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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden


Wurzeln des Qigong / TQJ 1-2017

Carlos Cobos Schlicht: »Ursprünge der Tradition chinesischer Leibmeisterung (qigong). Ihr Einfluss auf den Daoismus und Chan-Buddhismus am Beispiel der Zwölf Ornamente des Emei Linji Qigong«
Projekt 2013, 644 Seiten brosch., 29,80 EUR, ISBN 978-3-89733-317-8

Nach den Büchern von Thomas Heise (Qigong in der VR China, 1999) und von Thomas Milanowski (Die magischen Körper-Geistübungen Chinas und deren Verbindung zum Schamanismus, 2004) hat Carlos Cobos Schlicht nun ein weiteres Buch geschrieben, das die Wurzeln des Qigong und deren Bezug zum Schamanismus ergründen soll. Hervorgegangen ist das Buch aus einer Dissertation an der Ruhr-Universität Bochum, aber der Autor ist nicht nur Wissenschaftler, sondern praktiziert und unterrichtet auch selbst Taijiquan, Qigong und Aikido.

Entsprechend nah ist das Buch an der Praxis, untersucht er doch die Zusammenhänge zwischen Qigong, Schamanismus, Daoismus und Buddhismus am Beispiel der Übungsreihe der »Zwölf Ornamente des Emei Linji Qigong«, einem daoistischen Übungssystem aus der Zeit um 1200, das in den Chan-Buddhismus integriert und von den buddhistischen Mönchen des Tempels zur Lichterscheinung am Goldenen Gipfel auf dem Berg Emei in der Provinz Sichuan geübt wurde. Daher eignet sich diese Übungsreihe aus Sicht des Autors besonders zum Nachweis, wie daoistische Glaubenssätze und Praktiken den Chan-Buddhismus beeinflusst haben. Außerdem finden sich hier archaische Vorstellungen, die auf den Schamanismus zurückgeführt werden können und bis in die Zeit des Neolithikums zurückreichen.

Herausgekommen ist ein anspruchsvolles, umfassendes Buch, das hervorragend die historische Entwicklung des Qigong darstellt unter Einbeziehung der gegenseitigen Einflüsse von Schamanismus, Daoismus und Buddhismus. Es besteht aus drei Teilen und beginnt mit einer historischen Betrachtung des Qigong mit Schwerpunkt auf den Zwölf Ornamenten des Emei Linji Qigong, aber auch mit vielen allgemeingültigen Informationen zum Qigong bis hin zu einer Beschreibung des Weges der inneren Alchemie. Interessant auch die Ausführungen zu den buddhistischen Wurzeln des Qigong und deren Leiblichkeit in Achtsamkeit, wird doch dem Buddhismus oft eine den Körper ablehnende Haltung nachgesagt.

Der ganze zweite Teil widmet sich dem Schamanismus und dessen Verbindung zum Qigong unter Bezugnahme auf archäologische Forschungsergebnisse und klassische Texte. Darin beschreibt der Autor auch die Ursprünge und Wandlungen grundlegender Begriffe der chinesischen Medizin und des Qigong wie Qi, Yin und Yang, die Seelenkonzepte Hun und Po sowie sehr ausführlich das Neijingtu. Der dritte Teil gehört ganz der umfassenden Darstellung der Zwölf Ornamente des Emei mit Übersetzungen der Merkverse und Übungsbeschreibungen.

Dieses Buch ist für mich ein wichtiger Beitrag, um Qigong aus der Klassifizierung als Entspannungsgymnastik zu holen, es wieder in einen größeren religionsgeschichtlichen Zusammenhang zu stellen und die Tiefe und Bedeutung dieser Methode zu erkennen. Sicherlich kein Buch für AnfängerInnen, aber inspirierend für alle ernsthaft Interessierten und vor allem für Qigong-Unterrichtende.
(Elvira Glück)

 

Einführung ins Guolin Qigong / TQJ 4-2016

Bernadett Gera: »Guolin Qigong. Die ergänzende Heilmethode bei Krebs und chronischen Krankheiten«
Irisiana 2014, 208 Seiten broschiert, 19,99 EUR [D]), 20,60 EUR [A],
ISBN: 978-3-424-15250-0

Es hat lange gedauert, bis ein Buch zum Guolin Qigong auf Deutsch erschienen ist, und es kommt nicht von einer derjenigen, die dieses vor allem für die Heilung von Krebserkrankungen bekannt gewordene Qigong-System zu uns gebracht haben, sondern aus der jungen Generation von Qigong-LehrerInnen. Bernadett Gera, die bereits mit TCM aufwuchs, stieß auf der Suche nach alternativen Heilmöglichkeiten für ihre krebskranke Mutter auf Guolin Qigong und absolvierte in der Folge Ausbildungen bei Wang Li und einem anderen direkten Schüler von Frau Guo Lin. Ihr Buch wendet sich an Menschen, die – häufig aus eigener Betroffenheit – Guolin Qigong lernen oder lernen wollen. Von daher sind auch nur die wenigen Übungen beschrieben, die in der Anfangszeit praktiziert werden sollten.

Nach einer kurzen allgemeinen Einführung und einer Darstellung der Besonderheiten des Guolin Qigong und seiner medizinischen Möglichkeiten gibt die Autorin einen Überblick über das energetische System des Menschen aus Sicht der TCM mit kurzen Beschreibungen der zwölf Hauptmeridiane und der acht außerordentlichen Meridiane sowie der für dieses Qigong wesentlichen Energiepunkte. Anschließend führt sie in die Grundlagen der Übungspraxis ein, dazu gehören insbesondere die verschiedenen Atemtechniken und die unterschiedlichen Handhaltungen, die je nach Gesundheitszustand eingesetzt werden.

Im weiteren Praxisteil beschreibt Bernadett Gera einige Übungen aus der Grundstufe des Guolin Qigong: Vorbereitungsübungen, Vor- und Nachübung, »Das natürliche Gehen mit mittlerer Windatmung«, »Heben-Senken-Öffnen-Schließen«, Meridianmassage und Übungen mit einem Stab. Sie werden ausführlich erläutert und mit Bildfolgen dargestellt. Nichtsdestotrotz ersetzt das natürlich keinen direkten Unterricht, das ist auch nicht intendiert. Aber als Gedächtnisstütze sind die Beschreibungen und auch die vielen zusätzlichen Hinweise eine große Hilfe. Es wird auch immer wieder angemerkt, wann welche Übungen nicht ausgeführt werden sollten und worauf bei bestimmten Erkrankungen besonders geachtet werden muss. Dies erscheint gerade bei einer Qigong-Form, die vor allem von ernsthaft Kranken geübt wird, besonders wichtig.

Das Buch ist schön aufgemacht, auch wenn mich die Fotos von der Autorin, die alle Übungen selbst zeigt, persönlich nicht so ansprechen, sie wirkt mir etwas zu durchgestylt. Leider sind bei einigen Abbildungen Ungenauigkeiten unterlaufen, grade bei der Darstellung wichtiger Punkte etwa. Solche Abstriche muss man auch in der Einführung machen, hier betreffen sie aber nichts, was letztlich für die Übungspraxis relevant ist.
Insgesamt ist dem Buch anzumerken, dass es weniger aus langer Erfahrung heraus als aus großer Begeisterung für die Sache entstanden ist, aber vielleicht kann es gerade dadurch zum Üben motivieren.
(Almut Schmitz)

 

Gute Anleitung für die 24 Dao-Übungen / TQJ 4-2016

Bernhard Schwendemann: »Dao Qigong: Die 24 Übungen: Eine Reise zur inneren Quelle für Wohlbefinden und Kraft«
Ikotes 2015, 80 Seiten plus DVD,
24,90 EUR, ISBN 978-3941626225


Bernhard Schwendemann hat ein Buch über die »24 Dao-Übungen«, das zentrale Jibengong-Set der ITCCA (der Yang-Stil Taijiquan-Tradition um Chu Kinghung), herausgebracht. Es schließt sicher eine Lücke, denn meines Wissens gibt es hierüber bisher nur das – alles in allem recht gelungene – Buch von Frieder Anders, der die Übungen in seiner Variante als »Atemtyp-Qigong« darstellt. Der Band von Bernhard Schwendemann wartet mit einer beigefügten DVD auf, was einen zentralen Pluspunkt darstellt. Um solche bewegten Übungen mit teilweise sehr unterschiedlichen Dynamiken nachvollziehen beziehungsweise sich wieder ins Gedächtnis rufen zu können, ist – eine vorherige Unterweisung durch einen Lehrer selbstverständlich immer vorausgesetzt – eine Ergänzung des Text- und Bildmaterials durch Videosequenzen hilfreich und an manchen Stellen unverzichtbar.

Im Vorwort berichtet Bernhard Schwendemann von seiner Ausbildung bei Chu Kinghung, die von »strengen traditionellen Lehrmethoden« geprägt gewesen sei. Da es sehr unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, was »traditionelle Lehrmethoden« sind, finde ich solche Aussagen immer ziemlich unbefriedigend. Ansonsten ist der einleitende Teil angenehm besonnen formuliert und hütet sich erfreulicherweise vor allzu gro-ßen Vereinfachungen historisch komplexer Zusammenhänge, wie sie oft in Qigong- und Taijiquan-Büchern zu finden sind. Ein Beispiel: »Wann genau der Daoismus entstand, ist unbekannt. Seine Weltanschauung integriert das Gedankengut der jeweiligen Zeit während einer jahrhundertelangen Entwicklung.« Schön auch, dass der Autor keine unrealistischen Heilsversprechen macht, sondern klare Worte findet: »Jahrelange Fehlhaltungen, Fehlbelastungen und dauerhafter Stress werden nicht in wenigen Übungsstunden aufgelöst.«

Bernhard Schwendemann stellt kurz einige wenige theoretische Grundlagen des Qigong dar, soweit sie für die nachfolgenden Übungen von Belang sind, dann einige Grundsätze der Haltung, immer in einer angenehm einfachen Sprache und ohne im Qigong-Jargon zu schwelgen. Allerdings begegnete ich auch hier einem meiner persönlichen Un-Worte des Taijiquan und Qigong, dem »Spiralisieren«, das in unseren Künsten leider oft und unnötigerweise mystifizierend verwendet wird, wenn eigentlich Kreis- oder Schraubbewegungen gemeint sind.

Die auf den kurzen theoretischen Teil folgenden Übungen sind prägnant und in nachvollziehbaren Schritten beschrieben. Die Bilder sind ausreichend groß, aber nicht seitenfressend, wo nötig auch mit wechselnder Perspektive aufgenommen. Jede der 24 Übungen ist auf einer Doppelseite behandelt, was die Handhabung als Übungshilfe sehr erleichtert. Dabei sind die Erklärungen aufgeteilt in Bewegungsbeschreibung, Atmung, besondere Hinweise, Geisteshaltung und Gesundheitswirkung. Bei den Gesundheitswirkungen wiederholt sich Vieles, immer wieder wird auf das Lösen von Verspannungen im bearbeiteten Körperbereich hingewiesen, was man aus meiner Sicht gerne hätte weglassen können. Aber es geht Bernhard Schwendemann ja darum, eine Übungshilfe und Erinnerungsstütze zu bieten, was meiner Ansicht nach sehr gut gelungen ist.
Das Begleitvideo ist gut gefilmt, der Hintergrund ist ansprechend und mit den vielen Grünpflanzen sicherlich »Qi-freundlich«. Die unterlegte Musik ist nicht unangenehm, der Bildausschnitt hätte etwas kleiner sein können, um Details noch besser sichtbar zu machen. Jede Übung wird vier- bis fünfmal wiederholt. Einige Übungen lassen sich dank des Videos sehr viel besser verstehen als nur mit dem Buch. Bei Übungen, die augenscheinlich mit hörbarem »Explosivatem« ausgeführt werden, hätte es zum Verständnis beitragen können, den Originalton statt der Musik zu verwenden.
Alles in allem eine gelungene und empfehlenswerte Übungshilfe zu einem weit verbreiteten Übungsset.
(Markus Wagner)

 

Über das Wesen des Qigong / TQJ 4-2016

Paul Shoju Schwerdt: »Mit Qigong durch das Jahr. Die Kraft des Lebens erfahren und verstehen«
Theseus 2014 (2004), 206 Seiten TB, 19,90 EUR, ISBN 978-3899019025

Paul Schwerdt, Taijiquan- und Qigong-Ausbilder mit »Ü-30«-Erfahrung in beiden Künsten, hat sein erfolgreiches und sehr zu empfehlendes Qigong-Buch von 2004 als Paperback neu aufgelegt. Der mit viel Sach- und Menschenverstand geschriebene einführende Teil betont eine Integration der Qigong-Praxis in den Lebensalltag. Dabei ist eine ganz bodenständige Form von Spiritualität, wie man sie durchaus als wesenhaft zum Qigong gehörig ansehen kann, zu spüren, aber immer dezent und unaufdringlich. Im zweiten Teil geht es um Übungen speziell für die fünf Jahreszeiten inklusive Spätsommer. Die Qualität der Jahreszeit wird beschrieben, bewegte Qigong-Übungen und »heilende Laute Übungen« mit ausführlicher Erklärung und Bebilderung, Paul Schwerdts eigene Zuordnung der fünf Jahreszeiten-Energien zu den fünf Buddhafamilien sowie Ernährungstipps und Rezepte der Koautorin Sabine Dehnhardt. Neben den »Jahreszeiten-übungen« werden auch die Zwölf Brokatübungen im Sitzen – als Grundübung für jede Zeit im Jahr – beschrieben.
(Markus Maria Wagner)
Ausführliche Rezension im TQJ Archiv:
www.tqj.de › Archiv bis 2006 › Archiv › Rezensionen

 

Qi und Essenz vermehren / TQJ 3/2016

Foen Tjoeng Lie/Heribert Mittner:
»JianShen YiQi Fa – Qigong zur Qi- und Essenz-Vermehrung«
Kolibri 2016, 96 Seiten, Hardcover mit Spiralbindung, 26,80 EUR,
ISBN 978-3-928-288-66-8

Wer möchte das nicht, sein Qi und seine Essenz vermehren? Das relativ junge
Jianshen Yiqi Fa wurde von Sha Guozhen in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu diesem Zweck entwickelt. Sha Guozhen erlangte in China hohes Ansehen als Preisträger bei zahlreichen Wushu-Wettkämpfen und als Wushu-Trainer. Er verbreitete sein Qigong-System zuerst versuchsweise in Sanatorien und Kampfkunstschulen, nahm zahlreiche Anregungen seiner SchülerInnen auf und überarbeitete seine Methode entsprechend. Foen Tjoeng Lie (Kolibri Seminare Deutschland) und Heribert Mittner (Kolibri Seminare Schweiz) haben dieses Qigong in China gelernt und unterrichten es nun hier in Europa.

Das von ihnen verfasste Buch ist ein typisches Kolibri-Buch: konzentriert auf das Wesentliche, ausführliche Beschreibungen der Bewegungen, mit ausreichend Bildern gut illustriert und mit einer Spiralbindung versehen. Dazu gibt es ein herausnehmbares Poster mit den Bewegungsfolgen.
Das Jianshen Yiqi Fa besteht aus acht relativ einfach zu lernenden Bewegungen, die jeweils achtmal ausgeführt werden sollen. Sie stehen im Mittelpunkt des Buches und werden von den Autoren gut und nachvollziehbar beschrieben, und von Heribert Mittner auf den Fotos dargestellt. Hilfreich dabei ist auch, dass, wo notwendig, Positionen aus seitlicher Perspektive gezeigt werden.

Eingerahmt werden die Bewegungen durch eine kurze Einführung und die Darstellung ihrer gesundheitlichen Wirkungen, die aus chinesischen Quellen übernommen wurden, sowie einem kurzen Kapitel zu den Meridianen und einem Glossar.

An zwei Stellen bin ich etwas stutzig geworden. Auf den Bildern mit einem Xubu (leerer Schritt) steht Heribert Mittner deutlich mit dem Gewicht in der Mitte statt auf dem hinteren Fuß und gewundert habe ich mich auch, dass man aus einem Mabu (Reitersitz) mit ausgestellten Füßen mittels einer Rumpfdrehung in einen Gongbu (Ausfallschritt, Bogenschritt) kommt, ohne den hinteren Fuß mitzudrehen. Letzteres kann man machen, zumal das Gewicht in der entsprechenden Übung nicht auf das hintere Bein verlagert wird. Aber vielleicht kommt hier der »Westler« wieder durch, der sich ganz exakte Beschreibungen wünscht, in China werden solche Fragen entspannter behandelt.

Fazit: Wer sich für diese Qigong-Art interessiert oder sie praktiziert, findet in diesem Buch eine wertvolle Hilfe.
(Helmut Oberlack)

 

Begleitung auf dem Qigong-Weg / TQJ 2-2016

Xuelin Jiang/Dr. Cornelia Richter:
»Selbstheilungsweg. Band 2 – Fortschritte auf dem Weg«
Quadrate 2012, 169 Seiten TB, 22,80 EUR, ISBN 3-924704-47-3

In unserer Ausgabe 1/2013 besprachen wir den ersten Band des »Selbstheilungswegs« von Jiang Xuelin und Cornelia Richter und ich hatte vor, die folgenden zwei Bände gemeinsam zu rezensieren. Also wartete ich darauf, dass auch Band drei erschiene, was 2015 geschah. Doch ich stellte fest: Alle Bände sind so eigenständig in ihren Inhalten, dass sie den Raum einer einzelnen Besprechung verdienen.

Also hier erst einmal Band zwei »Fortschritte auf dem Weg«. Wieder wird Grundlegendes für die Qigong-Praxis erklärt. Und wieder überzeugen mich eine klare Sprache und eine konzentrierte Zusammenfassung von Wissenswertem an Theorie und an Hinweisen für die Praxis.

Zunächst werden auf gut zehn Seiten die »Grundstoffe des Lebens« erklärt: Jing, Qi, Shen, Xue und Je. Dann folgt das Kapitel »JingLuo – Leitbahnsystem«. Als Qigong-Praktikerin, die keinen TCM- beziehungsweise Therapieschwerpunkt hat, fühlte ich mich hier und da in einen echten TCM-Exkurs mitgenommen, so dicht gepackt ist die Information. Doch die Stärke dieser Bücher ist, dass immer wieder direkte Bezüge zur Qigong-Praxis eingestreut sind.

Der praxisbezogene Ansatz wird auch im nächsten Kapitel deutlich: »Was ist YangSheng?«, mit den Unterkapiteln »Das Gehen, »Das Stehen«, »Das Sitzen«. Hier haben mich besonders die allgemeinen Ausführungen zum Gehen angesprochen – warum für uns Menschen in heutiger Zeit eine Geh-Praxis so wertvoll ist. Zu allen drei Praxisformen folgen einige Übungsanleitungen, die leicht umzusetzen sind. Außerdem gibt es ausführliche Erläuterungen zum »Lotussitz«.

Damit kommen wir zu dem Teil, der es mir in diesem Band besonders angetan hat: Vor eine gute Beschreibung für das Üben des Kleinen Kreislaufs stellt Jiang Xuelin den »Plan der 9 Tore« (jiu qiao tu), den er auch »geheimen Plan« nennt, und er beschreibt dann das »Erfolgsgeheimnis zum Öffnen der Tore«. Ich selbst bin ganz gut vertraut mit der Praxis des Kleinen Kreislaufs und kenne aus nahezu allen Quellen, dass man lernt, bestimmte Akupunkturpunkte auf dem Renmai und dem Dumai anzusteuern. Doch mein Gefühl beim Üben ist nicht so »punktuell« – eher wie Tore, die sich öffnen und durch die das Qi dann strömt.
Genau so wird es hier beschrieben: Da ist ein Unterschied zwischen Punkt und Tor, ein qualitativer. Für die Qigong-Praxis sind die Tore von Bedeutung. Ihre Beschreibung und die Art, wie sie mit den drei Dantian verknüpft sind und wie sich ihr Ansteuern während des Kleinen Kreislaufs auswirkt – das alles hat mich sehr überzeugt, denn es fasst manches in Worte, was meinem Empfinden beim Praktizieren entspricht.

Das letzte Drittel des Buchs bilden wieder Übungsanleitungen aus dem Chan Mi Gong. Es wird die Methode des YinYangHeQiFa vorgestellt. Dazu gehören neben Grundlegendem wie Hinweisen zum Stehen und zum Regulieren die Übungsteile »Die drei Kreise«, »Erde-Teil«, Himmels-Teil«, »Figuren des Anhebens und Absenkens« und der »Verbindungsteil«. Auch ohne Chan Mi zu praktizieren fand ich zum Beispiel die Beschreibung der Übung der drei Kreise sehr inspirierend. Die Genauigkeit der Anleitung ist eine echte Einladung zum Üben.
Band zwei leistet das, was er verspricht: Qigong-Übende mit etwas (oder auch mehr) Vorerfahrung finden vertiefende Begleitung auf ihrem Weg.
(Dietlind Zimmermann)

 

Nachschlagewerk zum Emei-Qigong / TQJ 2-2016

Manfred Geißler, Gisela Hildenbrand, Christa Zumfelde-Hüneburg (Hrsg.): »Emei-Methode zur Regulierung der Lebenskraft aus dem Lehrsystem Qigong Yangsheng von Jiao Guorui«
MLV 2016, 443 Seiten geb., 44,95 EUR, ISBN 978-3-936897-99-9

Der Emeishan in der Provinz Sichuan ist einer der vier heiligen buddhistischen Berge in China. Der »Berg der schön geschwungenen Augenbrauen« ist außerdem berühmt für das Emei-Linji-Qigong, ein Qigong-System, das von dem Chan-buddhistischen Meister Baiyun (Weiße Wolke) entwickelt worden sein soll und in dem sich daoistische und buddhistische Elemente vereinen.
Die Medizinische Gesellschaft für Qigong Yangsheng hat jetzt Professor Jiao Guoruis Aufzeichnungen aus dem Jahr 1995 zu den ersten beiden der zwölf Emei-Qigong-Sequenzen (Himmel und Erde) erstmals ins Deutsche übersetzt und in einem voluminösen Band herausgegeben. Die Aufzeichnungen von Prof. Jiao gehen wiederum auf ein Forschungsprojekt des chinesischen Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 1961 zurück. Ich persönlich werde mir wohl immer einen Rest Skepsis gegenüber staatlich kontrollierter Qigong-Forschung in China bewahren, dies nur am Rande.

Die Bände der Schriftenreihe der Medizinischen Gesellschaft für Qigong Yangsheng sind bekannt für ihre inhaltliche Gründlichkeit, sachliche Klarheit und liebevolle Aufmachung. Das hier vorliegende Buch bestätigt diese Erfahrungen auf ganzer Linie. Alle Übungen sind sehr ausführlich erklärt, deutlich detailgenauer als es bei den meisten Qigong-Büchern der Fall ist. Dazu gibt es hunderte Schwarz-Weiß-Fotos (in guter Qualität), auf denen Prof. Jiao alle Phasen der jeweiligen Übung darstellt.

Besonders hilfreich sind die bei schwierigen oder von kleinen Details geprägten Bewegungen hinzugefügten Detailansichten. So sind etwa Kreisbewegungen der Hände mit gleichzeitigem Öffnen und Schließen der Finger in acht zusätzlichen Bildern in allen Phasen der Bewegung gezeigt. Trotzdem bleiben natürlich die für Qigong-Bücher typischen Beschränkungen: Beispielsweise blieb mir unklar, wie genau es aussehen soll, wenn ich die Hand nach unten dehnend bewege und dabei schlängelnde, seidenraupenartige Bewegungen ausführe (S. 82). Solche Details können wie immer nur in Seminaren geklärt werden.
Ein wenig irritiert hat mich, dass es wirklich sehr viele Überschneidungen zwischen der Sequenz Himmel und der Sequenz Erde gibt, so dass man fast den Eindruck hat, die Hälfte des Hauptteiles des Buches würde sich wiederholen.

Insgesamt über 50 »Merksprüche« zu den einzelnen Übungen sollen weitere Inspiration beim Üben geben, dabei haben mich die Erklärungen zu den Merksprüchen – auch stilistisch – allerdings ein wenig an die Kommentare zu den Zen Koan in der Sammlung Mumonkan erinnert, die im Endeffekt alle nicht wesentlich mehr erklären, als die Koan selbst. Vielleicht ist das auch hier Methode. Letztlich ist es unmöglich, in einem Buch zum Beispiel die Gratwanderung zwischen Festigkeit und Schlaffheit definitiv zu erklären, die mit dem Begriff »Entspannung« gemeint ist. Inspirierend sind Jiao Guoruis Erörterungen hierzu aber allemal.

Neben dem Hauptteil – den Emei-Qigong-Sequenzen Himmel und Erde – gibt es ein einführendes Kapitel mit Schlüsselpunkten des Qigong-Yangsheng-Systems, Einführungs- und Abschlussübungen, wie man sie auch schon aus anderen Veröffentlichungen der Medizinischen Gesellschaft kennt. Und ein abschließendes Kapitel, in dem Kernkonzepte der chinesischen Medizin, Leitbahnen und Akupunkturpunkte inklusive der zugehörigen bildlichen Darstellungen dargestellt und äußerst prägnant zusammengefasst sind. Das Buch ist ästhetisch anspruchsvoll gestaltet; ganzseitige Gedichte, Kalligraphien, Landschaftsmalereien lockern das Gesamtbild angenehm auf und geben dem Band einen edlen Anstrich, die Liebe zum Detail ist überall spürbar. Knapp 45 Euro mögen viel erscheinen, aber bei dieser Qualität lohnt sich die Anschaffung als Nachschlagewerk, sofern man die Übungen zuvor einmal »live« erlernt hat, ganz bestimmt. Ich würde mir mehr so gut gemachte Qigong-Bücher wünschen.
(Markus Wagner)

 

Qigong Grundlagen / TQJ 2-2016

Markus Ruppert: »Grundlagen des Qigong. Ein Wegbegleiter durch die ersten Jahre der Qigong-Praxis«
MLV 2015, 165 Seiten geb., 29,95 EUR, ISBN 978-3-945695-09-8

Markus Ruppert hat für sein ausgesprochen informatives Qigong-Buch einen sehr sinnvollen Ansatz gewählt: Es soll Menschen, die Qigong lernen, Unterstützung bieten, wesentliche Aspekte dieser Kunst zu verstehen und im eigenen Üben umzusetzen. An keiner Stelle wird der trügerische Anschein erweckt, dass das Buch eine erfahrene Lehrkraft ersetzen könnte. Dafür bietet es einen guten Überblick über grundlegende Themen mit vielen Möglichkeiten, bestimmte Aspekte gezielt zu üben. Markus Ruppert weist auch darauf hin, dass manches von anderen Qigong-Lehrenden vielleicht anders dargestellt wird, aber gerade die Auseinandersetzung über solche unterschiedlichen Sichtweisen die eigene Entwicklung bereichern kann.

