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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden


Einführung in TCM für Laien / TQJ 1/2017

Erich Wühr/Claudia Nichterl: »Chinesische Medizin und Lebenskunst. Die Grundlagen des Yang Shen«
Systemische Medizin 2015, 130 S., 19,95 EUR, ISBN 978-3-86401-200-6

Noch ein Buch über chinesische Medizin? Gibt‘s noch nicht genug? Kurze Antwort: Nein. Zu viele halten die chinesische Medizin immer noch für Hokuspokus und Placebo. Und die, die sich dafür interessieren, sollten die Chance haben, gute Bücher darüber zu finden. So wie dieses. Erich Wühr ist Zahnarzt und Osteopath und arbeitet in Bad Kötzting, wo sein Verlag Partner der dortigen TCM-Klinik ist, Claudia Nichterl ist Ernährungsberaterin. Auftakt zu einer ganzen Reihe von Büchern über einzelne Krankheiten soll dieser Überblicksband »Chinesische Medizin und Lebenskunst« sein. In der richtigen Mischung von Ausführlichkeit und Knappheit erklärt Erich Wühr wohltuend zugewandt alle nötigen Theorien und Praktiken, die Wandlungsphasen und ihre Zyklen, Yin und Yang, Qi, Jing, Xue, Shen und Jinye, die Meridiane und die Behandlungsmethoden: Akupunktur, Moxa, Tuina, Qigong und »Meridianmassage«, über die Ernährung schreibt Claudia Nichterl.

Mehrere Punkte sind in diesem Buch sehr angenehm: dass Erich Wühr einfach zu erklären vermag, dass er nicht dogmatisch an die Sache herangeht, dass er auch die Grenzen der TCM betont und die wichtige Zusammenarbeit mit der »Schulmedizin«, dass er stets die Aussprache der chinesischen Wörter angibt. So weiß er im Unterschied zu anderen Autoren genau, dass es Unsinn ist, einem Menschen zu empfehlen, mitten in der Nacht aufzustehen, um dann den Lebertee einzunehmen, oder dass man logischerweise versuchen muss, Qigong in den Berufsalltag zu integrieren – nicht andersherum.
Ein bisschen ärgerlich ist sein Buch sprachlich, weil es an einigen Stellen doch zu ungenau oder sogar falsch ist. Geschichte ist nicht sein Fach: So schreibt er einmal von der »Erfahrung von Jahrtausenden«, einmal meint er zu wissen, dass Mao Zedong höchstpersönlich »ausgewählte Verfahren (...) per Gesetz schnell wieder hoffähig« machte. Ganz unnötig spielt er westliche (empirische) Wissenschaft gegen östliche aus. Manchmal streift er sogar die unfreiwillige Komik, wenn er es für wichtig hält, dass der TCM-Therapeut »die Akupunkturpunkte genau« treffen müsse.

Das sind aber nur Kleinigkeiten. In den Übungen und den wichtigen theoretischen Teilen ist er meist präzise und schreibt allgemeinverständlich, ohne Jargon und ohne Überheblichkeit. Und so ist das Buch für alle Laien, die sich für TCM interessieren, sehr zu empfehlen.
(Georg Patzer)

 

Großer Vergleich der Kampfkünste / TQJ 1/2017

Jonathan Bluestein: »Research of Martial Arts«
CreateSpace Independent Publishing
Platform 2014, 420 Seiten, 28,89 EUR, ISBN 978-1499122510

»My views and theories are not sacred or set in stone«, schreibt Jonathan Bluestein. »As a martial artist and author who is attempting to follow a relatively scientific and liberal approach, I not only open up to criticism – I wish to present it before you myself.« Und deswegen kommen in seinem Buch nicht nur immer wieder seine Kritiker zu Wort, er hat ihnen ein ganzes eigenes Kapitel eingeräumt, dem »martial utilitarianism«, dem »Same But Different«-Ansatz, dem »Superior Internalist«. Diese offene Diskussion ist einer der Punkte, in denen sich Jonathan Bluestein von vielen anderen Autoren unterscheidet, die den »einzig wahren Weg« kennen, nämlich ihren eigenen.

Der andere, sofort ins Auge springende Punkt ist sein Inhalt. Jonathan Bluestein stellt einen wahrlich umfassenden Vergleich zwischen dem »externen« und dem »internen« Ansatz der Kampfkünste an. Geht beim externen Ansatz auf Muskeln, Stretching, Kraft und Geschwindigkeit ein, Reflexe und Waffen, beim internen Ansatz auf Yi, den Geist, die besondere Körpermechanik, Muskeln und Faszien, Zentrumsbewegungen, Drehachsen und geöffnete Gelenke. Spürt der Frage nach, warum man sich »langsam wie eine Schnecke bewegt« und setzt sich mit der »Flow-Hypothese« auseinander. Er diskutiert, ob und wie man extern und intern verbinden kann, die Frage nach »kontrollierter Gewalt« und schließt mit sechs langen, sehr instruktiven Interviews mit Kampfkunstmeistern.
Fehlt irgendetwas? Ich glaube nicht. Nichts Wichtiges jedenfalls. Und das geht manchmal bis in winzige Details, die er sehr scharf auseinanderklamüsert. Er trennt auch die verschiedenen Traditionslinien voneinander und vergleicht sie, nennt die unterschiedlichen Übersetzungen und Überlieferungen, die Irrtümer (zum Beispiel über das Yi), die Verflachung durch Popularisierung und und und ...
Wenn man dieses großformatige Buch durchgearbeitet hat, was lange dauern wird, kennt man die unterschiedlichen Ansätze wirklich genau. Eine große Fleißleistung. Ein paar bittere Tropfen gibt es dennoch: Die Schrift ist sehr klein, dazu gibt es leseunfreundliche verschiedene Schriftgrößen und die Schwarzweißbilder sind von grausiger Qualität. Das ist aber auch das Einzige, was man bemängeln könnte.
(Georg Patzer)

 

Achtsames Jahr / TQJ 4-2016

»Achtsame Kommunikation in Arbeit und Leben 2017 – 12 Fragen an sich selbst«
Kaiser Werbung und Design 2016, DIN A3 Kalender, 15 Blätter, 14,90 EUR
Bestellung über Fon 0761/ 88 14 0104
www.kaiserwerbungunddesign.de

Einen der ungewöhnlichsten Kalender, der zwar nicht direkt mit Qigong und Taijiquan etwas zu tun hat, aber mit Achtsamkeit (vgl. Rezension in TQJ 4/2015 oder auf www.tqj.de), gibt es auch dieses Jahr wieder, diesmal zum Thema »Kommunikation«. Ungewöhnliche Bilder, die sofort zum Nachdenken anregen, werden mit einer Frage kombiniert, die uns unsere Art der Kommunikation reflektieren lässt. Zu jeder Monatsfrage gibt es weitere Fragen, die bei der Reflektion weiterhelfen und sie vertiefen.
Ein schöner Kalender, der zudem noch mit einem Euro pro verkauftem Exemplar ein Obdachlosenprojekt unterstützt.
(Helmut Oberlack)

 

Kurze und lange Meditationen / TQJ 1/2016

Li Wu: »Bewährte Heilmeditationen aus dem Reich der Mitte«
Mankau 2014, 4 Audio-CDs, Gesamtlaufzeit ca. 211 Min, mit Begleitheft,
ca. 29,95 EUR, ISBN 978-3-86374-187-7

Meditations-CDs sind von unterschiedlicher Qualität: Methode, Text, Sprecher – da kann schnell etwas danebengehen und vieles ist auch Geschmackssache. Die Musik ist in fast allen Fällen eine Art schwebendes Gewaber. Das ist auch bei den vier CDs des TCM-Arztes Li Wu nicht anders. Im besten Fall beruhigt und umhüllt sie die HörerInnen, im schlimmsten Fall stört sie nicht und ist bald nur noch ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch. Li Wu stellt auf seinen CDs eine Herz-, eine Liebes- und Fünf-Elemente-Meditationen vor, die sicher geeignet sind, in die Entspannung zu kommen. Es sind sehr einfache, sofort nachvollziehbare Übungen, durch die man geleitet wird, im Liegen, Stehen oder Sitzen.

Mit bestimmten Handhaltungen, zum Beispiel auf dem Dantian, auf der Brust oder über der Leber, mit der geführten Atemaufmerksamkeit, mit der Visualisierung von Farben und der Vorstellung, dass die rote oder gelbe Energie einen durchströmt, werden die Übenden in eine schöne, meditative Haltung geführt. Und es kann schnell passieren, dass man meint, dass die CDs zu kurz sind, selbst bei der ersten, der ausführlichsten. Die Fünf-Elemente-Meditationen dagegen sind tatsächlich etwas zu kurz geraten: Gerade wenn man sich darauf einlassen kann, wird man auch schon wieder herausgeführt. Aber da sie so einfach sind, wird man sie schnell ausführlicher und auch ohne die CD machen können.

Ein paar Mankos seien nicht verschwiegen: Die »Bitten-Meditation« wird für manchen etwas problematisch sein, ein bisschen zu gezwungen Positives Denken: Warum soll ich um etwas bitten, statt dem Kosmos zu folgen, wohin er mich führen möchte? Die Einführungstexte sind arg kurz und oberflächlich und die Passagen, die von Li Wu selbst gesprochen werden, hätte man weglassen sollen: Sein Akzent verzerrt die stockend vorgetragenen Wörter, so dass man einmal »Wandrungsphasen« hört (was andererseits auch interessant ist). Ein sehr großes Lob gebührt der Sprecherin Verena Rendtorff, die auf der Homepage des Verlags leider unterschlagen wird. Ihr gelingt es mit geradezu mikroskopischen Variationen, mal weicher, mal härter, mal eine kleine Spur lauter oder leiser, den Hörer absolut präzise nach innen zu führen, zu sich selbst. Das ist große Kunst.

Die Box schließt mit einem sehr schönen Zwischending zwischen Meditation und Selbstmassage, mit Zwicken, Drücken, Schieben, sanft Ausstreichen, Nachspüren und Nach-innen-Fühlen. Wer dann nicht entspannt ist, dem ist nicht zu helfen.
(Georg Patzer)

 

Mit Achtsamkeit durch´s Jahr / TQJ 4/2015

»achtsamkeit, arbeit und leben 2016 – 12 Fragen an sich selbst«
Kaiser Werbung und Design 2015,
Kalender DIN A3, 15 Blätter, 14,90 EUR

Ein ungewöhnlicher Kalender, der zwar nicht direkt mit Qigong und Taijiquan etwas zu tun hat, jedoch mit dem Leitthema Achtsamkeit auch für uns interessant ist. Interessant sind auch die Gestalter des Kalenders: Kaiser Werbung und Design, eine kleine Agentur aus Freiburg, die sich im »Netzwerk Achtsame Wirtschaft« engagiert. In diesem Netzwerk sind Menschen zusammengekommen, die »die Schätze der buddhistischen Praxis und Weisheit für unsere heutige Zeit und insbesondere ihr wirtschaftliches Handeln nutzbar machen wollen«. Zudem sind Kaiser Werbung und Design auch Mitinitiatoren der Website »fairplay-im-business.de«.

Doch nun zum Kalender: Jeder Monat hat eine Frage, deren »Durchdringung und persönliche Beantwortung das Leben vertiefen und klären kann«, so der Begleittext. Es sind Fragen, über die man in Ruhe nachdenken muss, die sich nicht schnell beantworten lassen, denn sie zielen auf »das Wesentliche menschlicher Existenz«. Einige Beispiele: Was brauche ich?, Was nährt?, Wann ist genug genug?, Was lohnt sich wirklich?, Wo beginnt Mühe? oder Was verbindet?

Diese Fragen stehen auf schönen Fotos, deren Motive ich auf den ersten Blick zur Frage passend fand und die mich sofort angeregt haben, über die Frage nachzudenken. Im Verlaufe des Nachdenkens kamen mir Zweifel, ob das Motiv tatsächlich so passend sei, wie ich auf den ers-ten Blick dachte. Und schon erlebte ich mich in dem Prozess, der durch den Kalender angeregt werden sollte. Eine gut gemachte Verbindung aus Bild und Wort.

Zu jeder dieser Fragen gibt es sieben bis elf vertiefende Fragen, die das Nachdenken über die Hauptfrage unterstützen, anhand derer man sich der Beantwortung nähern kann. Das ist sicherlich eine sinnvolle Idee, denn wenn man sich nur mit einer Frage beschäftigt, kommt man leicht zum Stillstand – der sicherlich auch seine Qualitäten hat. Aber dann helfen unterstützende Fragen, wieder in den Prozess des Nachdenkens zu kommen.
Diese Fragen stehen auf einer eigenen Kalenderseite, so wird das gelungene Zusammenspiel von Bild und Frage auf den jeweiligen Monatsseiten nicht durch zu viele Worte gestört.

Eine schöne Idee ist die Möglichkeit, die Hauptfragen mit den unterstützenden Fragen von diesem Kalenderblatt abzutrennen und zu einem kleinen Büchlein zu falten, das in jede Tasche passt.
Fazit: Ein Kalender, mit dem man sich schon beschäftigen sollte. Wer nur schöne Bilder für die Wand sucht, sollte sich lieber nach etwas anderem umschauen.
(Helmut Oberlack)

Der Kalender kann erworben werden bei:
kaiser werbung und design,
Erwinstr. 74
D-79102 Freiburg
Fon 0761/ 88 14 0104
kaiser@kaiserwerbungunddesign.de
www.kaiserwerbungunddesign.de

 

Vorlesungen über das Zhuangzi / TQJ, 4/2015

Jean François Billeter: »Das Wirken in den Dingen. Vier Vorlesungen über das Zhuangzi«, übersetzt von Thomas Fritz Matthes & Seitz 2015, 156 Seiten,
15 EUR (D), 15,50 EUR (A), 12,99 EUR ePub, ISBN 978-3-88221-386-7

Mit keinem Wort erwähnt er Taijiquan oder Qigong, dennoch scheint er ganz genau über unsere Übungspraxis zu sprechen: Wenn wir lernen, »sehen wir [sie] zunächst als ein kaum zu bewältigendes Ganzes vor uns (...) Später sehen wir nur ihre schwierigen Teile, schließlich treffen wir sie mit dem Geist (...): Sie ist kein Äußeres mehr für uns, sie ist uns kein Objekt mehr.« Genau bespricht er »die Etappen des Lernprozesses, die Nichtvermittelbarkeit der Geste und die spontane Handlung als Ergebnis methodischer Übung«.
Aber Jean François Billeter lehrt keine Form, er schreibt über die Grundlagen. Taiji-Lehrer Jan Silberstorff hat das über das Daodejing gemacht, Billeter greift auf einen anderen Klassiker zurück: das Zhuangzi.

In vier grandiosen Vorlesungen umkreist er einige Grundbegriffe dieses Werks, indem er es von allem mystifizierenden Beiwerk seiner vielen Interpreten befreit, die davon ausgehen, dass Zhuangzi ein Daoist war. Billeter betrachtet es als Werk eines normalen Philosophen, der »selbständig denkt und seine Erfahrung von sich, den Menschen und der Welt zum Gegenstand seines Denkens macht (...); der sich der Fallen der Sprache bewusst ist und von ihr einen kritischen Gebrauch macht«, wie Wittgenstein.

Die berühmte Geschichte vom Koch, der ein Rind zerteilt, zeigt ihm die verschiedenen Stufen des Lernens, bis Subjekt und Objekt zusammenfallen, das Bewusstsein seine Kontrolle aufgibt und der Geist »von selbst der Gliederung des Rinds« folgt. Die Geschichte vom Wagenradbauer lehrt ihn, dass es eine besondere Art Aufmerksamkeit braucht und dass es etwas gibt, das man nicht lehren kann: die richtige Geste, die richtige Bewegung. Die muss nämlich jeder immer und immer wieder üben, bis sie von selbst richtig kommt. Sprache, die Lehre, ist nur dafür da, »damit der Schüler sofort seine eigenen Lehren daraus ziehe«.

Auch hier geht es langsam voran: »Durch schrittweise Annäherung findet die Hand die richtige Geste.« Und am Ende ist die Geste eine Synthese aus Geist und Handlung: »Aus physikalischer und mathematischer Sicht ist sie höchst komplex, aber für den, der sie beherrscht, scheint sie ganz einfach.« So ist es beim Wagenradbauen und auch, wir wissen es, in der Taijiquan-Form.
Jean François Billeters schmales Buch ist höchst anregend, seine Versuche über das Zhuangzi sprühen nur so vor Einsichten, sei es über den Körper als Meister, sei es über die Wichtigkeit, das »unendlich Nahe«, das wir gern übersehen, genau zu studieren, oder über das Problem, unsere eigenen Vorurteile zu überwinden.
(Georg Patzer)

 

Wellness-Sound – und etwas mehr / TQJ 3/15

Stephan North:
»Tai Chi«

DA Music 2001, CD 873121-2

»Innerer Frieden/Inner Peace«
DA Music 2005, CD 873193-2

Nur weil Musik-CDs Taiji, Qigong oder Yoga im Titel tragen, müssen sie nicht unbedingt wirklich was mit diesen Übungsdisziplinen zu tun haben. Zunächst einmal sagt es nur: der Komponist war vielleicht der Meinung, seine Musik eigne sich als Hilfestellung fürs Üben. Vielleicht aber meinte auch nur die Marketingabteilung des Labels, der Sound ließe sich unter der Überschrift gut verkaufen.

