Grolle: »Tai Chi Spielen DVD 1 – Übungen – Begriffe – Form«
Laogong Studios 2008, ca. 96 Min., 35 Eur zzgl. Versand,
ISBN: 978-3-00-024588-6

Die Übungen, die Daniel Grolle auf seiner Taiji-DVD vorstellt, sollen »auf einem Spielweg die Dinge entdeckbar machen, die dem Taiji zugrunde liegen«. Als langjähriger Taiji-Lehrer, der selbst zu einer Zeit mit dem Lernen begonnen hat, als es noch wenig Information und fundierten Unterricht, geschweige denn strukturierte Ausbildungen gab, hat er sehr viel damit experimentiert, wie sich die Taiji-Prinzipien erkunden lassen und körperlich spürbar werden. So sind zahlreiche Übungen entstanden, von denen er hier zwölf präsentiert.

Beim »Arme Schaukeln« wird beispielsweise in verschiedenen Stufen die Lockerheit der Arme und Schultern erspürt und verbessert, mit »Baum und Wind« kann man üben, Druck abzuleiten, »Das Meister-Feeling« ergibt sich, wenn man seine Hände eine Weile kräftig gegen den unteren Rücken drückt und dann erlebt, wie sie von alleine vor dem Körper hochschweben. Je nachdem, wo und wie jemand gelernt hat, wird das eine oder andere davon vermutlich bekannt sein, interessant ist jedoch auch die forschende Art, in der die Übungen angeleitet werden. Sie regt dazu an, selbst mehr zu experimentieren und an den Grundlagen zu arbeiten.

Zusätzlich bietet die DVD einen Teil, in dem Daniel Grolle bestimmte Begrifflichkeiten erläutert, die er in seinem Unterricht einsetzt. Neben allgemein bekannten Formulierungen, wie der von Zheng Manqing geprägten »Beautyful Ladies Hand« oder dem »Höhle Öffnen« als Bild für die geöffnete Beinhaltung, hat er auch eigene Bilder gefunden wie das »Kaffeefilter-Prinzip«, das die Weise beschreibt, in der bei Partnerübungen allmählich der Druck gesteigert werden sollte, oder »Stille Post« für die Art, Druck aufzunehmen und in genau der gleichen Intensität weiter- beziehungsweise zurückzugeben.

Als Bonus demonstriert Daniel Grolle den ersten Teil der Form nach Zheng Manqing ohne jede Erklärung, einfach zum Zuschauen. Überraschenderweise stößt man zum Schluss unter Credits auf eine kleine Einführung zu der DVD, die ich doch irgendwie vermisst hatte.

Überhaupt macht sie den Eindruck einer lockeren Sammlung, die keinen durchdachten Aufbau erkennen lässt. So erfordern zum Beispiel alle ersten Übungen einen Partner oder eine Partnerin, allein kann man sie gar nicht ausprobieren. Und es wirkt etwas seltsam, wenn zweimal hintereinander dieselbe Person vorgestellt wird – nebenbei lernen wir nämlich nicht nur Daniels Frau Cordula, sondern auch eine ganze Reihe seiner SchülerInnen kennen. Gleichzeitig wirkt diese nicht auf Perfektion ausgerichtete Art aber auch ganz sympathisch und wenig distanziert.
Insgesamt bietet die DVD vor allem Lernenden, die das Taiji intensiv erkunden wollen, und solchen, die anfangen zu unterrichten, interessante Anregungen.
(Almut Schmitz)

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TQJ 1/2007

Taiji-Kurzformen

Foen Tjoeng Lie: »Taijiquan Schritt für Schritt«
Kolibri Verlags GmbH, DVD, Laufzeit: 25 Minunten, Preis: 19,80 EUR(D) / 20 EUR(A), ISBN 3-928288-45-8, EU-ISBN 978-3-928288-45-3

Taijiquan Schritt für Schritt – der Name ist Programm. Nicht zum ersten Mal wird versucht, Taijiquan und/oder Qigong auf einer DVD einfach verständlich darzustellen, um so Interessierten die Möglichkeit des Selbststudiums zu geben. Wir wissen, dass das ein fragliches Anliegen ist und oftmals aus den verschiedensten Gründen scheitert.

Den vorliegenden Versuch würde ich wiederum als gelungen bezeichnen, da der Autor gar nicht erst versucht, mittels erschöpfender Erklärungen Klarheit zu schaffen. Vielmehr verzichtet er auf Erklärungen und lässt die Bilder für sich sprechen und das ist in meinen Augen ein guter Ansatz.

Die beiden behandelten Formen werden jeweils in drei unterschiedlichen Durchläufen gezeigt, was dem Betrachter im Grunde keine Frage offen lässt. Unterlegt mit sanften, sehr zurückhaltenden Klängen ergibt sich bereits beim Zuschauen eine entspannte Atmosphäre.

Foen Tjoeng Lie hat sich in den letzten Jahren mit seinen Publikationen immer mehr den Standardformen des chinesischen Sportkomitees gewidmet. Damit entgeht er der »Familienfalle«, wo jeder zu einer anderen Zeit das Gleiche gelernt hat und es dann total anders aussieht. Wiewohl wir auch wissen, dass selbst die weit verbreitete »Peking-Form« mit 24 Folgen stark voneinander abweichen kann. Wie auch immer – hier zeigt Foen Tjoeng Lie die so genannte »Stehende Säule mit Schritten« und das »Taijiquan mit 8 Folgen«. Beides sind Formen, die erst in den letzten Jahren entstanden sind und bei uns im Westen noch nicht die Verbreitung haben wie andere Formen. Allerdings ist die hier gebotene Kombination ein hervorragendes Mittel des Unterrichts, da beide Formen gut aufeinander aufbauen und sich ergänzen. Sie sind besonders geeignet für Volkshochschulen oder Einführungskurse. Mit dieser DVD finden auch TeilnehmerInnen eine gute Referenz für die Zeit nach dem Unterricht.
Somit kann ich den Inhalt empfehlen. Dass es sich um eine DVD handelt, liegt nur in der Natur der Sache: Heute macht man eben keine Videos mehr.

Kapitelwahl und die Möglichkeit, sich einzelne Figuren separat anzuschauen, sind die einzigen interaktiven Features. Allerdings empfinde ich diese Einfachheit als erfrischend. Es findet keine Technikschlacht statt.
Lustig ist, dass man in vielen Einstellungen über den Hintergrund hinaus ins Studio schauen kann. Hier wäre ein wenig mehr Sorgfalt sicher angebracht gewesen. Den Sehgenuss stört es allerdings nicht.
(Frank Aichlseder)

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