Wie von einem Physiotherapeuten zu erwarten, legt der Autor großen Wert auf eine gute Körperstruktur. Auf eine allgemeine Einführung folgt ein ausführliches Kapitel über die Regulation des Körpers. Dazu gehören neben der Betonung der Mitte und hilfreichen Erläuterungen zu einem entspannt aufgerichteten Stand Anregungen aus dem von Dieter Mayer entwickelten Power-Response-Training und ausführliche Erläuterungen zu den »drei Engpässen« Hüftbereich, Schultern und Hals, an denen es leicht zu energetischen Stagnationen kommt. Hier werden beispielsweise die Meridiandehnungsübungen nach Shizuto Masunaga eingestreut und »Schildkrötenübungen« zum Lösen des Hals- und Nackenbereichs.

Im nächsten Abschnitt werden Standübungen aus dem Zhanzhuang vorgestellt. Gerade hier, aber auch an vielen anderen Stellen kommt die herausragende grafische Umsetzung von Hella Spiering zum Tragen, die die zahlreichen Fotos durch Pfeile, Ballons und andere grafische Elemente ergänzt und sowohl körperliche Aspekte als auch Vorstellungsbilder optisch leicht erfassbar macht. Besonders gefallen mir die Fotos mit darübergelegten anatomischen Zeichnungen.

Der zweite große Bereich ist die Regulation der Atmung, die wiederum recht genau in ihrem physiologischen Ablauf und in ihren vielfältigen Wirkungen beschrieben wird. Markus Ruppert stellt verschiedene Atemtechniken gut nachvollziehbar vor und gibt Beispiele von Atemübungen, zu denen neben dem »Kleinen Himmelskreislauf« und den »Heilenden Lauten« auch Übungen aus dem Yoga zählen, oberste Priorität hat für ihn jedoch immer die Natürlichkeit.
Das Kapitel zur Regulation des Geistes hat mich besonders angenehm überrascht, denn auch hier bleibt Markus Ruppert bei seinem entspannt-pragmatischen Blick, der durchaus in die Tiefe geht, dabei aber stets in der tatsächlichen Übungspraxis verankert ist. Es geht ihm um eine Minderung von Leiden, darum, die Identifikation mit dem Ego abzubauen und inneren Frieden zu finden, und diese Ziele erscheinen keineswegs unerreichbar, sondern werden aus den erhabenen Sphären, in die sie oftmals erhoben werden, herabgeholt in das alltägliche Üben. »Nehmen Sie Ihr Leben nicht so persönlich« ist einer der netten Ratschläge dazu.
Im letzten Kapitel zum Lernprozess im Qigong werden nicht nur erwünschte (aber nicht unbedingt angenehme) Effekte beim Üben erläutert, sondern auch unerwünschte, die sonst in der Literatur gerne ausgelassen werden. So erhalten Übende zum Beispiel eine Orientierung, wie sie mit unterschiedlichen Arten von Schmerzen, Schweißbildung, Darmaktivitäten und anderen Phänomenen umgehen sollten.

Hier können unmöglich alle Punkte aufgeführt werden, zu denen Markus Ruppert Hinweise und Anregungen gibt, zum Beispiel auch durch eingestreute Fragen, die die Aufmerksamkeit beim Üben fokussieren. Es soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass seine Beschreibungen manchmal unklar bleiben und manches für Menschen, die etwa mit Dieter Mayers Trainingskonzepten auf Basis der fünf Wandlungsphasen nicht vertraut sind, nicht leicht nachvollziehbar ist. Hier hätte ein Lektorat durch eine außenstehende Person für eine bessere Verständlichkeit sorgen können. In einer gut überarbeiteten Neuauflage hätte das Buch jedoch durchaus das Potenzial, ein Klassiker zu werden.
(Almut Schmitz)

 

Outdoor-Qigong / TQJ 2-2016

Steve Chismar: »Nature Qigong. Mit Übungen & Videoclips«
Delius Klasing 2014, 176 Seiten brosch., 24,90 EUR, ISBN 978-3-7688-3887-

Es wäre so einfach, sich über dieses Buch lustig zu machen. Diese Fotos: eine blonde, wohlgebräunte Frau, die in weißer Hose auf einem Ast über einem See sitzt. Ein durchtrainierter Mann, der auf dem Boden liegt oder einen Baum umarmt. Oder das Allerletzte: Qigong auf einem Paddelbrett: Stand-up Paddeln heißt das. Und dann die Bildunterschriften: »Atemberaubender Blick von Regasina zum Nordufer des Gardasees bis ins Sarca-Tal«. Nein, so etwas sind wir nicht gewöhnt, wir traditionellen, ernsthaften Qigong-Praktikanten. Wir wissen genau, was sich gehört.

Zum Glück macht Steve Chismar das nicht auch noch. Er ist ein Outdoor-Freak, ihn begeistert alles, was er draußen machen kann: Wandern, Skifahren, Paddeln. Und Qigong. Draußen in der freien Natur, auf einem Berg, an Kraftplätzen, vor einem Baum, an einem See – dort ist Qigong immer noch am schönsten, meint er (recht hat er). In seinem Buch beschreibt er seine Erfahrungen damit und stellt viele sehr einfache Übungen vor, in einer sehr präzisen, sofort nachvollziehbaren Beschreibung und mit Fotos, die einem auch den letzten Zweifel über die Ausführung nehmen: So genau und knapp sieht man das nicht immer.

Die Übungen sind manchmal erdend und beruhigend, manchmal energetisierend, manchmal beides. Es gibt organstärkende Übungen, Übungen zu den vier Jahreszeiten, Morgen- und Abend-übungen, Meridianmassagen, Organentgiftung und Qigong mit Bäumen (mit!). Es gibt auch Tipps zum Schuhwerk, Steve Chismar empfiehlt barfuß zu üben, wenn der Boden nicht kalt oder nass ist. Es gibt ein paar Kochrezepte, Qigong mit Kindern und, da der Autor selbst Krebs hatte, auch das berühmte Windatmen des Guolin-Qigong. Und dann kann man entdecken, dass man tatsächlich auch beim Skifahren Qigong üben kann. Oder eben bei diesem neuen Hype-Sport, dem Stand-up-Paddeln. Zu einigen Übungen gibt es übrigens auch Videos auf der Verlagsseite (der aus Qigong allerdings Quigong macht).

Steve Chismar hat einen schön pragmatischen Ansatz für sein Qigong, und das macht das Buch so empfehlenswert. Und er hat Humor, auch das nicht gerade üblich bei vielen Qigong-Lehrern. So meint er, Yoga hieße »Versenkung, nicht Verrenkung«, oder empfiehlt nach einer Qigong-Übung: »Zum Abschluss in die Knie gehen (Demut zeigen) und die Stirn und Handflächen auf den Boden legen«. Sich dankbar zeigen. »Oder einfach denken: geiler Kletterfels! Danke!«
(Georg Patzer)

 

Qigong und Osteopathie / TQJ 1/2016

Dieter Beh, Johannes Weingart: »Qigong und Osteopathie. Die ideale Kombination zur Selbsttherapie«
BLV 2013, 128 Seiten, 12,99 EUR, ISBN 978-3835410145

Was der Titel implizit verspricht, benennt Ulrich Pramann im pointiert geschriebenen Vorwort konkret: Ziel der Autoren sei es, »die beiden Methoden miteinander zu verbinden«.
Es finden sich schöne Ideen im Buch von Dieter Beh und Johannes Weingart. Etwa bei den vorausgeschickten Anleitungen für das Training, wo beispielsweise geraten wird darauf zu achten, dass man nicht Sklave seines Ehrgeizes wird, und wo auf die Möglichkeit hingewiesen wird, bei Müdigkeit die Übungen im Sitzen durchzuführen. Oder der Hinweis auf die positiven Wirkungen der Namen der einzelnen Brokatübungen auf das Unterbewusstsein. Es werden viele zentrale Themen des Qigong beziehungsweise der Osteopathie besprochen, wie »das Problem Sitzen«, »Blockaden im Zwerchfell«, es wird Grundwissen über Yin und Yang sowie über die Meridiane vermittelt, Übungsprinzipien wie Verwurzelung, Aufrichtung, Zentrierung werden kurz und bündig erklärt.
Mir dreht sich zwar immer ein wenig der Magen um, wenn von Qigong, das erst gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts seine heutige Form und seinen Namen erhielt, als von einer »jahrtausendealten Bewegungslehre« gesprochen wird, die sich »lange vor unserer Zeitrechnung im alten China entwickelt« habe, aber diese Ansicht ist weit verbreitet, und es handelt sich hier nun mal nicht um eine soziologisch-historische Untersuchung.

Formulierungen wie »Vor Lebensfreude sprühen und Vitalität ausstrahlen«, »um zu zeigen: Ich bin gesund, mir geht es gut« oder »Ihre Energiereserven innerhalb von Minuten wieder auffüllen« bergen in meinen Augen die Gefahr, aus einer innerlichen Kunst, deren nachhaltige Wirkungen die Frucht ausdauernder Bemühung sind, etwas zu machen, das im Dienst von Äußerlichkeiten steht. Ich unterstelle den Autoren keineswegs eine solche aus daoistischer Sicht recht entfremdete Orientierung an Äußerlichkeiten, würde mir aber etwas mehr Sorgfalt in den Formulierungen wünschen, da sonst das Gesamtkonzept seine Stimmigkeit einbüßt. Dazu gehört auch, dass die Grundstimmung einer Orientierung an Zieleffizienz (»Starten Sie durch«) in meinen Augen zu positivistisch beziehungsweise instrumentalistisch rüberkommt. Aber vielleicht ist es ja wirklich erst mal entscheidend, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen …

Im zentralen Qigong-Teil werden eine Variante der Brokatübungen sowie die Fünf-Elemente-Übung »Harmonie« gezeigt. Die Übungen werden gut nachvollziehbar beschrieben und in einer ebenfalls sehr gelungenen Bilderserie illustriert. Die Dame, die die Haltungen demonstriert, wirkt tatsächlich entspannt, geerdet, zentriert und aufrecht, was ich hier hervorheben möchte, weil das bei Qigong-Büchern leider keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Ein, soweit ich sehen kann, von keiner eigenen Agenda beeinflusstes Adressverzeichnis, eine kurze Literaturliste und ein Stichwortverzeichnis runden das Büchlein ab.
Allerdings, und das ist der zentrale Kritikpunkt, stehen die Kapitel über Osteopathie und Qigong ganz unverbunden nebeneinander. Zwar wird bei einigen Qigong-Übungen kurz erwähnt, welche der osteopathischen Übungen dazu passen, aber das war’s dann auch schon. Das Kapitel »Wie steigert Osteopathie den Erfolg von Qigong?« beschreibt auf gerade mal vier Seiten die osteopathische Sicht auf Diaphragmen als potenzielle Energieblockaden, ohne dabei allerdings konkreten Bezug auf Qigong zu nehmen. Wer sich – wie ich – aufgrund des Titels und der genannten Ankündigungen erhofft hatte, etwas über den »gemeinsamen Weg« von Qigong und Osteopathie zu erfahren, was wesentlich darüber hinausgeht, dass es in beiden Disziplinen um das Auflösen von Blockaden geht, wird enttäuscht.

Letztendlich erfährt man bei der Lektüre sowohl etwas über Qigong als auch über Osteopathie. Wer einen allerersten Einblick in beide Disziplinen auf etwa 100 Seiten bekommen will, ist mit dem Bändchen nicht schlecht beraten.
(Markus Maria Wagner)

 

Qigong gut eingeführt / TQJ 2016

Johann Bölts: »Qigong – Heilung mit Energie«
Herder 2015, TB, 220 Seiten, 10,99 EUR, ISBN 9783451067846

Das Buch von Johann Bölts ist schon fast ein Klassiker in der deutschsprachigen Qigong-Literatur. Die erste Auflage ist 1994 erschienen und letztes Jahr kam die sechste Auflage heraus. Grund für uns, es endlich mal zu rezensieren, nachdem ich feststellen musste, dass wir es noch nicht getan hatten.

Wenn sich ein Qigong-Buch so lange am Markt halten kann, wird es auch eine gute Qualität haben, so hoffte ich jedenfalls. Und das Buch bestätigt dies. Johann Bölts ist einer der bekanntesten Qigong-Protagonisten im deutschsprachigen Raum. Er etablierte Qigong an der Universität Oldenburg und ist einer der Pioniere im akademischen Umfeld. Sein akademisches Wissen kam ihm beim Verfassen dieses Buches sicherlich zugute.

Es gibt eine sehr gute und klar strukturierte Einführung in das Qigong. Sie beginnt mit der Geschichte, der Situation des Qigong in China. Schade ist allerdings, dass die Neuauflage nicht genutzt wurde, um auf die aktuelle Situation des Qigong, sowohl in China als auch in Eu-ropa, einzugehen, der Stand von Anfang der 90er ist doch schon etwas überholt.

Die nächsten beiden Kapitel behandeln die Grundlagen der Qigong-Theorie, natürlich mit der Verbindung zur TCM, und die Grundlagen der Qigong-Praxis. Daran schließt sich das Kapitel »Qigong und die Gesundheit« an. In diesen drei Kapiteln gibt Johann Bölts einen sehr gut gemachten Einblick in das Thema, natürlich mit Yin/Yang, Qi, den Wandlungsphasen, den Meridianen, den drei Schätzen, mit allem, was für eine gute Einführung wichtig ist: auf das Wesentliche beschränkt, klar erklärt, gut aufeinander aufbauend. Besonders wertvoll finde ich den Abschnitt zur Entwicklung von Selbst-Kompetenz im Qigong, in dem der Autor auf den Selbst-Erkundungsprozess eingeht, der mit dem Lernen von Qigong einhergeht.

Der praktische Teil enthält einige kleine Basis- und Vertiefungsübungen im Stehen, Sitzen und Liegen, die allesamt gut erklärt sind mit Bewegungsweise und Wirkung. Als größere Übungsreihe wird das Gesundheitsschützende Qigong
(Baojian Gong) aus dem Daoyin Yangsheng Gong beschrieben, dessen Wirkungsweise weiter vorne im theoretischen Teil ausführlich dargestellt wurde. Die Bilder zu den Übungen zeigen Prof. Ding, der Anfang der 90er Jahre das Daoyin Yangsheng Gong in Deutschland bekannt gemacht hat.
Fazit: Ein sehr gelungenes Buch über die Grundlagen des Qigong, das nicht nur für EinsteigerInnen interessant ist.
(Helmut Oberlack)

 

Stehübungen aus dem Shaolin Qigong / TQJ 2016

Hong Li Yuan: »Qi Gong – Der heilige Weg«
Nymphenburger 2013, 137 Seiten, geb., 18 EUR, ISBN 978-3-485-01428-1

Hong Li Yuan ist in Deutschland bekannt geworden durch seine autobiografischen Romane »Die Tempelglocken von Shanghai« und »Der Meister aus Shanghai«. Er ist 1957 in Shanghai geboren, lebt seit 1992 in Deutschland und unterrichtet Taijiquan und Qigong. Außerdem hat er einige Bücher über Taiji und Qigong geschrieben. Sein letztes Buch »Qigong – Der heilige Weg« ist auffallend schön gestaltet, man nimmt es gern in die Hand, blättert darin, erfreut sich an den Kalligrafien des Autors und an den vielen Bildern. Das macht neugierig, zumal der Untertitel »Der heilige Weg« recht vielversprechend ist.

Das Buch beschreibt kein komplettes Übungssystem, sondern beschränkt sich auf Basisübungen mit Vorbereitung. Nach Angaben des Autors stammen diese Übungen aus dem Lohan-Qigong. Nicht so ganz bescheiden bemerkt er, »manche Leute bezeichnen es auch einfach als ›Hong-Li-Qi-Gong‹«. Bekannt sind diese Übungen als Basisübungen des Shao-lin Neijin Yi Zhi Chan, dem buddhistischen Shaolin Ein-Finger-Qigong. Dies ist ein recht anspruchsvolles Qigong und in China berühmt, weil dadurch Fähigkeiten zur Qi-Übertragung entwickelt werden können.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung in Qigong und die zugrundeliegende Theorie, die auch für AnfängerInnen verständlich ist. Interessant ist an dieser Stelle der Hinweis auf falsche Meister und deren Tricks, Qi vorzutäuschen. Auch gefällt mir die Empfehlung, dass man sich auf das Praktizieren weniger Qigong-Übungen beschränken sollte, weil sich nur dadurch das eigene Qi entwickeln kann, anstatt möglichst viele verschiedene Qigong-Übungen zu lernen, wie es im Westen oft der Fall ist.

Der Autor beschränkt sich auf je drei vorbereitende Übungen im Stehen und Sitzen, die genau beschrieben und ausführlich bebildert sind, so dass die Ausführung leicht nachzuvollziehen ist. Dann folgt die Hauptübung, vom Autor »Das Pferd« genannt, das ist die Basisübung aus dem Shaolin Neijin Yi Zhi Chan, eine Stehübung, bei der es entscheidend auf die richtige Körperhaltung ankommt, da man sich sonst durch das Üben schaden kann. Leider ist diese Übung nur unzureichend beschrieben und es fehlen wichtige Details. Das wirft für mich wieder einmal die Frage auf, wie weit anleitende Bücher für Qigong tatsächlich sinnvoll sind.

Als letztes wird dann – leider auch nur rudimentär – eine Fingerübung aus dem gleichen Übungssystem vorgestellt, in der basierend auf der Pferd-Übung die Finger in einer bestimmten Reihenfolge gebeugt werden; eine ausgesprochen wirkungsvolle Übung, wenn sie richtig praktiziert wird. Um die Wirkung der Übung verständlich zu machen, führt der Autor kurz in die Meridianverläufe ein, allerdings beschreibt er andere Verläufe als in der chinesischen Medizin üblich, so dass nicht klar ist, welches System er verwendet. Nach seinen Angaben beginnt der Herz-Meridian im Mittelfinger und der Blasen-/Nieren-Meridian im kleinen Finger. Entsprechend dem Schichtenmodell gibt es da zwar Verbindungen, allgemein werden die Verläufe allerdings anders beschrieben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch nur bedingt zu empfehlen ist, da es an der Oberfläche bleibt, aber es macht sicherlich neugierig auf die Übungen und gibt interessante Anregungen.
(Elvira Glück)

 

Qigong nicht nur für Kampfsportler / TQJ 4/2015

Xiong Daoming: »Yan Chi Gong«
Palisander 2014, 251 Seiten, TB,
ISBN 9783938305751, 19,90 EUR

Das Yan Chi Gong ist ein umfangreiches Qigong-System, das über Jahrhunderte nur im Shaolin-Kloster gelehrt worden sein soll. Erst 1963 hat der Großmeister dieses Systems Xiong Daoming sein Wissen darüber schriftlich festgehalten. Er diktierte es einem Kalligraphie-Meister namens Pan, um es veröffentlichen zu können.

Doch dazu kam es nicht, denn bevor die Verhandlungen darüber abgeschlossen waren, starb plötzlich der Kalligraphie-Meister an Krebs, was für Xiong Daoming Grund genug war, von einer Veröffentlichung Abstand zu nehmen. 2012 gestattete Li Zhenghua, der Nachfolger des mittlerweile verstorbenen Xiong Daoming, die Veröffentlichung in deutscher Sprache.
Maik Albrecht, Schwiegersohn und Schüler von Li Zhenghua, hat die Texte aus dem Chinesischen übersetzt und zusammen mit Frank Rudolph als Buch herausgebracht, in dem sie selbst die Übungen ausführlich darstellen. Das Autorenduo ist bekannt geworden durch die beiden Bücher »Wu – Ein Deutscher bei den Meistern in China« (vgl. Rezension im TQJ II 2012) und »Tigersturz und Ringerbrücke – Effektive Trainingsmethoden für Kampfkunst und Sport.« Soweit die Vorgeschichte dieses Buches.

»Mal wieder so ein Qigong, das nach jahrhundertelanger Geheimhaltung an die Öffentlichkeit kommt«, war einer meiner ersten Gedanken dazu, doch bereits nach kurzer Zeit des Lesens merkte ich deutlich, dass ich mir so ein Vorurteil hätte schenken können.
Gleich zu Beginn der Einleitung grenzen Maik Albrecht und Frank Rudolph das Yan Chi Gong vom Qigong ab. »Qigong ist etwas für Studenten und Senioren geworden, die es als leichte Morgengymnas-tik in Parks betreiben«, so die etwas vereinfachte Zusammenfassung der vielen neu entwickelten Qigong-Formen. Das Yan Chi Gong hingegen sei eine Gong-Übung, ein systematisch aufgebautes System, so wie die ursprünglichen Gong-Übungen aus China, zu denen auch Taijiquan und Baguazhang zählten. Gong-Übungen basierten auf der chinesischen Medizin und auf der Kampfkunst, sie verhinderten Krankheiten und stärkten den Körper für den Kampf. Diese Gong-Systeme zu lernen und zu meistern schafften nur wenige. Qigong hingegen könnten alle Menschen üben, denn es sei relativ einfach und könne ohne große Anstrengung geübt werden. Doch Dinge, die ohne Anstrengung erworben werden können, seien selten viel wert.

Das klingt hier vielleicht etwas abfällig, ist aber meines Erachtens nicht so gemeint. Im weiteren Verlauf des Buches wird immer deutlicher, welches Fachwissen, welche Übungserfahrung und welchen Anspruch die Autoren haben. Und (nicht nur) aus ihrer Sicht sind Gong-Übungen eben kein Qigong.
Im zweiten Kapitel geht es um das Yan Chi Gong, Yan bedeutet Tuschestein, Chi sich entspannen oder lockern. Wie man bei einem Tuschestein ganz langsam die Tuschestange in Wasser auflöst, um eine gute Qualität der Tusche zu erreichen, so langsam sollen die Übungen ausgeführt werden, natürlich dabei entspannt und locker, um die Anstrengungen und Schmerzen in ein angenehmes Gefühl zu verwandeln.

Dieses Kapitel ist in drei Teile unterteilt. Der erste soll Haut und Gewebe stärken. Der zweite Teil zielt mehr auf die Meridiane, der dritte bereitet auf die Pflaumenblütenpfähle vor, die berühmten Pfähle, auf denen die Shaolin-Mönche trainieren und auf denen früher auch gekämpft wurde.
Die Beschreibungen der einzelnen Bewegungen sind sehr detailliert und durch viele Bilder von Maik Albrecht (insgesamt über 280 Fotos!) sehr gut illustriert. Und sie werden immer kommentiert – wozu sie da sind, wie sie wirken und worauf man beim Üben achten sollte.

Man könnte die Übungen tatsächlich gut nachmachen, wenn sie nicht so schwierig wären. Die Übungen betonen Beweglichkeit und Gleichgewicht und beinhalten viele Dehnungen, verschiedene Stände und immer wieder Positionen in der Hocke, teilweise auch nur auf einem Bein. »Schwierig« ist sicherlich relativ. Manche Übungen sind vom Ablauf relativ einfach, aber in der geforderten Langsamkeit hört die Einfachheit schnell auf.

Die LeserInnen werden des Öfteren darauf hingewiesen, beim Üben auf die eigenen Fähigkeiten zu achten und nicht zu übertreiben, die gezeigten Bilder seien die Idealpositionen, die es anzustreben gilt. Von daher sei das Yan Chi Gong für alle geeignet, zumindest die Anfangsübungen des ersten Teils. Die weiteren Übungen sind dann eher für Sportler und das gesamte System sei eine außerordentlich wirksame Trainingsmethode für alle Kampfkünste und auch für Spezialeinheiten der Polizei. Maik Albrecht kennt sich damit aus, hat er doch selbst schon Mitglieder chinesischer Einheiten trainiert.

Doch nicht nur die Bewegungsanleitungen sind sehr gut, auch die fachkundigen Kommentare und Erläuterungen, sei es zu einzelnen Aspekten des Trainings, zu Yin/Yang, zum Körperfett, zu Jin (dem gesamten Gewebe im Körper), zu den Gelenken, zur Einheit des Körpers, zur Langsamkeit und vielem mehr. Diese sind essentiell wichtig, um einen Eindruck vom gesamten System zu erhalten. Manches, was ich schon des Öfteren gelesen habe, wie zum Beispiel über Yin/Yang oder Dao, fand ich außerordentlich gut dargestellt. Hier ist deutlich zu merken, dass Maik Albrecht, der schon viele Jahre in China lebt, tief in die chinesische Kultur eingetaucht ist. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang auch, dass bei diesen Erläuterungen immer wieder Parallelen zu westlichem Wissen gezogen werden, teilweise auch mit Bildern wie den zwei Pfahlgängern in Deutschland um 1900 herum.

Das letzte Kapitel zeigt die Tafeln, auf denen der Kalligraphie-Meister Pan die Texte niedergeschrieben hat. Diese werden anschließend unkommentiert übersetzt, so dass in diesem Kapitel die Textquelle, auf der das Buch beruht, offengelegt wird.

Fazit: Ein sehr gut gemachtes und informatives Buch über ein Übungssystem, das bei uns noch unbekannt ist, geschrieben von Autoren, die von »ihrem« System sehr überzeugt sind und das immer wieder deutlich werden lassen. Schön ist auch der Link zu den Seiten des Palisander Verlags, auf denen man ein Video mit den Übungen ansehen kann.
(Helmut Oberlack)

 

Übungsbuch Hui Chun Gon / TQJ 4/2015

Foen Tjoeng Lie: »Hui Chun Gong – Rückkehr des Frühlings, Original-Version«
Kolibri 2015, 157 Seiten, Spiralbindung, 44,90 EUR, ISBN 978-3-928288-65-1

Anfang der Neunzigerjahre erschienen die ersten beiden deutschsprachigen Bücher zum Hui Chun Gong – eines von Bian Zhizhong, der diese Übungsform seit den Siebzigerjahren populär gemacht hat, und eines von Monnica Hackl, beide sind zwischenzeitlich neu aufgelegt worden. Nun hat auch Lie Foen Tjoeng ein Buch über die Übungen zur »Rückkehr des Frühlings« verfasst. Es ist sehr praxisbezogen gestaltet mit der beim Kolibri Verlag üblichen Spiralbindung und drei eingelegten DIN A 2 Blättern, die sich als Wandtafeln aufhängen lassen.
Die einzelnen Übungen sind klar beschrieben und mit relativ vielen professionellen Fotos illustriert. Damit liefert das Buch eine gute Begleitung für Menschen, die Hui Chun Gong lernen, – und dafür ist es auch gedacht. Es soll keinen persönlichen Unterricht ersetzen. Besonders hilfreich als Erinnerungsstütze beim Üben sind die Wandtafeln, die in Bilderfolgen alle Übungen hintereinander zeigen.