Ich entdeckte beim Label DA Music, das unter der Headline »inbalance« CDs für den Wellness-Sektor herausbringt, diverse CDs dieser Art von einem Musiker Namens Stephan North – über den ich aber ansonsten keine Infos finden kann. Eine CD trägt den Titel »Tai Chi«, eine andere »Innerer Friede«. Na, dann bestelle ich mal …

Die »Tai Chi« CD scheint meinen »Verdacht« zu bestätigen: Was dort über Taiji steht, ist recht oberflächlich und ordnet Taiji als »tiefgreifende Entspannungsmethode« ein, die »früher mal« Kampfkunst war. Die Musiktitel tragen schöne Namen (Meridianlinien, Phasen des Wechsels, Erd-Element, Yin & Yan etc.), die Musik selbst ist echter Wellness-Praxis-Hintergrund-Sound: viel schwebender Synthesizer-Klang, Flöten, Glöckchen, Xylophon, leicht asiatelnd. Kann man mögen, muss man nicht. Für meinen Geschmack sind die Stücke mehrheitlich auch zu rhythmusstark, um beim Taiji-Üben zu begleiten. Wer allerdings seine Taiji-Form »tanzen« möchte – sich von einem spielerisch-sphärischen Sound und einem Impulse setzenden Rhythmus tragen lassen will – dem kann das gefallen.

Überraschen tut mich die zweite CD: »Innerer Frieden«. Kein gängiger Wellness-Sound, keine einlullenden, netten kleinen Melodien, keine zwingenden Rhythmen. Diese Musik entzieht sich jeder Einordnung. Sie hat etwas von Filmmusik: atmosphärisch, eher einen Hintergrund bildend, auf dem anderes erscheinen oder verstärkt sichtbar werden kann. Ich fühle mich auch an freie Improvisationen mit der Zen-Flöte erinnert …

Stephan North hat hier durchgängig Gitarre und Konzertflöte verwendet. Auf einen unaufdringlichen, schwebenden Hintergrund gesetzt, umspielen sich diese beiden Instrumente von Stück zu Stück, scheinen nur ihrer eigenen, sich wie selbst erzeugenden Tonfolge zu folgen und doch kommunizieren sie. Aber niemals entsteht ein festes Gefüge, an das sich der Geist festklammern könnte. Dies ist Klang, der zum reinen Lauschen einlädt – in die Präsenz, den Augenblick. Eine solche Musik eignet sich durchaus zum Hinleiten in einen meditativen Bewusstseinszustand. Insofern mag sie sich für manche Übungssituationen hilfreich einsetzen lassen. Und sei es nur zum Sitzen in der Stille – beziehungsweise im Lauschen.

Beide CDs sind so eingespielt, dass die einzelnen Stücke nahezu nahtlos ineinanderfließen. Das macht sie als Hintergrundmusik fürs Üben oder den Unterricht praktisch – da man sie anmachen und in beliebiger Länge laufen lassen kann.

Wer gezielt Musik von bestimmter Länge einsetzen will, hat es ein wenig schwerer, denn die Laufzeiten der einzelnen Stücke sind nicht angegeben. Schade, nicht nutzerfreundlich. Der Produzentenfokus lag wohl doch eher auf »durchdudelnder« Hintergrundmusik für Wellness-Locations oder Leute, die gestresst an ihrem PC sitzen und hoffen, dass sich Entspannung so – nebenbei – einstellen wird.
(Dietlind Zimmermann)

 

Leben nach der TCM

Li Wu:
»TCM für jeden Tag. Entspannt und gesund durch die Woche«
Mankau 2013, 190 Seiten, 9,95 EUR,
ISBN 978-386374-100-6

»Die Organuhr. Leben im Rhythmus der Traditionellen Chinesischen Medizin«
Mankau 2014, 190 Seiten, 9,95 Euro,
ISBN 978-386374-144-6

Die meisten TCM-Ratgeber für Laien haben ein Problem: Die Autoren wissen genau – und schreiben es auch manchmal –, dass nur mit einer präzisen Anamnese und Diagnose und den auf den einzelnen Patienten abgestimmten Heilmitteln einer Krankheit beizukommen ist. Denn dass eine erkältet ist, ist ja nur der Anfang: Warum? Ist irgendwo ein Yin-Mangel? Ein Yang-Überschuss? Kommt das Symptom aus einer Schwäche des Nieren-Orbis? Oder ist die Lunge schuld? Nicht so einfach, wie man vielleicht gern hätte.

Dennoch müssen die Autoren von TCM-Ratgebern den LeserInnen ja etwas bieten. Und so geben sie dann doch Tipps und Rezepte: »Für ein gesundes Atemsystem« nehme man eine Fenchel-Ginseng-Abkochung oder einen Orangen-Mandel-Ingwer-Tee zu sich oder einen Orangen-Pfefferminz-Tee. Aber Ingwer wärmt, Pfefferminze kühlt – woran soll ich mich also halten? Was passt für genau meinen Körper?

Auch Li Wu, Autor der Bücher über »TCM für jeden Tag« und »Die Organuhr«, hat mit diesem Problem zu tun, das er, wie alle, einfach nicht weiter beachtet. Stattdessen versucht er seine LeserInnen für die Rhythmen der Natur zu sensibilisieren und Hinweise auf eine gute Ernährung, Qigong-Übungen und Selbstmassage zu geben. Viele seiner Tipps sind sehr schön und praktikabel, dazu einfach und verständlich beschrieben, so dass man sie sofort anwenden kann, die Meditationen sind beruhigend und energetisierend. Auch die Theorien der Wandlungsphasen, der Orbis (Organfunktionskreise) und Leitbahnen werden recht fassbar dargestellt. Anderes ist ein wenig seltsam, wenn er zum Frühstück zum Beispiel »Weiß- oder Vollkornbrot mit Fruchtmarmeladen oder etwas Käse« oder »Blauschimmelcreme auf Weißbrot« oder abends »Zwiebelsuppe mit Käsecroutons« oder einen Rohkostsalat empfiehlt. Dass er von einem »Laodong-Punkt« spricht und Taijiquan nur als langsame Bewegungsform kennt, sind nur einige der kleineren Irritationen, mit denen er sein Programm würzt, das man über eine ganze Woche ausprobieren kann.

Auch sein Buch über die Organuhr ist eine Mischung aus praktischen, einfachen Übungen, verständlicher Theorie, etwas Oberflächlichkeit und ein paar Seltsamkeiten. Hier schreibt er, der Tag möge »mit einem reichhaltigen Frühstück« beginnen (also wohl kein Marmeladenweißbrot), er meint, »vormittags [sei] ein günstiger Zeitpunkt für Arztbesuche und operative Eingriffe«, die »Hochphase Herz« zwischen 11 und 13 Uhr eigne »sich gut für Kommunikatives – die ideale Zeit für Telefonate, Besprechungen und Konferenzen«, und ab 13 Uhr möge man eine Siesta einlegen oder einen kleinen Spaziergang machen, wenn man kann – was sich insgesamt dann doch ein bisschen arg fern der normalen Arbeits- und Lebenswelt anhört.

Dennoch: Beide Bücher bieten eine Fülle von Anregungen für die tägliche Aufmerksamkeit auf natürliche Rhythmen (die wir ja nie erreichen werden), auf unseren Körper und unsere Gewohnheiten, ein paar Tipps für ein ruhigeres und erfüllteres Leben.
(Georg Patzer)

 

Philosophische Annäherung an »Ki« / TQJ 2/2015

Hisayama, Yuho: »Erfahrungen des ki – Leibessphäre, Atmosphäre, Pansphäre«
Alber 2014, 136 Seiten, 24 EUR,
ISBN: 978-3-495-48634-4


»Mit dem Denkschema der von Schmitz genannten ›psychologisch – reduktionistisch – introjektionistischen Vergegenständlichkeit‹ wird ein Halbding objektiviert und verdinglicht, oder, wie Schmitz es formuliert, ›abgekühlt‹.« Ja, wir sind in einem Hardcore-Philosophiebuch. Der japanische Philosoph Yuho Hisayama, der aus Hermann Schmitz‘ Schule der Neuen Phänomenologie kommt, untersucht das »Ki« oder Qi und er tut es in fachphilosophischen Begriffen. Es geht aber um etwas, das wir alle kennen: Atmosphäre. Wir alle spüren, mal mehr, mal weniger etwas, das wir nicht fassen können, beim Üben von Qigong, in einem Raum mit unseren (Mit-)SchülerInnen ...

Yuho Hisayama, der an der Universität Kobe lehrt, nennt das »kehei«, das »›Sich-Ausbreiten‹ des ki«, eine Sache, »die ihm innewohnende (und eventuell angsterregende) Unsicherheit und zum anderen seine unmittelbare räumliche Umfassung der Leibessphäre« beinhaltet. Wenn zum Beispiel in Natsume Sosekis berühmtem Roman »Ich der Kater« der Ich-Erzähler »das Gefühl [hat], Schritte zu hören, die sich vom hinteren Zimmer her der Küche nähern« beziehungsweise genauer »habe ich die Schritte gehört: Mir war das kehei, als ob jemand sich vom hinteren Zimmer her der Küche nähere«.

Oder, in einem anderen Roman, der Held »ohne weiteres sagen [konnte], ob sich hier noch jemand aufhielt oder nicht« beziehungsweise »ob das kehei eines Menschen da war oder nicht«. Für Yuho Hisayama ist das kehei ein »Halbding«, weder Ding noch Empfindung, wie der Wind, der nur solange da ist, wie er gespürt wird: »Es hat keinen Sinn, danach zu fragen, wo sie in der Zwischenzeit gewesen sind.«

Solche feinen Dinge zu spüren, ist schon schwierig genug, sie zu benennen, sie zu definieren, noch schwieriger. Der Autor kreist seinen Gegenstand, die vor allem literarisch niedergelegten Erfahrungen mit dem Ki, vorsichtig ein, ohne allerdings allzu weit damit zu kommen. Aber sein schmales Buch soll auch nur ein erster Ansatz sein, diesen schwierigen Begriff anzureißen. Neben dem kehei ist noch das keshiki wichtig, das er beschreibt, »die äußere Erscheinung eines inneren Zustands«, »die Widerspiegelung eines Gefühls auf dem Gesicht eines Menschen«, so etwas wie »pansphärische Erfahrungen, in denen das Ich und seine Umgebung miteinander verschmelzen«. Auch das kennen wir natürlich, mal stärker, mal feiner. Yuho Hisayamas Buch ist ein erster Ansatz, spannend, aber nicht mehr als ein Ansatz. Wir warten auf mehr.
(Georg Patzer)

 

Bogenschießen / TQJ 1/2015

Hendrik Wiethase/Gurudeva Rothacker: »Aus der Stille: Pfeile – Anatomie eines Bogenunterrichtes«
Wiethase 2014, 90 Seiten, TB, 12,90 EUR, ISBN 9783937632650

Ein Buch über das indische Bogenschießen ist schon etwas »Off-Topic« für eine Fachzeitschrift für Qigong und Taijiquan, auch wenn der Begriff »Qigong« einmal vorkommt. Und zwar in dem Zusammenhang, dass wir erst lernen müssen, unseren Körper in seiner Ganzheit zu erfahren und ihn dann ganz an unserem Tun zu beteiligen, so wie beim indischen Bogenschießen auch. Und damit wird auch deutlich, warum dieses Buch doch ins TQJ passt.

Gurudeva Rothacker beschreibt, wie sie in Indien bei ihrem Lehrer Hendrik Wiet-hase, im Buch mit seinem Sanskritnamen Omkara Nath, das indische Bogenschießen nach dem Dhanurveda lernte. Hendrik Wiethase unterrichtet schon sehr lange das traditionelle indische Bogenschießen, das Teil der indischen Kriegskunst ist, und hat einige Bücher, nicht nur zum Bogenschießen, aus dem Sanskrit übersetzt und im eigenen Verlag herausgegeben.

Es geht Gurudeva Rothacker um den Weg ihres Lernens, die Schwierigkeiten und Fortschritte, die sie dabei durchlebt. Es geht um Loslassen, im Moment Sein, ganz bei der Bewegung Sein, Achtsamkeit, Nicht-Wollen, Ganzheitlichkeit, Nicht-Erzwingen und all das, was den Weg des Lernens ausmacht. Wenn man intensiv Qigong und Taijiquan übt oder geübt hat, wird man vieles wiedererkennen und sich an seinen eigenen Weg des Lernens erinnert sehen. Von daher steht nicht so viel Neues in diesem Buch. Manches erinnerte mich an die Bücher, die ich über das Zen-Bogenschießen gelesen habe.

Aber das möchte ich nicht als Makel sehen, nicht immer muss ein Buch etwas Neues beinhalten. Dieses ist einfach schön geschrieben, lebendig, einfühlsam, nachvollziehbar, so als wäre ich dabei. Das gelegentliche Erscheinen von Fachbegriffen, auch aus dem Sanskrit, die mir nicht geläufig sind, störte mich überhaupt nicht.

Eine besondere Note bringen die zahlreichen Einschübe von Omkara Nath, der die jeweiligen Situationen aus seiner Sicht des Lehrenden beschreibt und zusätzliche Informationen bringt. Dieser Wechsel der Perspektive ist sehr interessant und lehrreich. Er unterbricht zwar den Erzählfluss von Gurudeva Rothacker, aber er behindert ihn nicht. Im Gegenteil, er fördert ihn sogar.
Fazit: Ein schönes Buch für alle, die sich mit dem Weg des Lernens beschäftigen. (Helmut Oberlack)

 

Yiquan und Management / TQJ 1/2015

Jochen Kuhn, Jumin Chen: »Führung: Vom Denken zum Fühlen: Die Kunst des Managements bereichert durch fernöstliche innere Künste«
Windsor 2013, 240 Seiten, 21,90 EUR, ISBN 978-1938699788

Ja, wenn es mal so einfach wäre: »Schaffen Sie Freiräume, damit Ihre Mitarbeiter auch wieder kreativ arbeiten können. Verzichten Sie so weit wie möglich auf Modelle und Vorgaben und lassen Sie Ihren Mitarbeitern Raum zur Entfaltung. Gelangen Sie so zu Lösungen, die sich nicht aus Fachbüchern und ›neuen‹ Modellen ableiten oder gar kopieren lassen.« Nein, so einfach ist es natürlich nicht. Denn auch Jochen Kuhn als ehemaliger Manager und Managementberater weiß, wie schwierig es ist, Verantwortung und Macht an andere abzugeben: »Dies ist ein Kernaspekt der Managementinnovation und sicher derjenige, welcher Managern am schwersten fallen dürfte.« Manager möchten ihre Umwelt so übersichtlich wie möglich haben, die Fäden nicht aus der Hand geben.

Jochen Kuhn ist aber auch seit vielen Jahren Schüler von Jumin Chen. In einem neuen Buch hat er versucht, die Lehre und vor allem die Praxis des Yiquan auf den Bereich zu übertragen, den er am besten kennt: das Führen eines Betriebs. Es gibt ja immer wieder Versuche, Taijiquan auf das Leben zu übertragen, auch die Verbindung von Innerer Kampfkunst und Management ist nicht ganz neu. Jochen Kuhn geht systematisch vor, indem er die Yiquan-Prinzipien von Jumin Chen, die er »Essenzen« nennt, Kapitel für Kapitel auf Theorie und Praxis des Managements anwendet.

Das sieht dann so aus: »Die Wahrnehmung des Körpers wird mit zunehmender Übung immer feiner. Nach einiger Zeit spürt man jeden Millimeter seines Körpers«, schreibt Jumin Chen. Und Jochen Kuhn überträgt das so: »Mit zunehmender Erfahrung nehmen auch die Fähigkeiten in der Führung zu. Man entwickelt ein immer besseres Gespür für Menschen, für die gesamte Organisation, für das Umfeld.« Er führt diese Idee über mehrere Seiten weiter aus, springt dabei hin und her: »Wir sind am Anfang wie ein Yiquan-Anfänger sehr an der Oberfläche beschäftigt. Erst mit der Zeit lernt man die Details und Feinheiten der Organisation kennen« … »Im Yiquan gehen wir oft zurück an die Anfänge, um uns nicht in den falschen Details zu verlieren« … »Oft sind Manager überfordert mit der Vielfalt an Anforderungen und kümmern sich dann am liebsten um kleine Nebensächlichkeiten.«

So streift Jochen Kuhn alle Bereiche des Yiquan-Trainings (Shen, Yi, Qi, Li und Xing) und des Managements (Führung, Selbstführung, Strategie, Wettbewerb, Produktentwicklung und Burn-out-Gefahr). Ob sich seine Ausführungen wirklich einfach umsetzen lassen, mag man bezweifeln. Unbezweifelbar ist aber, dass sie wichtige Hinweise geben und dass sie uns wieder einmal aufmerksam darauf machen, was wir eigentlich wirklich trainieren: nämlich das ganze Leben.
(Georg Patzer)

 

Planetensound mit tibetischen Klangschalen / TQJ 1/2015

Richard Hiebinger: »Klangschalen Chakra Meditation«
Edition RichArt 2012, Vertrieb Harmonia Musica, 2 Audio CDs, 22 EUR,
GEMA-freie Musik

Die Klangschalen-Komposition auf diesen CDs erinnert mich etwas an Minimal Art. Nicht von ungefähr waren Komponisten wie John Cage dem Zen zugetan. Ihnen gemeinsam ist auch der meditative Charakter: Wenige und wiederkehrende Töne laden zur Versenkung ein.

Richard Hiebinger wählte tibetische Klangschalen aus, die die 17 Planetenklänge unseres Sonnensystems wiedergeben. Die Stimmungen beruhen, wie es auf dem Cover heißt, »auf den intuitiven Wahrnehmungen von Mönchen aus dem Himalaya, den Forschungen des Pythagoras, Johannes Keplers und Berechnungen des Astrophysikers Cousto«. Das Hören dieser Schwingungen soll Resonanzen in Aura und Chakren erzeugen.

