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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden


Üben mit Musik und Zhang Sanfeng / TQJ 4/2015

Thomas Kirchner: Toki TaiChi, Vol. 1
Ottenberg Media 2011, CD, ca. 52 Min.

Thomas Kirchner hat eine sehr spezielle CD zur Unterstützung der Taiji-Praxis kreiert. Sie enthält zwei Titel. Der erste ist in zehn Abschnitte á 2:36 Minuten unterteilt. Jeder Abschnitt wird mit einer Klangschale eingeläutet, die Musik setzt ein und dann zitiert Thomas Kirchner mit seiner ruhigen, aber bestimmten Stimme eine Übungsanweisung aus dem Taijiquan Lun, dem Taiji-Klassiker, der Zhang Sanfeng, dem legendären Erfinder des Taijiquan, zugeschrieben wird. Diese Anweisungen werden nach ungefähr einer Minute leise, wie aus dem Hintergrund kommend, wiederholt. Das Grundthema der Musik ist für jeden Abschnitt gleich, die Instrumente jedoch wechseln.

Die Idee dahinter ist, dass sich Taiji-Übende intensiv mit den Anweisungen beschäftigen können. Die leise Wiederholung soll bewirken, dass der Gedanke über den Kopf in den Körper sinkt und dann aus dem Bauch heraus die Übung prägt.
Ich kann mir schon vorstellen, dass dieses Konzept in der Praxis auch klappt. Bei mir war es zumindest ansatzweise so. Die frisch gehörte Anweisung bestimmte meine Gedanken bei der Übung und ich konnte mich bei dem Versuch, sie in meine Bewegung zu integrieren, beobachten. Die leise Wiederholung und die Musik unterstützten diesen Prozess.

Allerdings waren für mich die einzelnen Abschnitte zu kurz. Dass nach rund zweieinhalb ‚Minuten die Musik mitunter recht kräftig ausgeblendet wurde und ich die Klangschale relativ einschneidend empfand, brachte mich immer wieder aus der Übung raus. Auch empfand ich den Wechsel zum neuen Instrument mitunter zu krass. Für mich wären längere Abschnitte mit weicheren Übergängen geeigneter.

Nun weiß ich auch, dass Menschen sehr unterschiedlich, sehr individuell auf Musik ansprechen und daher möchte ich meine Erfahrung mit dieser CD nicht verallgemeinern.
Der zweite Titel bringt die gleiche Musik, inklusive Unterteilung mit den Klangschalen, nur ohne die Anweisungen. So kann man auch nur zu der Musik üben. Die Unterteilung kann auch als Timer dienen, wenn man zum Beispiel einzelne Übungen zeitlich begrenzt machen möchte, ohne immer auf die Uhr zu schauen.
Fazit: Eine interessante CD, die sicherlich für viele Taiji-Übende eine Hilfe auf ihrem Weg sein kann.
(Helmut Oberlack)

 

TQJ 4/2006

Taiji-Musik

Alexander Kron: »the modern style tai chi music«
Modern style tai chi project 2006, CD, ca. 60 Min.

Alexander Kron hat vor einigen Jahren begonnen, Taijiquan in Fitnessstudios zu unterrichten und Form und Methodik den dort vorherrschenden Gegebenheiten anzupassen. So ist seine Form recht kurz und beidseitig, der Einstieg in den Unterricht ist jederzeit möglich. In Fitnessstudios ist es Usus, dass zum Üben Musik gespielt wird, die die TeilnehmerInnen motiviert und unterstützt.

Alexander Kron hat nun eine eigene Musik entwickelt, die auf einem 5/4-Takt beruht, der der Musik einen eigenen »Drive« gibt. Die CD beinhaltet langsamere Stücke mit 80 bpm (beats per minute) für die »harmonischen und fließenden Bewegungen« und schnellere mit 180 bpm für »schnelle Bewegungen und
Energie« – so das Booklet.

Diese Musik unterscheidet sich sehr deutlich von den sonst auf dem Markt befindlichen Taiji-Musik-CDs. Es erklingen keinerlei (pseudo-)asiatisch klingende Melodien, sondern klar westlich inspirierte teils mit Gesang und Saxophon. Lediglich das letzte Stück erinnert etwas an die keyboardlastige »New Age Entspannungsmusik« und ist wohl für die ruhige Phase am Schluss der Stunde gedacht.

Meine Versuche, zu dieser Musik meine Yang-Form zu laufen, scheiterten nur teilweise. Die langsameren Stücke brachten mich zu einer relativ flotten Form, die schnelleren durcheinander. Entweder müsste ich mich noch mehr an die Musik gewöhnen oder mal in ein Fitnessstudio gehen und dort das von Alexander Kron kreierte »Modern Style Tai Chi« mitmachen. Mal sehen. Jedenfalls ist diese Musik sehr innovativ und sicherlich nicht jedermanns Geschmack.
(Helmut Oberlack)

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