Einleitend gibt Lie Foen Tjoeng, der über jahrzehntelange Erfahrung als Qigong-Ausbilder verfügt und das Hui Chun Gong seit 2008 unterrichtet, kurze Informationen zur Entstehung dieser Übungen sowie Hinweise zum Üben. Diese Infos sind wie immer bei Lie Foen Tjoeng sehr sachlich; gut ist auch, dass er betont, dass jeder Mensch seinen Fähigkeiten entsprechend üben sollte. Eine bewusste Führung des Qi oder Arbeit mit Vorstellungsbildern ist beim Hui Chun Gong nicht vorgesehen, wie der Autor schreibt, soll sich die Wirkung besser entfalten, wenn man das Qi einfach frei fließen lässt.

Die »Original-Version« im Untertitel bezieht sich darauf, dass hier die ursprünglichen zwölf Übungen des Hui Chun Gong vorgestellt werden, die von Bian Zhizhong zusammen mit seinem Sohn und einigen Schülern später auf 36 Bewegungsfolgen erweitert wurden.
(Almut Schmitz)

 

Qigong mit den Wandlungsphasen / TQJ 4/2015

Petra Hinterthür: »Qi Gong nach 5 Elementen«
Kolibri 2015, Hardcover mit Spiralbindung, ca. 108 Seiten und DVD (200 Min.),
34,90 EUR, ISBN 9783928288613

Dieses Buch ist eine überarbeitete Neuauflage des gleichnamigen Titels, den Petra Hinterthür 2008 bei Gräfe und Unzer veröffentlich hat. Nachdem der Titel dort aus dem Programm genommen wurde, hat der Kolibri Verlag die Rechte erworben und das Buch neu aufgelegt. Petra Hinterthür hat sämtliche Texte überarbeitet und ergänzt. Dazu gekommen sind auch stille Qigong-Übungen und Meridian-Dehnungsübungen zu den einzelnen Wandlungsphasen. Petra Hinterthür war bei der Überarbeitung nicht an eine festgelegte Seitenzahl gebunden, die für die Reihentitel von Gräfe und Unzer typisch sind. So hat das Buch nun rund 30 Seiten mehr Inhalt und natürlich die für den Kolibri Verlag typische Spiralbindung im Hardcover. Alle Fotos wurden neu aufgenommen, mit der Autorin als Model. Zuammen mit der bereits von Gräfe und Unzer produzierten DVD eignet sich das Buch sehr gut, um damit zu arbeiten.
(Helmut Oberlack)

> Die Rezension der Originalausgabe aus TQJ 2/2009 lesen

 

Taiji und Qigong als Lebensweg / TQJ 3/15

Klemens J. P. Speer: »Taijiquan und Qigong. Meditation in Bewegung als Übungs- und Lebensweg«
Lotus Press 2014, 160 Seiten, 16,80 EUR, ISBN 978-3-945430-00-2

Klemens Speer ist Lehrer und Ausbilder für Taijiquan, Qigong-Lehrer und Zen-Lehrer der Linie »Leere Wolke«. Bei Lotus Press erschien von ihm schon ein Buch über seine persönliche Nahtod-Erfahrung und parallel zu dem Taiji-Buch, das ich vorstellen möchte, auch eines über »Zen und Kontemplation«.

Seit über 25 Jahren ist er »auf dem Weg« und gehört zu denen, die sich insbesondere für die meditative Seite des Taijiquan interessieren – und für die spirituelle. In diesem Zusammenhang hat er in seinem Leben viel geforscht, hat sich mit der asiatischen Philosophie beschäftigt, aber auch nach Quellen im Westen gesucht, die solche »inneren Entwicklungswege« beschreiben und zugänglich machen können. Spürbar treibt ihn an, eine tragfähige Brücke zwischen östlichem und westlichem (auch christlich geprägtem) Denken zu finden – über die wir als Taiji- oder Qigong-Lernende sicher schreiten und unseren Weg finden können. Eine große Rolle spielt dabei die »Transpersonale Psychologie« von Ken Wilber, den er immer wieder zitiert.

Das Buch ist, darauf weist der Autor im Vorwort hin, ein Kompendium verschiedener Texte, die über Jahre entstanden sind. Dadurch ist es stilistisch (und in der Adressierung an mögliche LeserInnen) nicht immer konsistent, manches wiederholt sich auch. Andererseits ist es dadurch möglich, nach momentanem Interesse einzelne Artikel zu lesen, sich sozusagen durchs Inhaltsverzeichnis zu schmökern und hier und da mal hängen zu bleiben. Klemens Speer hat die Texte in folgende Kapitel eingeordnet: »Mein Weg zum Taiji«, »Taiji – Stille in Bewegung«, »Daoismus und der Ursprung des Taiji« »Taiji und Musik – Den richtigen Ton treffen«, »Das Feinstoffliche im Taiji«, »Äußere Welten im Taiji«, »Innere Welten im Taiji«, »Daoismus und Taiji im Westen«, »Wirkungen des Taiji«. Taiji wird dabei als Oberbegriff für Taijiquan und Qigong verwendet.

Gerahmt wird das Ganze von der Einleitung »Von der Welle getragen«, in der der Autor von einer persönlichen spirituellen Erfahrung der Qi-Wahrnehmung bei der Taiji-Praxis berichtet: »Das kosmische Qi«. Dies greift er im »Nachklang« noch einmal auf, in einer »Reflexion der Energiewelle«. Seiner Meinung nach ist das Bewusstmachen solcher Erlebnisse, ein reflektierender Austausch darüber, wesentlich, um das Erfahrene ganz integrieren zu können. Er äußert seine Verwunderung darüber, warum so wenige Lehrende darüber berichten, fragt sich, ob sie es zu banal finden oder sich scheuen, Worte für das zu suchen, was sich kaum in Worte fassen lässt. Denn er hält es für sehr wichtig, darüber zu berichten, um den eigenen Schülern und Schülerinnen eine Art Orientierung zu geben, wohin es gehen könnte.

Klemens Speer lässt uns sehr offen an seinen Gedankengängen und Erfahrungen teilhaben. So repräsentiert dies Buch für mich auch die Art, wie Taiji durch die hier langjährig Unterrichtenden immer mehr im Westen ankommt – auch durch Reflexion des eigenen kulturellen Hintergrunds und der eigenen Übeerfahrung.

Auf dem Cover des Buches finden wir nicht nur das Motto »Von der Welle getragen«, sondern auch eine Fußzeile, die sagt, für wen Klemens Speer sein Buch verfasst hat: Es ist »Ein Grundlagenbuch für Übende aller Stilrichtungen«. Dem kann ich zustimmen. Es enthält eine Fülle grundlegender Gedanken rund um unsere Übungswege, kann so Orientierung geben beim »Was, wie und warum?«, regt zum Nachdenken an und lädt zum
Weiterüben ein.
(Dietlind Zimmermann)

 

Qigong gegen Bluthochdruck / TQJ 2/2015

Wenchu Jin/Katharina Waibel: »Bluthochdruck senken. Natürliche Selbsthilfe mit Qigong«
Nymphenburger 2014, 64 Seiten, 10 EUR, ISBN 978-3485028240

Dass bei Bluthochdruck körperliche Übungen helfen, ist nachgewiesen – in Heft 59 des TQJ erklärt Christian Bitzers Artikel das noch einmal. Aber: welche Übungen? Ein strukturiertes westliches Ausdauertraining ist nach derzeitigem Stand der Forschung etwas effektiver als Taijiquan oder Qigong. Wobei Qigong natürlich mehr Spaß macht und noch andere »Nebenwirkungen« hat.

Aus dem Medizinischen Qigong kommt jetzt ein kleines Buch von Wenchu Jin und Katharina Waibel, die in Württemberg und Rheinland-Pfalz unterrichten und schon ebenso kleine Bücher über Tinnitus, Abnehmen und Duft-Qigong geschrieben haben. Nur 56 Seiten dünn, ist es ein wohltuendes Buch, das sich von vielen allzu ausführlichen, dogmatischen und überladenen Büchern unterscheidet. Die beiden stellen die Theorie des Yin-Yang sehr kurz vor, geben aber auch ein schönes Beispiel dafür, dass Yin-Yang eben nicht schwarz-weiß bedeutet, sondern je nach Situation mal dies, mal jenes: »Beispiel Regen. Als Wetterereignis und Element hat Regen (Wasser) in Bezug zu Sonnenschein (Feuer) Yin-Qualität. Im Regenkreislauf entspricht der aufsteigende Wasserdampf Yang, der herabströmende Regen wiederum Yin. Geht er als sanfter Nieselregen hernieder, sieht man ihn im Verhältnis zu heftigem Platzregen als Yin.« Ebenso ist es wohltuend, dass sie nicht sagen, dass nur die »Alternativmedizin« TCM gut und richtig sei, sondern Verbindungen zur westlichen Medizin herstellen – was ein bisschen präziser hätte sein können, aber nicht sein muss.

Nach der Erklärung der Konzepte beschreiben Wenchu Jin und Katharina Waibel mögliche Ursachen für Bluthochdruck aus TCM-Sicht, stellen ein Übungsprogramm vor, wobei sie sagen, dass man sich bei der Auswahl der Übungen auch vom Gefühl leiten lassen solle. Und dann beschreiben sie auch schon die Übungen selbst. Das sind vor allem Entspannungsübungen, Erdung, Übungen, die die Energie nach unten führen, Atemmeditationen, auf der Stelle gehen und kräftige Streckübungen, mit denen die Leitbahnen gedehnt werden sollen. Ein kleiner Kritikpunkt: Bei der Drei-Punkte-Übung legen sie Mingmen in den »Bereich des Nabels«, und hier hätte auch dringend eine kleine Skizze hingehört. Ansonsten ist es ein empfehlenswertes Büchlein für Einsteiger in das Medizinische Qigong. Wer es komplexer haben will, findet das anderswo.
(Georg Patzer)

 

Qigong für die Balance der weiblichen Hormone / TQJ 1/2015

Frank Seefelder: »Qigong für die Hormonbalance. Energieausgleich in den Wechseljahren«
Schirner 2013, 173 Seiten Pb., 15,95 EUR (D), 16,40 EUR (A), ISBN 978-3-8434-1114-1

Birgit Vollmann: »Hormon-Qigong für Frauen. Eine Reise zur eigenen Weiblichkeit«
Edition Octopus 2010, 154 Seiten TB, 12,50 EUR, ISBN 978-3-86991-178-6

Ich muss gestehen, dass sich eine gewisse Skepsis in mir regt, wenn sich ein Mann berufen fühlt, einen Ratgeber für Frauen in den Wechseljahren zu schreiben. Und in der Tat finde ich im Buch von Frank Seefelder eine Zusammenstellung einfacher Qigong-Übungen, viele davon weithin bekannt, kleiner Selbstmassagen und einiger Entspannungsübungen, die schlicht als Qigong zum Kennenlernen durchgehen könnte – abgesehen von einem sehr kurzen Blick auf die Wechseljahre aus östlicher Sicht in der Einführung, Hinweisen, dass die Übungen in den Wechseljahren wertvoll sind und wohlmeinenden Ermutigungen am Ende.

Das Buch ist schön gemacht mit ansprechenden Fotos und Fotoreihen zu den Übungen. Allerdings sind die Erläuterungen zur Haltung sehr sparsam ebenso wie Hinweise auf Vorbereitung und Abschluss der Übungen, dadurch kommen wesentliche Aspekte des Qigong nicht zum Tragen. Die knappe Einführung zu Qi, Meridiansystem und Funktionskreisen scheint mir durch die TCM-Begrifflichkeiten für Laien schwer nachvollziehbar. Eine Anregung, sich für eine direkte Anleitung eine Qigong-Lehrerin zu suchen, findet sich nicht.
Ganz anders das »Hormon-Qigong für Frauen« von Birgit Vollmann: Man sieht dem Buch zwar an, dass es »selbstgebas-telt« ist, dafür ist der Inhalt umso interessanter. Birgit Vollmann ist Qigong-Lehrerin mit DDQT-Gütesiegel und hat aus ihrer Erfahrung mit Qigong, insbesondere aus der Schule von Mantak Chia, einen Übungsrahmen zusammengestellt, der speziell die hormonproduzierenden Drüsen stimuliert und Frauen nicht nur während der Wechseljahre unterstützen kann.

Der Rahmen, im Buch als »Reise zur eigenen Weiblichkeit« konzipiert, beginnt
mit einer »Reisevorbereitung«. Darin gibt die Autorin einen ausführlichen Überblick über die Bedeutung und Wirkung verschiedener Hormone und die einzelnen für den Hormonhaushalt wichtigsten Drüsen. Anschließend setzt sie diese in Bezug zu den verschiedenen Lebensphasen von Frauen und erläutert die hormonellen Vorgänge während der Pubertät, der Zeit der Geschlechtsreife, der Wandeljahre und der Zeit danach – hier als »große Freiheit« bezeichnet. Damit gibt sie Frauen gut verständliches Hintergrundwissen an die Hand, um die Vorgänge im eigenen Körper besser verstehen zu können. Sie verzichtet dabei weitgehend auf chinesische Terminologie, um ihre Darstellungen für alle interessierten Frauen verständlich zu halten.

Die eigentliche Reise beginnt dann mit praktischen Vorbereitungen wie Platzwahl und geeigneter Kleidung sowie einer ausführlichen Erläuterung der sitzenden und der stehenden Grundhaltung. Alles wird sehr lebensnah beschrieben und regt dazu an, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Es folgen mehrere alternative Vorübungen, die – auch im Alltag zwischendurch – in die Ruhe führen, sowie einige Aufwärmübungen.

Nach dieser Vorbereitung schließen die eigentlichen »Hormon-Qigong-Übungen« an. Sie regen teilweise direkt bestimmte Drüsen an, umfassen aber zum Beispiel auch eine Variante des »Inneren Lächelns«, bei dem das Lächeln neben den Organen auch in die Drüsen geleitet wird, sowie den Kleinen Energiekreislauf. Insgesamt werden hier wirkungsvolle Übungen vorgestellt und erläutert, mit denen Frauen ihre Weiblichkeit und ihren Körper bewusst wahrnehmen und stärken können.

Auch wenn das Buch in erster Linie für die Teilnehmerinnen an den Seminaren und Ausbildungen der Autorin konzipiert ist, sind die Übungen im Wesentlichen auch für andere Leserinnen gut nachvollziehbar, allerdings liegt hier noch Verbesserungspotenzial. Gut gefallen hat mir, dass die Autorin dazu rät, neben ihren Skizzen ruhig mal in einem Anatomieatlas die genaue Lage der Organe und Drüsen nachzuschauen und eventuell durch eine Ultraschalluntersuchung feststellen zu lassen, ob die eigenen Organe dem entsprechen, da sie bei manchen Menschen »spiegelverkehrt« im Bauch liegen.

»Hormon-Qigong für Frauen« ist für alle Frauen empfehlenswert, die mit Qigong ihren Hormonhaushalt günstig beeinflussen möchten, etwas Qigong-Vorerfahrung kann natürlich nicht schaden. Ich würde diesem Buch eine überarbeitete Neuauflage mit professioneller Gestaltung und einer etwas sorgfältigeren Übungsbeschreibung wünschen, damit mehr Frauen von Birgit Vollmanns umfangreicher Erfahrung in diesem Bereich profitieren können.
(Almut Schmitz)

 

Die bunte Welt der fünf Elemente / TQJ 4/2014

Sakina K. Sievers, Nirgun W. Loh: »Das Wunder der Wandlung. Eine Reise in die Welt der Fünf Elemente« 
ShenDo 2012, geb. 141 Seiten, 29,80 EUR, ISBN 978-3-9811184-1-4

Sakina Kerstin Sievers und Nigrun Wolfgang Loh sind ShenDo Shiatsu-Praktiker der ersten Stunde. Die körpertherapeutische Arbeit des Shiatsu basiert, wie die Methoden der TCM und Qigong, unter anderem auf der Meridianlehre und der Theorie der fünf Wandlungsphasen. ShenDo Shiatsu widmet sich, wie in einem kleinen Kapitel am Schluss erklärt wird, besonders der geistigen Seite unserer Existenz, der Frage „Wer bin ich?“.

Und so finden wir in diesem Buch vor allem die psychosomatischen und die psychodynamischen Aspekte der Wandlungsphasen ausgelotet – als Lebensphasen, als Erkenntnisweg-Phasen. Dieser Fokus macht es auch für Nicht-TherapeutInnen interessant, zum Beispiel für „ganz normale Qigong-Praktizierende“. Und wie die Autoren dies machen, macht das Buch zu einem besonderen: Es ist bunt im wahrsten Sinne des Wortes, spiegelt die Farben des Lebens in den Farben der Elemente, bebildert, erzählt, ist durch und durch so sinnlich, wie ein Buch nur sein kann.

Den „roten“ Faden durch das Buch bieten zum einen die Bilder und Bildelemente von Aruna Palitzsch-Schulz, die etwas von ansprechender Kinderbuchillustration haben. Zum anderen ist dies Buch ein wenig wie ein Märchenbuch: Immer wieder werden Geschichten erzählt. Beginnend im Vorwort der Schriftstellerin Gyde Callesen, das ein Minimärchen ist, wie jemand auf der Suche nach sich selbst in die „Welt der Elemente“ eintrat.

Danach wird zur Einführung in diese Welt die Geschichte „Die Fünf Länder“ erzählt, mit den Kapiteln „Die Grüne Insel“, „Das Königreich der Freude“, Das Tal der Goldenen Mitte“, „Der Berg der Himmlischen Ordnung“ und „Der Ozean der Stille“. Dann wird der Körper als Haus beschrieben und in ihm werden zwölf Hausbewohner (die zwölf Hauptleitbahnen in ihrer Elementezuordnung) vorgestellt. 

Der zweite Teil des Buchs widmet jedem Element ein eigenes Kapitel. Hier wird eine Fülle an Material angeboten: Jeweils wieder optisch gut gegliedert durch die Piktogramme der Illustratorin findet sich jeweils etwas zu Persönlichkeiten (Beispiele bekannter Personen, die mit ihrer Biographie einen Elementeaspekt besonders zum Ausdruck bringen), Körperübungen und Sportarten, Meditation, Psychotherapie, Musik/Bücher/Filme, Krafttiere, Düfte, Kräutertees, Kochen und eine Sammelkategorie „Und sonst noch …“. Immer werden Dinge vorgestellt, die das Element entweder gut erläutern oder aber die geeignet sind, das Element zu stärken und zu harmonisieren.

Die Kategorie „Kochen“ nimmt einen größeren Raum ein als die anderen. Die Bio-Köchin Mayoori Buchhalter stellt für jede der fünf Jahreszeiten ein veganes Menü zusammen. Rezepte und Fotos sind so ansprechend, dass man gleich hineinbeißen möchte – oder wenigstens loskochen.
Ende der Geschichten? Nein! Jedes Elemente-Kapitel schließt mit einer kleinen Geschichte, die das Wirken dieser Wandlungsphase illustriert. Und Teil drei des Buches ist eine letzte weitere Geschichte, die noch einmal das Zusammenwirken der Kräfte veranschaulicht: „Käpt’n Spirit und seine Freunde“.
Das ganze Buch ist eine liebevolle, spielerisch-leichte Begleitung in eine Gedankenwelt, die Menschen unserer Kultur zunächst sehr fremd und deshalb nicht so leicht zugänglich ist. Wer mit Kindern arbeitet und ihnen die fünf Wandlungen als Kräfte, die in ihnen selber stecken, näher bringen will, findet hier wunderbare Geschichten zum Vorlesen oder Erzählen. Und dann kann man zusammen mit Qigong die Elemente in sich selbst entdecken, sich auf die Reise ins eigene innere Land der Wandlungen machen. Viel Spaß dabei.
(Dietlind Zimmermann)

 

Alte Wind-, Sturm- und Wolkengottheiten / TQJ 3/2014

Gudula Linck: »Ruhe in der Bewegung. Chinesische Philosophie und Bewegungskunst«
Karl Alber 2013, 280 Seiten, 24 EUR, ISBN 978-3495486030

Die Kunst, einen Ochsen zu zerlegen: »Mit den Händen zupackend, mit der Schulter drückend, den Fuß aufsetzend und das Knie dagegen stemmend – ritsch-ratsch – rhythmisch zischend bewegt er das Messer – wie beim Tanz vom Maulbeerwald, wie im Takt der Jingshou-Musik. Da ruft der Fürst (begeistert) aus: ›Wunderbar! Wie erlangt man ein solches Geschick?‹« Wer das Zhuangzi gelesen hat, kennt die Antwort des Kochs Ding: »Dem dào bin ich zugeneigt. Das ist mehr als Geschick.« Eine lange Ausbildung hat er hinter sich. »Ich sehe es (also) nicht mehr mit meinen Augen, verzichte auf das Wissen der Sinne (gu?n-zh?) und handele nach den Regungen (yù) meiner Intuition (shén).« Es ist ein kurzer Text, der nicht nur tief in die daoistische Mystik führt, das Leben in den Gegensätzen, das Tun im Nicht-Tun, sondern auch in die Lebenspflege, das, was wir als Qigong kennen.

Philosophen sind manchmal etwas umständlich. Analysieren, erläutern, ordnen ein, nehmen auseinander und setzen wieder zusammen. Gudula Linck, emeritierte Professorin für Sinologie und Qigong-Lehrerin, die in ihrem neuen Buch die chinesische »Bewegungskunst« von der Seite der chinesischen Philosophie betrachtet, geht systematisch vor, von den alten chinesischen Texten her. Erklärt die Entwicklung mancher Begriffe im Lauf der Zeit, zum Beispiel dass das qì eine »Denkfigur« ist, die sich in den Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung »aus alten Wind-, Sturm- und Wolkengottheiten« entwickelt hat: »Dem Treiben der Wind- und Wettergötter verdankt sie Varianten an Intensität, die im Widerstand und Widerstreit zu erproben sind. Dem rhythmisch erfahrenen Atem verdankt sie das Geschehen zwischen zwei Polen, und allem zusammen verdankt sich die Einheit der Welt.«

In der Tradition der Neuen Phänomenologie versucht sie das »Alphabet der Leiblichkeit« auf die Bewegungskünste Chinas anzuwenden, und das sind nicht nur Qigong und Taijiquan, sondern auch Musik und Malerei, Dichtkunst und die Kunst, einen Ochsen zu zerlegen – der Alltag. Sie schreibt über die »Denkfiguren«, dào, shén, j?ng und x?n und wendet ihre gefundene Begrifflichkeit, Richtung und Raum, bipolares Geschehen, Resonanz und einiges mehr, auf Qigong und das »Spiel der Fünf Tiere« an, Dichtkunst, Malerei und Musik, Kampfkunst und »Qigong in Haus und Garten«.

Ihr Buch ist ein interessanter Versuch der differenzierten philosophischen Betrachtung, und es gelingt ihr, bei aller Detailliertheit und präziser Analyse, das Ganze, die Synthese der Einzelheiten nicht zu vergessen. Und schließlich hat Gudula Linck auch einige Übungen zum Spüren und Gewahrwerden eingefügt, damit die LeserInnen einen kleinen Geschmack dessen bekommen, was sie theoretisch herausgearbeitet hat.
(Georg Patzer)

 

Qigong als Entwicklungsweg / TQJ 3/2014

Gerhard Wenzel, Norbert Herwegh:
»Im Fluss des Lebens – Der Entwicklungsweg im Qigong«
Eagle Books 2014, 307 Seiten geb.,
ISBN-13: 978-3-9813672-4-9

Vor mir liegt das Buch, welches zu schreiben ich vermieden habe. Warum habe ich das vermieden? Weil im Großen und Ganzen alles Grundsätzliche über Qigong schon geschrieben wurde, nur noch nicht von jedem. Nun haben Gerhard Wenzel und Norbert Herwegh es auch getan. Die beiden Autoren sind in Österreich sehr engagiert, haben dort eine nationale Qigong-Gesellschaft ins Leben gerufen und bilden seit vielen Jahren Menschen zu Kursleitern und Lehrern aus.

Das Buch wurde aus den Erfahrungen des Unterrichtens und den dabei verteilten Materialien entwickelt. Sicher sind auf diesem Weg auch viele Gedanken der Studierenden mit eingeflossen. So entsteht eine Lebendigkeit, die weit über das Auflisten altbekannter Fakten hinausgeht. Die Lesenden werden geradezu persönlich durch die Materie geführt. Auf jeden Fall hat die langjährige Erfahrung eine saubere, fast akademische Gliederung des Buchs erwirkt. Um es klar und deutlich zu sagen: Es ist ein gelungenes Buch.

Da es bei dem Buch nicht um eine bestimmte Qigong-Methode geht, sondern allgemein um den Entwicklungsweg, den Praktizierende nehmen können, werden die klassischen Themen von Anfang an in diesem Sinne besprochen. So wird vermieden, die Wirkung von Qigong als einen Teil der klassischen chinesischen Medizin zu beschreiben, wie es in vielen anderen Büchern der Fall ist.

Mit anschaulichen Beispielen werden die Funktionen des energetischen Körpers schrittweise verständlich. So geht es nach der Einleitung von Yin und Yang über die drei Schätze zu den fünf Elementen und die Strukturen der Leitbahnen zu den Speicherplätzen. Hier wurde es dann auch für mich interessant. Hatte ich bisher unter Speicherplätzen die drei Dantian und die sieben Po verstanden, also Bereiche, in denen Qi gespeichert werden kann, so meinen die beiden Autoren damit jene Zonen, in denen Blockaden, Staus oder Barrieren entstehen. Hier sehen sie die Hauptarbeit auf dem Entwicklungsweg, der in einem zweiten Band fortgesetzt werden soll.