Ich fühle mich tatsächlich stark und auch sehr unterschiedlich – je nachdem, welche Klangschale ertönt – »berührt«. Die Schwingungen gehen in die Tiefe und laden ein, spürend ihren Nachhall im Körper zu beobachten. Und ich finde sie aus mehreren Gründen sehr nützlich für einen Einsatz auch im Qigong- oder Taiji-Unterricht: Da es keine Melodie gibt, die die Aufmerksamkeit auf eigene Weise bindet, und keinen Rhythmus, der einlädt, sich ihm anzupassen (und den uns innewohnenden zu überhören), locken die Töne eher ins pure Gewahrsein.
Durch die großen Pausen zwischen dem Anschlagen der Schalen (jeweils drei Minuten) bleibt ausreichend Raum für die Stille – pur. Zugleich verhindert jedes erneute Ertönen eines Klanges auch diffuses »Wegduseln«. Das kann für manchen hilfreich sein.

Durch das feste Zeitmaß, in dem die Klangschalen ertönen, kann man die CD außerdem gut zur Strukturierung von Übungseinheiten benutzen. Ich nutze sie zum Beispiel gern für Qigong-Geh-Meditation. Dann sage ich zu Beginn der Übungseinheit an, welche Veränderung im Ablauf der Übungen oder welche spezifische Aufmerksamkeit die Übenden bitte mit dem erklingenden Ton verbinden sollen. Und der Rest kann dann in gemeinsamem Schweigen erfolgen.

Von den beiden CDs enthält eine die Klangschalen pur. Die andere ist mit Meeresrauschen unterlegt. Sie bietet sich in Übungsräumen an, die von äußeren Geräuschen umgeben sind: um das Gewahrsein der Übenden im Raum zu halten. So sind diese CDs eine angenehme Übungshilfe, die sich gut einsetzen lässt. Auch wenn man es »nicht so hat« mit Musik im Unterricht.
(Dietlind Zimmermann)

 

Taiji-Qigong-Karten / TQJ 4/14

Ingrid Schmid Bergmann: »Taiji Qi Gong in 28 Schritten«
Selbstverlag 2012, 28 Karten, 25 EUR, und Poster, Format A1, 10 EUR

Ingrid Schmid Bergmann vom Taichi-Haus in Überlingen (D) hat ein Kartenset zum Üben des Taiji-Qigong mit 28 Bewegungen herausgegeben. Es richtet sich an diejenigen, die die Folge schon kennen und eine Erinnerungsstütze für das eigene Üben haben möchten. Für jede Bewegung gibt es eine eigene Karte, auf deren Vorderseite die Bewegungsfolge mit bis zu fünf Bildern dargestellt ist, teilweise aus unterschiedlichen Perspektiven. Auch bei fünf Bildern sind die einzelnen Abbildungen nicht zu klein, obwohl die Karten nur Postkartengröße haben. Auf der Rückseite gibt Ingrid Schmid Bergmann an, bei welchen Beschwerden beziehungsweise Krankheiten die einzelne Übung eine „heilende Wirkung“ und auf welche Bereiche von Körper und Geist sie eine „positive Wirkung“ hat. Zudem gibt sie noch Tipps, worauf beim Üben besonders geachtet werden soll und welche Vorstellungen hilfreich sind.

In dem sechsseitigen Booklet, das dem Kartenset beiliegt, listet Ingrid Schmid Bergmann die Reihenfolge der 28 Bewegungen auf und stellt nach einer kurzen Einführung ins Qigong ganz allgemein die wesentlichen Merkmale des Taiji Qigong vor.

Vom Booklet sollte man keine tiefer gehenden Informationen erwarten. Es ist mehr zur Abrundung des Gesamtsets gedacht. Die Karten sind sicherlich gut geeignet, sich die Übungen in Erinnerung zu rufen, und auch handlich genug, um sie zum Beispiel mit auf Reisen zu nehmen. Neu lernen wird man die Bewegungen nicht davon. Wer jedoch eine oder mehrere der anderen Reihen des Taiji Qigong übt, kann sich einen relativ guten ersten Eindruck von der Übungsfolge machen.

Das dazugehörige Poster im Format A1, auf dem alle Übungen mit den Bildern dargestellt sind, eignet sich eher dazu, es am Übungsplatz an die Wand zu hängen für eine schnelle Orientierung, wie es weitergeht.
Fazit: Eine nette kleine Übungshilfe in ungewöhnlichem Format.
(Helmut Oberlack)

Zu beziehen bei:
Taichi Haus Überlingen
Jodokstr. 17a
D-88662 Überlingen
Fon 07551/ 97 00 65
info@taichi-haus.de
www.taichi-haus.de

 

Kampfkunst-Krimi / 3/2014

Peter Lesoil: »Tai Chi – Der Sifu von Altona«
Selbstverlag 2014, 82 Seiten, Taschenbuch, EUR 5,34, als Kindle EUR 2,98

Die moderne Bücherwelt machte es möglich. Ein Buch nur als digitale Ausgabe zu veröffentlichen spart enorm an Produktionskosten und ermöglicht es jedem, ein Buch herauszubringen. Dieses Jahr ist ein Kampfkunstkrimi erschienen, der im Titel »Tai Chi« trägt, zuerst als Kindle Edition und seit kurzem sogar auch als Taschenbuch.

Die Story ist relativ einfach gestrickt. Im Mittelpunkt steht ein ehemaliger Polizist und Kampfkunstlehrer in Hamburg, der die edlen Kampfkunsttugenden verkörpert. Er wird von einem früheren Kollegen zur Identifizierung eines Toten in die Gerichtsmedizin gebeten. Dort erkennt er, dass gefährliche Kämpfer in die Stadt gekommen sind. Und natürlich macht er sich auf die Suche, ganz im Stile des stillen Einzelgängers, inklusive dem großen »Showdown« am Ende.
Das Buch ist lebhaft geschrieben und liest sich gut, auch wenn die Handlung keine Überraschungen bietet. Um Taijiquan geht es in diesem Krimi nicht, bis auf eine nette Anspielung auf einen bekannten Taiji-Lehrer aus Hamburg. Dessen literarisches Pendant kennt natürlich den Hauptdarsteller und bietet ihm seine Hilfe an, die dieser allerdings ablehnt.

Fazit: Es ist ein nettes kleines Buch für zwischendurch.
(Helmut Oberlack)

 

Sagte mal ein Therapeut zu einem Meditierenden … / TQJ 1/2014

Michael Stefan Metzner: »Achtsamkeit und Humor. Das Immunsystem des Geistes«
Schattauer 2013, 164 Seiten, 19,99 EUR, ISBN 978-3-7945-2936-0

Achtsamkeit ist in aller Munde. In Folge des westlichen Interesses an östlichen meditativen Methoden wurde der Aspekt der Achtsamkeit gleichsam aus den alten Methoden extrahiert und in wissenschaftlich flankierte Methoden wie MBSR (Mindfullness-Based Stress Re-duction) übertragen – weltanschauungsfrei, wie es so schön heißt. Damit findet Achtsamkeit zunehmend im klinisch-therapeutischen Kontext ihren Platz. Diese Schnittstelle ist für Taijiquan- und Qigong-KennerInnen nicht erstaunlich.

Gleichwohl kann es nicht schaden, den Aspekt der Achtsamkeit immer wieder in den Fokus zu holen: seine Bedeutung für das Üben und seine Bedeutung für den Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden. Hier finden sich mühelos Parallelen zu dem, was im vorliegenden Buch für den Kontakt zwischen Therapeut und Klient beschrieben wird.
Doch wie ist es mit Humor? Ist er Teil unserer Übungsmethoden? Oder passt er zu ihnen? Und welche Funktion könnte er erfüllen? Diese Fragen stellt Dr. phil. Metzner in Bezug auf die Arbeit als Psychotherapeut und untersucht die Gemeinsamkeiten der zwei scheinbar so unterschiedlichen inneren Ausrichtungen dem Leben gegenüber. Beide zusammen ergeben für ihn eine Art »Immunsystem des Geistes«.

Achtsamkeit zeigt sich als das probate Mittel, uns ins Hier und Jetzt zu befördern, uns aus unheilsamen Gedankenschleifen zu befreien. Michael Stefan Metzner beschreibt im ersten der drei Hauptteile die Zusammenhänge zwischen unserer »normalen« Weltwahrnehmung und sich zeigenden psychischen Problemen sehr gut und macht deutlich, in welcher Weise und warum Achtsamkeitstraining heilsam wirkt und wie es inzwischen auch therapeutisch genutzt wird.

Im zweiten Hauptteil widmet er sich genauso systematisch dem Humor. Auf der Basis einer guten Definition, die ihn abgrenzt von anderen Formen wie etwa Zynismus, analysiert er, was Humor für unser Bewusstsein leistet. Und siehe da, etwas sehr »Östliches« tritt auch hier zutage: Humor bringt uns in eine gesunde Distanz zu unserem Selbstbild und unseren Erwartungen. Humor ist für ein aufgeblähtes Ego wie eine Stecknadel für einen Luftballon. Damit wird auch klar: Humor bedeutet vor allem, dass man über sich selbst und über eigene Erfahrungen des Nicht-Gelingens lachen kann.

Im dritten Teil werden verschiedene praktische Anleitungen zum Erlernen von Achtsamkeit, aber auch zum Einüben einer humorvollen Haltung gegeben. Dies geht von einfachen mentalen Übungen, Anleitungen zur Sitzmeditation über einfache Yoga-Übungen bis zu einigen Vorstellungsübungen, wie man das »humorvolle Schmunzeln« lernen kann.

Der Autor, studierter Psychologe, Philosoph und Pädagoge, der nach akademischer Tätigkeit seit 2003 als klinischer Therapeut arbeitet, hat selbst langjährige Meditationserfahrung. Sein Buch ist ein Lesevergnügen, in dem auch mit Anekdoten und selbstironischen Beispielen aus dem eigenen Alltag nicht gegeizt wird. Ich sehe das lachende Gesicht des Dalai Lama vor mir, ähnlich wie das Foto auf dem Cover des Buches.
(Dietlind Zimmermann)

 

Aufruf zur Revolution / TQJ 1/2014

Rainer Maria Kohl: »Das Tao der Übung. Zen-Meditation, innere Kampfkunst und revolutionäre Praxis« mit einem Vorwort von Zen-Meister Pater Ama Samy
Selbstverlag, 172 Seiten gebunden, 25 EUR; zu bestellen über
mail@rainer-maria-kohl.de

www.easy-is-right.com

Wohin führt uns eigentlich dieses jahrelange Training von Taijiquan und anderen inneren Kampfkünsten oder Qigong? Dieses ständige Loslassen, Entspannen, Erden, in den Himmel Wachsen, Sichverinnerlichen? Die einen immer mehr nach innen, zur Selbstverwirklichung, zum inneren, privaten Frieden ... Für Rainer Maria Kohl, Taijiquan-Lehrer in Karlsruhe und Indien dagegen ist klar: »Jede Aktivität, die sich auf Spiritualität, Gottes-Bewusstsein, auf meditatives Tun und auf die Künste des Kampfes beruft und die sich nicht dem Erhalt der göttlichen Schöpfung verpflichtet fühlt und dafür eintritt, ist spirituelle und körperliche Wellness, spirituelle Onanie, die nichts weiter befruchtet als das eigene Ego.« Rainer Maria Kohl ruft »zu einer gewaltigen und gewaltlosen Revolution auf« und tritt vehement für eine revolutionäre Praxis ein, gegen ein System, das er als »Babylon« bezeichnet: »Die tönernen Beine des Kolosses, die aus Milliarden von abhängigen und isolierten Egos bestehen, werden seinen weltumspannenden Körper nicht länger tragen; er wird stürzen und zerbrechen. Wu-Wei wird alle äußerlichen Aktionen überflüssig machen.«

Nicht gerade wenig, was er erwartet. Und starke Worte. Aber er meint es ernst. Babylon ist für ihn »die Verkörperung des Ego; des individuellen Ego und des kollektiven Ego. Angeregt und inspiriert von der Religion und dem Gedankengut der Rastas, steht Babylon für alles, was den Menschen von seiner Freiheit abschneidet, (…) was ihn an seiner Selbst-Verwirklichung hindert. (…) Babylon ist eine Gedankenform. Sie besteht durch die hörige Zuwendung von Milliarden von Menschen.«

Sehr weit holt Rainer Maria Kohl aus, um sich zu erklären. Mit viel Emphase und Pathos streift er die politischen und ökonomischen Gegebenheiten, das leidige Geldverdienen auch der Qigong-Lehrer und die allgegenwärtige Gier, die aus diesem »üblen Trick« des Geldes resultiert. Er spricht von der »Zinssklaverei«, unter der die Länder der »Dritten Welt« leiden, und beklagt sich, als ehemaliger Erzieher, über die herrschende »Erziehung zum Gehorsam«.

Was ist zu tun? Für Rainer Maria Kohl ist der einzige Weg daraus ein Weg der Selbsterkenntnis. »Ich bin das auch! Das alles. Das Schlechte, Gemeine und Böse, das bin ich! Ebenso wie das Gute und Edle; das alles bin ich!« Das ist sein Weg des Dao. Meditation, also Innenschau, und Taijiquan sind für ihn das Handwerkszeug, um zu dieser Erkenntnis zu kommen und sich daraufhin von Babylon abzukoppeln, nicht mehr mitzumachen. Dabei will er das Ego nicht abtöten, sondern transformieren. Er beruft sich unter anderem auf Jesus, Hermann Hesse, Osho, Krishnamurti und meint apodiktisch: »Wachstum und Erleuchtung sind Pflicht, nicht Kür.«

Das für Menschen, die ebenso sehr links stehen wie Rainer Maria Kohl, sehr sympathische Buch hat für alle anderen ab und zu einen etwas rechthaberischen Beigeschmack. Wie das alles genau zu machen sei, davon handelt es nicht: Ein zweites, mit auch praktischen Hinweisen, ist in Vorbereitung. Insgesamt ist das Buch aber ein sehr spannender Exkurs in die Politik, ein Aufruf zur Verweigerung der Teilhabe an »Babylon«. (Georg Patzer)

 

Fasten, entschlacken und richtig ernähren

Mantak Chia: »Kosmische Entgiftung. Der taoistische Weg der inneren Reinigung«
Amra 2012, 220 Seiten, 19,95 EUR, ISBN 978-3-939373-96-4

Muss man immer gleich so übertreiben? »Der Mensch (…) kann bei bester Gesundheit viele Jahrhunderte alt werden.« Oder: »Ob Menschen (…) endlose Zyklen der Krankheit (erleben), hängt allein von der Ernährung ab.« Als wenn es nicht zum Beispiel auch Erbkrankheiten gäbe.

Ein neues Buch von Mantak Chia wird von vielen sicher mit Spannung erwartet. »Kosmische Entgiftung« enttäuscht leider etwas. Nicht nur sprachlich: Im Vorwort heißt es, dass es nicht möglich sei, »in einem (kranken) Körper Meditation und Bewegung zu praktizieren«. Ich habe, wie viele, einen nicht immer gesunden Körper und praktiziere seit einigen Jahren Qigong und Taijiquan, was mir sehr hilft, gesund zu werden. Solche oberflächlichen Sätze verärgern immer wieder. Auch bei Mantak Chias Plädoyer für kolloidales Silber: Ein Medizinforscher habe »einen Zusammenhang zwischen Erkrankungen und einem niedrigen Silbergehalt festgestellt«.

Dann schreibt er, dass »Befürworter kolloidalen Silbers wissen, dass es sich um einen mächtigen antiviralen Wirkstoff handelt«, danach, »dass es schwierig sein kann, verlässliche Informationen dazu zu finden« und dann, dass es »das Thema unzähliger medizinischer Forschungsberichte« sei. Ein ziemliches Durcheinander.
Was also empfiehlt Mantak Chia? Eine Ernährung, die das Säure-Basen Gleichgewicht bewahrt, vor allem grünes Gemüse, Gräser, Wurzelgemüse und Getreidesprossen als Hauptbestandteile. Regelmäßiges Reinigen des Körpers durch Einläufe und Fasten oder Mono-Diäten (zum Beispiel Bananen). Sehr wichtig sind ihm Darmspülungen, die man zweimal im Jahr eine oder zwei Wochen lang jeden zweiten Tag durchführen soll. Bestimmte Suppen, Säfte und Tees, deren Rezepte er mit angibt. (Selbst)Massagen, Sonnenbaden, Augen-, Mund- und Nasenspülungen, Übungen für die Augen und Ohren. All das ist in seinem Buch detailliert erklärt und mit illustrierenden Fotos versehen. Dazu kommen Zusatzstoffe wie kolloidales Silber, energetisiertes Wasser, Meerwasser, Kombucha-Tee. Er erklärt sehr ausführlich die Urintherapie, außerdem die »Heilenden Laute« und das »Innere Lächeln«.

Leider ist sein Programm nicht neu, Säure-Basen-Ernährungsbücher, Entschlackungs- und Fastenprogramme gibt es viele, und auch in unterschiedlicher Verbindung. Leider fehlen vor allem die daoistischen Hintergründe, die im Titel versprochen werden. Etwas Weiterführendes, etwas wirklich Kosmisches. Das wäre interessant gewesen, denn Mantak Chia ist durchaus ein Mensch, der etwas zu sagen und zu lehren hat. Schade.
(Georg Patzer)

 

Meditative Übungen zu den Jahreszeiten

Sabine Mayerhofer: »Reisen durch die Landschaften der Seele«, Frühling und Herbst
Tao Art 2012, je eine DVD mit Booklet, Direktvertrieb www.tao-art-rv.de,
Einzelpreis 24,95 EUR

Schön sehen sie aus, diese beiden DVDs und die dazugehörigen Booklets. Illustriert mit farbigen klaren Kreidezeichnungen – von der Frühlingswiese über herbstbelaubte Bäume bis zu abstrakten, meditativ stimmenden Bildelementen reicht die Auswahl dessen, was farblich passend auf die jeweilige Jahreszeit und ihre Energetik einstimmen soll.

Sabine Mayerhofer beschäftigt sich seit 1992 mit fernöstlichen Bewegungs- und Heilkünsten, ist vom DDQT anerkannte Ausbilderin für Taijiquan und Qigong, bietet (Thai-)Massage an und hat eine Zusatzausbildung in Psychosynthese. Sie schöpft aus diesen Quellen sowie einer intensiven Beschäftigung mit der TCM und setzt sich kreativ mit den fünf Wandlungsphasen auseinander. Ihre Arbeit ist nun anhand der ersten beiden vorliegenden DVDs zu Frühling und Herbst nachzuvollziehen. Sie nennt dies Angebot zum Mitmachen »Reisen durch die Landschaften der Seele«. Damit knüpft sie eng an die Vorstellung der TCM an: das klimatische Erlebnis der Jahreszeit als (und im) Spiegel des inneren, körperlichen wie geistigen Erlebens.
Die »Reise« verläuft jeweils in drei Etappen: eine von ihr gestaltete bewegte Qigong-Übungsreihe, eine Massage und eine Meditation. Alle drei Möglichkeiten sind gut einzeln aufgearbeitet und dargestellt, so dass Interessierten frei bleibt, wie sie das Angebotene verwenden. Das Booklet gibt einige Tipps, worauf man achten sollte, wenn man für sich selbst oder in der Gruppe üben möchte – und ermuntert zum Ausprobieren. Außerdem lädt die Autorin ein, ihr ein Feedback über Erfahrungen mit den Übungen zukommen zu lassen.

Die Meditationen (einmal mit und einmal ohne Musik gesprochen), vorgetragen mit angenehmer Stimme, bieten gut Halt und Führung und eignen sich aus meiner Sicht durchaus zum heimischen Selbstüben. Wobei ich mir bei der Übung zum Herbst, einer aus der Psychosynthese angeregten Anleitung zur Selbstbegegnung mit Persönlichkeitsanteilen, nicht sicher bin, ob das für jedermann allein im Kämmerlein das Richtige ist oder ob ich mir da lieber ein Setting wünschen würde, das gegebenenfalls irritierende Erfahrungen auffangen kann.

Die von Sabine Mayerhofer selbst gezeigten und angeleiteten Qigong-Übungsreihen erweisen sich als eine attraktive und durchaus plausible Zusammenstellung von Bekanntem und zur Wandlungsphase Passendem – unter anderem aus den »Heilenden Lauten«, den Kranichübungen, den Brokaten – sowie einigen Übungen, die zumindest ich so noch nicht kannte.

Sie werden einmal in Gänze vorgeführt und dann einmal Bild für Bild gezeigt und erläutert. Dabei sehen wir die Lehrerin immer frontal. Die Bildqualität ist sehr gut, die gesprochenen Anleitungen deutlich, mit Verweisen auf die Meridia-ne oder auch die innere Ausrichtung. Dennoch ist es hier wie in allen Fällen: Ein Mensch ohne Qigong-Vorkenntnisse wird sich schwer tun, alles zu erkennen, worum es geht, und somit in der Ausführung selten die gewünschten Effekte erreichen können. Beim Herbst kommt erschwerend hinzu, dass die Vorführende in hohem Gras steht und man so die Füße gar nicht sehen kann.

Die Massagen erweisen sich als erzählte Geschichten. Auf dem Rücken derjenigen, die die Massage empfängt, laden die Hände der Erzählerin mit diversen behutsamen Berührungen dazu ein, das Gehörte fühlend zu verinnerlichen. Hier kann ich mir gut vorstellen, dass zwei sich Wohlgesonnene sich zusammenfinden, um zu den Klängen der DVD in wechselseitiger Massage einander Reisebegleitung zu sein.

Aus meiner Sicht sind die gut gemachten DVDs eine erfreuliche Einladung zum Üben für alle mit etwas Vorkenntnissen im Qigong. Das spürbar ganzheitliche Konzept und die liebevoll-offene Grundhaltung, mit der Sabine Mayerhofer Übende willkommen heißt, machen den kleinen Schatz an Übungen zu einer guten Reiseleitung bei der Entdeckung der Wandlungsphasen Holz und Metall in uns selbst.
(Dietlind Zimmermann)

 

   

Quellentexte der inneren Alchimie

Thomas Cleary (Hrsg.): »Die Drei Schätze des Dao. Basistexte der inneren Alchimie«
Neuausgabe, Edition Steinrich 2012, 352 Seiten, gebunden,
24,90 EUR [D]/25,60 EUR [A]/43,70 CHF, ISBN 978-3-942085-28-1

Endlich sind diese von Thomas Cleary vor über 20 Jahren erstmals herausgegebenen Basistexte der Inneren Alchimie im Steinrich Verlag wieder neu erschienen. Die drei Schätze – mit Vitalität, Ener-gie und belebender Geist übersetzt, heute würde man eher die chinesischen Ausdrücke Jing, Qi und Shen stehen lassen – stellen das wesentliche Konzept der chinesischen Kultur dar, sind Bestandteil der Heilkunde, der spirituellen Tradition und Grundlage der inneren Künste wie Qigong und Taijiquan.

Allein schon die Einleitung zu den drei Schätzen ist lesenswert, da geschichtliche und soziale Aspekte dieser Konzepte beschrieben werden. Bei der Darstellung von Vitalität/Jing wird allerdings ausschließlich auf die sexuelle Energie eingegangen, die nur ein Teil dieser dichtesten Form von Qi ist.

Der gesamte Band enthält Ausschnitte daoistischer Literatur aus den vergangenen 2500 Jahren. Er beginnt mit dem Daodejing und anderen Grundlagentexten des philosophischen Daoismus wie Zhuangzi oder Huainanzi. Durch jeweils kurze Einführungen wird der politische und soziale Kontext erhellt, in dem diese Schriften entstanden sind, was wesentlich zum Verständnis beiträgt. Thomas Cleary versucht in seinen Übersetzungen nahe am Geist dieser alten Weisheitstradition zu bleiben und eine christlich-abendländische Färbung der Sprache, wie wir sie oft in den Übersetzungen von Richard Wilhelm finden, zu vermeiden.

In den Texten ist vom ewigen Wandel, der Unsterblichkeit und den Wahren Menschen die Rede, die alchimistische Forschung war immer die Suche nach einem Weg, diese Ideale zu verwirklichen, um »das Dao zu erlangen«.
Dieser Weg, oft als Herstellung des Elixiers oder der Goldenen Pille beschrieben, führt über ein tiefes Verständnis von Yin und Yang zur Läuterung, Verfeinerung und Transformation der drei Schätze Jing, Qi und Shen zur großen Leere, zum Dao. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich unterschiedliche Schulen heraus, die ihre Übungswege zumeist in sehr bildreicher und verschlüsselter Weise weitergegeben haben.

Auch wenn diese Schriften geheimnisvoll und kryptisch sind, versteht es Thomas Cleary durch verständlich geschriebene Erläuterungen die verschiedenen Strömungen begreifbarer zu machen. Zwei wesentliche Richtungen haben sich entwickelt: Eine mehr an der Energiearbeit und den körperlichen Prozessen interessierte südliche Schule und die auf spirituelle, meditative Übungen ausgerichtete nördliche Schule, die sehr stark vom Chan-Buddhismus (Zen) beeinflusst war.
Thomas Cleary ist ein herausragender Übersetzer dieser Richtung und so bleibt sein Sprachgebrauch gerade an der Schnittstelle von Daoismus und Buddhismus sehr authentisch.

Besonders für Qigong- und Taiji-Praktizierende ist dieses Buch eine Fundgrube beispielsweise in den Textauszügen, die der großen Taijiquan-Legende Zhang Sanfeng zugeschrieben werden. Hier finden wir die philosophischen, psychologischen und spirituellen Grundlagen dieser Kunst.
Qigong-Übende finden sowohl die Quelle für die Arbeit mit dem »Kleinen himmlischen Kreislauf« und anderen inneren Übungen als auch die Warnung davor, sich zu sehr auf einzelne Punkte oder Bereiche (Elixierfelder) zu konzentrieren und das Wesentliche aus den Augen zu verlieren.

Als PraktizierendeR der inneren Bewegungskünste ist man am Ende vielleicht etwas ernüchtert, da viele Texte vor allem das »Sitzen in Vergessenheit« oder »Läutern des Geistes«, also den meditativen Aspekt dieses Schulungsweges hervorheben. Dies liegt daran, dass die konkreten Energie- und Körperübungen früher nicht schriftlich festgehalten wurden, sondern nur in persönlichen Unterweisungen erfahrbar waren. Was uns hier aber schriftlich als Essenz einer uralten Weisheitstradition vorliegt, kann unseren Übungsweg ein Leben lang begleiten. Je tiefer wir in die Übungen eintauchen, desto weiter und klarer wird der Zugang zu dieser wunderbar bildreichen Sprache und Symbolik.

Die Anthologie erinnert an die tieferen philosophischen und spirituellen Inhalte und so ist sie in einer Zeit, in der die äußeren Formen oft im Vordergrund stehen, ein Muss für alle intensiv Übenden. Jenseits von Daoismus und Buddhismus finden wir hier die tausende Jahre alte Quelle von Achtsamkeitsübungen, die sozusagen in religions-neutraler Form heute in vielen Bereichen von Medizin, Psychologie und allgemeiner Lebensgestaltung wieder Einlass finden.
(Renate Kuschke)

 

Hara oder das untere Dantian

Karlfried Graf Dürckheim: »Hara – Die energetische Mitte des Menschen«
O. W. Barth 2012, 254 Seiten, 19,99 EUR (D)/20,60 Euro (A)
ISBN 978-3-426-29208-2

Leider passiert es allzu oft, dass nach einer gewissen Zeit die Verlage Bücher aus dem Programm nehmen, egal wie gut sie sind. Dankenswerterweise hat der O. W. Barth Verlag den Klassiker von Karlfried Graf Dürckheim in einer überarbeiteten Neuausgabe wieder herausgegeben. Bereits Anfang der 1950er Jahre erschien das Buch erstmals, bald nach der Rückkehr Dürckheims von seinem zehnjährigen Aufenthalt in Japan und seiner dortigen Begegnung mit dem Zen-Buddhismus.
Hara ist ein Begriff aus dem Zen, dessen wörtliche Übersetzung einfach Bauch ist und der den physischen Unterleib meint, aber eigentlich nur als Lokalisation für die energetische Mitte des Menschen, oder auch »Erdmitte«, wie es bei Dürckheim heißt. Als Mittelpunkt des Hara wird der Bereich fünf Zentimeter unter dem Nabel benannt, im Japanischen Tanden. Damit ist der Bezug des Hara zum unteren Dantian offensichtlich und das Buch kann als Qigong-Buch gelesen werden, das die geistig-spirituelle Bedeutung des unteren Dantian für den Menschen beschreibt.

In seiner ganz eigenen Sprache erklärt Dürckheim, warum es für den Menschen so wichtig ist, sich mit seiner Kraft im Hara zu zentrieren und welche Veränderungen sich für ihn daraus ergeben. Eine gute Inspiration für Qigong und Taijiquan sind die Hara-Übungen, die ausführlich beschrieben werden. Sie beginnen mit dem Verankern im Hara, der rechten Haltung im Stehen und im Sitzen und führen über das Einpendeln auf die rechte Mitte, das Thema Spannung und Entspannung bis zu Übungen zum rechten Atmen.

Hara ist zwar ein östlicher Begriff – ebenso wie Dantian, Qigong und Taijiquan –, verwurzelt in der östlichen Tradition, aber Dürckheim bemerkt dazu, dass es keinesfalls nur eine östliche Weisheit ist, »sondern ein Allgemeinmenschliches, um das der Osten sich mehr bemüht hat als wir«. Sehr schön dazu sind die Fotos mittelalterlicher Kunstwerke, auf denen Christus mit einem wunderbar deutlichen Hara dargestellt ist.
Der ausführliche Anhang des Buches enthält zusätzlich Texte japanischer Meister über die Bedeutung des Hara.
Ein inspirierendes Buch, das einen Beitrag leistet, Qigong und anderes östliches Wissen in unserer westlichen Kultur zu verwurzeln.
(Elvira Glück)

 

Konfuzius als Weiser des Herzens im 21. Jahrhundert?

Yu Dan: »Konfuzius im Herzen. Alte Weisheit für die moderne Welt«
Droemer 2009, Hardcover, 233 Seiten, ab 6,50 EUR, ISBN 978-3-426-27490-3

Das Buch hat ein bisschen was von »Franz Alt erklärt die Grundwerte des Christentums«. Die nicht mehr ganz jungen LeserInnen werden sich vielleicht erinnern, dass dieser in den 80er Jahren angesichts politischer und gesellschaftlicher Verfallserscheinungen versuchte, den Deutschen zu erläutern, warum die Krisen der Zeit unter Umständen am besten dadurch zu bewältigen seien, dass man sich auf die Leitlinien eines kultureigenen Wertekanons zurückbesinnt.

Ähnliches machte Anfang dieses Jahrtausends die promovierte Film- und Fernsehwissenschaftlerin Dan Yu in der Volksrepublik China, beginnend mit einer Fernsehreihe, deren Inhalt schließlich auch als Buch publiziert wurde: »Konfuzius im Herzen« wurde ein Mega-Bestseller und tut genau dies: der gegenwärtigen Bevölkerung Chinas den Wertekanon ihres traditionellen »Zentralheiligen«, so darf man wohl sagen, erneut näher bringen, indem gefragt wird, ob und wie die Kerngedanken des Konfuzianismus im heutigen Alltag hilfreich sind. Ersteres eine rhetorische Frage, versteht sich.

Das Buch wurde auch ein internationaler Erfolg, 2009 erschien es auf Deutsch (Übersetzung Johannes Fiederling) im Droemer Verlag, und Yu Dan hat sich so indirekt zu einer Kulturgesandten ihres Volkes entwickelt.
Für mich ist »Konfuzius im Herzen« in mehrerer Hinsicht interessant: Zum Einen ist es eine sehr leichtfüßige Einführung in die Gedankenwelt des Konfuzianismus. Und während in Taiji- und Qigong-Kreisen zumindest eine Grundkenntnis über den Daoismus und manchmal auch den Buddhismus vorhanden ist, führt die dritte und in gewisser Hinsicht wichtigste geis-tesgeschichtliche Strömung Chinas bei uns ein Schattendasein, so dass mit dem Begriff kaum mehr als ein paar Klischees verbunden werden wie: Bildung und Erziehung, Moral und … der Verdacht, dass der Konfuzianismus hauptsächlich zu braven Staatsdienern erzieht.

Dabei geht es sehr wohl um Erziehung, aber es werden auch Ideale formuliert, die man alles andere als engherzig finden kann. Tatsächlich kann man in den Gedanken des Kongzi so etwas wie eine chinesische Variante formulierter Menschenrechte finden – zumindest wird dargestellt, was Menschenwürde sei, und sie in jedermann zu achten gilt als eine der unbedingten Tugenden des sogenannten »Edlen« – desjenigen also, der »wahre Menschlichkeit« lebt. Diese Aspekte werden von Dan Yu gut herausgearbeitet.

Außerdem finde ich es interessant, das Buch unter dem Blickwinkel zu lesen, dass es ursprünglich für die eigenen Landsleute geschrieben wurde. Da es bei Kongzi auch immer um das Verhältnis von Staat und Bürgern (Volk) geht, taucht sofort die Frage auf: Wie hat eine Autorin der Gegenwart dies Thema bewältigt, ohne sich dabei mit einer Regierung anzulegen, die Kritik nicht eben wünscht, beziehungsweise: Wie weit wird eine »regierungstreue« Auslegung präsentiert, sei es aus Überzeugung oder um nicht anzuecken. Hier mag sich jedeR eine eigene Meinung bilden.

Ein wacher Blick lohnt sich und machte für mich die Lektüre besonders spannend. Denn natürlich ist das konfuzianische Ideal des Edlen, der die Sorge für das Allgemeinwohl über seine persönlichen Bedürfnisse stellt, etwas, was auch im Sinne einer kommunistischen Ideologie instrumentalisiert werden kann. Ich halte es durchaus für möglich, dass gerade weil die Bevölkerung Chinas über Jahrhunderte mit diesen Werten lebte, sich der Kommunismus besonders leicht und fast organisch in das chinesische Denken einfügen ließ – bis heute. Und der Verdacht, konfuzianische Ethik ließe sich gut verwenden, um zu Obrigkeitshörigkeit zu erziehen, ist eben auch nicht ganz unbegründet. Wie andere Weisheitsquellen der Menschheit lassen sich auch die Lehren des Kongzi interpretieren und für bestimmte Zwecke gebrauchen oder missbrauchen.

Insgesamt ist dieses Buch ohnedies eine sehr persönliche Auswahl aus den Grundgedanken des Kongzi, das gibt die Autorin offen zu. Dennoch ist es in seiner Leichtigkeit eine gute Lektüre, um sich mit »chinesischem Denken«, aber eben auch mit einem der zentralen Denker dieser Kultur ein wenig vertraut zu machen. Das Buch ist obendrein optisch ansprechend, die Kapitel mit Tuschemalereien in traditioneller Manier unterteilt, zentrale Sentenzen und Zusammenfassungen werden in chinesisch-rotem Druck in Kästchen hervorgehoben. Am Ende sind die Quellen der Zitate aus dem Lùny?, den Lehrreden des Kongzi, angegeben – so kann, wer mag,»beim Meister selbst« nachlesen.