Da die Autoren ankündigen, dort auf die Aspekte von Hun und Po einzugehen, hoffe ich, dass dann die indischen Chakren eingetauscht werden gegen die chinesischen Po. Einfach, damit man in einem System bleibt.
Die Ausstattung zeigt, was der Inhalt den beiden bedeutet. Zwischen einem soliden Hardcover finden wir gebundenes Kunstdruckpapier, und das wiegt. Ob das nötig war, sehe ich nicht. Die Grafiken wären auch auf normalem Papier gut zur Geltung gekommen. Zumal die im Kapitel über Yin und Yang sehr sympathischen Handzeichnungen, welche die verschiedenen Fülle- und Leerezustände zeigen. Solche Zeichnungen hätte ich mir durchgängig gewünscht. In dem Dia-gramm über die Gewinnung und den Verlauf des Qi im Menschen geht leider jedweder Überblick verloren. Das wäre besser auf mehrere Graphiken aufgeteilt worden. Die Kapitel sind in übersichtliche Abschnitte unterteilt, mit fetten Überschriften, die auch beim Blättern Gesuchtes schnell ins Auge springen lassen. Überhaupt ist das Buch gut lesbar gestaltet, in einer großen, aber feinen Grundschrift.

Das Buch ist solide und sein Geld wert. Es sollte bei allen, die Qigong besser begreifen oder vermitteln wollen, im Regal stehen.
(Yürgen Oster)

 

Zwölf Brokate, Qigong und das Leben / TQJ 2/2014

Yürgen Oster: »Der zwölfteilige Brokat und alles andere«
Books on Demand 2013, 244 Seiten gebunden, 49,90 EUR,
ISBN 978-3-7322-8718-5, 2014, broschiert, 29,90 EUR, ISBN 978-3735784841

»Ein Mann läuft um eine Säule, hämmert mit den Fäusten dagegen und schreit: ›Hilfe! Ich bin eingemauert.‹« So endet das neue Buch von Yürgen Oster, und das ist typisch. Schön versteckt hat er es: ganz hinten unten, hinter der Werbung. Belohnt wird also der, der nicht denkt, dass ein Buch vor den Literaturangaben aufhört. Zum anderen ist die Geschichte nicht nur witzig, sondern auch hintersinnig. Denn wie bei Kafka müsste der Mann ja nur »die Laufrichtung ändern«.

So sind wir. Gefangen in unseren Ideen, unwillig, uns zu ändern. Sind beleidigt, wenn niemand sieht, dass wir bessere Menschen sind, weil wir Qigong üben. Wenn sich zu wenig Schüler für einen Kurs anmelden. Und wir wissen genau, was ein Tisch und was ein Hocker ist. Auch diese Geschichte erzählt Yürgen Oster: Wie er im Wudang-Kloster saß und Handwerker einen Tisch brachten und einen Hocker und den Hocker auf den Tisch stellten. Nein, das war doch falsch, das wusste Yürgen genau. Sie bewiesen ihm das Gegenteil.

Ein Fachbuch über die Brokatübungen zu schreiben, dazu gehört schon ein bisschen Mut, schließlich gibt es darüber schon genug Literatur. Yürgen Oster aber verknüpft die Beschreibung der Übungen (in seiner, der Wudang-Schule gibt es nicht acht, sondern zwölf) nicht nur mit ausführlichen Erklärungen von Leitbahnen, Wandlungsphasen, Daoismus. Sondern vor allem mit klugen und witzigen Bemerkungen über »alles andere«. Alles andere: Das sind wir. Unsere Schwierigkeiten mit der chinesischen Art zu denken – da prägt Yürgen Oster die Unterscheidung von hardware und software, in deren Begrifflichkeit wir beziehungsweise die Chinesen denken. Unsere Sucht danach, möglichst alles genau zu verorten. Stattdessen schreibt er vom Dantian als »Ereignis« – die beste Definition, die ich je gehört habe.

Von solchen Aha-Erlebnissen ist sein Buch voll, immer vermischt mit mehr oder weniger gelungenen Beschreibungen der Übungen und sehr guten Fotos, durch die man wirklich versteht, was man machen muss. Mit viel Wissen über magische Quadrate, die Acht Unsterblichen, den Affenkönig und die Kosmologie, Altern und Selbstheilungskräfte, Nierenphysiologie und Ebbe und Flut in den Leitbahnen, Talleyrand und Meditation, chinesische Schrift und die Erkenntnisse, die man daraus für die Qigong-Praxis gewinnen kann. Oder für das Leben. Was für Yürgen Oster dasselbe ist.
(Georg Patzer)

 

Qigong und Stimme / TQJ 2/2014

Anne Grewe-Welker: »Persönlichkeit und Stimme. Qigong-Übungen für die Stimmbildung«
Pabst Sience Publisher 2012, Paperback 98 Seiten, 15 EUR,
ISBN 978-3-89967-781-2

Dies Buch richtet sich vornehmlich an Menschen, die mit ihrer Stimme arbeiten, sowie an Sprecherzieherinnen, Sprachheilpädagogen, aber auch Chorleiter, die angeregt werden sollen, dem üblichen Einsingen andere, ganzheitliche Impulse zu geben.
Leider stellt sich die Autorin Anne Grewe-Welker nicht vor. Ihrem Text entnehme ich, dass die Musikpädagogin selbst Qigong praktiziert, wohl auch unterrichtet, auf jeden Fall von ihrem Lehrer Moshe Kastiel, bei dem sie die Ausbildung zum »Medizinischen Qi Gong Trainer« machte, ermutigt wurde, dies Buch zu schreiben. Und dass sie die im Buch vorgestellten Techniken erfolgreich in ihrer Arbeit als Chorleiterin einsetzt sowie in Einzelarbeit im Training »Persönlichkeit und Stimme«.

Die Kombination aus Stimmbildung und Qigong ist absolut einleuchtend: Klang ist schwingende Luft, schwingender Atem. Der Klang einer Stimme – das weiß die TCM – sagt immer auch etwas über das Qi desjenigen aus, der seine Stimme erhebt. Stimme entfaltet sich durch die Resonanzräume des Körpers. Ein gut klingender, frei schwingender Ton braucht entspannte Kraft, die ihn trägt. Die Präsenz der Person, die spricht oder singt, drückt sich im Klang aus: So gesehen hat Stimmbildung auch etwas mit Persönlichkeitsbildung zu tun.
Es ist zu merken, dass dies Buch aus praktischer Erfahrung erwachsen ist. So ist auch die Ansprache der Autorin persönlich und freundlich einladend. Sie ermuntert, sich mit den Übungen ganz ohne Erfolgsdruck forschend dem eigenen Körper, dem Atem, der eigenen Stimme zuzuwenden. Oft leitet sie ein Kapitel mit Fragen ein, lädt immer wieder zum Innehalten ein. Dafür hat sie sogar ein eigenes kleines Zeichen entwickelt, dass durchgehend im Text und in den Übungen auftaucht und signalisiert: Kleine Pause machen vorm Weiterlesen. Wozu die Pausen gut sein sollen? Anne Grewe-Welkers gewitzte Antwort: »Sie werden es selbst herausfinden.«

Was sie mitzuteilen hat, ist »stimmig«. Umso mehr hätte ich ihrem Text ein achtsames Lektorat gewünscht, denn es gibt ein paar Schwächen. Einige Beispiele: Die Grundstellung ist zum Teil irritierend knapp erklärt, unvorstellbar, dass ein Mensch ohne Qigong-Erfahrung versteht, worum es geht. Einmal heißt es sogar »Das Becken kippt nach hinten.« Wie, ins Hohlkreuz? Manches ist ungenügend ausformuliert. Ich verstehe schlicht nicht genau, was mitgeteilt werden soll – ich rate dann also mal … Auch finde ich die Zuordnung der ansonsten durchaus hilfreichen schwarz-weißen Fotos zu den Übungen nicht immer klar – an einer Stelle schienen mir die Angaben der Bildunterschrift sogar im Widerspruch zur textlichen Übungsanleitung zu stehen.

Die Auswahl der einzelnen Übungen aber, von Übungen zur Entspannung der am Klang beteiligten Muskulatur mit Bewegungen oder Massagen über die Öffnung der Körperräume als Resonanzräume bis zur Verbindung von sehr einfachen Qigong-Bewegungen und der im Qigong üblichen Vorstellungslenkung mit dem Tönen der Stimme, ist nicht nur interessant, sondern macht Lust, auch im Qigong-Unterricht mal wieder das Tönen mit einzubeziehen.

Denn es gibt ja durchaus Qigong-Übungen, wie etwa die Heilenden Laute, die bewusst die Kraft der Schwingung auch durch Tönen einsetzen. In Schulen der inneren Alchemie gibt es die Tradition des Mantren-Singens und der heilenden Gesänge. In den gängigen Kursen kommt das im Allgemeinen zu kurz und ich erlebe eine Scheu der KursteilnehmerInnen davor, die eigene Stimme ertönen zu lassen. Dies Buch ist für mich eine echte Anregung, wie wir als Qigong-Praktizierende und Lehrende die wohltuende Stille des Qigong-Übens mal wieder mit wohltuendem Klang verbinden könnten. Nachlesen und ausprobieren!
(Dietlind Zimmermann)

 

Qigong mit Tellern / TQJ 1/2014

Ding Hongyu: »Gesundheitsübung mit der Tellerdrehung«
Lilom 2012 geb., 101 Seiten,
19,80 EUR[D]/20,40 EUR[A]/28,50 CHF UVP, ISBN 978-3-934785-60-1

Professor Ding, manchen noch bekannt vom AOK-Poster Anfang der 90er Jahre, hat eine spezielle Qigong-Art entwickelt, das Panzi Gong: Qigong mit Tellern auf den Händen, die tunlichst nicht herunterfallen sollten. Da die Handflächen, die die Teller tragen, immer nach oben zeigen müssen, werden insbesondere die Arme und Schultern intensiv bewegt und die Beweglichkeit des Rumpfes gefördert.

Das »Tellerdrehen« kannte ich schon als Vorübung aus meinen ersten Taiji-Kurs als prima Aufwärmübung. Nun war ich angenehm überrascht, dieses »Tellerdrehen« als Qigong-Übungsreihe wiederzuentdecken. Dazu braucht man keine wirklichen Teller, alles, was »tellerartig« ist, kann verwendet werden.

Prof. Ding stellt in seinem Buch acht verschiedene Übungen vor, von sehr einfach bis recht anspruchsvoll, mit einbeinigen Ständen oder auch dem Xiebu, dem Ruheschritt, bei dem man mit überkreuzten Beinen sitzt. Die Übungen sind ausreichend gut beschrieben, doch mitunter hätte ich mir eine etwas genauere beziehungsweise verständlichere Anleitung gewünscht. Aber zusammen mit den zahlreichen Bildern zu jeder Übung konnte ich sie gut nachvollziehen.

Die Bilder haben, wie es in chinesischen Büchern üblich ist, Pfeile, die die Bewegungsrichtungen anzeigen. Am Anfang des Buches werden diese Pfeile erklärt. Hat man sich mit ihnen vertraut gemacht, erklären die Bilder fast von alleine die Übungen.
Nach den Beschreibungen der acht Übungen kommt ein Teil, in dem alle Übungen nochmal nur mit den Bildern aufgeführt sind, eine schnelle Übersicht zur Erinnerung, die einem das Umblättern erspart. Eine schöne Idee.

Vor den Übungen gibt es einen kurzen Teil mit allgemeinen Erklärungen zur Wirkungsweise von Panzi Gong und einer Darstellung der in den Übungen vorkommenden Stände und Schritte. Der inhaltliche Teil des Buches endet mit einigen allgemeinen Erklärungen zur Gesundheitspflege, die mit zwei kleinen Atemübungen abgeschlossen werden. Eine Besonderheit: Das Buch ist viersprachig, Deutsch, Chinesisch, Englisch und Französisch, die Qualität der Übersetzungen ins Englische und ins Französische mögen Muttersprachler beurteilen.

Fazit: Erfahrene Qigong-Übende können mit diesem Buch die vorgestellten acht Übungen mit der Tellerdrehung lernen, sicherlich ohne die Details, für die Unterricht nötig ist. Für sie bietet der theoretische Teil allerdings nichts Neues.
(Helmut Oberlack)

 

Zhanzhuang Gong / TQJ 4/2010

Peter den Dekker: »The Dynamics of Standing Still«
Back2Base Publ., 247 Seiten, geb., 32,95 Euro, ISBN 978-94-90580-01-8

Peter den Dekker bietet in seinem Buch über Zhanzhuang viele Erklärungen und Beispiele aus der Natur, aus dem Industriedesign, aus Kunst und Sport, wie eine Struktur verstanden und in sich verbunden werden kann. Das Buch ist in drei Bereiche mit jeweils drei Kapiteln (zum Rumpf, Beinen und Armen) aufgeteilt. Jeder Bereich wird durch eine kurze persönliche Geschichte eingeleitet und die Essenz dieser Geschichten taucht in den anschließenden Kapiteln immer wieder auf, was die Aufmerksamkeit wach hält. Das meiste in diesem Buch war für mich nicht wirklich neu, aber mir gefiel die Art der Darstellung.

Was doch neu für mich war, betraf die Ausführung der Standübung im Liegen und in geringerem Maß das Drehen in der Taille und nicht mit den Hüften beim Stehen. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass Peter den Dekker darauf hinweist, dass wir in Armen, Beinen und Rumpf oberflächliche und tiefere Muskulatur haben und die tiefere Muskulatur trainiert werden sollte. Während das für den Rumpf möglicherweise zutrifft, ist es so, dass in den Extremitäten und größtenteils auch im Rumpf einfach die Muskeln, die wir im Alltag benutzen, so trainiert werden müssen, dass sie anders und auf eine stärker verbundene Art arbeiten.

Ein Teil des Trainings im festen Stand besteht darin, die Balance zwischen den langsam und den schnell kontrahierenden Fasern innerhalb jeden Muskels zu verändern und in der Aufmerksamkeit für die Haltung. Sportler mit mehr schnell kontrahierenden Fasern sind gut in schnellen, kraftvollen Bewegungen, aber sie sind auch schnell erschöpft. Sportler mit langsam kontrahierenden Fasern sind besser darin, eine Position zu halten sowie in anhaltender Bewegung wie einem Marathonlauf. Aus dem Dehnen der langsamen Fasern erzielen die Inneren Kampfkünste ihre »entspannte« Kraft. Auf mein Nachfragen erklärte mir Peter, dass das Konzept von tieferer und oberflächlicher Muskulatur für ihn gut funktioniert wegen der Yin- und Yang-Energien im Körper, mit denen er als Akupunkteur arbeitet.

Im Anhang ist eine sehr klare und kompakte Beschreibung der sieben Stufen des Dazheng-quan zu finden, dessen erste Stufe das Zhan-zhuang Qigong darstellt. Was mir an diesem Buch am besten gefallen hat, sind die persönlichen Erfahrungen, die der Autor mit seinem Hauptlehrer Lam Kam Chuan gemacht hat und in denen der Unterschied zwischen dem westlichen kognitiven Ansatz und dem östlichen »finde es selbst heraus, indem du mehr übst« sehr klar zum Ausdruck kommt.
Das Buch richtet sich mehr an AnfängerInnen, aber auch Fortgeschrittene werden sicherlich viele Beispiele dafür finden, wie man etwas auf eine andere Art betrachten oder mit einer anderen und vielleicht tieferen Idee von der Übung praktizieren kann. Es ist gut geschrieben, wunderschön illustriert und der Autor spricht aus eigener tiefer Erfahrung.
(Epi van de Pol)

Ausschnitte kann man unter www.thedynamicsofstandingstill.com anschauen. Mittlerweile ist das Buch auch auf Deutsch erschienen.

 

Rundum-Einführung ins Qigong / TQJ 4/2013

Christina J. Barea: »Qigong, Atem-Bewegung-Entspannung«
Weinmann 2012, 151 Seiten PB, EUR 16,80 (D), EUR 17,30 (A), 24,50 SFr,
ISBN 3 87892-095-4

Was mich am meisten überrascht hat: Dies in einem Sportfachverlag erschienene Qigong-Buch führt wirklich in das ein, was Qigong ausmacht! Die amerikanische Autorin Christina Barea ist ordinierte daoistische Priesterin mit einem Magisterstudienabschluss in Medizinischem Qigong am International Institut of Medical Qigong und langjähriger Unterrichtserfahrung.

Das Buch ist im besten Sinne sachlich. Das Layout in schlichtem Schwarz-Weiß verzichtet auf alles asiatelnd Dekorative, die Inhalte stehen im Vordergrund. Die Sprache ist die einer Lehrerin, die ihre SchülerInnen direkt anspricht. Hier und da kommt mir die Ausdrucksweise ein wenig sperrig vor (so erlebe ich manchmal Simultanübersetzungen bei chinesischen Lehrern ins Deutsche). Ob es der Ton ihrer chinesischen Lehrer ist oder ein Mangel der Übersetzung – ich weiß es nicht. Aber es stört kaum.

Christina Barea baut das Buch auf der Theorie der drei Schätze auf, die sie ausführlich und mit vielen guten Beispielen erklärt. Sie macht deutlich, dass und warum diese drei: Jing, Qi und Shen – oder auch: Haltung, Atem und Intention – die zentralen Koordinaten des Praktizierens sind. Beachtlich und lobenswert finde ich, dass sie dem Bereich Intention oder Aufmerksamkeitslenkung große Bedeutung beimisst. Sie erläutert diese umfassend und gibt bei den vorgestellten Übungen dementsprechend immer Hinweise, wie die Intention einzusetzen ist. Hier setzen auch ihre Hinweise an, was unter Qi-Kultivierung zu verstehen ist und dass es wichtig sei zu unterscheiden, ob man mit einer Übung tonisieren, ausleiten oder harmonisieren möchte.

Als weiterer philosophischer Hintergrund dient die Theorie der fünf Wandlungsphasen, die knapp, aber gut zusammenfassend dargestellt werden. Ihnen ist dann auch eine eigene Übungsfolge gewidmet.
Der Praxisteil des Buches folgt dem Aufbau einer Qigong-Sitzung, wie die Autorin es nennt. Sie beschreibt zunächst in Text und Bild einige kleine Übungen zur Eröffnung. Danach folgen »Die daoistischen Fünf«, eine Folge aus einer einleitenden und fünf den Wandlungsphasen zugeordneten Übungen. Die Bewegungsbilder sind einfach und gut nachzuvollziehen. Ich kannte sie noch nicht und finde sie stimmig. Sie scheinen neueren Ursprungs zu sein, die genaue Quelle nennt Christina Barea nicht. Zum Schluss folgen Anleitungen für die »Acht Brokate« und einige Abschlussübungen.

Die Auswahl und die Präsentation der Übungen ist sinnvoll und gut geeignet, um ins Qigong einzusteigen und ein Verständnis dafür zu entwickeln, worum es in der Übungspraxis geht.

Wie immer gilt auch hier: Den Anspruch, die Übungen ohne Vorkenntnisse einzig nach dem Buch ausführen zu können, halte ich für unrealistisch. Obwohl die Beschreibungen wirklich gut sind, ist nicht immer »alles klar« und manches habe ich aus meiner Erfahrung »ergänzt«. Dennoch: Dies ist eines der besten Bücher zum Basiswissen über Qigong, das ich seit langem in den Händen hielt. Menschen, die in einer Übungsgruppe zu praktizieren begonnen haben, werden hier eine Menge guter Informationen finden. Sehr empfehlenswert!
(Dietlind Zimmermann)

 

Die Botschaft der Fächer / TQJ 3/2013

Ursula de Almeida Goldfarb: »Der Fächertanz – Ein Weg zur Erkenntnis des Selbst auf der Grundlage des Stillen Qigong«
Holotropos 2012, 260 Seiten inkl. DVD, EUR 29,90, ISBN 978-3-9812119-6-2

Taiji-Fächerformen sind vielfältig und beliebt, Literatur dazu hingegen sehr rar. Mit diesem Softcover-Buch füllt die Autorin eine Lücke. Aber nicht nur das. Der Untertitel »Der Fächertanz – Ein Weg zur Erkenntnis des Selbst auf der Grundlage des Stillen Qigong« baut eine Spannung auf. Fächer und Stilles Qigong – wie lässt sich das zusammenbringen? Die Autorin studierte über Jahrzehnte das Stille Qigong bei dem in Deutschland lebenden Qigong-Lehrer Dr. Zhi Chang Li. Die hierbei gewonnenen Erfahrungen sind für sie wichtige Grundlage ihres vielfältigen Wirkens als Tänzerin, Choreografin und Therapeutin.

Im ersten Teil des Buches wird auf 80 Seiten das Stille Qigong mit zahlreichen Übungen gut strukturiert und illustriert vorgestellt. Sowohl interessierte Laien als auch erfahrene Qigong-Übende können hier Übungsanregungen finden.
Im zweiten Teil beleuchtet die Autorin zunächst den kulturhistorischen Hintergrund von Fächern sowohl im europäischen als auch im afrikanischen und asiatischen Raum. So stellt sie etwa die Beziehung zu schamanischen Heilritualen her, in denen Federfächer eingesetzt werden. Danach geht sie auf die Bedeutung des Fächers in der Kampfkunst ein, beschreibt Fächer-Grundübungen und anschließend die Mulan-Doppelfächerform, auch »Doppelblüte im Wind« genannt. Beides kann auf der beigelegten DVD angeschaut und mitgeübt werden. In diesem Teil stellt die Autorin die Verbindung vom Qigong und den Fächer-Bewegungen her. Eine Übungsanweisung lautet beispielsweise, dass das Lebensfeuer in Mingmen zu entfachen sei, von da aus steige das Qi zum Herzen, in die Arme, in die Fächerhände und in die Fächer.

Die Fächerbewegungen sind für Almeida Goldfarb Grundlage für freies Experimentieren, Improvisieren und Gestalten mit dem eigenen künstlerischen Ausdruck. Mit ihren Schülerinnen hat sie Choreografien zu unterschiedlichen Themen erarbeitet. Die Entwicklung und die Prozesse dreier solcher Werke werden im dritten Teil des Buches beschrieben. Die jeweiligen Auftritte sind ebenfalls auf der DVD zu sehen. Mich hat diese Arbeit sehr berührt. Beim Anschauen der DVD erlebte ich Tänzerinnen, die mit den jeweiligen Themen und mit sich selbst sehr verbunden wirkten.

Wer sich für die heilkünstlerischen Aspekte von Taiji und Qigong interessiert, dem kann dieses Buch viel Anregung bieten. Allerdings ist die Nachahmung nur denjenigen zu empfehlen, die eine therapeutische Ausbildung haben.
Insgesamt ist es ein mutiges und gelungenes Buch, das viel Information und Erfahrungen enthält. Bei der Transkription der chinesischen Begriffe hätte ich mir gewünscht, dass stringent ein System verwendet wird. Da haben sich leider ein paar Fehler eingeschlichen. Die Übungsbeschreibungen würden meiner Meinung nach durch einen kohärenten Sprachstil gewinnen. Persönlich bevorzuge ich es, als Individuum angesprochen zu werden, statt in einer amorphen Masse mit gemeint zu sein. Das Buch spricht die Sinne an durch die schönen Farbfotos, aber auch durch die angenehme Schrift, die sogar fühlbar ist. Ich kann mir vorstellen, dass es die Lust weckt, Fächer zur Hand zu nehmen und damit zu spielen.
(Sonja Blank)


Spiritualität und Gesundheit / TQJ 4/2013

Ralph Marc Steinmann: »Spiritualität – Die vierte Dimension der Gesundheit. Eine Einführung aus der Sicht von Gesundheitsförderung und Prävention«
LIT 2012, 120 Seiten br., EUR 19,90 (D), ISBN 978-3-03735-247-2

In der gegenwärtigen Diskussion über unser Gesundheitssystem, speziell über die Gesundheitsförderung und Prävention wird die Spiritualität völlig ausgeklammert, obwohl in der Bevölkerung das Interesse daran ständig zunimmt und der Esoterik- und Wellness-Markt ungebremst expandiert. Um die Untersuchung dieses Phänomens geht es in der Studie »Spiritualität – Die vierte Dimension der Gesundheit«, die in der Reihe »Psychologie des Bewusstseins« erschienen ist, herausgegeben von Prof. Wilfried Belschner und Prof. Harald Walach.

Ralph Marc Steinmann, promovierter Indologe und Religionswissenschaftler, hat sie im Rahmen seines Masterstudiums in Gesundheitsförderung und Prävention mit Unterstützung der Gesundheitsförderung Schweiz geschrieben. Das erklärt den wissenschaftlichen und manchmal recht trockenen Stil des Textes mit vielen Zitaten und Literaturverweisen, in den man sich zunächst mal einlesen muss. Dennoch spürt man deutlich das eigene Interesse des Autors am Thema »Spiritualität«. Mutig auch die Selbstreflexion am Ende der Studie, in der er sein persönliches Erleben damit beschreibt.

Die Studie beginnt mit einer kurzen Beschreibung des Gesundheitsmarktes, speziell der Bereiche Wellness, Therapie und Esoterik und deren Anbieter, gefolgt von einer Darstellung, welche Haltungen die verschiedenen Wissenschaftsbereiche der Spiritualität gegenüber einnehmen, speziell Medizin, Theologie, Philosophie und Psychologie. Der Autor zeigt auf, dass in all diesen Bereichen in den letzten Jahren eine langsame Veränderung stattfindet, die früher ablehnende Haltung schwindet und eine zunehmende Öffnung für spirituelle Themen zu beobachten ist.

Die mögliche Erweiterung des Konzeptes »Gesundheit« durch die spirituelle Dimension wird beispielhaft an zwei verschiedenen Modellen aufgezeigt. Aaron Antonovsky geht in seinem salutogenetischen Modell von der Annahme aus, »dass der Gesundheits- bzw. Krankheitszustand eines Menschen wesentlich durch die individuelle Grundhaltung gegenüber der Welt und dem eigenen Leben bestimmt wird«, dem sogenannten Kohärenzgefühl, das existentielle Fragen einbezieht und damit auch die spirituelle Dimension. Ähnlich geht das Modell der integralen Gesundheit von Wilfried Belschner, bis 2006 Psychologieprofessor an der Universität Oldenburg, von den Prämissen Sinnsuche und Sinnfindung durch das Eingebundensein des Menschen »in etwas über ihn Hinausweisendes« aus. Dieses Modell wendet Ralph Marc Steinmann an auf die Gesundheitsförderung und will die Integration der spirituellen Dimension in die Gesundheitsförderung nicht als »etwas Besonderes oder gar Absonderliches verstanden wissen, sondern als eine wichtige, innovative und folgenreiche Erweiterung«. Interessant ist das Kapitel über die Begriffsdefinition »Spiritualität« und »spirituelle Gesundheit« sowie deren Abgrenzung gegenüber »Religion« und »Religiosität«. Das Buch schließt mit Schlussfolgerungen, in denen der Autor fordert, die bisherigen drei Dimensionen der Gesundheit, nämlich die physische, die soziale und die psychische, durch die spirituelle Dimension zu ergänzen.