Das Buch ist schon wieder aus dem Verlagssortiment herausgenommen, man bekommt es aber noch vielerorts und zumeist zu einem sehr freundlichen Preis. Deshalb: jetzt besorgen.
(Dietlind Zimmermann)

 

Konfuzius: Deutsch-chinesische Gesamtausgabe eines Klassikers

»Die Lehren des Konfuzius. Die vier konfuzianischen Bücher«, Chinesisch und Deutsch, übersetzt und erläutert von Richard Wilhelm, Vorwort Prof. Dr. Hans van Ess
Zweitausendeins 2009, Paperback, 1112 Seiten, 7,99 EUR,
ISBN 978-3-86150-873-1

Im gleichen Jahr, als »Konfuzius im Herzen« von Dan Yu bei Droemer erschien, brachte der Versandbuchhandel Zwei-tausendeins in seiner eigenen Edition eine Lizenzausgabe der Gesamtquellentexte der Lehren des Kungzi heraus. Trotz Paperback nicht gerade handlich, was das Gewicht betrifft – immerhin sind es 1112 Seiten –, aber doch ein fein händelbares Arbeitsmaterial: auf der linken Seite jeweils die Verse in chinesischen Zeichen, auf der rechten in Deutsch plus gleich hinzugefügter Kommentierung. So kann, wer mag und des Chinesischen kundig ist, vergleichend lesen oder seine Sprachkenntnisse erproben oder vertiefen.

Schön auch, dass nicht nur Lùny?, die »Gespräche« (Aufzeichnungen der Schüler des Kongzi über seine Lehrreden) enthalten sind, sondern außerdem drei weitere Quellen: Zh?ng Y?ng »Maß und Mitte«, Daxue »Die große Wissenschaft« und Nengzi. Es handelt sich zwar nicht um eine Neuübersetzung, sondern um die für uns Westler schon klassisch zu nennende Übersetzung von Richard Wilhelm. Sie wurde aber ergänzt durch ein aktuelles Vorwort von Prof. Dr. Hans van Ess, derzeit Sinologie-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Ich halte diese sehr kostengünstige Gesamtausgabe für eine gute Quelle – um immer mal wieder hineinzulesen, sich in einzelne Sprüche zu versenken und um ein Gespür dafür zu bekommen, welche Qualitäten dieser Philosophie sich in unseren Übungswegen niedergeschlagen haben. Oder anders gesagt: Nicht nur der Daoismus und der Buddhismus, auch der Konfuzianismus gibt klare Orientierung auf dem Entwicklungsweg des Menschen, lädt ein zur Selbstkultivierung. Gerade auch die Frage nach der Ethik desjenigen, der meint »mehr zu können und zu wissen als die anderen« – die Frage nach der Ethik des Unterrichtens findet für uns deutliche und interessante Antworten. Beispiel? »Der Edle stellt Anforderungen an sich selbst, der Gemeine stellt Anforderungen an die (anderen) Menschen.« (Gespräche, Buch XV, 20.)
(Dietlind Zimmermann)

 

Entspannen, aber nicht abschlaffen

Martin Schmid: »Integrale Bewegung. Grundlagen, Übungen, Anwendungen«
Books On Demand 2010, 336 Seiten, 22,90 EUR,
ISBN 978-3842327788

Nein, keine neue Theorie, kein neues System. Ganz im Gegenteil: die Essenz. Anwendbar in Kampfkunst, Yoga, Pilates, Taijiquan und Qigong und sogar in der Muckibude. Mit Auswirkungen auf die Gesundheit und die zwischenmenschlichen Beziehungen. Wie jedes gute Bewegungssystem eben. Eigentlich ist es pures Qigong, was Martin Schmid in seinem Buch über die »integrale Bewegung« vorstellt. Vielleicht sagt ein Yoga-Schüler, es sei pures Yoga. Was ist es also? Eine Reihe von Überlegungen und eine Reihe von Übungen, die diese Überlegungen erfahrbar machen.

Es geht um Bewegung, um »richtige« Bewegung. Um den Körper und wie man ihn entspannen kann, damit er, endlich, »richtig« funktioniert. Richtig heißt, und der Autor erklärt das systematisch, der Körper soll sich zentrieren, öffnen, ausdehnen, verbinden und integrieren (da er es englisch benennt, heißt es bei ihm center, open, expand, blend und integrate – zusammengefasst »Coebi« oder schweizerisch »Köbi«).

Wichtig ist ihm, dass es keine statischen Zustände sind, sondern bewegte Zyklen, die man sich auch so zunutze machen kann, in »selbstverstärkenden Zyklen«, zum Beispiel beim Öffnen als Wachstumszyklen, beim Blend als »Vernetzungszyklen«. Wichtig ist ihm auch, dass wir die richtige Struktur entwickeln, denn wir sollen zwar entspannen, aber nicht abschlaffen. Er schlägt dafür die »Tensegrity«-Struktur vor, die wir in uns entwickeln können und in der wir uns auch bewegen lernen können.
Wie gesagt, das ist alles nicht neu für den aufmerksamen Qigong- oder Taiji-Lehrling. Auch nicht für Yoga-, Felden-krais- oder Franklinschüler, von letzteren scheint er die Kunst des sinnvollen und sinnlichen Visualisierens und Spürens übernommen zu haben. Aber immerhin ist es schön, das alles, bis zur Spiralbewegung, auch mal wieder systematisch aufgezählt zu bekommen. Sehr schön sind vor allem die Übungen, beispielsweise die des Käfers, der unseren Körper als Kontrabass benutzt – eine Übung, mit der wir unsere Fähigkeit zur Resonanz wiederentdecken können. Und dass Martin Schmid weiß, dass sein (und auch unser) Bewegungskonzept viel mit der »Kunst der Begegnung« zu tun hat, mit der Welt, mit den Nächsten, mit sich.
Schön ist vor allem der Ton, in dem Martin Schmid schreibt. Nicht belehrend, nicht von oben herab, sondern offen und sympathisch, entdeckungsfreudig und völlig undogmatisch. Alles zusammen macht aus seinem schmalen, schön sachlich aufgemachten Buch ein Werk, aus dem viele noch etwas lernen können.
(Georg Patzer)

 

Erfahrungen mit chinesischen Meistern

Maik Albrecht/Frank Rudolph: »Wu – Ein Deutscher bei den Meistern in China«
Palisander 2011, 368 S., 23,80 Euro,
ISBN: 978-3938305126

Was kostet ein Meistertitel? Maik Albrecht und Frank Rudolph erklären in vielen Einzelheiten die Welt des Wushu.
Zuerst war ich enttäuscht. Ich dachte, das Buch sei ein weiterer schöner Erfahrungsbericht eines Deutschen in China, im Wudang, so etwas wie Yürgen Osters und Lilo Ambachs Klassiker »Ohne Gnade«. Aber Maik Albrecht hat mit Frank Ru-dolph etwas gänzlich anderes geschrieben, und manches davon ist richtig gut.
Die beiden gehen einigen wichtigen und vielen immer wieder gestellten Fragen nach: »Was ist Wushu, was ist Gongfu? Was unterscheidet die Kampfkünste voneinander? Ist es überhaupt sinnvoll, eine Differenzierung vorzunehmen? Worin liegt der

Unterschied zwischen modernen und traditionellen Methoden?«
Und sie haben Antworten. Ihr Buch beginnt mit einer »kurzen Darstellung des Wushu«, erklärt das Wesen der Kampfkunst anhand der chinesischen Schriftzeichen und geht auch auf die Begriffe Wuji und Guocui, »Essenz der chinesischen Kultur«, ein, auf Wuyi und Shoubo.

So ausführlich ist Maik Albrecht, seit vielen Jahren Schüler von Li Zhenghua, mit seinem Koautor Frank Rudolph immer, wenn er irgendetwas erklärt über Theorie und Geschichte des Wushu. Man bekommt kurz, aber umfassend Auskunft über bekannte und weniger bekannte Stile, über die Waffen (neben »Säbel und Schwert« schreiben sie hier auch über »Fransen und Blut«), die Trainingsprinzipien (hier erwähnen sie vor allem Kraft, Weichheit, Härte und Jin) und Trainingsmethoden wie Dehnung, Gong-Übungen, Zhan Zhuang und die passenden Trainingsgeräte (leider fehlt ein Register). Die Autoren kommen auch auf »Yip Man und die Vermarktung des Wingchun« zu sprechen und auf die »Scharlatane im Wushu«, sie diskutieren »Sinn und Unsinn der Graduierungen« und fragen frech: »Was kostet ein Meistertitel?«

Maik Albrecht und Frank Rudolph scheuen sich nicht vor eigenen Meinungen. Leider verfranst sich das Buch ein wenig, wenn Maik Albrecht über die vielen Meister spricht, mit denen er Kontakt hatte oder bei denen er in seinen Jahren in China trainiert hat und noch trainiert: Er lebt noch immer in China und hat die Tochter seines Shifu geheiratet. Überhaupt ist das ansonsten lobenswerte Buch sprachlich oft ein wenig steif und unbeholfen, manchmal redundant und anekdotenhaft. Vor allem in den Beschreibungen der Meister könnte es lebendiger und anschaulicher sein, man merkt, dass Maik Albrecht eher Kampfkünstler und Sinologe als Autor ist. Inhaltlich ist das Buch eine Fundgrube.
(Georg Patzer)

 

Deutsche erleben den Boxeraufstand

Gerhard Seyfried: »Gelber Wind oder Der Aufstand der Boxer«
Aufbau 2010, TB 641 Seiten, 12,95 Euro, ISBN 978-3-7466-2576-8

Die Geschichte, die wir erzählt bekommen, ist Geschichte. Sie spielt in wenigen Wochen im Jahr 1900, in den von der deutschen Marine besetzten chinesischen Provinzen und im Gesandtschaftsviertel der Hauptstadt Beijing.

Erzählt wird sie uns von Gerhard Seyfried, Jahrgang 1948, der vor allem in der linken Szene berühmt wurde mit seinen Comics und Cartoons.

Wir erleben aus der Sicht von Deutschen den sogenannten Boxeraufstand in China, bei dem sich fremdenfeindlich und einer Modernisierung gegenüber ablehnend gesonnene Kräfte gegen »die Fremden«, die stark koloniales Verhalten an den Tag legten, erhoben. Der Autor hat die historischen Quellen genau studiert, bietet auch ein ausführliches Glossar und einige Literaturangaben im Anhang. So hat der Text eine hohe Authentizität, die auch in vielen wörtlichen Zitaten zum Ausdruck kommt.

Streckenweise ermüden allerdings die detaillierten Kampfberichte mit Nennung aller Beteiligten, ihrer Bewaffnung und dem militärischen Vorgehen etwas. Aber das mag die Ermüdung spiegeln, die Soldaten in einem sehr mühsamen und blutigen Hin und Her von Angriff und Verteidigung erleben, seien sie beseelt vom Glauben an das Richtige oder gebunden durch Disziplin und Pflichtgefühl.

Gerhard Seyfried erzählt die Geschichte aus Sicht mehrerer Personen: eines Kapitänleutnants zur See, der an den Kämpfen beteiligt ist, einer jungen Frau, die als Privatlehrerin eine Kaufmannsfamilie zu ihren Niederlassungen in China begleitet, eines Journalisten, der sich in dem von Aufständischen eingeschlossenen Gesandtschaftsviertel Beijings aufhält, und schließlich aus der Sicht eines sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten in Berlin. Bewusst und bis in die Sprachwahl hinein wählt der Autor den Blickwinkel der Protagonisten, spiegelt damit den allgemeinen Kenntnisstand des beginnenden 20. Jahrhunderts mit seiner Weltsicht und seinen (Vor-)Urteilen gegenüber dem »Reich der Mitte«. Und: All dies ist erst gute 110 Jahre her …

»Gelber Wind« ist eine Leseempfehlung für diejenigen, die sich für die Kultur interessieren, aus der unsere Übungswege stammen, und vielleicht auch dafür, warum wir manchmal nicht verstehen, was China so »politisch treibt«. Unser Verstehen oder Nicht-Verstehen ist Teil der Geschichte, der Begegnung zwischen den Kulturen, die eine lange Vergangenheit hat. Wenn man dieses Buch liest, bekommt man eine Vorstellung, warum Deutsche, Europäer, Westler aus Sicht Chinas und im Licht seiner historischen Erfahrungen vielleicht nicht uneingeschränkt als Vorbild für den »Import von Menschenrechten« gelten können – Gerhard Seyfried macht die Geschichte indirekt so zu einem Plädoyer für Frieden und Verständigung. (Dietlind Zimmermann)

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Meditation: Östliche Tradition und westliche Forschung

Heinz Hilbrecht: »Meditation und Gehirn. Alte Weisheit und moderne Wissenschaft«
Schattauer 2010, 220 Seiten, 19,95 EUR, ISBN 978-3-7945-2795-3

Dieses Buch ist laut Klappentext »ein Handbuch für Meditierende, das östliche Weisheit auf dem Boden der Wissenschaft ins Leben holt«. Den Anspruch kann ich im Buch wiederfinden.

Meditation führt zu Erfahrungen, die der Alltagswahrnehmung zum Teil sehr widersprechen. Sie galten deshalb früher als unerklärlich. Aus diesem Grunde werden solche Techniken als »okkult« abgetan, bedauert Dr. Heinz Hilbrecht – selbst Meditierender, Naturwissenschaftler und Journalist. Ihm geht es aber nicht nur darum, das Renommee von Meditation in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu heben, er sorgt sich auch um diejenigen, die es mit Meditation versuchen. Gerade weil sich im westlichen Weltbild bisher keine Erklärung bot, können die bei der Meditation auftretenden veränderten Bewusstseinszustände als beängstigend empfunden werden und zu persönlichen Krisen führen.

Hier scheint mir Hilbrechts zentrale Motivation zu liegen, die Erklärung für Erfahrungen durch Meditation ganz an die verschiedenen – vor allem unbewussten – Hirnfunktionen anzubinden. Was er dabei zutage fördert, ist hochinteressant und lohnt die Lektüre unbedingt.

Der Autor fasst die Untersuchungsergebnisse von frühen Studien bis zu den aktuellsten (2010) immer im Hinblick auf seine jeweilige Themenauswahl zusammen, wie zum Beispiel sprachliches Denken und intuitives Denken, freier Wille, Theory of Mind, Empathie – um nur einige Stichworte zu nennen. So macht er aus ihnen quasi Beweismaterial für seine Darstellung dessen, was Meditation in den von ihm beschriebenen zehn Stufen leistet.

Er zeigt, wie die Ausdehnung unserer bewussten Wahrnehmung zunehmend zu einer Bewusstmachung bisher unbewusster Denkprozesse führt und wie sich das in entsprechenden Aktivitäten bestimmter Hirnareale nachweisen lässt. Hieraus leitet er schlüssig ab, warum Meditation ein effektives Mittel zu einem produktiven Umgang mit den Herausforderungen des Alltags ist: Wer seine eigenen unbewussten Impulse kennt und diese kontrollieren kann, dies schließlich auch empathisch auf andere ausdehnen kann, erweitert seine Selbstmächtigkeit wie auch seine soziale Kompetenz.

Das letzte Drittel des Buches widmet sich den Gefahren für Meditierende. In diesem Zusammenhang beleuchtet er das Verhältnis Lehrer-Schüler, die Auswirkungen von Drogenkonsum und den Umgang mit dem an die Oberfläche tretenden Unbewussten. Schließlich folgen noch gute vierzig Seiten praktischer Tipps und Hinweise, die augenscheinlich aus der eigenen 30-jährigen Meditationserfahrung des Autors erwachsen sind. Außerdem bietet das Buch ein Sachwortregister und ein ausführliches Literaturverzeichnis.

Fasziniert hat mich einerseits, wie Heinz Hilbrecht aus den Ergebnissen der Forschung ein klares Plädoyer für die menschliche Willensfreiheit ableitet. Irritiert hat mich andererseits, das Mensch und Gehirn bei ihm nahezu mit einem Gleichheitszeichen verbunden sind: »Das Gehirn, also jeder einzelne Mensch, kann im Prinzip entscheiden, was er lernen will und wie er deshalb funktionieren will.«
Viel Diskussionsstoff ist hier zusammengetragen worden, in gut leserlicher Form – lesenswert!
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 3/2011

Chinesische Medizin für den Westen

Dr. med. Fritz Friedel: »Das Gesetz der Balance. Chinesisches Gesundheitswissen für ein langes Leben«
Gräfe und Unzer, 2. Auflage 2010, 192 Seiten, 19,90 EUR, ISBN 978-3-8338-1668-0

Eine für westlich geprägte Menschen gut verständliche Einführung in die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) zu geben ist ein Kunststück, das aus meiner Sicht leider selten gelingt. Zentrale Begriffe sind teilweise nicht wirklich übersetzbar (Qi, Jing), teilweise scheinbar identisch (Blut, Herz) und meinen doch etwas ganz Verschiedenes. Bücher, die es genau nehmen, sind deshalb oft hoch komplexe Wälzer – und die anderen verleiten zu oberflächlichem Ergreifen des fremden Wissens, das eher verwirrt als erhellt.

Dr. Fritz Friedl, Jahrgang 1952, ist Allgemeinmediziner, hatte diverse Jahre eine Praxis für Naturheilverfahren und leitet seit 2003 die von ihm gegründete Klinik »Silima«, in der vorrangig nach den Verfahren der TCM therapiert wird. Der Autor studierte unter anderem bei Prof. Dr. Manfred Porkert, einem Sinologen, dem wir in Deutschland die ersten systematischen Zugänge zur TCM verdanken, und dem »Gesetz der Balance« ist tiefes und fundiertes Wissen aus beiden medizinischen Systemen in jeder Zeile anzumerken. Die Beschreibungen sind anschaulich, alltagsbezogen und gut nachvollziehbar.

Das Buch erklärt die Grundlagen wie Daoismus, Yin und Yang, Qi etc. Die Organfunktionskreise werden ausführlich im Zusammenhang mit der Theorie der fünf Wandlungsphasen erläutert. Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt liegt beim Thema »Mitte« und bei der Bedeutung des Immunsystems. Alles wird mit Fallbeispielen veranschaulicht, kleine Kästen mit Infos zu Begriffen und Tipps zum eigenen Gesundheitsverhalten machen das Ganze lesefreundlich. Qigong und Ernährung ist jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet, inklusive einer Übungsanleitung zur Harmonisierung der fünf Organfunktionskreise und einiger Kochrezepte aus der Klinikküche für eine Qi- und Substanz-stärkende Ernährung.

In Inhalt und Aufmachung macht das Buch also »Appetit«, Gesundheitsfürsorge in die eigenen Hände zu nehmen – dies ist auch die Intention des Autors.
Mein Fazit: Hier schlägt jemand so gekonnt die Brücke zwischen Ost und West, dass ich mich traue zu sagen: Wer dies Buch gelesen hat, hat eine gute Vorstellung davon gewonnen, was die TCM leisten kann und aus welchem geistigen Kontext die Wirkungsweisen von Qigong in der Gesundheitsfürsorge zu verstehen sind.
(Dietlind Zimmermann)

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Die fünf Wandlungen aus neuer Perspektive

Dieter Mayer: »Typgerecht trainieren mit der Bewegungslehre nach den Fünf Elementen«
Books on Demand 2010, 192 Seiten, 24,90 EUR, ISBN 978-3-8391-6756-4

Dieter Mayer ist Kampfkünstler und Bewegungslehrer. Er unterrichtet Taijiquan, Qigong, Escrima und Wing Chun Kung Fu. Aus dem Handwerk kommend packt er sein Thema handwerklich praktisch an – es geht ihm um die Umsetzbarkeit theoretischen Wissens in die Praxis von Lehrern, Trainern, Therapeuten. Das von ihm entwickelte Power-Response®-Training verbindet anatomische Kenntnisse, die Lehre der Kraftentwicklung aus dem Tuishou in „five steps“ seines Taiji-Lehrers Patrick Kelly und das Modell der fünf Elemente/Wandlungsphasen.

Die relative Offenheit der Fünf-Elemente-Theorie als Muster von Beziehungen hat es Dieter Mayer ermöglicht, die verschiedenen Ansätze zu einem interessanten Konzept zu verbinden. Von Kapitel zu Kapitel entfaltet sich schlüssig das Potenzial dieser neuen trainingsorientierten Sicht. Das Ganze wird unterstützt von einem durchgehenden grafischen Konzept, das das Wiedererkennen, Einordnen und innere Nachvollziehen des Beziehungsgeflechtes der fünf Trainingstypen gut ermöglicht.

Den verschiedenen anatomischen Phasen eines Bewegungsablaufs werden zugleich verschiedene Trainingstypen zugeordnet, entsprechend den Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser. Dabei stellt der Autor eine anschauliche Verbindung zwischen den körperlichen Präferenzen des Übenden einerseits und den inneren Haltungen dem Training gegenüber anderseits her. Er erklärt aus der Struktur des Elemente-Modells heraus, wodurch innere Widerstände gegen das Training entstehen können und wie sie mit Hilfe der verschiedenen Beziehungen der Elemente untereinander überwunden werden können.

Daraus ergibt sich zuletzt eine schlüssige Darstellung, wie sich das bei Trainertypen spiegelt und wie diese mithilfe des vorgestellten Modells ebenfalls ihre Kompetenz erweitern können. Das Power-Response®-Training soll darüber hinaus den Trainer befähigen, im direkten Körperkontakt durch gezieltes Beeinflussen der muskulären Vorgänge des Übenden genau den Widerpart zu bilden, mit dem derjenige auch seine Trainingshemmnisse überwinden kann.

Ein praxisorientiertes Buch mit vielen Anregungen und eine positive Bereicherung für alle, die folgende Interessen haben: Vertiefung des Verständnisses der fünf Wandlungen, erfolgreiches Tuishou, Selbstverständnis und Anregung für gutes eigenes Trainieren, Train the Trainer, Coaching ... um mit Dieter Mayer zu sprechen: Hier werden alle fünf Typen fündig - der Kämpfer, der Spieler, der Vermittler, der Stratege und der Philosoph.
(Dietlind Zimmermann)

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Die Kultur des Bewusstseins

Prof. Dr. Wilfried Belschner: »Der Sprung in die Transzendenz. Die Kultur des Bewusstseins und die Entmystifizierung des Spirituellen«
LIT 2007, Psychologie des Bewusstseins Bd. 7, 208 Seiten, 14,90 Eur [D], 15,40 Eur [A] / 22,90 [sFr], ISBN 978-3-8258-0300-1

Angeregt zur Lektüre dieses Buches wurde ich durch den Eröffnungsvortrag, den Wilfried Belschner auf den 9. Deutschen Qigong-Tagen in Halle hielt: »Qualitätssicherung – zwischen Sehnsüchten, Versprechungen und Erwartungen«. Anders als zu vermuten war, ging es nicht um Ausbildungszertifikate, Doppelblindstudien und Ähnliches, sondern um die spezifischen Qualitäten des Bewusstseins, deren Entwicklung meditative Übungswege wie die unseren ermöglichen, und um die wissenschaftliche Nachweisbarkeit dieser Bewusstseinsqualitäten. Die wirklich erhellenden und wie ich finde motivierenden Thesen, die der inzwischen emeritierte Psychologieprofessor aus Oldenburg in seinem Vortrag knapp präsentierte, kann man in seinem Buch »Der Sprung in die Transzendenz« nachlesen.

In mehreren Artikeln, die unabhängig voneinander gelesen werden können, nimmt er uns mit auf eine persönliche Entdeckungsreise, die dazu führte, dass er der akademischen Psychologie sowie allen professionell therapeutisch Arbeitenden nahelegt, sich wieder mehr mit dem Phänomen Bewusstsein zu beschäftigen. Mehr noch: Er will es wieder als notwendige Größe in das Fach Psychologie einführen.
Er beschreibt, dass unsere kulturelle Fixierung auf das rationale Wachbewusstsein zu einem Dogma geworden ist, das andere Bewusstseinszustände letztlich als krankhaft aussondert oder leugnet. Genau hier kann der Kontakt mit einem Übungsgut aus einem anderen Kulturkreis wahrhaft »erleuchtend« wirken. So hat es Wilfried Belschner am eigenen Leib erfahren. Durch jahrelanges Studium des Zazen sowie intensive Erfahrungen mit Qigong kam er in Kontakt mit den verschiedenen Bewusstseinsstufen, die er auf einer Achse zwischen »dual« (Alltagsbewusstsein) und »non-dual« (höhere Bewusstseinszustände) verortet. Er beschreibt sie bezogen auf die Art, wie wir interagieren, als sachlich-rational – empathisch – von der Erfahrung reiner Bewusstseinsqualitäten getragene Begegnung – von der Erfahrung der Non-Dualität getragene Resonanz.

Es handelt sich hier um ein wissenschaftliches Fachbuch und so liest es sich nicht »eben mal so weg« –, auch wenn Wilfried Belschner über weite Strecken sehr lebendig und persönlich schreibt. Aber wer wissen möchte, wie sich die entscheidenden Qualitäten unserer Übungswege in der Sprache der Psychologie beschreiben lassen, der wird in diesem Buch fündig.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 4/2007

Achtsame Pädagogik

Nils Altner: »Achtsamkeit und Gesundheit. Auf dem Weg zu einer achtsamen Pädagogik«
Prolog Verlag 2006, Reihe Bewegungslehre und Bewegungsforschung Band 26, 356 Seiten Pb., ISBN 3-934575-29-3

Vor dem Hintergrund der immer schlechteren allgemeinen Gesundheit gerade auch bei Kindern erscheint es sinnvoll und notwendig, pädagogische Einrichtungen gesundheitsfördernd zu gestalten und das schließt auch die Beziehungen unter den Menschen ein. Nils Altner hat in seiner Doktorarbeit untersucht, wie sich Methoden der Achtsamkeitsschulung in diesem Zusammenhang auswirken können. Als Beispiele zieht er die stille Meditation, Hatha Yoga und Qigong heran sowie die Mindfulness-based Stress Reduction.

Die Arbeit ist in drei große Bereiche gegliedert. Der erste Teil führt in Theorie und Praxis von Achtsamkeit, die pädagogisch relevanten Aspekte von Gesundheit sowie Achtsamkeit als Gesundheitsressource bei Erwachsenen ein. Teil zwei thematisiert die Gesundheitsrisiken bei Kindern und Jugendlichen, den Einfluss der Schule auf die Gesundheit von SchülerInnen und LehrerInnen sowie die Achtsamkeits-praxis mit Schulkindern. Im dritten Teil geht der Autor auf die Bedeutung von Achtsamkeit für die Persönlichkeitsentwicklung von SchülerInnen und PädagogInnen ein. Als Pädagoge richtet sich sein Interesse vor allem auf das Entwicklungs- und Bildungspotenzial, das er in der Förderung von Achtsamkeit sieht und das weit über eine direkte Verbesserung der Gesundheit hinausweist.

Das Buch bietet eine Fülle von Informationen zum Thema Achtsamkeit und einen Überblick über die zahlreichen Forschungen, die zu einzelnen Bereichen durchgeführt wurden. Obwohl als Dissertation geschrieben, ist es gut zu lesen und durch die detaillierte Gliederung sehr übersichtlich.

Es überrascht nicht, dass Nils Altner an vielen Beispielen die positive Wirkungen von Achtsamkeitsschulung aufzeigen kann. Er weist jedoch in seinem Fazit darauf hin, dass es ihm nicht um deren Instrumentalisierung für bestimmte Zwecke geht: »So haben wir Achtsamkeit unter den Aspekten von vier Fähigkeiten betrachtet, die in ihrer Gesamtheit eine bestimmte Lebenshaltung beschreiben. Diese Fähigkeiten betreffen das bewusste Richten und Verweilen-Lassen der Aufmerksamkeit, die sinnliche und wache Präsenz des Bewusstseins im gegenwärtigen Moment, die selbstreferenzielle Wahrnehmung des eigenen Daseins sowie die Fähigkeit, dem Wahrgenommenen mit liebevoller Achtung begegnen zu können. Achtsam Sein lässt sich als eine Haltung zum Leben beschreiben, deren Wert in sich selbst liegt und die zu den Stärken gehört, die Menschen in ihrem Leben entwickeln können.«
(Almut Schmitz)

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TQJ 4/2009

China-Knigge

Yu-Chien Kuan/Petra Häring-Kuan: »Der China-Knigge. Eine Gebrauchsanleitung für das Reich der Mitte«,
Fischer TB, 5. Auflage 2008, 315 Seiten, 7,95 Euro, ISBN 978-3596166848

Sie planen eine Reise ins Ursprungsland von Qigong und Taijiquan? Sie möchten Ihre chinesische Lehrerin oder Ihren chinesischen Lehrer nach Deutschland einladen und wollen den Aufenthalt so gestalten, wie es der Bedeutung der geschätzten Person entspricht? Da könnten einige Tipps von Nutzen sein!

Das Anderskulturelle, mit dem wir schon beim Erlernen von Taijiquan und Qigong konfrontiert sind, bezieht sich auch auf das Zwischenmenschliche, die Kommunikation allgemein, die Umgangsformen im Besonderen. Und hier lauern Missverständnisse ohne Ende.

Kenntnisreich und unterhaltsam schafft da der »China-Knigge« des in Hamburg lebenden Sinologen Yu-Chien Kuan und seiner ebenfalls fachkundigen Ehefrau Petra Häring-Kuan Abhilfe. Das Autorenpaar kommt aus beiden Kulturkreisen und hat wechselseitig persönlich wohl alle Stolpersteine kennengelernt. Das Buch ist mit einer Fülle von erlebten und erzählten Anekdoten angereichert, die humorvoll und variantenreich vor Augen führen, wie leicht man sich zutiefst missverstehen kann.

Sollte man etwas zu trinken anbieten? Ist eine höfliche Ablehnung (auch mehrere) ernst zu nehmen? Wie muss eine Essenseinladung aussehen, damit der Gast sich nicht gar fehl am Platze fühlt? Ist es höflich, den Teller leer zu essen oder sollte man etwas übrig lassen? Sind einige private Sätze im geschäftlichen Umgang angebracht oder nicht?

Selbst wenn man nicht in die »Verlegenheit« kommt, GastgeberIn von ChinesInnen zu sein: Wenn Sie Ihr Üben im Taijiquan und Qigong als Gelegenheit empfinden, sich und Ihre eigene Kultur im Kontakt mit der fremden neu anzuschauen und besser zu verstehen, dann ist dies Buch eine interessante Bereicherung. Denn natürlich ist das Miteinander, das eine andere Kultur pflegt, auch eine Art Spiegel, der uns auffordert, das Eigene noch einmal genauer zu betrachten.

Der »China-Knigge« ist ein nützliches, amüsantes Buch, das obendrein Stoff für Diskussionen über die eigene Kultur enthält.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 3/2010

Chinesische Eigentherapie bei psychosomatischen Rückenschmerzen

Frank Seefelder: »Chinesische Rückenschule. Eigentherapie bei Rückenschmerzen, Rheuma und Osteoporose«, Leitfaden chinesische Eigentherapie Bd. 4
Schirner Verlag 2010, 224 Seiten, EUR 14,95, ISBN 978-3897678675

Frank Seefelder ist TCM-Lehrer, Entspannungspädagoge, Dozent und Autor der Buchreihe »Leitfaden chinesische Eigentherapie« im Schirner Verlag. Mit diesem Ratgeber möchte er zu verschiedenen Feldern gesundheitlicher Störungen ein für die Leser selbstständig durchführbares Therapieprogramm anbieten. Band 4 beschäftigt sich mit der Volkskrankheit Rückenschmerzen.

Es findet sich die Einteilung: allgemeine Rückenschmerzen, solche der Lendenwirbelsäule, der Brustwirbelsäule, der Halswirbelsäule sowie Therapievorschläge bei Rheuma und Osteoporose.

Sein Ansatz basiert auf dem Grundgedanken, dass die Krankheitsbilder psychosomatischen Charakter haben und erfolgreich mit einer Methode behandelt werden können, die gleichermaßen somatische und mentale Aspekte umfasst.
Der Titel der Reihe »Chinesische Eigentherapie« erscheint ein wenig irreführend, da hier vieles einfließt, das nicht aus TCM-Quellen stammt. Damit eröffnet uns Frank Seefelder einerseits einen breiten Erfahrungsschatz, sorgt aber andererseits auch für diverse Unklarheiten. Begriffliche Ungenauigkeiten und Verknappungen irritieren, zum Beispiel im Glossar: »Dantien: Begriff für das Energiezentrum, auch Zinnoberfeld genannt. Es existieren fünf Energiezentren, die im Oberkörper verteilt sind«.

Allemal lobenswert ist Frank Seefelders Anspruch, der Volkskrankheit Rückenschmerzen mit einem ganzheitlichen Konzept zu begegnen. Der Autor baut sein Programm auf den Säulen Entspannung/Meditation/Konzentration, Akupressur, Qigong und Ernährungsempfehlungen auf. Die Lage der Akupunkturpunkte für Selbstmassage ist gut beschrieben und bebildert. Die diätetischen Tipps sind mit einigem »Fachchinesisch« gewürzt, das für LeserInnen ohne Vorkenntnisse eher schwer verdaulich sein dürfte. Aber zumindest öffnet es das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Ernährung und Rückenschmerz aus Sicht der TCM. Die Qigong-Übungen sind durchgängig anschaulich beschrieben und bebildert, so dass ich sie durchaus nachvollziehbar fand. Ob das für AnfängerInnen und gar für Menschen mit Bewegungseinschränkungen und Schmerzen ebenso gilt, bleibt wie immer eine offene Frage.

Sehr deutlich zeigt Frank Seefelder auf, dass Probleme, die auf den alltäglichen Lebensstil zurückgehen, nur durch Veränderung der Gewohnheiten und konsequentes Training zu beeinflussen sind. So macht es Sinn, dass das Buch am Ende für jede Problematik einen zweiwöchigen Übungsplan anbietet, mit Raum für eine eigenverantwortliche Gestaltung des Programms: Die LeserInnen werden angeregt, sich für ihren eigenen Therapieplan in jedem Feld – Qigong, Entspannung, Akupressur – jeweils zwei bis drei Übungen herauszusuchen. Ein Wochenplan unter dem Motto »Wann haben Sie trainiert?« soll für Motiva-tion und Selbstkontrolle sorgen.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 1/2009

Chinesische Medizin

Enver Bunjaku: »Chinesische Medizin. Wege zu seelischer und körperlicher Gesundheit«
Books on Demand 2008, 204 Seiten, 24 Eur, ISBN 978-3-8370-1747-2

Dies soll ein Praxisbuch sein, und vorweg gesagt: Das ist gelungen. Enver Bunjaku arbeitet nicht nur seit 15 Jahren als Heilpraktiker und seit 2000 im Centrum für Traditionelle Chinesische Medizin in Potsdam und Berlin, sein Ausbildungshintergrund umfasst ein Studium der Medizin und der Psychologie sowie Ausbildungen in chinesischer Medizin, Chiropraktik und Osteopathie.
Dem Buch ist in jedem Satz anzumerken, dass es aus der Praxis mit den PatientInnen und diesem umfassenden Wissenshintergrund entstanden ist. Im Vorwort spricht der Autor davon, dass vielfach PatientInnen danach gefragt hätten, was sie selbst beitragen könnten, und in diesem Buch versucht er mit einer guten Mischung aus einfach aufbereitetem theoretischem Hintergrundwissen und praktischen Selbstbehandlungsanleitungen allen Interessierten einen leicht nachvollziehbaren Zugang zu eröffnen.
Diesen Alltagszugang bietet das psychodynamische Modell der fünf Wandlungsphasen. Nach wenigen Seiten hat Enver Bunjaku Themen wie Qi, Blut, Yin und Yang abgehandelt und widmet sich danach konsequent der Betrachtung von Gesundheit und Krankheit unter dem Modell der fünf Wandlungen.

Wie in allen solchen Werken finden wir eine Menge Tabellen mit Zuordnungen, die sich zum Teil erfreulich von anderen Werken abheben und auch Hinweise einschließen, die nicht aus der TCM abgeleitet sind, sondern anderem Erfahrungswissen entspringen.