Insgesamt liefert das Buch viel Diskussionsstoff und gibt positive Anregungen, wie das Verständnis von Gesundheitsförderung erweitert werden kann, gerade im Hinblick auf Qigong. Denn auch in China ist zu beobachten, dass das Qigong von seinen spirituellen Wurzeln abgeschnitten und auf »medizinisches« Qigong reduziert worden ist. Eine neue spirituelle Verwurzelung wird dem Qigong und unserem Gesundheitssystem gut tun.
(Elvira Glück)

 

Qigong für Unterrichtende / TQJ 3/2013

Armin Fischwenger: »Qigong für Pädagogen«
BoD 2013, 120 Seiten, TB, EUR 21,90, ISBN 978-3-8482-1449-5,
als Kindle Edition EUR 14,99

Dieses Buch hat Armin Fischwenger vor allem für LehrerInnen geschrieben, die häufig starken einseitigen Belastungen ausgesetzt sind. Sie müssen verschiedene Rollen gleichzeitig erfüllen in einer oft lauten Umgebung, die kaum Rückzugsmöglichkeiten bietet, und möglichst durchgehend präsent und bei guter Stimme sein. Sein Leitgedanke dabei ist es, zu einem effektiven Energie-Management zu kommen, so dass die Arbeit wenig strapaziert und Pausen und Freizeit einen guten Ausgleich bieten.

Mir gefällt der ganzheitliche Ansatz von Armin Fischwenger außerordentlich gut, »Qigong« hier umfassend zu verstehen als bewussten und gezielten Umgang mit der eigenen Lebensenergie. Er macht mit klaren Worten deutlich, welche Faktoren sich günstig auf den eigenen Ener-giehaushalt auswirken, und das fängt bei so scheinbar einfachen Dingen wie der Körperhaltung, der Atmung und ausreichendem Wassertrinken an. Dabei vermittelt er keine komplizierten Techniken, sondern vor allem die kleinen Veränderungen beispielsweise bei der Haltung, die sich nachhaltig auf den Energiefluss und das Wohlbefinden auswirken.

Damit greift in diesem Fall auch nicht die Kritik, dass man Qigong nicht aus einem Buch lernen kann, auch wenn man in einem Kurs sicher weiter in die Thematik vordringt und persönliche Korrekturen und Anregungen bekommt. Armin Fischwenger verweist in seinen Schlussbemerkungen auf die Dachverbände in Österreich, der Schweiz und Deutschland, über die qualifizierte Qigong-LehrerInnen zu finden sind.
Ein wesentlicher Schwerpunkt des Buches liegt auf der Stimme, die ja ein wichtiges »Werkzeug« von LehrerInnen ist. Hals und Stimme zu befreien, um ohne unnötige Anstrengung frei und deutlich sprechen zu können, bezieht die Entspannung des Körpers, insbesondere des Nackenbereichs, die Haltung vor allem der Wirbelsäule, die Atmung, Sprechtechnik und darüber hinaus spezielle Massagepunkte und Ernährungshinweise ein.

Reinigende Übungen sollen helfen, sowohl in akuten belastenden Situationen negative Energie auszuleiten als auch latent angesammelten Stress und verbrauchte Energie loszuwerden. Die hier beschriebenen Übungen könnten für Qigong-Laien etwas ausführlicher bebildert sein.

Armin Fischwenger zieht ganz selbstverständlich und gut nachvollziehbar sowohl Grundlagen der chinesischen Medizin als auch westliche Wissenschaft für Erläuterungen heran und ist durchgehend auf eine einfache Umsetzbarkeit im Alltag ausgerichtet. Wesentliche Voraussetzung bleibt dabei die Aufmerksamkeit der Betroffenen, mit der sie ihre Gewohnheiten, ihr Verhalten im Unterricht, aber auch in ihrer Freizeit beobachten, um dann gegebenenfalls effektive Änderungenvorzunehmen.

Wenn Qigong-Unterrichtende dieses Buch den PädagogInnen in ihren Kursen an die Hand geben wollen, sollten sie ruhig vorher selbst mal reinschauen, ich bin sicher, dass viele von ihnen gerade von einigen Ratschlägen in Bezug auf die Stimme auch selbst profitieren können.
(Almut Schmitz)

 

Mit Qigong zum Nichtrauchen / TQJ 3/2013

Vera Kaltwasser: »Mit Achtsamkeit zum Nichtrauchen. Der sanfte Weg zum Erfolg«
Beltz 2013, 184 Seiten, TB, EUR 14,95, ISBN 978-3-407-85969-3

Dieses Buch hätte eigentlich viel früher kommen müssen. Nicht, dass ich es für meinen persönlichen Weg zum Nichtraucher gebraucht hätte, denn ich habe – zum Glück! – nie geraucht! Aber ich hätte oftmals nicht so ratlos dagestanden, wenn mich TeilnehmerInnen meiner Kurse immer wieder einmal gefragt haben, ob man sich mit Qigong auch das Rauchen abgewöhnen könne! Nach der Lektüre dieses Buches sage ich zukünftig mit Sicherheit: Man kann!!!

Was es allerdings dabei braucht, ist eine gewisse Aufgeschlossenheit für »sanfte Wege« der Achtsamkeit. Wenn ich da an meine Hausnachbarn denke, die morgens nach dem Aufstehen und abends kurz vor dem Schlafengehen vor der Türe stehen und rauchen, fällt es mir schwer daran zu glauben, dass sie sich auf diesen Weg überhaupt einlassen könnten. Erst wer schon Freude und Erfolgserlebnisse mit dem Einüben in die Stille und mit Qigong erfahren hat, wird bereit sein, sich mit dem beschriebenen Weg zum Nichtrauchen zu befassen.

Zunächst beschreibt Vera Kaltwasser, die selbst einmal Raucherin war, mit leicht nachvollziehbaren Erkenntnissen aus der Hirnforschung, wie es dazu kommen kann, dass der Glimmstängel zum Helfer und Unterstützer in allen Lebenslagen wird: als Stressbewältiger, Seelentröster, Verstärker von Glücksgefühlen, als unverzichtbarer Bestandteil bei geselligen Veranstaltungen, als Pausenfüller und Zeitvertreiber. Aus »neuronalen Autobahnen« wird in kurzer Zeit ein »Autopilot-Muster«, das genauso gewohnheitsmäßig abläuft wie das tägliche Zähneputzen, so lautet ihre Argumentation. Aber diese »Programmierung des Gehirns durch Nikotin ist umkehrbar«, schreibt die Autorin. Dazu braucht es jedoch einer anderen zutiefst positiven Erfahrung. Sonst ist jeder Versuch, das Rauchen aufzugeben, zum Scheitern verurteilt.

Jedes Programm kann nur dann erfolgreich sein, wenn das Gefühl des »Verzichts« durch das Erleben eines »qualitativen Zugewinns« abgelöst werden kann. Hier setzt Vera Kaltwasser, ausgebildete Pädagogin, Achtsamkeitsforscherin und Qigong-Lehrerin, voll und ganz auf ihren selbst erprobten Weg. Sie empfiehlt als »edles Rüstzeug« auf dem Weg zum Nichtraucher: den Weg der Achtsamkeit und der Meditation, Visualisierungen, den Weg des inneren Dialogs und den Übungsweg des Qigong. »Allein die Achtsamkeit für den eigenen Körper und die Schulung der Selbstwahrnehmung leiten Veränderungen ein« (S. 87). Die Autorin führt Untersuchungen an, die belegen, dass man mit Meditation, Qigong oder Yoga gepaart mit Bewusstseinsarbeit tatsächlich Veränderungen im Gehirn bewirken kann. Es geht darum, so argumentiert sie, »gegen die automatisierten Gewohnheiten des Rauchens neue, kraftvolle, positive Gewohnheiten zu setzen« (S. 134). Neben der täglichen Körperarbeit mit Meditation und Qigong empfiehlt Vera Kaltwasser die Methode des inneren Dialogs und das Schreiben eines Tagebuches, das zum treuen Wegbegleiter werden kann. »Der erste Tag ohne Zigarette ist nur einer in der Reihe von wunderbaren Tagen!« – so lautet einer ihrer Grundsätze.

Auch unter den AnhängerInnen des Qigong gibt es Raucher. Wer selbst einer ist oder jemanden kennt, der diese gesundheitsschädliche Angewohnheit endlich ablegen möchte, für den oder die kommt dieses Buch genau zur rechten Zeit. Vera Kaltwasser führt sehr mitfühlend und einfühlsam auf den sanften Weg hin zu Selbstbestimmung, Gesundheit und Lebensfreude. Gewiefte Kursleiter haben ein Argument mehr zur Hand, wenn sie mögliche Erfolge des Qigong benennen. Allein durch ein Nachmachen der beschriebenen Übungen werden sich allerdings nur schwerlich Glücksgefühle einstellen. Eigentlich verlangt dieser Weg nach einer kompetenten Begleitung und Gruppenerfahrungen beim Üben.
(Ralf Jakob)

 

Krankenkassenkurs

Stefan Wahle: »Konzept zur Durchführung eines Entspannungskurses in Form der Vermittlung einer Qigong-Form. Ein Trainerleitfaden«
BoD 2011, 56 Seiten, 6,95 EUR, ISBN 978-3-8423-7783-7

Stefan Wahle, Diplomsozialökonom, fünfter Dan Ju-Jutsu, lizensierter Fitnesstrainer und Qigong-Lehrer, hat unter dem Label sw-sportbuch schon einige Titel, insbesondere zu verschiedenen Kampfkünsten, veröffentlicht. Da in den letzten Monaten die Anerkennungsmodalitäten von Krankenkassen für Qigong-Kurse wieder stärker in die Diskussion traten, fiel mir das schmale Bändchen besonders auf: Hier hat sich jemand die Mühe gemacht, ein Konzept, das Krankenkassen tauglich sein soll, zu erarbeiten, und stellt dieses durch Veröffentlichung auch anderen zur Verfügung. Prima: Warum sollen alle das Rad immer wieder neu erfinden müssen?
In Kürze: Hier finden angehende KursleiterInnen, die so gar keine Ahnung haben, wie sie einen Qigong-Einführungskurs »auf den Markt« bringen sollen, der dann auch noch von den Krankenkassen bezuschusst wird, tatsächlich alle wichtigen Punkte kurz und knapp aufgelistet.

Das geht schon mit Ratschlägen los, wie man Werbung machen sollte, wie und welche Räumlichkeiten geeignet sein könnten – zum Teil Dinge, die also gar nicht spezifisch nur auf »Krankenkassen-Kurse« zutreffen. Vieles scheint direkt aus persönlicher Erfahrung abgeleitet, die Stefan Wahle selbst bei einem solchen Angebot in Hamburg-Barmbek gemacht hat.

Vorgestellt wird ein Kurs über acht Termine, an denen die »Acht Brokate« erlernt werden sollen. Für Stefan Wahle steht dabei »das korrekte Erlernen der Bewegungsabläufe« im Vordergrund, da dies die Voraussetzung für die entspannende Wirkung sei. Dementsprechend formal und schlicht ist auch das Stundenkonzept: pro Termin Begrüßung und Einführung beziehungsweise Erfahrungsbericht der TeilnehmerInnen, Vorübung und die bereits erlernten Bilder, Erlernen eines neuen Bildes, Rücknahme mit Selbstmassage, Abschlussgespräch, Verabschiedung. Des Weiteren gehört zu seinem Konzept, das ebenfalls von ihm vorliegende Übungsbuch zu den Acht Brokaten als Studienmaterial für das häusliche Üben auszuteilen.

Das Wenige, was inhaltlich zum Qigong zu lesen ist, mag tatsächlich gut den »Krankenkassen-Ton« treffen. Zugleich vermisse ich – was vielleicht nicht verwundern muss? – sowohl in der inhaltlichen Begründung wie in der Skizze zum Unterrichtsablauf fast alles, was mir am Qigong wesentlich zu sein scheint.
Auch wenn das Büchlein seinem Titel gerecht wird, wären ein paar fundierte Sätze zur Spezifik der Methode Qigong schon nett gewesen. Platz wäre gewesen: Ab Seite 38 kommt nur noch Werbung für den Autor, seine Methode und seine Bücher.

Auf jeden Fall leistet dies Buch einen Beitrag zu der Frage: Wie machen wir unser Angebot Krankenkassen kompatibel? Aber auch zu der Frage: Wollen wir das so?
(Dietlind Zimmermann)

 

18 Bewegungen
Taiji-Qigong I und II

Sui Qingbo/Du Hong: »Taiji-Qigong 18 Bewegungen, Teil 1 und Teil 2«
Laoshan Zentrum 2012, 212 Seiten, Pb.,
38 EUR, ISBN 978-3-00-033986-8
DVD, Teil 1, 48 EUR, ISBN 978-3-00-034302-5
DVD, Teil 2, 48 EUR, ISBN 978-3-00-034303-2

Das Taiji Qigong zählt zu den populärsten Qigong-Arten in unseren Breitengraden. Lena Du Hong und ihr Mann Sui Qingbo gehörten Ende der 80er Jahre zu den ersten, die das Taiji Qigong mit den beiden Teilen zu je 18 Bewegungen in Deutschland und Österreich unterrichteten. Viele ihrer SchülerInnen unterrichten mittlerweile selber und haben lange auf die überarbeitete Fassung des ersten Arbeitsbuches aus den 90er Jahren gewartet. Ich gehöre selber auch dazu.

Nun ist es letztes Jahr in gebundener Form als Buch erschienen und bietet wie erhofft eine Fülle von Informationen zu den einzelnen Bewegungen. Jede Bewegung wird sehr ausführlich beschrieben, sowohl die äußeren Bewegungen des Körpers als auch die inneren des Geistes beziehungsweise der Vorstellungskraft. Hier finden alle Übenden des Taiji Qigong, also auch die, die nicht bei den beiden gelernt haben, sicherlich zahlreiche Anregungen für die eigene Praxis. Zudem gibt es immer einen eigenen Absatz zu den Wirkungen der Bewegungen auf das Meridiansystem mit Hinweisen, bei welchen Krankheiten oder Beschwerden die Übungen helfen sollen.

Im Vergleich zum ersten Arbeitsbuch, das auch schon eine Fundgrube war, hat sich die Sprache deutlich verbessert. Sicherlich liegt das daran, dass Lena Du Hong und Sui Qingbo nun schon viele Jahre in Deutschland wohnen, und auch am Lektorat von insgesamt acht SchülerInnen der beiden. Das hat glücklicherweise nicht verhindert, dass die »Qingbo-typische« Ausdrucksweise immer durchklingt. Ich höre ihn förmlich sprechen, obwohl ich ihn schon einige Jahre nicht mehr gesehen habe. Dennoch muss ich mich sehr konzentrieren, um den Bewegungsbeschreibungen zu folgen. Und wer Sui Qingbo noch nicht erlebt und gehört hat, wird wohl noch mehr Aufmerksamkeit aufwenden müssen, um zu verstehen, was die beiden meinen.
Leider sind die Abbildungen dafür keine Hilfe. Lediglich zwei Bilder pro Übung reichen nicht aus, um sie angemessen zu illustrieren. Von daher sind diejenigen, die wissen wollen, wie die Bewegungen aussehen, auf die DVDs angewiesen. Auf den DVDs zeigt Du Hong die Bewegungen, aufgenommen aus verschiedenen Perspektiven, und sagt einige Kernsätze zu der jeweiligen äußeren und inneren Bewegung.

Beim Studium der DVDs sah ich auch die Veränderungen, die sich im Laufe der Jahre bei den beiden ergeben haben. War das Taiji-Qigong Ende der 80er Jahre noch recht »puristisch«, sind die Bewegungen nun sehr groß geworden – sehr tief in die Hocke und auch sehr hoch – und haben so manchen Schnörkel dazubekommen. Bei einigen Bewegungen sind die Knie leider sehr nach innen gebeugt, was ich bei aller Liebe zur Varia-tionsvielfalt von Bewegungen nicht tolerieren mag.
Fazit: Nicht nur auf Grund des recht hohen Preises sind das Buch und die DVDs sicherlich nichts für AnfängerInnen. Man muss schon in den 18 Bewegungen des Taiji-Qigong geübt sein, um von ihnen profitieren zu können – auch wenn man die Bewegungen anders interpretiert.
(Helmut Oberlack)

Qigong für Schwangere

Barbara Reik: »Tai Chi und Qi Gong in der Schwangerschaft«
Mankau 2012, 141 Seiten, Pb., 14,95 EUR (D), 15,40 EUR (AU),
ISBN 978-3-86374-053-5

Ein Wegbegleiter durch die Zeit der Schwangerschaft, die Stillzeit und das Mutterdasein möchte dieses handliche kleine Buch sein, und es enthält tatsächlich viele einfache Übungen, die werdende und gewordene Mütter dabei unterstützen können, ein gutes Gefühl für sich und ihren Körper zu entwickeln, sich zu entspannen, ihre Haltung zu verbessern, beweglicher zu werden und verschiedene Beschwerden zu lindern. Das Spektrum reicht von Qigong-Übungen im Stehen, Sitzen und Liegen über Massagen aus dem Qigong zu dem als Heilströmen bekannt gewordenen Jin Shin Jyutsu®. Anders als es der Titel und die Einführung vermuten lassen, kommt Taiji nicht wirklich vor.

Besonders gut gefallen mir die Partnerübungen und Partnermassagen, die zu gemeinsamem Üben anregen und das Vertrauen zwischen den werdenden Eltern fördern können. Auch die Hinweise, wie dann nach der Geburt mit dem Baby geübt werden kann und dass das eigene Üben und die Entspannung der Mutter auch dem Kind und der ganzen Familie zugute kommen, erscheinen mir hilfreich. Die dargestellten Qigong-Übungen sind einfach und werden mit anschaulichen Bildern beschrieben, in mancher Hinsicht sind sie auch etwas reduziert worden. Insbesondere verzichtet die Autorin auf eine Betonung des sonst üblichen Sinkens im Stand, das in der Schwangerschaft und insbesondere nach der Geburt auch durchaus problematisch sein kann.

Die Botschaft der Autorin, Atmung und Bewegungen zu genießen, sich immer wieder Zeit zum Entspannen zu nehmen und auch Situationen wie das Warten in einer Schlange oder im Wartezimmer einer Arztpraxis für kleine Wohlfühlübungen zu nutzen, zieht sich durch das ganze Buch. Sie wird auch durch die vielen Fotos vermittelt, die überwiegend die hochschwangere Andrea Reik zeigen, die einen sehr entspannten und in sich ruhenden Eindruck macht.
Trotzdem bezweifle ich, dass Frauen ohne Vorkenntnisse die Übungen alle wirklich umsetzen können. In jedem Fall vermisse ich den Hinweis, dass sich Qigong und Taiji am besten in einer Gruppe mit fachkundiger Anleitung lernen lassen. Das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass man kontinuierlich dabeibleibt, und macht außerdem mehr Spaß. Von daher eignet sich das Buch wohl vor allem für Schwangere, die bereits Erfahrungen mit Qigong oder Taijiquan haben und hier eine schöne Auswahl an einfachen Übungen finden, die sie in dieser besonderen Zeit bedenkenlos für ihr Wohlbefinden nutzen können.

Natürlich können sich hier auch Unterrichtende Anregungen holen, was für Übungen sich für Schwangere, die mit Qigong beginnen, eignen. Allerdings muss man dabei über einige etwas sehr vereinfachende Erklärungen hinweglesen, bis hin zu der Aussage, die unterschiedlichen Schreibweisen von Qi in Tai Chi und Qi Gong wären auf verschiedene Umschriften zurückzuführen. Auch wenn natürlich Tai Chi eine andere Umschrift ist, steht Chi hier aber auch für ein anderes Schriftzeichen, das bekanntlich eine ganz andere Bedeutung hat. Bei aller Vereinfachung bin ich der Meinung, dass man solche Irrtümer nicht immer wieder hervorholen sollte, auch wenn das den Schwangeren, für die dieses Buch geschrieben wurde, vielleicht egal ist.
(Almut Schmitz)

 

Ermutigung für einen disziplinierten Übungsweg

Xuelin Jiang/Dr. Cornelia Richter: »Selbstheilungsweg«, Bd.1 – »Beginn des Weges«
Quadrate 2011, 144 Seiten, TB, 19,80 EUR, ISBN 3-924704-44-9

Dieses Buch ist vieles gleichzeitig: Hommage einer westlichen Schülerin an ihren chinesischen Qigong-Meister, der persönliche Erfahrungsbericht einer Medizinerin mit dem, was Qigong – jenseits der gewohnten Denkmuster – ermöglicht, eine Einführung in Basisübungen des Chan Mi Gong und ein beachtlich detailliertes Übungsbuch, das ernsthaft Interessierten sicher einige Anregungen zu geben vermag.

Während fast alle genannten Punkte in der einen oder anderen Weise schon viel Papier gefüllt haben, ist es insbesondere der letzte, der mir dies Buch als Gewinn erscheinen lässt. Auch der Blickwinkel der Ärztin, die täglich mit den Folgen mangelnder Selbstwahrnehmung konfrontiert ist, sei es beim Gespür für eigene Grenzen im Tun oder aber beim Bewusstsein dafür, welche Art von Bewegung Körper und Geist benötigen, um gesund zu bleiben, macht das Buch interessant. Ihre durch persönliches Erleben geschärfte Wahrnehmung für die Bedeutung von Yangsheng, Lebenspflege, und die unabweisbare Erfahrung des großen Potentials von Qigong sorgen dafür, dass hier möglichst klar formuliert wird, worauf es ankommt, damit das Üben von Qigong seine ganze Kraft entfalten, dem großen Wort »Selbstheilungsweg« gerecht werden kann.

Sowohl in der Beschreibung ihres eigenen Weges mit Xuelin Jiang, die das Ende des Buches bildet, als auch in den sehr ausführlichen Anleitungen ihres Lehrers im Mittelteil wird vor allem eines deutlich: Es verlangt die Bereitschaft, sich zu wandeln, Gewohnheiten zu verändern, und regelmäßiges, diszipliniertes Üben. Kein Wort hier also von »Wellness-Qigong« – geradezu wohltuend.

Die Einführung zu den Grundbegriffen, die Cornelia Richter übernommen hat, ist in einer Weise klar, westlichem Denken entgegenkommend, wie man es sich für gute Qigong-Bücher generell wünschen würde. Und sie kommt mit erstaunlich wenigen Seiten dafür aus. Lobenswert: ein Extrakapitel zur Bedeutung des Lehrers – auch ansonsten vermittelt das Buch nicht den falschen Eindruck, man könne Qigong allein aus seiner Lektüre erlernen.

Im Praxisteil wird für den »Beginn eines Selbstheilungsweges« ein Übungsprogramm zusammengestellt, das im Schwerpunkt aus den Chan-Mi-Basis-übungen besteht, die mit Zeichnungen aus dem Buch von Liu Han Wen illustriert werden. Aber auch andere Lebenspflegetipps sind dabei: der »kalte Guss« (leng chong) oder der »kühle Schluck« (leng yin).

Das Highlight des Buches bildet für mich das erste Praxiskapitel: Hier beschäftigt sich Xuelin Jiang sehr ausführlich mit »sämtlichen 24 Anforderungen an die Körperhaltung«, die sich auf die allgemeine Grundhaltung beziehen, nicht auf die spezielle Haltung des Chan Mi Gong. Dieser Text macht nicht nur deutlich, dass das Einüben in eine echte Qigong-Haltung keine Kleinigkeit ist – denn es gibt viele Punkte zu beachten. Diese werden alle aufgeführt und der Autor gibt sich viel Mühe, die korrekte Haltung auf möglichst vielfältige Weise zu beschreiben, inklusive der Wirkungen, die das jeweils auf das Qi-Gefühl oder die Wahrnehmung von Verbundenheit von Körperpartien oder Energiezentren hat. Das ist ein Fundus an Anregungen für jeden Übenden, auch und vielleicht gerade weil sich nicht alles sofort erschließt.

AnfängerInnen, so allerdings mein Eindruck, werden mit der Fülle der Details eher überfordert sein. Fortgeschrittene werden – oder sollten sogar – Fragen haben. Die Autorin wird ja nicht müde darauf hinzuweisen: Sollte etwas unklar sein, besprich es mit deinem Lehrer. Dem kann ich nur zustimmen. Ein gutes Qigong-Buch.
(Dietlind Zimmermann)

 

»Unglaubliche« Meister-Story

Peter Meech: »Geheimnisse der Lebenskraft Chi. Meine erstaunlichen Erlebnisse mit einem Chi-Gong-Meister«
Lotos 2010, 191 Seiten, 16,99 Euro (D), 17,50 Euro (A), 24,50 CHF (UVP)
ISBN 978-3-7787-8223-1

Der Autor dieses Buches erzählt seine Erlebnisse mit Dr. Chow, von dem er Qigong erlernt hat, das er jetzt seit 25 Jahren praktiziert. Der Kanadier Peter Meech ist nicht nur Qigong-Lehrer, er ist auch Journalist und Drehbuchautor. Das merkt man diesem Text deutlich an, in zweierlei Weise. Erstens ist er flüssig geschrieben, der Stil leichtfüßig, fast im Plauderton einer intelligenten Konversation. Aber er hat auch viele Zutaten für eine Sensationsstory, eine etwas reißerisch geratene Doku: Denn es geht um Erstaunliches, ja, Unglaubliches, um die Geheimnisse des Qi und die unvorstellbaren Fähigkeiten, die so ein chinesischer Meister durch dieses Qi haben kann.

Ein solcher Buchtitel verkauft sich. Nicht nur an Qigong-Interessierte, sondern an alle, die den Kitzel der Sensation und des Mystisch-Geheimnisvollen suchen. Die Absicht mag sein, auf diese Weise Interesse für Qigong zu wecken. Es ist fraglich, ob das gelingt. Denn was vermittelt dies Buch über Qigong?

Hier wird aus dem Blickwinkel eines rationalen westlichen Intellektuellen erzählt, wie er in Kontakt mit dem Phänomen Qi (im Buch in alter Schreibweise: Chi) kam. Ein zweifacher Kulturschock kann so etwas sein und war es offensichtlich auch im Falle von Peter Meech. An diesem Erleben lässt er die Leser hautnah teilnehmen. Nicht nur die Erfahrungen, die er beim Üben macht, sondern auch die Art, wie ein traditionell ausgerichteter chinesischer Lehrer ihn leitet, sind »mysteriös« – bleibt dieser doch über weite Strecken die Erklärungen schuldig, warum und wie die Dinge geschehen. Denn Aussagen wie »Chi weiß, was es tut« sind für einen Westler keine Antwort auf Fragen wie: »Warum geschieht dies?« Schon gar nicht, wenn der Meister »Chi wirft« und einem im Traum erscheint und Anweisungen gibt. So sind sowohl die Erfahrungen irritierend als auch das »Drumherum« – und beides steigert den Nimbus des Mystisch-Unerklärlichen.