Was die praktische Umsetzung betrifft, hat der Autor das Wort Selbstbehandlung wörtlich genommen. Er weist den fünf Funktionskreisen mit ihren organischen und emotionalen Grundfunktionen je einen Finger der Hand zu. Nach einer kurzen Einführung über die Sicht der TCM auf die enge Vernetzung von Psyche und Soma widmet sich fast die gesamte zweite Hälfte des Buches der Selbstbehandlung emotionaler Spannungszustände anhand von Meditationsübungen und Massageanwendungen in Bezug auf Hände und Finger. Diese sind ausführlich und nachvollziehbar beschrieben. Dabei hat der Autor auch einen Warnhinweis über die Grenzen der Selbstbehandlung nicht vergessen.

Die Aufteilung der Kapitel führt leider zu einigen Wiederholungen, aber insgesamt ist ein ausgesprochen gelungenes Buch entstanden, das motiviert, die Gesundheit »in die eigenen Hände« zu nehmen – mehr noch als ein Buch über chinesische Medizin an sich. Aber dennoch bietet es auch hier eine interessante, weil bisher wenig verfolgte Perspektive: die psychotherapeutischen Möglichkeiten der TCM und des Modells der fünf Wandlungen, insbesondere auch im Sinne der Selbstregulation. Und es ist allemal eine gute Lektüreempfehlung für TCM-Patienten.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 4/2006

Die Psychosomatik der acht Sondermeridiane

Achim Eckert: »Acht Wundermeridiane. Psychische und physische Funktionen der Acht Außerordentlichen Gefäße der traditionellen chinesischen Medizin«
Dào 2006, 358 Seiten geb., 74 EUR, ISBN 978-3-200-00608-9

Nachdem er in »Das Tao der Akupressur und Akupunktur« bereits eine sehr umfassende Darstellung aller Organmeridiane und ihrer Punkte gegeben hat, präsentiert Achim Eckert in seinem neusten Werk die wohl ausführlichste Beschreibung der acht »Außerordentlichen Gefäße« zumindest in der europäischen Literatur. Sie ist geprägt von einem ausgesprochen ganzheitlichen Medizinverständnis, in dem emotionale, körperliche, geistige, energetische, soziale und spirituelle Dimensionen gleichermaßen wahrgenommen werden.
Achim Eckert ist Mediziner mit Ausbildungen in chinesischer und westlicher Medizin, Shiatsu, Meditation und Struktureller Bindegewebsmassage. 1992 begann er mit einem Forschungsprojekt, in dem er nicht nur die genaue Lokalisation der klassischen Akupunkturpunkte, sondern auch ihr geistiges, emotio-nales und energetisches Wirkungsspektrum untersuchte. Zahlreiche Probanden schrieben ihre individuellen Erfahrungen bei der Behandlung der einzelnen Punkte auf. Daraus entstand ein ungewöhnlich vielschichtiges Bild der jeweiligen Wirkungen.

In Bezug auf die acht Wundermeridiane, die ja abgesehen von Renmai und Dumai keine eigenen Punkte haben, wurden verschiedene Kombinationen von Punkten, die mit jeweils einer dieser Leitbahnen in Verbindung stehen, sowie Akupressurbehandlungen von zwei bis drei sich gegenseitig in ihrer Wirkung unterstützenden Meridianen getestet. Die zusammengefassten Ergebnisse sind im vorliegenden Werk zusammen mit einer hervorragenden Einführung in die chinesische Energie- und Substanzenlehre systematisch dargestellt. Dabei werden bei den paarigen Meridianen zusätzlich die japanischen Verläufe beschrieben, die teilweise erheblich von den chinesischen abweichen.

Es ergibt sich ein sehr lebendiges Bild von der Rolle, die die Sondermeridiane im Menschen spielen. Neben ihren Funktionen als Qi-Reservoir und ausgleichenden Verbindungen zwischen den Organmeridianen wird ihr Einfluss auf die Wahrnehmung – sowohl für sich selbst als auch für die Umgebung –, die Gehirnaktivität, die Regenerationsfähigkeit, eben die grundlegende Energetik deutlich. So können sie beispielsweise genutzt werden, um sich bei großer Erschöpfung rasch und gründlich zu erholen oder um sich auf besondere Herausforderungen wie einen Auftritt als KünstlerIn, einen sportlichen Wettkampf oder anspruchsvolle geistige Arbeit vorzubereiten.

Insgesamt inspiriert das Buch dazu, auch selbst genau nachzuspüren, zu beobachten und zu experimentieren. Und dazu liegt noch ein weites Feld vor uns, da sich die Erkenntnisse, die Achim Eckert hier auf klar verständliche Weise mit uns teilt, ja zunächst nur auf Behandlungen mit Akupressur und Akupunktur beziehen.
(Almut Schmitz)

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TQJ 3/2007

Kampfkunst für Kinder

Chen Jianghong: »Junger Adler«
Moritz Verlag 2006, Bilderbuch ab 5 Jahre, 40 Seiten, Preis: 16,80 EUR,
ISBN 978-3-89565-175-5

»Avatar – Der Herr der Elemente«
Buch 1, Vol. 1 2007, DVD, FSK: ab 6 Jahre, 92 Spielminuten,
zu beziehen z.B. über Amazon:
Preis 9,95 EUR

In letzter Zeit werden vermehrt Bücher sowie CDs oder DVDs veröffentlicht, die sich damit beschäftigen, wie man mit Kindern Taijiquan oder Qigong üben kann. Was ist aber mit Veröffentlichungen, die das Thema für Kinder aufbereiten, so dass diese sich eigenständig damit auseinandersetzen können? Schwieriges Thema. Zwei Beispiele aus eigener Erfahrung, mein Sohn ist sechs Jahre alt, möchte ich hier kurz vorstellen.

Zum einen ein Bilderbuch mit kurzen Texten namens »Junger Adler«. Die Geschichte eines Waisenjungen, der von einem Meister des Adlerboxens aufgenommen und später ausgebildet wird. Erzählt wird mit fein gezeichneten Bildern die klassische Geschichte vom Meister und seinem Schüler. Der Schüler eifert erst heimlich dem Meister nach und wird nach langen, mühevollen Jahren selbst zum Meister. Obwohl die Geschichte sehr ernste Töne anschlägt, wird sie gerne zum Schlafengehen gelesen und gehört. Meinem Sohn wurde durch die Geschichte bewusst, dass Fertigkeiten nicht vom Himmel fallen und erst beständiges Üben irgendwann zur Meisterschaft führt. Abgesehen davon fühlte er sich ermutigt, die gezeigten Techniken nachzuahmen, was ihm einen weiteren Motivationsschub für sein Training gab.

Zum anderen gibt es eine Fernsehserie, die auf dem Kindersender NICK lief und nun nach und nach auf DVD erscheint. Sie erzählt die Geschichte von Aang, dem letzten der Luftbändiger, der mit einer Freundin herausfindet, dass er der Avatar ist, derjenige, der als Einziger die vier Elemente ins Gleichgewicht bringen kann. Dafür muss er lernen, alle vier Elemente zu beherrschen, und macht sich auf die Reise, diese Aufgabe zu erfüllen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Welt seit 100 Jahren im Krieg ist. Die Feuernation versucht die anderen drei Nationen zu unterjochen.

Es handelt sich um eine Animationsserie, die sich allerdings positiv abhebt von den gängigen japanischen Serien, die des Nachmittags die TV-Schirme beflimmern. Einerseits wird das hoch philosophische Thema der Elemente sehr spielerisch behandelt, andererseits kommen Humor, Action und Zwischenmenschliches in keiner Weise zu kurz. Einfühlsam und nicht zu überdreht kommt Avatar daher. Der Held ist sympathisch, hat außergewöhnliche Fähigkeiten, ohne überheblich zu sein und weiß, dass er noch eine Menge zu lernen hat.

Avatar kommt aus den USA und die Merchandise Welle hat Deutschland voll erfasst. Allerdings hat mein Kleiner auch seit den Playmobil-Rittern nicht mehr so viel und ausdauernd allein gespielt wie mit den Avatar-Figuren.
Natürlich sind solche Medien Geschmackssache. Ich persönlich finde sowohl das Buch als auch die DVDs gut, weil sie meinen Sohn beschäftigen und nachwirken und zum Nachdenken anregen.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 2/2007

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China hörbar

Antje Hinz: »China hören. Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte Chinas von der Mythologie bis in die Gegenwart«
Silberfuchs 2006, CD mit Beiheft, ca. 80 Spielminuten, Preis: 24 EUR (D), 24,20 EUR (A), ISBN 978-3-9810725-2-5

Es gibt Bücher über China und DVDs, Reiseberichte oder Philosophisches, Geschichte und Mythologie. Was es selten gibt, ist eine umfassende, aber doch übersichtliche Abhandlung über die Kulturgeschichte Chinas. Zu vielfältig scheint das Thema, zu erschlagend die Menge an Informationen. Wo fängt man an, wo hört man auf?

Nun kommt der Silberfuchs Verlag und präsentiert eine umfassende und doch leicht verdauliche Übersicht über 4000 Jahre China. Vom mystischen Ursprung der Welt bis hin zum Spannungsfeld Vergangenheit und Moderne in China – vom China der vorkaiserlichen Zeit bis hin zur Volksrepublik – von den philosophischen Grundlagen bis hin zur Peking-Oper. Interessierte finden hier zu jedem Aspekt interessante Informationen. Diese Tatsache allein ist schon ein Lob wert.

Das größte Lob gibt es allerdings für die Wahl der Präsentation: Es wurde eine Hör-CD produziert. In 20 Kapiteln werden die Geschehnisse in handlichen Häppchen serviert und man kann sowohl die ganze CD hören, die es auf immerhin 79 Minuten Spielzeit bringt, oder sich einzelne Kapitel raussuchen. Das Ganze stets unterlegt mit chinesischen Klängen, was es einem noch leichter macht, in die Materie einzutauchen, auch wenn es nur für wenige Minuten ist. In Rolf Becker fand der Verlag einen Sprecher, der mit seiner Stimme angenehm ins Thema passt und an entsprechender Stelle für wichtige Nuancen sorgt.

Alles in allem eine wirklich gelungene CD, die von der Aufbereitung her nicht nur für Erwachsene, sondern durchaus auch für Jugendliche und Kinder geeignet ist. So macht Wissen Spaß und wir können nur hoffen, dass wir in Zukunft weitere solcher Werke hier besprechen können.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 4/2007

Meditation für den inneren Weg

Hetty Draayer: »Finde dich selbst durch Meditation – Ein Lese- und Übungsbuch«
Schirner Verlag 2007, 660 Seiten, 13,95 EUR(D) / 14,40 EUR(A) / 25,20 SFr,
ISBN 978-3-89767-538-4

Hetty Draayer, geboren in Indonesien, kam durch ihre Gefangenschaft in einem japanischen Lager während des Zweiten Weltkrieges auf den inneren Weg. Nach einer schweren Erkrankung lebte sie für einige Zeit in Rütte im Zentrum von Graf Dürckheim und begann danach ihre Arbeit mit Menschen, die sie bis ins hohe Alter fortführte. Aus der Stille heraus hatten sich ihr ursprüngliche Verbindungen zwischen dem Körper, der Seele und der geistigen Welt erschlossen und auf diesem Weg begleitete sie viele Menschen.

Graf Dürckheim fuhr selbst viele Jahre regelmäßig zu ihr und vertraute sich ihrer Führung an. Im Vorwort zu ihrem ersten Buch schrieb er: »Es ist, als ob jeder Teil unseres lebendigen Leibes eine eigene besondere Weisheit enthielte, deren Bewusstwerdung die Übungen von Hetty Draayer ermöglichen. Wenn man diese Übungen wirklich mit voller innerer Beteiligung vollzieht, ist man nach der Übung nicht nur anders, sondern ein Anderer, mehr man selbst.«

Ich freue mich, dass nun noch einmal ein neues Buch von ihr erschienen ist, das die Grundlagen ihrer Arbeit, die in ihren ersten vier Büchern enthalten sind, zusammenfasst und systematisch erschließt. In den begleitenden Texten lässt sie uns teilhaben an ihren eigenen Erfahrungen auf dem inneren Weg und macht Mut, sich darauf einzulassen. Es ist ein Weg, der in der westlichen Kultur seine Wurzeln hat und doch mit dem Meridiansystem der chinesischen Medizin arbeitet und auch mit den Chakren. Die Übungen sind so genau beschrieben, dass man sie nach dem Buch allein ausführen kann.

Das Besondere an der Arbeit von Hetty Draa-yer sind das so genannte kosmische Auge im Kreuzbeinbereich und das Geborgensein in der eigenen Schale des Beckens, aber auch in der größeren Schale unter den Füßen. Von dort aus erschließt sie die inneren Räume des Körpers bis hin zu den Energiekörpern mit dem Bewusstsein und dem feinen Energiefluss. Dadurch lernen wir, unsere eigene Erde anzunehmen, uns darin zu verwurzeln, bevor wir uns mit dem Himmel verbinden. Für mich sind diese Übungen die Basis meiner Arbeit geworden und eine wunderbare Ergänzung zum Qigong.
(Elvira Glück)

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TQJ 3/2006

Die Wassermethode der daoistischen Meditation

Bruce Kumar Frantzis: »Im Tao sein – Entspannung in Achtsamkeit. Die Wasser-Methode der Taoistischen Meditation«
Buch I, Windpferd 2006, 208 Seiten, 14,90 EUR, ISBN 3-89385-503-3

In der daoistischen Meditation werden zwei Wege unterschieden, die Feuer- und die Wasser-Methode. Während die Feuer-Methode Kraft und Vorwärtsstoßen betont, liegt der Schwerpunkt bei der Wasser-Methode auf der Entspannung und dem Loslassen, vergleichbar den Eigenschaften des Wassers, nachgiebig und fließend zu sein. Bruce K. Frantzis lernte bei seinem daoistischen Meister Liu Hung Chieh, der beide Methoden lehrte, die Wasser-Methode. Diese beschreibt er erstmalig ausführlich in zwei Bänden. Der vorliegende erste Band widmet sich der Vorbereitungs- und der Zwischenstufe. Die fortgeschritteneren Techniken werden im zweiten Band »Die große Stille« beschrieben, der für Februar 2007 angekündigt ist.

Die Wasser-Methode, die im Yijing verwurzelt ist und deren Leitgedanken im Daodejing enthalten sind, basiert auf dem Prinzip »Was auch immer du tust, muss sich mühelos anfühlen«. Das bedeutet nicht Schlaffheit und Bequemlichkeit, sondern volle Anstrengung, jedoch ohne Krafteinsatz und ohne die eigenen Grenzen zu überschreiten. Der Kern der Praxis ist das Auflösen von gebundener Energie sowohl nach außen in den Übungen des Qigong als auch nach innen in der Meditation. Die Übungen werden im Stehen oder Sitzen ausgeführt, in Verbindung mit der Atmung und Aufmerksamkeitsführung, und auch in Bewegung.

Da es ein Lehrbuch sein soll, sind die Übungen in einzelne Lektionen aufgeteilt, die aufeinander aufbauen. Die Atemübungen sind klar und anschaulich beschrieben mit konkreten Hinweisen, was zu beachten ist. Die Bewegungsübungen, die unbedingt als Ergänzung empfohlen werden, können aber anhand der Beschreibung nicht ausgeführt werden. Zum einen ist es ohnehin schwierig, Bewegungs-übungen aus einem Buch zu lernen, wenn aber nicht einmal ein einziges Bild vorhanden ist, das die Übungen veranschaulicht, wird es völlig unmöglich. Schade, dass hier gespart worden ist. Die Anwendung der Meditation in sexuellen Beziehungen, die im Klappentext angekündigt wird, fehlt im Buch leider völlig.

Dennoch kann ich das Buch empfehlen. Besonders haben mir die Übungen mit den Füßen gefallen, auch die Beschreibungen der Energiekanäle und Energiekörper. Und ich habe selten ein Buch gesehen, das so ausführlich den Stufenweg der persönlichen Entwicklung in der daoistischen Meditation beschreibt, mit allen Schwierigkeiten und Fallstricken.
(Elvira Glück)

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Taiji-Wege auf dem Spielbrett

Cornelia Gruber-Bilgeri: »Sifu« – Brettspiel für drei bis sechs Personen
2009, zu beziehen über die Homepage www.taichichuan-cornelia.com, CHF 60, EUR 41 plus Porto

Sifu ist ein strategisches Brettspiel. Ziel ist es, zu den zwölf auf dem Brett vorgegebenen Kampfkunstschulen (Wuguan) zu reisen, die dort gelehrten Kompetenzen auf dem Weg des Taijiquan zu erwerben und Sifu zu werden.

Erreichen kann man dieses Ziel durch eine Reise in drei Etappen (Jahreszeiten). In jeder Etappe können maximal fünf Wuguan besucht werden. Jede Etappe wird zunächst verdeckt hinter einer Deckwand geplant, wobei die Stationen mit jeweils einem Energiestein eines der fünf Elemente (Erde, Metall, Wasser, Holz, Feuer) oder dem Meditationsstein belegt werden. Danach legen alle Mitspieler ihre Etappen vor der Deckwand offen.

Treffen zwei oder mehr Reisende in einer Kampfkunstschule aufeinander, so findet ein Duell statt, die eingesetzte Energie entscheidet nach dem Gesetz der fünf Elemente dessen Ausgang. Der Sieger des Duells erwirbt die Kompetenz der Schule, der Verlierer muss sie erneut aufsuchen. Hat ein Spieler den Meditationsstein gewählt, so verzichtet er auf das Duell und die zu erwerbende Kompetenz und gewinnt dafür einen Qi-Chip. Am Ende einer Etappe wird diese ausgewertet und die nächste beginnt.
Sobald ein Spieler alle Kompetenzen erworben hat, wird er zum Sifu erklärt und das Spiel ist zu Ende. Wenn während der dritten Etappe niemand Sifu wird, gewinnt am Ende dieser Etappe der Spieler mit den meisten Kompetenzen und Qi-Chips.

Das Spielbrett und die Deckwände sind optisch ansprechend gestaltet, die Kompetenzkarten schön gezeichnet. In der Gestaltung wird deutlich, mit welcher Liebe zum Detail das Spiel entwickelt wurde. Auf einem Übersichtsblatt werden die Begriffe erläutert und die den einzelnen Schulen zugesprochenen Kompetenzen dargestellt. So ist die Spielidee auch für Nicht-Taijiquan-Kundige gut zugänglich. Für Taijiquan-Praktizierende stellt das Spiel eine schöne Möglichkeit dar, sich zur Beschäftigung mit den Grundlagen und den verschiedenen Strömungen dieser Kunst anregen zu lassen.

Die Regeln sind gut erklärt und ermöglichen einen schnellen Spielstart. Das Spiel lässt sich gut spielen, erfordert eine Strategie und durch Sonderregeln lässt sich der Reiz des Spieles zusätzlich erhöhen.
»Sifu« wurde von Cornelia Gruber-Bilgeri am Eröffnungsabend des Tai-Chi-Tcho-Treffens 2009 in La-Chaux-de-Fonds vorgestellt und unter Anleitung der Autorin und ihrer Mitentwickler an über zwanzig nach Sprachen sortierten Tischen von den TeilnehmerInnen des Treffens ausprobiert. Der Mut, das Spiel in diesem Kreis einzuführen, wurde belohnt: Die Übung gelang! Was gibt es Besseres über ein Spiel zu berichten, als dass es an fast allen Tischen – nach der Auflösung des Sprachengewirrs – über die erste Etappe hinaus von beinahe 120 TesterInnen aus verschiedenen Ländern leidenschaftlich und begeistert weitergespielt wurde?
(Thomas Kleinheinrich)

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TQJ 3/2007

Daodejing für jeden Tag

Isolde Schwarz: »Tao Te King Meditationskarten«
AGM Urania Verlag 2006, 49 Meditationskarten mit Begleitbuch, 19,90 EUR,
ISBN 978-3-03819-034-9

Isolde Schwarz lädt ein zu einer Reise in die Welt des Daodejing, des etwa 2500 Jahre alten chinesischen Wahrheitsbuches. Neben der Bibel ist es das meistveröffentlichte Buch der Welt. Es ist in unzähligen Versionen und Übersetzungen erschienen. Isolde Schwarz hat diesen klassischen Text, der auf den »alten Meister vom Berge«, den Philosophen Laozi zurückgeht, in 49 Meditationskarten für Menschen der heutigen Zeit erfahrbar gemacht.

»Öffnest du dich dem Tao, so bist du eins mit dem Tao«, heißt es im Vers 23. Mit poetischen Bildern bahnt sie dem Betrachter einen Zugang zum Dao, dem natürlichen Lauf aller Dinge. Ihre Fotos zeigen Naturschönheiten zwischen Himmel und Erde, Wind und Wasser, Licht und Schatten. Sinnbildhafte Detail-aufnahmen fernöstlicher Kunst vereint mit daoistischen Versen lassen die Weisheit des Daodejing erahnen.

Die Fotomotive sind liebevoll ausgewählt und gestaltet, zurückhaltend und schlicht, wie es dem Wesen des Dao entspricht. Spielerisch lassen sich die philosophischen Prinzipien ergründen: (Scheinbares) Nichthandeln, Verinnerlichung, Bescheidenheit. Allein, mit einem Partner oder in der Gruppe.
So genügt ein Vers für einen Tag, eine Woche oder länger, um zu einem tiefen Bewusstsein zu gelangen über anstehende Themen, über Leben und Sterben, über Schmerz oder Freude, über das Sosein und das Geschehenlassen. Ein beiliegendes Anleitungsbuch ermutigt dazu, das innere Erleben, Gedanken und Gefühle im Taijiquan, im Qigong oder anderen Bewegungsformen umzusetzen in freiem kreativem Ausdruck. Isolde Schwarz gibt Anregungen, beim Üben das Dao staunend und erkennend umzusetzen – verwurzelt zu sein wie eine Kiefer, sanft wie ein Kornfeld und nachgiebig wie das Wasser. Die geheimnisvoll anmutenden Verse und Bilder berühren die Sinne, den Körper, die Seele und den Geist.

Die Meditationskarten, in zurückhaltendem Grau schattiert, eingebettet in ziegelrotem Karton, sind ein kostbares Kleinod, ein Wegweiser durch die Gebote und Wandlungen des Lebens, denn »wer das Tao empfängt, wird nicht ausrutschen und fallen!«
(Christel Sperlich)

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TQJ 4/2008

Der Weg des Malens

DanThorsten Schirmer: »Der Weg des Malens – Betrachtungen über die Malerei Ostasiens«
Horus Presse 2007, 187 Seiten, limitierte Liebhaberausgabe 44 Eur[D]/45,30 Eur[A], ISBN 978-3-922556-00-8;
Kompaktausgabe 22 Eur[D]/22,70 Eur[A], ISBN 978-3-922556-02-2

In Ostasien gibt es verschiedene Methoden der Geistesschulung, einige davon sind bei uns bekannt und werden auch praktiziert, etwa Meditation, Qigong, Taijiquan oder auch das Bogenschießen. Dagegen hat der Weg des Malens bei uns noch wenig Beachtung gefunden. Die Grundprinzipien wie der Fluss des Qi, die Harmonie von Yin und Yang, das Prinzip von Wuwei, dem Nichthandeln, und die Einheit von Form und Leerheit sind dabei nicht nur im Prozess des Malens erfahrbar, sondern auch in der Betrachtung der Bilder alter Meister.
Thorsten Schirmer geht selbst den Weg des Malens. Dass er mit seinem ganzen Herzen dahintersteht, spürt man nicht nur an der Gestaltung – natürlich besonders bei der Liebhaberausgabe –, sondern auch an der inspirierenden Sprache, die manchmal allerdings etwas überschwänglich wird: »Jeder seiner Striche predigt ewige Gegenwart.«

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Im ersten beschreibt der Autor ausführlich die Geschichte der Malerei und die philosophischen Hintergründe von Daoismus und Buddhismus, deren gegenseitige Befruchtung und Gemeinsamkeiten. Der zweite Teil stellt exemplarisch 15 berühmte Bilder vor, ausführlich und einfühlsam besprochen, gefolgt von leider nur kleinen Bildchen, die nur ungenügend die Einzelheiten erkennen lassen. Auch wenn es kein Bildband sein soll, hätte ich mir doch größere Bilder in einer besseren Druckqualität gewünscht. Und auch sonst haben mir einige Details gefehlt. Wenn ich zum Beispiel erfahre, dass ein Bild eines der berühmtesten Gedichte der chinesischen Literatur illustriert, dann möchte ich dieses Gedicht auch gern lesen können ...

Der dritte Teil ist dem Vorgang des Malens selbst gewidmet, aber kein »How to do«, wie man es von anderen Büchern gewohnt ist, sondern eher eine Einführung in den Geist des Malens: »Eine erlernbare Technik ist die Überlieferung einer Methode, Striche in bestimmter Art und Weise auf den Malgrund zu setzen. Nicht erlernbar ist hingegen jener Strich, der aus dem Nichts entsteht.« Und es gelingt dem Autor tatsächlich, den Geist dieser Nicht-Methode ahnen zu lassen.
(Elvira Glück)

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TQJ 1/2009

Taiji in San Francisco

Martin Weteschnik: »Die Wege des sechsten Tages«
bendit publishing 2008, TB, 390 Seiten, 14,90 Eur[D]/15,40 Eur[A],
ISBN 978-3-00-024791-0

Martin Weteschnik, ein bekannter Autor von Schachbüchern und seit einigen Jahren auch ein Taiji-Spieler, hat einen Roman geschrieben, der diese beiden Hobbies vereint. Die Story spielt in San Francisco, die Hauptfigur ist ein junger Erwachsener, der seine letzte Woche vor dem Studium in Harvard noch mit Taijiquan und Schachspielen verbringen will. Doch so ganz ungestört, wie er sich diese letzten sechs Tage vorgestellt hat, werden sie nicht verlaufen. Er wird ungewollt in die Geschäfte seines Adoptivvaters, eines erfolgreichen Finanzmaklers (ja, der Roman ist nicht ganz aktuell ...) involviert, was ihn zusammen mit der intensiven Beschäftigung mit Taijiquan und der damit verbundenen persönlichen Entwicklung immer wieder zurückbringt zu traumatischen Erlebnissen seiner Jugend.

Der Roman ist recht klassisch aufgebaut, mehrere Stränge laufen anfangs nebeneinander, mitunter etwas verwirrend. Doch nach und nach verweben sie sich miteinander und es kommt zu einem furiosen Finale, das die aufgebauten Probleme löst und Raum für neue Entwicklungen entstehen lässt.

Interessant für uns Qigong- und Taiji-Übende ist der Versuch des Autors, östliche Lebensweisheiten im Aufbau und im Text seines Romans zu integrieren. Dabei bedient er sich überwiegend aus dem Daoismus und dem Zen. Das Einbinden dieser Weisheiten gelingt ihm durchaus unterschiedlich, mitunter für meinen Geschmack etwas zu »holzhammermäßig«, und manche Wiederholung hätte nicht sein müssen. Auch sind die Charaktere etwas zu idealisiert. Dass beispielweise der chinesische Taiji-Lehrer auch ein begnadeter Koch ist, gut und schön, aber warum muss er noch einer der weltbesten Sachertorten-Bäcker sein? Da ist die Verbindung von Ost und West etwas zu arg geraten.

Leider verliert der Roman durch solche Übertreibungen, etwas mehr Zurückhaltung hätte ihm gut getan. Dennoch ist er lesenswert, denn er zeigt Beispiele auf, wie die östlichen Weisheiten ins westliche Leben integriert werden können.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 3/2010

 

Autobiografie eines buddhistischen Mönchs aus China

Sheng Yen: »Fußspuren im Schnee – Autobiografie eines buddhistischen Mönchs aus China«
Theseus 2010, 288 Seiten, 24,95 EUR (D)/25,70 EUR (A), ISBN 978-3-89901-286-6

Sheng Yen (1930 – 2009) ist einer der bekanntesten Meister des chinesischen Chan-Buddhismus, der mehr als 50 Bücher veröffentlicht hat. Doch in Deutschland kennt man ihn kaum und seine Autobiografie ist das erste Buch, das jetzt auf Deutsch erschienen ist. Allein diese Tatsache zeigt, dass der Chan-Buddhismus hierzulande weitgehend unbekannt ist, obwohl sich daraus die wesentlich bekanntere Form des Zen entwickelt hat und auch einige Qigong-Formen und Kampfkünste darin verwurzelt sind.

Die Autobiografie fasziniert, weil sie authentische Einblicke in die Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert mit all ihren politischen, sozialen und kulturellen Umbrüchen und Ausein-andersetzungen gibt, die aber immer dargestellt werden aus der Sicht des Mönches, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt und viele Schwierigkeiten in seinem Leben meistert. Früh konfrontiert mit den degenerierten Formen des Buddhismus, den Auswüchsen der Kulturrevolution und dem schwierigen Leben eines Soldaten in Taiwan, weicht er doch niemals von seinen ethischen und spirituellen Grundsätzen ab. Konsequent und zutiefst bescheiden geht er seinen eigenen Weg und wird zu einem der großen buddhistischen Lehrer seiner Zeit, der den Chan-Buddhismus in China reformiert und eine westliche Form der Lehre entwickelt und in Amerika verbreitet hat.

»Wenn der andere dich angreift, musst du dein Ichgefühl loslassen. Dann wird dein Gegner nicht wissen, wie er dich angreifen soll. Warum? Weil er nicht weiß, wo er dich angreifen soll. Das ist die Lehre des Nicht-Ich, Nicht-Geist.« So lehrte Sheng Yen seine ersten amerikanischen Schüler. Das Wichtigste beim Erlernen der Kampfkünste ist demnach die Schulung des eigenen Geistes entsprechend dem Chan.
In einfachen klaren Worten gelingt es ihm, den buddhistischen Stufenweg darzustellen, von der Sammlung des Geistes, über die Einung des Geistes bis hin zum Nicht-Geist. Ungewöhnlich offen beschreibt er auch seine eigene buddhistische Praxis und seine Meditationserfahrungen ohne jemals seine Bescheidenheit zu verlieren. Ein schönes, auch den Qigong-Weg inspirierendes Buch.
(Elvira Glück)

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TQJ 4/2008

Eine Gebrauchsanleitung für die Zeit

Stefan Klein: »Zeit. Der Stoff aus dem das Leben ist. Eine Gebrauchsanleitung«
Fischer Taschenbuch 2008, 320 Seiten, 8,95 Eur[D]/9,20 Eur[A]/16,80 CHF, ISBN: 978-3-596-16955-9

Wir alle leben (scheinbar) unter dem Diktat der Uhren, der äußeren, gemessenen Zeit. Aber was ist Zeit eigentlich? Ist sie etwas objektiv Gegebenes? Ist sie etwas von außen auf uns Einwirkendes? Ist der Rhythmus, in dem sich die Zeiger der Uhr bewegen, der, in dem wir uns bewegen müssen?
Stefan Klein, studierter Physiker, Wissenschaftsjournalist und ehemaliger Spiegelredakteur, erläutert auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Forschungsergebnisse, warum die Zeit zwei Gesichter hat: ein objektives (das tickende Maß der Uhren) und ein subjektives.

Diese zweite Seite ist Praktizierenden des Taijiquan und Qigong natürlich bestens vertraut. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass »der Schattenboxer im Park« vom Autor genauso als Beispiel für eine besondere Qualität der Zeitwahrnehmung angeführt wird wie das Erleben einer japanischen Teezeremonie.

Ganz im Trend heutiger Wissenschaft sind es vor allem die Erkenntnisse aus der Hirnforschung, mit denen der Autor die verschiedenen Facetten subjektiver Zeit erläutert. Gut strukturiert und sprachlich leicht nachvollziehbar werden Themen wie die Frage nach der biologischen Uhr bearbeitet, nach unserer Empfindungsfähigkeit für Zeitmaß (ab welchem Lebensalter haben wir ein Empfinden für Zeiträume und wie macht unser Gehirn das?), aber auch die eher psychologischen Aspekte des Zeitgefühls. In diesem Zusammenhang widmet er sich besonders dem Gedächtnis, das auf neurologisch verschiedenen Wegen Vergangenheit entstehen lässt. Und beleuchtet, was denn eigentlich unter Gegenwart zu verstehen sei – besonders interessant für alle, die das Verweilen im »Hier und Jetzt« üben.

Schließlich macht Stefan Klein deutlich, dass die sogenannte innere Zeit für unser Leben und Erleben eine weitaus größere Bedeutung hat als gemeinhin angenommen. Für unseren lebenspraktischen Vollzug am bedeutsamsten allerdings ist das Ausmaß, in dem wir unser Zeitgefühl – die innere Zeit – beeinflussen können. Denn mit dieser Erkenntnis, so Stefan Klein, ist dem sich von Zeitnot gestresst fühlenden Mensch der Gegenwart zugleich die Möglichkeit zur Selbstbefreiung aus diesem Stressfaktor gegeben.

Der Autor verpackt seine Tipps dazu in kleine praktische Hinweise und rechtfertigt so den Untertitel »Eine Gebrauchsanweisung«.
Welche Rolle Taijiquan und Qigong beim Einüben eines anderen Umgangs mit der Zeit spielen können und warum es funktioniert, dafür liefert dieses Buch einige gute Argumente.
(Dietlind Zimmermann)

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yogamusic

TQJ 2/2010

Yoga-Musik für alle

Jörn Erkau: »yoga music«
Hamburg 2009, CD, 69 min.

Jan Leminsky, der Inhaber der »Wu Wei Schule für Tai Chi und Qi Gong« in Hamburg, hat jahrelang gerne die Musik von Oliver Shanti & friends in seinem Unterricht verwendet. Als er das nicht mehr moralisch rechtfertigen konnte, machte er sich auf die Suche nach anderer Musik. Nach einer Zeit der vergeblichen Suche erzählte er dem Hamburger Musiker Jörn Erkau von seinem Problem und bat ihn eine CD zu komponieren.

Herausgekommen ist »yoga music«, die Jörn Erkau auch alleine eingespielt hat. Sie soll aber trotz – oder wegen – des Namens für alle Methoden, die Stress reduzieren, verwendet werden können, so auch Qigong und Taijiquan. Dieses steht im recht spartanischen, englischsprachigen Booklet ausdrücklich. Das glaube ich gerne, sind doch die Kompositionen im bewährten und oft verwendeten Muster gehalten: Grundlage sind langgezogene »Keyboard-Wellen«, zu denen dann Samples von anderen Instrumente und Geräuschen der Natur hinzugemischt werden.

Die CD ist durchgängig gut hörbar, mitunter konnte ich während des Übens die Stücke nicht unterscheiden. Erfreulicherweise haben die fünf Stücke eine Länge zwischen zehn und 16 Minuten. So ist es meistens möglich, einen Durchlauf einer Taiji-Form ohne einen Liedwechsel zu machen (von den Langformen mal abgesehen). Und auch für die meisten Qigong-Übungen sollte es reichen.

Mein Favorit ist das Stück »deep inside«, bei dem die auf den »Wellen« liegende Percussion mich sanft und stetig vorangetrieben hat, ohne dabei das Tempo zu sehr anzuziehen. Andere Stücke wie zum Beispiel das letzte »at home« waren mir zu unruhig und kamen auch in meinen beiden Testgruppen recht unterschiedlich an. Aber so ist es halt: Manchen gefällt die Musik, anderen nicht.
(Helmut Oberlack)

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