Vieles, was Peter Meech schildert und was auf den ersten Blick so unverständlich erscheint, habe ich selbst durch einen chinesischen Lehrer erfahren dürfen. Auch ich habe zum Beispiel lernen dürfen, wie anders und mühelos die Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler sein kann – jenseits der Worte und der Ratio. Aber ist der Bericht davon mehr als eine Sensationsgeschichte?
Insbesondere fragte ich mich, wie das auf LeserInnen wirken mag, die noch keine eigenen oder wenig Erfahrungen diesbezüglich haben, die das Buch lesen, um etwas über Qigong zu erfahren. Ich habe nachgefragt bei einem Schüler von mir, der das Buch vor längerer Zeit gelesen hatte:

»Meine Erwartungshaltung damals war, dass die Geheimnisse offenbart werden, aber das konnte ich nicht daraus erkennen. Ich bin eher westlich, wissenschaftlich, konkrete Anweisungen erwartend an das Buch herangegangen, konnte schwer die für mich mehr östliche, chinesische, gefühlsmäßige, schwammige und doppeldeutige Ausdrucksweise verstehen. Und dann: Wetter-Beeinflussung??? Erschüttert hat mich auch die Stelle mit dem, wie war das noch: »falschen Qi-Training« und Krankheit ... Vielleicht erschließt sich mehr, wenn man das Buch mehrfach liest oder wenn man konkretere Vorstellungen von der Materie und von den Übungen hat. Ich habe aber auch keine Parallelen zu meiner eigenen Übungspraxis gezogen. Vielleicht habe ich ähnliche Erfahrungen wie der Schüler im Buch. Das könnte ich beim wiederholten Lesen einmal überprüfen.«

Mein Fazit: Für eine ernsthafte weitere Verbreitung des Qigong sind Bücher dieser Art nicht hilfreich. Sie nähren eher die Mythen und helfen nicht, die Brücke zwischen dem alten östlichen Wissen und den westlichen Wissenschaften zu schlagen. Peter Meech mag mit diesem Buch seinen Meister gewürdigt haben und das sicher zu Recht. Aber damit Qigong im westlichen Alltag ankommen kann, selbstverständlich, unaufgeregt und als Option für viele Menschen, dazu leistet dieses Buch keinen guten Beitrag. Qigong-Meister rücken so eher in die Nähe von Professor Dumbledore aus der Harry-Potter-Geschichte oder Meister Yoda aus Starwars – Dr. Chow wurde im Buch denn auch einmal mit Letzterem verglichen.
(Dietlind Zimmermann)

 

Qigong zwischen Naturwissenschaften und japanischen Kampfkünsten

Peter Blomeyer-Bartenstein: »Qigong: Neue Programme für unser Gehirn«
BOD 2011, 162 Seiten, 29,90 Euro (D), 30,80 Euro (A), 47,90 CHF (UVP)

Es gibt Qigong-Bücher, die habe ich tatsächlich in einem Zug durchgelesen. Das Buch von Peter Blomeyer gehört ganz sicher nicht dazu. Dieses Buch musste ich mir richtig erkämpfen: Mehrere Anläufe und viele Wochen hat es gebraucht, bis ich damit fertig war! Woran es wohl lag? Zuerst an der Optik, genauer gesagt an der Aufmachung, und dann am Inhalt.

Damit es auf 162 Seiten passt, wurde wohl eine sehr kleine Schrift gewählt. Der Bucheinband ist zwar in Brokat-Gold gehalten, aber die Schrift besteht außen und bei allen Kapitelüberschriften aus Versalien, also Großbuchstaben. Beides wirkt dadurch nicht gerade lesefreundlich. Die Schwarz-Weiß-Bilder im Buch sind häufig zu dunkel geraten, die eingefügten Grafiken tragen nicht immer zum besseren Verständnis bei. Viele Fremdwörter, Formeln und chinesische Schriftzeichen signalisieren, dass einem der Autor geistig weit voraus ist.

Auch im Praxisteil mit teilweise wunderbaren Übungen wurde mit Bildern (hier allerdings in Farbe!) ein wenig gespart, dafür nicht mit weiteren japanischen Fachbegriffen aus den dortigen Kampfkünsten. Peter Blomeyer will in seinem Buch seine Ausbildung in Karate und KiKo, dem japanischen Qigong, vereinen mit den Prinzipien und Praktiken des chinesischen Qigong. Das macht die Sache zwar spannend und interessant, aber auch wiederum schwierig, weil man sich ständig auf neue Denkweisen und Übungen einstellen muss. Die vorgestellten Übungen kommen einem auf den ersten Blick meist fremd vor, bieten aber gleichzeitig einen Anreiz zum eigenen Üben. Das ist seine Stärke.

Im ersten Teil will der Autor, studierter Naturwissenschaftler und erfahrener Computerspezialist, ganz explizit eine Brücke schlagen von der modernen Naturwissenschaft zur Gedankenwelt des Qigong und der TCM. Mit Erkenntnissen aus der modernen Hirnforschung, der Molekularbiologie und der Quantenphysik sollen Qi-Phänomene und Qigong-Fachbegriffe für kritische »Westler« erklärt und erschlossen werden. Genau dabei trifft der erste der – ansonsten vortrefflich formulierten – »praktischen Lern-Tipps« zu: »Grundsätzlich sehen wir nur Dinge, die wir kennen.«

Mir als Sozialwissenschaftler bereitet es viel Mühe, den Beweisführungen des Autors zu folgen. Hin und wieder gibt es einen »Aha-Effekt«, der mich wieder bestätigt und mir signalisiert auf dem gleichen Weg zu sein wie der Autor. Besonders angesprochen hat mich das Kapitel »Erweitern Sie Ihre angeborenen Fähigkeiten« und hier besonders »der Körper als verkettetes System«, weil hier Zusammenhänge angesprochen werden, denen ich schon selbst lange auf der Spur bin.
Das Spektrum und die Wirkungsweise des Qigong sind sehr weit und vielschichtig. Das beweist dieses Buch eindrücklich. Wer sein Denken erweitern und neue Dimensionen »hart an der Grenze des Fassbaren« (so steht es im Klappentext) entdecken will, der sollte sich an dieses Buch heranwagen.
(Ralf Jakob)

 

Weg in die Freiheit

Wilfried Belschner: »Erwachen. Qigong als Weg in die Freiheit«
BIS 2012, PB, 262 Seiten, 16,80 Euro (D), 17,30 Euro (A), ISBN 978-3-8142-2261-5

In seinem neusten Buch fasst Prof. Dr. Wilfried Belschner 14 Aufsätze zusammen, die er zwischen 1992 und 2012 geschrieben hat und die Aufschluss geben über eine durchaus interessante Entwicklung. Diese entfaltet sich zwischen »Qigong und Gesundheitsförderung« und »Qigong als Weg in die Freiheit«, wobei sich nicht alle Texte direkt mit Qigong befassen. Sie zeigen vor allem die Entwicklung des Autors und seiner Vision, »Psychologie und meditative Verfahren (Zen, Taijiquan, Qigong) als Methoden zur Erkundung des individuell erfahrbaren Bewusstseins in seinen kulturellen Gestaltungen zu begreifen, als Psychologie des Bewusstseins zu erforschen und als Transzendenz-Training zu vermitteln« (S. 261).

Am Anfang steht Qigong als Hoffnungsträger neben einer Schulmedizin, die die Patienten entmündigt und die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen kann. Auf der Suche nach Alternativen bietet es einen Weg, auf dem jedeR selbsttätig Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen kann. Dabei geht es dem Psychologen naturgemäß nicht nur um die körperliche Gesundheit, sondern um eine Entdeckungsreise, die den ganzen Menschen und seine Lebendigkeit betrifft. Die folgenden Artikel bieten viele interessante Gedankengänge und Zusammenhänge, auch zum Unterrichten von Qigong oder Ähnlichem, über sein Potenzial zur Selbstbehandlungskompetenz, energetische Kommunikation und Gesundheitskonzepte, die auch transpersonale Dimensionen einschließen, und führen zu einem Konzept der Lebenskunst.

In den Beiträgen aus den letzten Jahren geht es dann mehr um die verschiedenen Bewusstseinsebenen beziehungsweise das Kontinuum des Wachbewusstseins, das vom Alltagsbewusstsein zu veränderten Bewusstseinszuständen reicht, in denen die wahre Natur des Menschen zum Ausdruck kommen kann.

Wilfried Belschner schreibt in einem Artikel von 2003, dass sich seine Biographie als Forscher, Hochschullehrer und Bürger um die Frage dreht: »Unter welchen Bedingungen kann der Mensch in der heutigen Epoche ganz und heil werden?« (S. 176) Zu diesem Heilwerden gehört für ihn heute auch die Fähigkeit, sich von den kulturellen Erwartungen, die das Leben in starkem Maße beeinflussen, zu befreien, um ganz der eigenen Wahrheit folgen zu können. Hierzu kann Qigong ein Weg sein.
Auch wenn in den Artikeln eine gewisse Entwicklung erkennbar ist, heißt das nicht, dass die älteren inzwischen überholt sind. Sie zeigen einfach verschiedene Perspektiven und auch sich ergänzende Herangehensweisen. Von daher bietet dieses Buch eine Fülle von Informationen und Anregungen gerade für diejenigen, die die älteren Werke von Wilfried Belschner nicht gelesen haben.
(Almut Schmitz)

 

Die Wildgans und das Element Wasser

Armin Fischwenger: »Wildgans-Qigong«
Books on Demand 2012, 123 Seiten, 19,50 EUR, ISBN 978-3-8448-0342-6

Armin Fischwenger, Ausbilder und Lehrer für Taijiquan und Qigong und Vorstandsmitglied der Taiji & Qigong Gesellschaft Österreich, hat ein neues Buch herausgebracht, das Qigong-Freunden durchaus Freude bereiten kann.
Das Buch widmet sich dem Dayan oder Wildgans-Qigong und ist für »engagierte Einsteiger und Fortgeschrittene« gedacht. Diese Zielgruppe spricht das Buch sehr gut an. Allerdings möchte ich auch hier vorweg sagen: Um die meines Erachtens durchaus anspruchsvollen Bewegungen des Wildgans-Qigong, die zum Teil eine für Qigong ungewöhnliche Dynamik entwickeln und auch dem Rücken einiges abfordern, zu erlernen, braucht es mehr als ein Buch. Wer sich aber schon mit der Übungsreihe beschäftigt hat oder sie in Begleitung eines Unterrichtenden erlernen will, wird hier umfassend mit Übungsanleitungen und Hintergrundinformationen versorgt.

Gute 50 Seiten widmet Armin Fischwenger allein dem theoretischen Hintergrund: den fünf Regulationen, der Bedeutung von Qi und Meridianen, von Yin und Yang. Und er setzt diese dann auch gleich in Bezug zum Wildgans-Qigong, weist auf einzelne Sequenzen und ihre Wirkungsweise hin und gibt Tipps für passende Aufwärmübungen.

Gut und wirklich hilfreich finde ich, dass er den inneren Aspekten des Übens ausreichend Raum gibt und somit ihre Bedeutung sehr klar werden lässt. Dementsprechend spricht er ausführlich über die Wandlungsphase »Wasser« und wie und warum sie mit dieser Übungsreihe gestärkt wird. Ebenso weist er darauf hin, wie die Regulation des Qi durch Aufmerksamkeitslenkung in dieser Übung funktionieren soll. Dabei betont er besonders drei reinigende und drei Qi-aufnehmende Bilder und ermuntert dazu, diese – nach Bedarf – einzeln oder vermehrt zu üben.

Gute 70 Seiten dienen dann der Beschreibung der einzelnen Bilder, die mit jeweils einem Foto illustriert werden. Auch hier gibt es immer wieder Hinweise, worauf die Achtsamkeit zu lenken sei. Abschließend fasst Armin Fischwenger noch einmal allgemein »häufige Fehler und Hinweise zur Übungspraxis« zusammen.
Übende, die gerne tiefer ins Qigong einsteigen wollen, und Freunde des Wildgans-Qigong werden dies Buch mit Gewinn lesen und gute Anregungen für ihre Praxis bekommen. Da ich persönlich einen kleinen Faible für das Dayan-Qigong habe, freut mich dieses Buch – es verdeutlicht gut das Potenzial dieser alten daoistischen Qigong-Form.
(Dietlind Zimmermann)

 

Qigong für Gesundheit und inneren Frieden

Zheng Buyin: »Authentisches Qigong in der chinesischen Tradition. Basiswissen für chinesische Heilkunst. Ein Weg zu Gesundheit und innerem Frieden«
unter Mitarbeit von Simone Fella, Schirner 2010, 544 Seiten, geb.,
26,95 Euro, ISBN-13: 978-3897679351

Der Qigong-Markt scheint wirklich zu boomen, wenn sich ein Verlag traut, ein 544 Seiten starkes Buch über Qigong herauszubringen. Schon der Titel bietet zwei der Zauberworte, von denen der Verlag wohl glaubt, sie zögen: »authentisch« und »Tradition«.

Zheng Buyin, Jahrgang 1971, »Qigong-Großmeister«, TCMler und »autorisierter Meister des Shaolin Neijin Yizhichan in der 20. Generation«, möchte mit seinem Buch einerseits das »Basiswissen für chinesische Heilkunst« bieten und andererseits einen »Weg zu Gesundheit und innerem Frieden«. Das erstere trifft ziemlich genau zu, denn er breitet auf 370 Seiten die gesamte Theorie des Qigong aus. Wer das gelesen und verstanden hat, hat wirklich das Basiswissen intus, zumindest einen Teil der Theorie, denn zur Heilkunst gehören ja eigentlich noch die Kräutermedizin, die Diätetik und die Akupunktur, wovon Zheng Buyin letztere nur ein bisschen streift.

Immerhin referiert er ausführlich über die Schulen und die Geschichte des Qigong, die Philosophie von Yin und Yang, die fünf Wandlungsphasen und die Lehre von den Meridianen, um anschließend auf die Qi-Lehre, die Theorie von Mikro- und Makrokosmus und die Bedeutung der »Drei Schätze Essenz, Qi und Geist«, Blut und andere Körperflüssigkeiten zu sprechen zu kommen.

»Den Weg zur Gesundheit« leitet er sehr ausführlich mit den neun Grundvoraussetzungen für das Qigong ein (wie richtige Zeit, richtiger Ort, Wetter, Farben, Temperatur und Übungsrichtung). Danach führt er in die »neun Prinzipien des Qigong« ein, nennt die »drei Säulen« der Qigong-Praxis (Regulierung von Körper, Atmung und Geist). Erst jetzt kommen die Übungen selbst, vor die Zheng Buyin noch die Besonderheiten des Shaolin Neijin Yizhichan schaltet.
Die Übungen selbst sind sehr einfach, schnell zu lernen und gut zu praktizieren, da sie mit deutlichen Illustrationen und genauen, einfachen Erklärungen versehen sind. Zheng Buyin verweist übrigens auch darauf, dass nur ein wirklicher Meis-ter sie richtig lehren kann.

Die Theorie aber ist mit ihren vielen Wiederholungen, umständlichen und manchmal pathetischen Formulierungen, sprachlichen Ungenauigkeiten und oft recht oberflächlichen Begrifflichkeiten eher ermüdend, als dass sie dazu anregen würde, sich wirklich in sie zu vertiefen. Da gibt es weit bessere und prägnantere Einführungen und wirklich umfassende Werke. Ein weiteres Manko ist, dass Zheng Buyin immer wieder Untersuchungen und Experimente über die Wirksamkeit von Qigong und Fernheilungen nennt und von Wunderheilungen erzählt, ohne sie auch nur einmal zu belegen.
(Georg Patzer)

 

Übungsbuch zum DYYSG

Dr. Li Xiaoqiu: »Daoyin Yangsheng Gong – Daoyin-Übungen zur Lebenspflege«
Assam Media 2011, Pb, 312 Seiten, 54,90 EUR, ISBN 978-3-9502727-2-7

Das Daoyin Yangsheng Gong (DYYSG), entwickelt im Wesentlichen von Prof. Zhang Guangde, erfreut sich seit rund 20 Jahren auch im deutschsprachigen Raum einer recht großen Beliebtheit. Umso unverständlicher war es, dass es lange Zeit kein deutschsprachiges Übungsbuch dazu gab. Vermutlich war der große Umfang dieses Systems ein Grund dafür, dass sich bis zum letzten Jahr kein Verlag daran getraut hatte. Im letzten Herbst hat nun Dr. Li Xiaoqiu, ein persönlicher Schüler von Zhang Guangde, ein umfangreiches Lehrbuch auf Deutsch veröffentlicht. Er lebt und unterrichtet seit vielen Jahren in Graz und hat auch schon zahlreiche DVDs mit den DYYSG-Übungsreihen produziert.

Dieses großformatige Buch, das bereits in der zweiten, leicht überarbeiteten Auflage herausgekommen ist, enthält folgende Übungsreihen: Gesundheits-schützendes Qigong, Leber-, Herz-, Milz-Magen-, Lungen-, Nieren-, Muskel- und Knochen-Qigong sowie das Meridian-Qigong. Dazu kommen noch die drei Methoden der Regulation von Körper, Atmung und Geist, die Methode zum inneren Nähren und das »Neue Baduanjin«, so wie es jetzt offiziell in China unterrichtet wird. Damit werden noch lange nicht alle Übungsreihen des DYYSG abgedeckt, aber zumindest die im Westen am meisten praktizierten.

Jede Übungsreihe wird ausführlich dargestellt. Dazu gehören die spezielle Theorie, die Veranschaulichung der einbezogenen Akupunkturpunkte, die Atemweise, welche Besonderheiten zu beachten sind und welche Meridiane durch die Bewegungen angesprochen werden. Der Bewegungsablauf wird genau beschrieben mit Ein- und Ausatmung, durch Zählen von eins bis vier beziehungsweise acht rhythmisiert und mit acht bis zwölf Bildern veranschaulicht.

Neben diesem praktischen Teil gibt es anfangs eine Einführung in die Grundlagen des DYYSG und einen größeren Anhang mit Erläuterungen zum Qi, zur TCM mit Meridiansystem und Wandlungsphasen und zur chinesischen Schrift und Sprache. Letzteres habe ich in einem Qigong-Buch nicht erwartet, aber warum nicht?
Das Buch ist als Arbeitsbuch konzipiert und dazu auch gut geeignet. Es ist klar, sachlich, übersichtlich aufgebaut und bietet eine Fülle von Informationen und Anregungen für die eigene Praxis. Qigong-Übende, die DYYSG nicht praktizieren, werden einen fundierten Einblick in dieses System erhalten, doch vermutlich wird diese der Preis von 54,90 Euro abschrecken. Dennoch halte ich ihn wegen der Fülle an Informationen und der relativ kleinen Auflage, die so ein spezielles Fachbuch hat, für gerechtfertigt. Ein Hardcover wäre wohl schöner, würde allerdings den Preis noch weiter in die Höhe treiben.
(Helmut Oberlack

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Qigong für Tinnitus?

Jin Wenchu/Katharina Waibel: »Tinnitus Heilbuch. Das Selbstheilungs-Programm aus dem medizinischen Qigong«
Nymphenburger 2011(6), 64 S., geb., 9,99 EUR[D]/10,30 EUR[A]/15,90 CHF (UVP), ISBN 978-3485011396

Es gibt Bücher, die kann man guten Gewissens empfehlen. Es gibt Bücher, da kann man das nicht. Und dann gibt es solche wie das vorliegende, die den Rezensenten ratlos werden lassen. Aber eins nach dem anderen.

Aus medizinischer Sicht: Der Titel ist eine Frechheit und bestätigt die Vorbehalte seriöser Forscher und Behandler paramedizinischen Verfahren gegenüber. Er verhöhnt 20 Jahre intensiver neurootologischer und psychosomatischer Forschung und Erfahrung und es ist nur zu hoffen, dass er nicht von den Autoren stammt. Kurz gesagt: Wenn das hier dargestellte Qigong im behaupteten Maß heilen oder helfen würde, wäre es Teil jeder Standardbehandlung!
Damit nicht genug, es wird auch noch ein ziemlich naives Bild der Traditionellen Chinesischen Medizin gezeichnet. So schreiben die Autoren von »Organen« statt Funktionskreisen und beziehen die Funktion der Ohren auf die »Organe« Niere und Leber. Selbst auf einer einfachen Akupunkturkarte ist zu sehen, dass schon über den Verlauf der Leitbahnen auch die Funktionskreise Dünndarm, Dreifacher Erwärmer und Gallenblase Einfluss auf die Ohren haben. Unverständlich ist auch, dass die TCM-typische, in der Regel höchst individuelle Diagnose nicht erforderlich zu sein scheint. Sicher, das Buch ist nur 60 Seiten dick – aber so geht das nicht!

Zum Qigong: Grundhaltungen, Atem-übungen, Heilende Laute und Selbstmassage werden als Übungsprogramm mit Bildern illustriert vorgestellt. Dieser Teil ist eindeutig die Stärke des Buches, zeigt er doch die tatsächliche Kompetenz der Autoren. Allerdings kommt der Yangsheng-Aspekt zu kurz: Die Übungen und nicht eine durchgehende Änderung des Lebensstils werden als wirksames Mittel dargestellt.

Das ist zwar nützlich, da jede Ablenkung, unspezifische Entspannung und die achtsame Beschäftigung mit sich selbst auch im Umgang mit Tinnitus sinnvoll sind; aber das tatsächliche Potenzial des Qigong als Einstieg in eine sich selbst zugewandte, akzeptierende Grundhaltung, die sowohl Selbstkompetenz als auch Selbstwirksamkeit stärkt und sich mittel- bis langfristig auf alle Bereiche des Lebens ausdehnen kann, wird nicht einmal angedeutet. Qigong bleibt auf der Ebene einer Gesundheitstechnik.

Fazit: Ein nettes, gutes und sinnvolles Buch für Menschen, die entsprechende Übungen bei eine qualifizierten Kraft erlernen und die Übungsanleitungen als Erinnerung mitnehmen wollen. Aber mit der Behandlung von Tinnitus hat das höchstens indirekt etwas zu tun.
(Knut Jöbges)

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Rundumprogramm für die fünf Organfunktionskreise

Armin Fischwenger: »Organübungen des Qigong«
Books on Demand 2010, broschiert, 84 Seiten, 19,50 Euro, ISBN 978-3-8423-6834-7

Ein ansprechend gestaltetes, kleines Bändchen liegt da in meiner Hand: »Organübungen des Qigong« von Armin Fischwenger, Ausbilder für Taijiquan und Qigong und Vorstandsmitglied der Taiji & Qigong Gesellschaft Österreich. Das Buch bietet eine Einführung ins Qigong (die fünf Regulationen, der Fluss des Qi, die Lage von wichtigen Energiezentren), in die Theorie von Yin und Yang und die fünf Wandlungsphasen. Dann wird noch auf den Unterschied eingegangen, dass bestimmte Übungen eher dazu geeignet sind, Qi auszuscheiden, und andere dazu, Qi aufzunehmen.

Ein längerer Abschnitt über Qrganaktivierung enthält Massage-, Atem- und Dehnungs-übungen für jedes Organ. Auch das Abklopfen der Organe gehört dazu. Schließlich widmet sich der Autor den »Sechs heilenden Lauten« und dem Qigong-Gehen, das er aus dem System des Guolin Qigong nimmt und neben einer Grundvariante je eine Schrittart für jedes Organ beschreibt.

Dem Buch ist anzumerken, dass der Autor sich intensiv mit diesen verschiedenen Übungen auseinandergesetzt hat. Er sieht in ihnen ein hohes Potenzial, durch bewusstes Ausscheiden von Belastendem und Anregung der Selbstregulation des Organzyklus selbsttätig auf die eigene Gesundheit einzuwirken und auch mit akuten Problemen des Alltags anders umzugehen. Hier verschiedene bewährte Übungssysteme zu kombinieren erscheint mir einleuchtend und das Buch ist eine Einladung, die Wirksamkeit durch eigenes Üben zu erkunden.

Leider hat das Buch einige Schwächen und ich hätte Armin Fischwenger ein fachkompetentes externes Lektorat gewünscht. Manches steht allzu unvermittelt nebeneinander, die Bezüge sind nicht immer klar. Die Beschreibungen der Übungen, die leider mit sehr wenig Bildmaterial gestützt werden, sind aus meiner Sicht keinesfalls ausreichend, um sie nur aus dem Buch nachzuvollziehen. Ein Beispiel: Bei der Aktivierungsübung zur Milz heißt es »Die Dehnung erfolgt mit einer Einatmung nach rechts zur Seite und ein wenig nach hinten«. Hier kann ich mir eine Menge Varianten in der Ausführung vorstellen. Welche soll es bitte sein? Keine Abbildung zeigt die Körperhaltung während der Dehnung und so bleibe ich ratlos.
Nun taugen Qigong- und Taiji-Bücher selten dazu, nur durch ihre Lektüre Übungen zu erlernen. Leider vermittelt das Buch wie andere auch ein wenig den Eindruck, dass dies möglich wäre. Mir scheint es aber eher eine sehr interessante Zusammenfassung für schon Übende zu sein, um sie in ihrer Praxis zu unterstützen und an die vielen Aspekte der Organübungen zu erinnern.
(Dietlind Zimmermann)

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Christliche Spiritualität des Leibes

Christian Hellmann: »Christentum und Qi Gong – Hinführung zu einer Spiritualität des Leibes«
LIT Verlag 2010, 106 Seiten, 19,90 EUR (D), 20,50 EUR (A), 31,90 CHF,
ISBN 978-3-8258-9319-4

Christian Hellmann ist evangelischer Pfarrer und Theologe mit tief gehenden Kenntnissen des Qigong. In seinem Buch, das auf seiner Doktorarbeit basiert, geht er der Frage nach, wie christliche Spiritualität und Qigong, als Beispiel für eine alternative Heilmethode aus einem ganz anderen Kulturkreis, in einen Dia-log gebracht werden können. Dabei interessiert es ihn besonders, die strikte Trennung von Körper und Seele in unserer modernen Gesellschaft aufzuweichen hin zu einer Spiritualität des Leibes, die gegründet ist auf die christliche Lehre und die Bibel.
Am Anfang des Buches bin ich über einen Satz gestolpert, der die Schwierigkeiten dieser Thematik deutlich macht: »Denn wer heilt, muss nachweisen, in wessen Namen er heilt, denn die Wirkung einer Heilung kann letztlich nur von Gott kommen.

Kommt sie aber vom falschen Gott, ist nicht nur der Leib, sondern auch die Seele in Gefahr.« Dahinter verbirgt sich auch die Frage, ob ich Daoist werden muss, um Qigong üben zu können, oder ob ich schon Buddhist bin, wenn ich die Übung »Der Knabe betet den Buddha an« praktiziere. Behutsam nähert sich der Autor diesen Fragestellungen, spannt einen Bogen von der Entstehung der Leibfeindlichkeit in unserer Gesellschaft hin zur Sehnsucht der Menschen nach Heilung, nach einem heilen Leben.

Interessant sind die Darstellung der verschiedenen Wirkebenen des Qigong, die Deutungsversuche des Qi und die Einführung des Begriffs »numinoses Qi«. Das Wuwei-Prinzip verdeutlicht Christian Hellmann sogar mit einem Zitat der Bergpredigt, findet also auch Gemeinsames, Verbindendes. Am Ende des Buches werden Auszüge aus dem Vorbereitungspapier Nr. 11 für die Konferenz über Weltmission und Evangelisation »Der Heilungsauftrag der Kirche« aufgeführt, die die Deutung zulassen, dass Körpertechniken wie Qigong als Heilkonzept gewürdigt werden können, weil sie eine positive Wirkung auf den Menschen haben. Dies ermöglicht nicht nur eine Wiederentdeckung der christlichen Heiltraditionen, sondern fördert auch den weltweiten interreligiösen Dialog bis hin zu einer Globalisierung der Körperkonzepte. »Eine christliche Spiritualität, die den Leib und die Körpererfahrung des Menschen in den Blick nimmt, wird eine heilsame Spiritualität sein, heilend an Körper, Geist und Seele.«
(Elvira Glück)

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Qigong-Bewegungsmeditation

Nicolaus Klein: »Auf den Schwingen des Drachen. Qi-Gong-Bewegungsmeditation für Gesundheit, Glück und Wohlbefinden«
Schirner 2010, TB, 304 Seiten, 10,95 EUR, ISBN 978-3-89767-683-1; zugehörige CD 13,95 EUR

Wenn in den letzten Jahren häufig beklagt wurde, dass Qigong zunehmend auf seine gesundheitsfördernden Wirkungen reduziert wird, so kann man das für das Buch von Nicolaus Klein sicher nicht sagen. Nicolaus Klein ist Psychotherapeut, Astrologe, Meditations- und Kampfkunstlehrer. Während auf den Fotos seine Taekwondo- Vergangenheit noch erkennbar ist, kommt im Text vor allem seine Zen-Schulung zum Ausdruck. Qigong wird ganz ausdrücklich als Bewegungsmeditation eingeführt.
Der Autor betont, dass es für die Wirkung der Übungen sehr ausschlaggebend ist, mit welcher Bewusstheit sie praktiziert werden. Wenn es an der entscheidenden inneren Haltung fehle, könne der alchemistische Prozess, „eine bleierne Seele in eine goldene Seele zu verwandeln“, nicht stattfinden. Daher geht er ausführlich auf die verschiedenen Aspekte ein, die diese innere Haltung ausmachen. Auf fast 50 Seiten erläutert er die Prinzipien der Achtsamkeit, der (Selbst-)Bewusstheit, der Präsenz, der Einfachheit, der Absichtslosigkeit, der Entspannung, der Langsamkeit und des Fließens, der Ruhe und Stille, der Einheit, der Regelmäßigkeit und Disziplin und des Lernens sowie die Bedeutung der Vorstellungskraft, des Atems, des Qi, der Rahmenbedingungen, das Ritual und die besondere Qualität des Lächelns.

Es gelingt Nicolaus Klein, Wesentliches verständlich und anschaulich darzustellen und klar zu machen, „worum es eigentlich geht“. Er liefert in seiner theoretischen Einführung eine gute Ergänzung zu vielen eher oberflächlichen oder einseitig medizinisch orientierten Publikationen. Allerdings kommt die dritte Säule des Qigong, die Regulierung von Körper, Haltung und Bewegungen hier zu kurz. Dies erscheint mir insbesondere deswegen problematisch, weil der Autor darauf hinweist, dass jedeR problemlos allein nach dem Buch die Qigong-Übungen lernen kann und es ohnehin wichtiger sei, auf die eigene Wahrnehmung als auf einen äußeren Lehrer zu hören.

Möglicherweise spricht Nicolaus Klein hier aus eigener Erfahrung, falls er persönlichen Unterricht im Qigong erlebt hat, scheint dieser zumindest nicht der Erwähnung wert gewesen zu sein. Es ist ihm sowohl in seinen theoretischen Ausführungen als auch in den Übungsanleitungen sowie im Kapitel über die Wirkung der Übungen auf die Gesundheit anzumerken, dass er nicht vorrangig aus dem Qigong kommt, sondern seine Erfahrungen aus der Astrologie, als Meditationslehrer und Heilpraktiker hier auf den Bereich des Qigong anwendet.

Die beschriebenen einfachen Übungen im Stehen, in halbhoher Position, im Sitzen und im Liegen hat er aus unterschiedlichen Übungsreihen zusammengestellt und er macht mehrere Vorschläge für kurze oder lange Übungsfolgen. Jeweils eine Morgen- und eine Abendübungsreihe sowie eine Sitzmeditation werden auf der zugehörigen Audio-CD angeleitet.

Anders als der Autor würde ich „Auf den Schwingen des Drachen“ nicht für Qigong-Neulinge empfehlen – auch wenn die gut bebilderten Übungen äußerlich relativ leicht nachzuvollziehen sind –, dafür aber allen, die in ihrer Qigong-Praxis die meditative Seite vermissen oder sich diesbezügliche Anregungen wünschen.
(Almut Schmitz)

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Herr Fu und der Weg zum Glück

Awai Cheung: »Die Qi Formel. Die fünf Geheimnisse der inneren Zufriedenheit«
Unzer 2010, 96 Seiten, 50 Farbfotos und -illustrationen, Hardcover, 12,99 Euro (D)/13,40 Euro (A)/23,50 sFr, ISBN 978-3-8338-1928-5

Kennen wir nicht alle diese wunderbaren asia-tischen Geschichten und Gleichnisse, in denen uns auf heitere, leicht verständliche Weise die tiefgründigsten philosophischen Erkenntnisse nahegebracht werden? Awai Cheung ist es gelungen, diese Tradition aufzunehmen. Er erzählt die Geschichte von Herrn Fu, einem weisen alten Chinesen, und einem jungen Mann aus dem Westen, der als Ich-Erzähler auftritt. Der gestresste Jungmanager lernt Herrn Fu bei seiner ersten Asienreise im Park kennen ... Eine Geschichte nach dem Muster: Der Lehrer sucht sich seinen Schüler.

Liebevoll entfaltet sich eine kleine Geschichte in fünf Kapiteln aus fünf Tagen des Erlebens. Und am Ende wird der junge Mann »die fünf Geheimnisse der inneren Zufriedenheit« kennengelernt haben: Gesundheit, Harmonie, Stille, Lebensfreude, Bescheidenheit. Mit ihm lernt der Leser die Grundzüge der Yin/Yang-Lehre, der Theorie der fünf Wandlungen, der Bedeutung von Meditation und der Regulierung von Geist und Herz kennen – sowie fünf Qigong-Übungen, die den fünf »Geheimnissen« zugeordnet sind: »Der Tanz des Phönix«, »Die zwei Drachen schieben den Felsen«, »Das Jademädchen bewegt das Rad«, »Die Rückkehr des Frühlings« und »Der Kranich zeigt seine Lebenskraft«.

Awai Cheung wuchs in Deutschland auf und kam als Kind bei Reisen zu seinen asiatischen Verwandten mit Gongfu, Taijiquan und Qigong in Berührung. Heute arbeitet der Qigong-Lehrer erfolgreich als Gesundheitsmanager für Firmen, als Personal Coach und als Autor.

»Die Qi Formel« ist eine absolut gelungene Einführung ins Qigong und das alte asiatische Denken. Es kann auch Menschen ansprechen, die mit theoretischer Lektüre leicht überfordert sind. Das Bändchen ist in seiner Bebilderung und Gestaltung ein optisches Vergnügen und die vorgestellten Übungen sind, in der Verbindung aus Bild und Text, gut nachzuvollziehen. Kalligraphien, Zitate chinesischer Weisheiten und ein Gleichnis zu jedem Kapitel runden das Buch ab. Ersetzt es einen Unterrichtenden? Sicher nicht. Aber es »macht Appetit« – und zwar mit Genuss. Unter Fachbüchern eine Seltenheit und deshalb: für Anfänger sehr empfehlenswert.
(Dietlind Zimmermann)

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Der Qigong-Weg der Frau

Petra Hinterthür:»Lotusblüten-Qigong. Das Geheimnis der Lotusblüte – der Qigong-Weg der Frau«
Windpferd 2010, 424 Seiten, 19,95 Eur [D] / 20,60 Eur [A], ISBN-13: 978-3893856275

Was zeichnet dieses Buch aus? Dass hier ein weiblicher Blick auf die eher männlich dominierte Tradition des Qigong geworfen wird? Dass ein kenntnisreicher Brückenschlag zwischen uraltem fernöstlichen Erfahrungswissen des Daoismus und dem historischen Abriss über die Rolle der Frau im europäischen und im chinesischen Kulturkreis gelingt? Dass in der Systematik der Sieben-Jahres-Zyklen die Entwicklung vom Mädchen zur weisen Frau so dargestellt wird, dass für den jeweiligen Lebensabschnitt virulente Themen und Probleme in ihren medizinischen, sozialen und psychologischen Aspekten verbunden werden mit praktischen Übungsmöglichkeiten und Tipps beispielsweise für jeweils indizierte Heilkräuter?

In der Tat hat Petra Hinterthür mit diesem Buch ein Kompendium geschaffen, das grundlegende Einsichten und Übungswege aus der Tradition des daoistischen Qigong aus weiblicher Sicht präsentiert und für heutige Frauen einen reichen Schatz hebt: Ermutigung für ein spannendes, sprühendes, aber auch innehaltendes, in sich ruhendes weibliches Dasein. Was dieses Buch aber aus meiner Sicht wirklich unverwechselbar macht und es an allererster Stelle auszeichnet, ist der persönliche Ausdruck. Die Autorin lässt die Leserin, den Leser teilhaben an ihrer Bio-graphie und ihrem Erkenntnisweg, an den Rückschlägen und Höhenflügen und an ihrer Ausbildung im Qigong. Mögen auch manche Informationen über das Meridiansystem, über das daoistische Evolutionsmodell oder über die Yin/Yang-Prozesse schon bekannt sein, so sind sie doch erfrischend – sozusagen mit »Anfängergeist« – beschrieben und in Zusammenhang mit der »weiblichen Sicht« gebracht. Darüber hinaus bietet das Buch eine Fülle von Übungen, die klar dargestellt sind und Lust zum Ausprobieren machen.

Übrigens sind die Fotos und Graphiken zu den Übungen sehr ansprechend. Dass sie in Schwarz-Weiß gehalten sind, ist eher ein Gewinn, denn so harmonieren sie mit den Kalligraphien zu zentralen Begriffen des Qigong.

Die Affirmationen am Ende der jeweiligen Kapitel unterstreichen, dass Qigong eben von der engen Wechselwirkung zwischen Gedanken, Körper, Gefühlen und inneren Bildern lebt. Das Bild der Lotusblüte enthält die Essenz des weiblichen Weges.
(Vera Kaltwasser)

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Die Alchemie des Qigong

Gerhard Milbrat: »Himmel – Erde – Mensch – Einführung in die Alchemie des Qigong«
Lotus Press 2010, Pb, 228 Seiten, 21,80 Eur [D]/21,80 Eur[A],
ISBN 978-3-935367-70-7

»Alchemie«, dieses Umwandeln von Einfachem in Gold, hat immer etwas Geheimnisvolles und Unglaubwürdiges. Nun gibt es beim Qigong eine innere Alchemie, die auch etwas umwandelt. Zwar erhält der innere Alchemist kein Gold, aber schon etwas Wertvolles. Gerhard Milbrat behandelt dieses Thema angenehm »unaufgeregt und normal«. Von Anfang an macht er deutlich, dass die Alchemie des Qigong keine geheimnisvolle Zauberei für ein Leben im Kloster ist, sondern dass sie für alle Menschen zugänglich ist und mit regelmäßigem Üben und dem Beachten von wesentlichen Prinzipien des Qigong zu tun hat, nicht mehr und auch nicht weniger.

Im ersten Teil des Buches erläutert Gerhard Milbrat die theoretischen Grundlagen. Dabei bringt er sowohl traditionelles chinesisches Wissen als auch moderne wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen. Im Mittelpunkt dieser Betrachtung stehen immer der Mensch und seine Verantwortung für sein Leben. Es gelingt ihm in diesem Teil immer wieder, direkt auf den Punkt zu kommen und nur das Wesentliche darzustellen, so dass dieser Teil trotz seines großen Umfangs nie unnötig ausschweifend wird.

Im praktischen Teil legt Gerhard Milbrat viel Wert auf die korrekte Ausführung der Übungen. Er stellt zwar einige vor, aus dem Jinggong und dem Donggong sowie mehr experimentelle zur Vorbereitung, die er als gute Übungen für den alchemistischen Weg kennt. Aber er betont auch, dass andere Übungen genauso wirkungsvoll sein können. Die Beschreibungen und Erklärungen der Übungen sind knapp und präzise und kommen oft ohne Abbildungen aus. Sie enthalten außerdem die Zielsetzungen und Hinweise, worauf besonders zu achten sei. In diesem Teil geht der Autor auch auf verschiedene Aspekte des Übens ein und beschreibt die acht Stufen der inneren Alchemie, die zu durchlaufen sind.

Fazit: Dieses Buch setzt einige Qigong-Erfahrung voraus, um auch einen wirklichen Gewinn zu erhalten. Es ist überaus erfreulich, wie Gerhard Milbrat dieses Thema sehr erdverbunden und praxisorientiert angeht. Da stören auch die kleinen Pannen beim Lektorat nicht ernsthaft. (Helmut Oberlack)

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TQJ 3/2007

Wirbelsäulen-Qigong

Dr. med. Monika C. Jiang: »Chan Mi Qi Gong – Durch einen gestärkten Rücken zu innerer Harmonie«
Haug 2006, 172 Seiten, 17,95 EUR, ISBN 3-8304-2223-7

Ich habe Monika C. Jiang als sehr bodenständige und gleichzeitig hoch qualifizierte Qigong-Lehrerin kennen gelernt. Sie ist Ärztin für Traditionelle Chinesische Medizin und verheiratet mit dem chinesischen Chanmi-Qigong-Lehrer Jiang Xue Lin, mit dem zusammen sie auch Qigong-Seminare durchführt.

Ihr neues Buch gibt eine ausgesprochen fundierte Einführung in die Basisübungen des Chanmi Qigong, die auch als Wirbelsäulen-übungen bezeichnet werden. Die langsamen, entspannten Übungen bestehen aus einer Wellen-, einer Pendel-, einer Drehbewegung der Wirbelsäule sowie einer freien Kombinationsbewegung. Dabei wird der ganze Körper mit einbezogen, so dass einseitige Belastungen vermieden werden und der Körper insgesamt profitiert. Auf diese Basisübungen bauen alle Übungen des Chanmi Qigong auf, die weit über Wirbelsäulenübungen hinausführen.

Nach einer allgemeinen Einführung beschreibt die Autorin ausführlich die Übungen. Die detaillierten Erläuterungen werden durch viele Fotos und konkrete Tipps zum richtigen Üben veranschaulicht. Im zweiten Teil wird die zentrale Übung der Mittelstufe dargestellt, »Yin Yang He Qi Fa«, »Die Verbindung von Yin, Yang und Qi«. Daran schließen sich noch zwei Spezialübungen an, eine zum Senken des Blutdrucks und eine Augenübung. Das Buch schließt mit einem Kapitel über die Anwendung des Chanmi Qigong im Alltag und kleineren Übungen, zum Beispiel zum Einschlafen oder Kurzübungen am Arbeitsplatz.

Insgesamt ist das Buch eine empfehlenswerte Einführung in die Basisübungen und die Mittelstufe des Chanmi Qigong. Allerdings hätte ich mir deutlichere Warnungen vor dem eigenständigen Üben ohne direkte Anleitung gewünscht. Denn besonders Menschen mit Rückenbeschwerden neigen zu Fehlhaltungen und ein Ausführen der Übungen in falscher Körperhaltung kann größere Probleme verursachen. Außerdem hätte ich mich über mehr Fotos mit Jiang Xue Liu gefreut, weil gerade die Fotos von ihm ein Gefühl für die innere Essenz der Übungen vermitteln.
(Elvira Glück)

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TQJ 4/2010

Qigong-Klassiker neu aufgelegt

Dr. Josephine Zöller: »Das Tao der Selbstheilung«
Bacopa 2009, 400 Seiten, 35 Euro, ISBN 978-3-901618-64-2

Das lange Zeit vergriffene Buch von Josephine Zöller, der Pionierin des Qigong in Deutschland, ist wieder erhältlich. Dankenswerterweise hat der Bacopa Verlag »Das Tao der Selbstheilung« neu herausgegeben.

Nun sollte niemand bei dieser Neuauflage etwas Neues erwarten, denn außer dem Format, Layout und Umschlag hat sich nichts geändert. Nach dem Vorwort – unter anderem mit der Schilderung erstaunlicher Qigong-Phänomene, die die Autorin bei Vorführungen selbst miterlebt hat, – führt Josephine Zöller in Qigong ein. Der Hauptteil des Buches beginnt mit den theoretischen Grundlagen, es folgen dann eine Vielzahl von Übungen, die detailliert beschrieben werden.

Zuerst kommen Übungen in körperlicher Ruhe (darunter der »Kleine Kreislauf« und die »Sechs heilenden Laute«), dann folgen Übungen mit körperlicher Bewegung: die »Zehn Meditationen aus dem Berge Wu Dang«, die »Acht Brokat Übungen« (im Sitzen und im Stehen), der »Atem des Drachen«, das Jingang Qigong und die »Achtzehnfache Methode der Übung«. Bei den anschließenden Übungen mit körperlicher Fortbewegung führt die Autorin unter anderem »Das Spiel der Fünf Tiere« und das »Neue Qi Qong« von Frau Guolin sowie spezielle Übungen für die Krebstherapie an.

Die Übungen sind ausreichend ausführlich beschrieben und illustriert, sofern jemand gute Qigong-Erfahrungen mitbringt. Es gibt sicherlich Qigong-Bücher, die diesbezüglich viel ausführlicher sind, allerdings beinhalten diese dann nur wenige Übungen. Josephine Zöller legt bei den Beschreibungen viel Wert auf Jiegong und Shougong, auf die vorbereitenden und die abschließenden Übungen, die die gesamte Übung erst richtig zur Geltung kommen lassen.

Fazit: Das Buch richtet sich nicht an AnfängerInnen, sondern an diejenigen, die sich ernsthaft für Qigong interessieren. Diese sollten den Klassiker ihr eigen nennen können.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 2/2008

Qigong im Wechsel der Jahreszeiten

Yürgen Oster (Hrsg.): »Dao Shi – Die Übungen des Chen Xiyi. Qigong im Wechsel der Jahreszeiten«
Lotus-Press 2005, 182 Seiten, Preis 19 EUR, ISBN 3-935367-09-0

Das Besondere an den Übungen des Chen Xiyi ist, dass es für jedes der 24 Qi, was in diesem Fall jahreszeitliche Abschnitte von etwa 15 Tagen meint, eine spezielle Übung gibt. Das heißt, es wird im Wesentlichen immer nur diese eine Übung praktiziert, die auf die Erfordernisse der jeweiligen Jahreszeit abgestimmt ist, ergänzt durch eine abschließende Selbstmassage. Hinzu kommen zu Beginn und zum Abschluss jeder der vier Jahreszeiten für das erste beziehungsweise das letzte Qi eine vorbereitende beziehungsweise eine abschließende Übung, die die Organe, die den jeweiligen Jahreszeiten entsprechen, noch zusätzlich auf die Übergänge einstimmen. Diese sind jedoch nicht alle überliefert. Alle Übungen sind relativ einfach und werden bis auf zwei im Sitzen ausgeführt.

Das Dao Shi ist eine vermutlich etwa 1000 Jahre alte Tradition, die auf einfache Art das Üben mit dem Wechsel der Jahreszeiten verbindet und damit immer den ständigen Wandel im Kosmos vergegenwärtigt. Yürgen Oster hat die Anleitungen auf der Basis verschiedener Quellen zusammengestellt und mit einer Einführung in die Grundlagen, die in diesem Fall auch den alten chinesischen Kalender einschließen, und Erläuterungen, auch zu den Wirkungen, versehen. Außerdem hat er zu jeder der Übungen, bei denen man traditionell auf dem Boden sitzt, eine Variante auf einem Hocker entwickelt, um sie auch weniger beweglichen Menschen zugänglich zu machen. Diese sind durch Fotos veranschaulicht, zu den überlieferten Übungen gibt es historische Zeichnungen.

Die Abschnitte zu den Jahreszeiten werden durch entsprechende Zitate aus dem Huangdi Neijing Suwen eingeleitet, außerdem fasst der Autor die Merkmale des Hauptorgans der jeweiligen Wandlungsphase zusammen. Die Übungsbeschreibungen sind gut nachvollziehbar und laden dazu ein, die unterschiedlichen Wirkungen auszuprobieren. Inwieweit sich die klimatischen Gegebenheiten und Erfordernisse in unseren Regionen mit denjenigen, unter denen diese Übungen entstanden sind, decken, ist sicher noch ein weites Forschungsgebiet. Auf jeden Fall ist das Buch eine gute Anregung für Menschen, die schon eine gewisse Erfahrung mit energetischen Körperübungen haben, Leben und Üben stärker auf den Lauf der Jahreszeiten abzustimmen.
(Almut Schmitz)

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TQJ 1/2009

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Qigong in der Psychotherapie

Claus Fischer/Micheline Schwarze: »Qigong in Psychotherapie und Selbstmanagement«
Leben lernen 2007, 264 Seiten, 24 Eur, ISBN 978-3-608-89060-0

Obwohl die Traditionelle Chinesische Medizin ganzheitlich ist und die Gefühle nicht vom Körper getrennt betrachtet werden, gibt es dennoch in China eine Tabuisierung psychischer Themen, selbst behandelnden Ärzten und Therapeuten teilt man solche Probleme nicht mit. Langsam entsteht jedoch mehr Offenheit, wie auch die Psychotherapie im Westen immer mehr den Körper einbezieht. Für die Annäherung von östlichen und westlichen Sichtweisen, aber auch für die Akzeptanz des Qigong im ärztlichen und psychotherapeutischen Bereich leistet dieses Buch einen Beitrag.

Claus Fischer arbeitet als Psychotherapeut in der Klinik für psychosomatische Medizin in Bielefeld. Micheline Schwarze ist Atemtherapeutin, Hakomi-Therapeutin und Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung. Beide sind Qigong-Dozenten der Medizinischen Gesellschaft für Qigong Yangsheng und setzen in ihrer Arbeit Qigong als psychotherapeutische Methode zur Förderung der psychischen Stabilität und der positiven Selbstwahrnehmung ein. Nach einer Einführung in theoretische Grundlagen und Prinzipien des Qigong beschreiben sie auf wissenschaftlicher Grundlage die Wirkmechanismen des Qigong und deren Einfluss auf die Psyche, wie zum Beispiel die Zentrierung im Dantian und die Ichstärkung, Körperwahrnehmung als Mittel der Selbsterkenntnis und das Erden zur Unterstützung des Selbstkontaktes und der Gegenwartsorientierung.
Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Ressourcenorientierung des Qigong zu, die in den letzten Jahren auch in den etablierten Psychotherapieverfahren immer wichtiger wird. Beispiele aus der Praxis und einfache Wahrnehmungsübungen aus dem Qigong veranschaulichen die theoretischen Erläuterungen. Das Buch schließt mit einer kurzen Darstellung einiger Übungen aus den 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong. Die Übungen werden zum Nachmachen beschrieben, wovor allerdings gleichzeitig gewarnt wird. So können sie Nicht-Qigong-Praktizierenden nur zur Veranschaulichung dienen.

Überhaupt wendet sich der Verlag an Fachleute aus den helfenden Berufen, an psychologisch Interessierte und an alle nach Lösung ihrer Probleme Suchenden. Für diesen Personenkreis ist das Buch sicherlich eine gute Einführung in Qigong. Aber auch für Qigong-LehrerInnen und vor allem -AusbilderInnen ist das Buch empfehlenswert, um ein größeres Verständnis für die Wirkung des Qigong auf die Psyche zu bekommen und mögliche Reaktionen von SchülerInnen und deren psychische Situation besser zu verstehen.
(Elvira Glück)

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TQJ 3/2006

Die neuen alten Qigong-Formen

Dokuho J. Meindl: »Gesundheit & Qigong«
AllSense 2005, 112 Seiten Pb, Preis 19,80 EUR[D] / 20,40 EUR[A]
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ISBN 3-00-016793-5

Nachdem im letzten Jahr die neuen, offiziell durch das chinesische Gesundheitsministerium propagierten Variationen von Yijinjing, Baduanjin, Wuqinxi und Liuzijue im deutschsprachigen Raum vorgestellt wurden und bereits ein erster Kongress zu diesen vier Qigong-Formen stattgefunden hat, kam auch ein Buch dazu heraus.

Dokuho J. Meindl, der diese Formen in China gelernt hat und sie nun hierzulande unterrichtet, stellt in diesem Buch die vier Formen recht ausführlich dar. Zahlreiche Bilder und gute, manchmal etwas knappe Beschreibungen ermöglichen es Qigong-Erfahrenen, einen Eindruck von den neu festgelegten Abläufen dieser traditionellen Formen zu erhalten. Auch die Hinweise zum jeweiligen Schwerpunkt der Übungen sind hilfreich.

Bei jeder einzelnen Übung gibt Dokuho Meindl noch kurze Erläuterungen zur Wirkung, die manchmal allerdings zu allgemein sind wie „Gute Übung für die Gelenke« oder „Fördert die Vitalität des Organismus«. Hier wären ausführlichere Beschreibungen besser gewesen, so wie sie bei den »Acht Brokat Übungen« zu finden sind. Beim »Spiel der fünf Tiere« wie bei den »Sechs heilenden Lauten« steht die Wirkung auf das Meridiansystem im Vordergrund.

Der erste Teil des Buches enthält eine kurze Einführung in Qigong, wobei die fünf Elemente im Mittelpunkt stehen. So gibt es auch eine kurze Übersicht über »Beschwerden der einzelnen Organsysteme« und eine »Typologie der Fünf Elemente«, die in der dargebotenen Kürze zu sehr nach »Sternzeichen kurz beschrieben« klingt. Wenn man dieses Thema schon erwähnt, sollte man ihm doch mehr Platz einräumen. Gut gelungen ist die knappe Vorstellung der Meridiane, bei der nur die in den Übungen wichtigen Punkte erwähnt werden.

Trotz der Schwächen finde ich dieses Buch für diejenigen, die diese vier Qigong-Arten praktizieren, hilfreich, schon um vergleichen zu können, wie die Übungen im modernen China ausgeführt werden. Als Anfängerlektüre sehe ich das Buch nicht.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 1/2007

Qigong fürs Herz

Alvis G. Gaußmann, Michael D. F. Schmidt: »Der HerzKreis«
Schmidt & Gaußmann 2004, 275 Seiten, 29 EUR[D] / 29,90 EUR[A]
,
ISBN 3-933928-33-8

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Ärzte vor »dem Unfug aus fremden Kulturen« warnten. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass sich zunehmend mehr Ärzte für Qigong interessieren, es ihren PatientInnen empfehlen oder sogar selbst lernen und weitergeben. Alvis G. Gaußmann und Michael D. F. Schmidt sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin und haben ihren Arbeitsschwerpunkt in der psychosomatischen Therapie. Beide beschäftigen sich seit vielen Jahren mit verschiedenen westlichen und östlichen Methoden wie Körperarbeit nach Wilhelm Reich, Kampfkunst und Buddhismus, die sie in ihre Arbeit integriert haben. Daraus ist »Der HerzKreis« entstanden, ein umfassendes Buch zum Thema Herz und Herzkrankheiten.

Konzipiert für HerzpatientInnen und deren Angehörige will das Buch die Angst vor Herzkrankheiten nehmen und neue ganzheitliche Wege aufzeigen, mit Krankheiten des Herzens umzugehen. Dabei legen die Autoren großen Wert darauf, die Lebenseinstellung und die Gefühle einzubeziehen oder – wie sie es nennen – die Intelligenz des Herzens, die unsere eigentliche Natur ist, eine Kraft, »die Resonanz erzeugt, mit anderen, mit der eigenen Person und einer höheren Intelligenz«.

Das schön gestaltete Buch beginnt mit einer umfassenden Einführung in die medizinischen und psychologischen Zusammenhänge der Herzfunktionen unter Einbeziehung der Psychosomatik. Der eigentliche Hauptteil des Buches beschreibt eine Reihe von Bewegungsübungen, die ganz offensichtlich aus dem Qigong kommen, ohne dass dies explizit gesagt wird. Die Übungen wurden modifiziert und sind ganz nach ihrer Wirkungsweise auf das Herz, die Atmung und auf die Gefühle dargestellt. Dies ist sicherlich ein interessanter neuer Ansatz für das Qigong, aber dennoch habe ich dabei das Gefühl, dass etwas von der Komplexität und Tiefgründigkeit des Qigong verloren geht.

Eine Qigong-Übung wirkt niemals nur auf ein Organ, sondern immer auf den ganzen Körper, also alle Organe und alle Meridiane. Gerade diese Ganzheitlichkeit trägt zur Effizienz der Übungen bei. Obwohl die Autoren einen ganzheitlichen Ansatz anstreben, haben sie diesen energetischen Aspekt leider ganz weggelassen.

Dennoch ist »Der HerzKreis« ein empfehlenswertes Buch, da es sehr viele Informationen über die Physiologie des Herzens aus ganzheitlicher Sicht vermittelt und auch eine neue Gesprächsgrundlage mit der Schulmedizin bietet.
(Elvira Glück)

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TQJ 3/2009

Neiyanggong

Liu Yafei: »Innen Nährendes Qigong – Neiyanggong«
Urban & Fischer 2008, 264 Seiten geb., 59,95 EUR, ISBN 978-3-437-57130-5

Sicher zur Freude aller Neiyanggong-Übenden ist 2008 ein Buch von Liu Yafei auf Deutsch erschienen, in dem sie die Übungsmethoden der Grund- und der Mittelstufe dieses Systems sehr systematisch darstellt. Beide Stufen gliedern sich jeweils in Übungen in Ruhe und Übungen in Bewegung, wobei die bewegten Übungen neben dem beschreibenden Text durchweg mit klaren Fotos gezeigt werden. So haben Übende ein hervorragendes Nachschlagewerk zur Hand, um sich die gelernten Übungen wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Aber auch für all diejenigen, die andere Qigong-Formen üben, hält das Buch viele Informationen bereit. Der erste Teil »Zur Geschichte und Theorie des Neiyanggong« ist in seinen Erläuterungen zur Entwicklungsgeschichte des Qigong, zur Theorie der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Behandlung von Krankheiten durch Qigong sowie zu Übungsprinzipien und beim Üben zu beachtenden Punkten durchweg auf Qigong im Allgemeinen zu beziehen. Auch die darin enthaltenen Erkenntnisse sowohl der chinesischen als auch der modernen Medizin über die Wirkungen des Qigong sind nicht auf Neiyanggong beschränkt.

Es ist außerordentlich interessant, diese Aspekte von einer chinesischen Ärztin, die noch dazu quasi ihr Leben lang Qigong erlebt, gelernt und später dann an unzählige PatientInnen und SchülerInnen weitergegeben hat, dargestellt zu bekommen. Liu Yafeis Vater, Liu Guizhen, prägte in den 50er Jahren den Begriff »Qigong« als Oberbegriff über die in China bis dahin unter verschiedenen Bezeichnungen entwickelten Übungen, die das Qi kultivieren. Er war einer der ersten, die Qigong systematisch als Heilmethode für die therapeutische Anwendung an die Öffentlichkeit brachten, und gründete die erste Qigong-Klinik in Beidaihe, die seit vielen Jahren von Liu Yafei als Vizedirektorin geleitet wird. Hier wird Qigong nicht nur als Hauptbehandlungsmethode eingesetzt, sondern gleichzeitig wissenschaftlich erforscht. Die ganzheitliche medizinische Wirkung der Übungen steht daher auch im Buch im Vordergrund und wird im theoretischen wie im Übungsteil eingehend behandelt.

Viele der vorgestellten Übungen vor allem der Grundstufe sind für Menschen mit Qigong-Erfahrung gut nachvollziehbar, es handelt sich dabei um Bewegungen, die als »Selbstmassage zur Gesunderhaltung« bezeichnet werden und teilweise in ähnlicher Form auch in anderen Systemen bekannt sind. Besonders wertvoll fand ich die Hinweise und verschiedenen Methoden zum Erreichen von Entspannung und Ruhe. Die Regulierung von Körperhaltung, Atmung und Geist gelten Liu Yafei als Voraussetzung für das weitere Üben, wobei sie immer wieder betont, dass es um Natürlichkeit geht, und jeder Versuch, etwas erzwingen oder forcieren zu wollen, das Üben behindert.

Was das Buch nicht vermitteln kann, sind ihre Lebhaftigkeit und ihr strahlendes Wesen – aber zum Glück haben viele sie ja schon in Seminaren oder zum Beispiel auf den Deutschen Qigong-Tagen leibhaftig erlebt.
(Almut Schmitz)

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TQJ 4/2007

Qigong nicht nur für AnfängerInnen

Thomas Methfessel: »Qigong für Anfänger«
Verlag Jopp 2004, 155 Seiten geb., Preis 14,90 EUR[D] / 15,40 EUR[A] / 24,90 SFr, ISBN 978-3-0350-5060-8

Thomas Methfessel, ein langjähriger Taiji- und Qigong-Lehrer, hat dieses Buch geschrieben, weil er mit keinem der bis dato erschienenen Bücher zufrieden war. Er suchte nach einem Buch, das nicht umfangreich ein komplettes System beschreibt, sondern kleinere Übungen des Donggong und Jinggong enthält.

Dementsprechend ist dieses Buch eine sehr persönliche Zusammenstellung von Übungen geworden, die er im Laufe der Jahre kennen gelernt hat. Thomas Methfessel richtet sich im Wesentlichen an LeserInnen, die schon etwas Qigong-Erfahrung gesammelt haben. Auch die eine komplexere Übung ist meiner Einschätzung nach für Beginnende geeignet, sie müssen sich eben nur 16 Bewegungen merken, was leichter gesagt als getan ist. Die Bewegungen sind gut beschrieben und illustriert, so dass es mit ein wenig Erfahrung möglich sein sollte, die Übungen nachzuvollziehen.

Das Buch beginnt mit der Darstellung der Geschichte des Qigong. Diese ist nur kurz zusammengefasst, vermittelt aber dennoch einen guten Eindruck in die Entwicklung dieser Lebenskunst. Auch die folgenden Kapitel mit den theoretischen Grundlagen und Beschreibungen der gesundheitlichen Wirkungen haben mir gefallen. Thomas Methfessel beschäftigt sich in diesen Kapiteln relativ viel mit der Frage »Qigong und Naturwissenschaft« und erwähnt einige Forschungen und Kongresse. Allerdings kann im Rahmen eines solchen Buches das Thema nur angerissen werden. Ihm gelingt es ganz gut, trotz oder wegen der Kürze einen guten Überblick zu geben. Auch bei den Grundlagen wie Qi, Yin/Yang, den drei Schätzen und den fünf Wandlungsphasen bringt er, lebendig beschrieben und mit persönlichen Erfahrungen durchsetzt, das Wesentliche rüber.

Fazit: Ein gelungenes Buch für Beginnende – das natürlich keinen Unterricht ersetzt und dieses auch nicht soll –, aber von dem auch Menschen mit Qigong-Erfahrung profitieren können.
(Helmut Oberlack)

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Qigong für AnfängerInnen

Siegbert Engel: »Qigong für mich, Innere Ruhe und Energie für den Alltag«
BLV 2009, 2. Auflage, Neuausgabe, 128 Seiten, verdeckte Spiralbindung, EUR 14,95, ISBN 978-8354-0511-0

Schon die Präsentation macht klar: Dies soll ein Praxisbuch sein. Optimal dafür ist die Spiralbindung, die ein Aufschlagen beliebiger Seiten als Sichtstütze beim Erlernen der Übungen leicht macht. Siegbert Engel geht es offensichtlich darum, stressgeplagte Menschen dazu zu verlocken, mit Qigong zu beginnen. So ist das Inhaltsverzeichnis überschrieben mit »Was Ihnen dieses Buch bringen soll« und das erste Kapitel lautet »Erste Schritte zu einem glücklichen Leben« – na, wenn das nicht verführerisch klingt ...

129 Farbfotos und einige Illustrationen geben optische Hilfestellung. Durchgehend erscheint ein farblich abgesetztes Kästchen »Mein Rat«, in dem der Autor praxisbezogene zusätzliche Tipps gibt, so wie ein Lehrer es vielleicht auch beim Unterrichten täte.

Wohltuend zu lesen sind die ersten 30 Seiten, die sich mit der »Entwicklung des Qigong« beschäftigen. Der Autor schafft es, in knapper Form einen guten Überblick zu geben, ohne historische Ungenauigkeiten oder Mystifizierungen – erstklassig, finde ich. Die Entstehungsgeschichte, die »drei Schätze«, das System Mikrokosmos-Makrokosmos sowie Meridiane und Vitalpunkte werden hier behandelt.

Der Praxisteil ist unterteilt in: »Zur Ruhe kommen«, »Wieder neue Energie tanken« und »Übungen, die den Qi-Fluss anregen«. Das ist insofern nachvollziehbar, weil es ein didaktisch sinnvoller Aufbau für ein Hineinfinden ins Qigong ist, und trägt andererseits der Idee Rechnung, dass die LeserInnen sich den eigenen Bedürfnissen entsprechende Übungen aussuchen können. Insgesamt werden Übungen in Stille, bewegte Übungen und auch einige Akupressurtechniken vorgestellt.
Wie immer in solchen Fällen muss ich es bedenklich finden, dass dieses Buch stark den Eindruck erweckt, als ob es auf dem Weg zum Qigong als Begleitung ausreichen würde – ein lebendiger Lehrer werde nicht gebraucht. So kommt es auch, dass man von der Fülle der Anweisungen, worauf man alles zu achten habe, ein wenig erschlagen wird: kein Wunder, wenn der Autor versucht – etwa im Kapitel »Die Praxis des Qigong«, das scheinbar alle Grundfragen zu den nachfolgenden Übungen klären soll, – möglichst jede wichtige Übungsanweisung, die ein Lehrer gewöhnlich über viele Wochen und Monate verteilt, auf wenigen Seiten zu vermitteln.

Hier hätte ich mir mehr Hinweise oder Ermunterung des Autors gewünscht, bei Interesse oder Fragen nach einem kompetenten Unterricht zu schauen. Gerade weil dies ein engagiertes und auch gelungenes Einführungs- und Praxisbuch ist! In der Fülle der Tipps ist es aber sicher auch eine interessante Lektüre für Menschen, die schon in einer Übungsgruppe mit der Praxis begonnen haben. Insofern für Unterrichtende ein guter Tipp für die SchülerInnen.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 2/2009

Qigong mit den Wandlungsphasen

Petra Hinterthür: »Qigong nach den Fünf Elementen«
Gräfe und Unzer 2008, 80 Seiten und DVD (200 Min.), 19,90 EUR[D]/20,50 EUR[A]/35,90 CHF, ISBN 978-3-8338-0504-2

In der erfolgreichen Reihe »Lust zum Üben« von Gräfe und Unzer (GU) hat Petra Hinterthür ein Qigong-Buch veröffentlicht, in dem sie Übungen speziell zu den fünf Elementen zusammengestellt hat. Wie immer bei den Büchern von GU ist auch dieses klar und übersichtlich aufgebaut, nicht zu umfangreich und für eine Zielgruppe geschrieben, die keine Vorkenntnisse im Qigong haben muss.

Petra Hinterthür gelingt es in den einleitenden Kapiteln recht gut, Qigong und die fünf Elemente in der vorgegebenen Kürze vorzustellen. Mit einer lebendigen Sprache schafft sie den Spagat zwischen dem knappen Platz und den vielfältigen Inhalten, die das Thema bietet. Der anschließende praktische Teil beginnt mit einigen vorbereitenden Übungen, der Hauptteil ist dem Thema entsprechend in die einzelnen Elemente aufgegliedert. Jedes Element wird kurz vorgestellt, wesentliche Störungen auf der körperlichen und der psychischen Ebene werden aufgelistet und anschließend gibt es jeweils vier Übungen, wie immer bei GU schön bebildert. Dabei ist jeweils eine aus den »Sechs heilenden Lauten« entnommen und eine aus dem »Organstärkenden Gehen«. Abschließend gibt es die Übung »Fünf-Elemente-Harmonie«, die alle Elemente verbindet.

Ob die Bewegungsbeschreibungen ausreichend verständlich sind, ist immer so eine Frage, sowohl für AutorInnen als auch für RezensentInnen. Ich denke, ganz ohne Vorerfahrung im Qigong wird auch dieses Buch wohl nicht ausreichen. Glücklicherweise liegen den Büchern dieser Reihe »Silberlinge« bei, zuerst waren es nur CDs mit gesprochenen Übungsanweisungen. Seit einiger Zeit sind es DVDs, auf denen alle Übungen auch angeschaut werden können. Diese DVD ist ausgesprochen gut gemacht, ein klares und einfaches Menu und schöne Bilder mit Wechseln zwischen Frontalansicht und Detailaufnahmen. Die Autorin ist selbst zu sehen und zu hören, so werden spätestens hier die Übungen nachvollziehbar.

Fazit: Buch und DVD zusammen ergeben ein gelungenes Paket, aus dem gerade Menschen mit Qigong-Vorerfahrung sich ein Programm zusammenstellen können, wenn sie an den Elementen orientiert üben möchten.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 1/2008

Qigong in der Therapie

Ute Engelhardt, Gisela Hildenbrand, Christa Zumfelde-Hüneburg (Hrsg.): »Leitfaden Qigong – Gesundheitsfördernde und therapeutische Übungen der chinesischen Medizin«
Urban & Fischer 2007, 583 Seiten, 69,95 EUR, ISBN 978-3-437-56340-9

Es hat etwas länger gedauert bis zum endgültigen Erscheinen, aber nun liegt der »Leitfaden Qigong« endlich vor. Schön ist er geworden – handliches Format in Kunststoffbinndung und ausgesprochen übersichtlich strukturiert. Man nimmt ihn gern in die Hand und die Namen der Herausgeberinnen bürgen bereits für Qualität.

In diesem Buch soll gezeigt werden, wie Qigong in der Prävention und bei häufigen Krankheitsbildern therapeutisch eingesetzt werden kann. Dementsprechend ist das Buch aufgebaut: Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen des Qigong, seine Wirkweisen und Übungsprinzipien gliedert sich der Hauptteil des Buches in diagnostische Methoden der TCM, praktische Therapieempfehlungen bei häufigen Krankheitsbildern, Anwendungsgebiete für Qigong und Beschreibungen von praktischen Übungen. Die Kapitel über die Therapieempfehlungen und über die Übungen nehmen davon mit jeweils 200 Seiten den größten Teil ein.

Besonders haben mir die Therapieempfehlungen gefallen, sehr differenziert und fundiert werden die einzelnen pathologischen Zustände der Funktionskreisläufe beschrieben unter Einbeziehung der typischen Anzeichen, des therapeutischen Ansatzes, mit Hinweisen zur Ausführung von Qigong-Übungen und auf Akupunkturpunkte zur Selbstmassage. Ein unbedingtes Muss für Qigong-LehrerInnen.

Leider gibt es einige unverständliche Redundanzen im Buch. Zum Beispiel wird das Thema Schmerzen ausführlich im Kapitel »Praktische Therapieempfehlungen« behandelt und im anschließenden Kapitel über Anwendungsgebiete für Qigong dann noch einmal – man fängt also an hin- und herzublättern. Und auch dem Anspruch, »ein übergreifendes Buch zur praktischen Anwendung des Qigong im Rahmen der chinesischen Medizin« zu erstellen, wird nicht entsprochen, da die Herausgeberinnen und alle AutorInnen aus dem Umfeld des Qigong Yangsheng kommen und sich auf Qigong-Übungen aus diesem Bereich konzentrieren. Schade, dass andere Methoden nicht mit einbezogen wurden, aber dennoch ist ein sehr empfehlenswertes Buch herausgekommen, nicht gerade für AnfängerInnen, aber für Qigong-LehrerInnen und vor allem für AusbilderInnen.
(Elvira Glück)

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Qi Gong – Der Fliegende Kranich

TQJ 1/2008

Der Fliegende Kranich

Petra Hinterthür/Astrid Schillings: »Qi Gong – Der Fliegende Kranich«
Windpferd 2006, 7. überarbeitete Auflage, 320 Seiten, 14,90 EUR[D]/ 15,40 EUR[A]/ 26,80 SFr, ISBN 978-3-89385-461-5

»Der Fliegende Kranich« von Petra Hinterthür und Astrid Schillings kam 1989 heraus, als die »Kranich-Welle« von China nach Mitteleuropa schwappte. Es wurde zu einem beliebten Qigong-Buch, nicht nur weil auch in Europa viele den Kranich übten und gute Qigong-Bücher eh noch rar waren, sondern weil es den beiden Autorinnen gut gelungen war, Grundlagen des Qigong zu beschreiben. Zudem widmete Astrid Schillings ein eigenes, umfangreiches Kapitel der äußeren Praxis und dem inneren Weg, also dem, worauf es eigentlich ankommt. Mittlerweile gibt es zu all diesen Themen viel umfangreichere Literatur, dennoch bleibt diese Zusammenstellung gelungen.

Den Kern des Buches bildet natürlich die Beschreibung des Bewegungsablaufes, ein eigenes Kapitel beschreibt die Meridiane und führt die Punkte auf, die beim Kranich von Bedeutung sind. Bei der Beschreibung hat Petra Hinterthür einige Veränderungen mit aufgenommen, die durch ihre jahrelange Praxis und Unterrichtstätigkeit entstanden sind.

Die Überarbeitung der siebten Auflage betrifft auch die nun gute Qualität der Bilder, die bisher mitunter »unterirdisch« war. Es sind auch einige neue Fotos dabei. Das neue Cover wirkt ebenfalls »frischer« als das alte.

Leider wurde das Kapitel »Geschichte des Qigong« nicht überarbeitet. Allerdings geht Petra Hinterthür in ihrem zweiten Vorwort auf die Entwicklung des Qigong und speziell des Kranichs in China nach 1989 ein. Es wäre besser gewesen, dies in dem dafür vorgesehenen Kapitel zu tun, und schön wäre auch eine Überarbeitung der Literaturliste gewesen. Nichtsdestotrotz ein empfehlenswertes Buch.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 3/2009

Qigong für den Rücken

Helko Brunkhorst: »Rücken Qi Gong – damit Ihr Rücken stark und geschmeidig wird«
Joy 2009, 1. Auflage, 172 Seiten broschiert, 18,95 EUR, ISBN 978-3928554701

Helko Brunkhorst, Sportwissenschaftler, Sporttherapeut sowie Taiji- und Qigong-Lehrer versucht den durchschnittlichen Westler – sachorientiert und wirkungsbezogen denkend – da abzuholen, wo er eben steht, und ihn so in die Welt des Qigong zu führen. Ausgehend vom Menschen als »Bewegungswunder« gibt er eine entwicklungsgeschichtlich logische Erklärung, warum unsere Lebensweise zur Volkskrankheit Rückenbeschwerden führt. Aus westlicher sporttherapeutischer Sicht entwickelt er ein gutes Argumentationsgerüst, warum Qigong den Bedürfnissen eines rückenstabilisierenden Trainings bestens gerecht wird. Etwas schwach ist der Teil über die dem Qigong zugrundeliegenden philosophischen Strömungen. Ansonsten beruft er sich auf historische Abhandlungen über das Daoyin, wie die »Übungen zum Leiten und Dehnen« von Sima Chengzhen und verknüpft diese mit dem anatomischen Wissen, dass er zuvor dargelegt hat. So ist das Ganze sehr einleuchtend und gut nachvollziehbar.

Das Buch ist klar und übersichtlich und dabei ansprechend gestaltet. Der Teil mit praktischen Übungsanleitungen macht gut ein Drittel des Buches aus und ist in vier Abschnitte unterteilt: allgemeine und spezielle Haltungs- und Bewegungshinweise, Übungsbeschreibungen für Wirbelsäule, Schultern/Arme, Becken/Beine und ausgewählte Übungen im Sitzen. Alle Abschnitte nutzen die gut gekennzeichneten Erläuterungen für Rückbezüge, so dass es zu jeder Übung eine Menge Hinweise zur korrekten Ausführung gibt. Leider ist die Beschreibung der Bilder nicht immer ganz schlüssig. Der Text spricht zum Beispiel immer vom Oberkörper, meint damit manchmal den oberen Rumpf, manchmal auch Bewegungen des ganzen Rumpfes.

Immer wieder gibt es Hinweise darauf, dass die Bewegungsweise ganzheitlich sein soll – auch wenn der Fokus der Beschreibung bestimmte Körperregionen in den Vordergrund stellt.

Das Buch bietet im Anhang eine großzügige Literaturliste und neben dem Institut des Autors weitere Adressen, wo man Qigong-LehrerInnen finden könne. Verständnis habe ich dafür, dass dort die Akademie seines Lehrers Frieder Anders an erster Stelle genannt wird. Irritierend finde ich allerdings, dass ansonsten weder die Deutsche Qigong Gesellschaft, das Netzwerk Taijiquan & Qigong Deutschland oder eine andere große Organisation genannt werden. Eine solche Engführung auf die »eigene Qigong-Familie« finde ich unangebracht und bedauerlich für das insgesamt empfehlenswerte Buch.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 4/2008

Yijinjing

Hans-Peter Sibler: »Stärkendes Qigong: Yi Jin Jing«
Bacopa 2007, gebunden, 164 S., 29 Eur[D]/29 Eur[A], ISBN 978-3-901618-40-6

Hans-Peter Sibler übt seit mehr als 30 Jahren Taijiquan und Qigong und sein bereits 1994 erschienenes Buch über Yijinjing stieß auf großes Interesse. Über zehn Jahre lang war es nicht mehr erhältlich, doch nun ist es im Bacopa Verlag neu und überarbeitet aufgelegt worden.
Es ist mehr als nur ein Buch, in dem eine Qigong-Art vorgestellt wird. Natürlich nehmen die 24 Übungen, die der Autor ausgesucht hat und schön bebildert vorstellt, den größten Raum ein, doch seinen Charme machen einerseits das sehr schöne, luftige Layout und andererseits Klaus-Peter Siblers Art, das »Drumherum« zu beschreiben, aus.

Mit »Drumherum« meine ich die ersten vier Teile, in denen er den Hintergrund des Yijinjing und wesentliche Begriffe erklärt sowie Hinweise zum Üben gibt. Seine nette und freundliche Art, mit der er die Bedeutung des ernsthaften Übens erläutert und dabei zum spielerischen und stressfreien Umgang mit den vorgestellten Übungen auffordert, macht das Lesen zum Vergnügen.

Im fünften Teil kommen dann die Übungen dran. Jede wird mit einem großen Farbfoto eingeleitet, das Übende – von jung bis alt – in Alltagssituationen zeigt. Allein dadurch wird das Üben alltäglich. Die Übungen selbst sind nicht sehr kompliziert, gut erläutert und bebildert. Es gibt mitunter für Fortgeschrittene einen extra Hinweis auf die Atmung, und für jede Übung gibt der Autor die wesentlichen Wirkungen an.

Mit einer schönen Idee endet das Buch: 24 Kärtchen, für jede Übung eine, mit dem Farbfoto auf der Vorder- und einer Kurzanleitung auf der Rückseite. Sie können herausgetrennt und als Übungshilfe leicht überall hin mitgenommen werden, so wie ein Kartenspiel.
Fazit: Schön, dass es das Qigong-Buch von Hans-Peter Sibler wieder gibt.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 3/2008

Shaolin Qigong

Shi Xinggui: »Shaolin Qi Gong – Energie in Bewegung«
Koha 2007, 124 Seiten mit Übungs-DVD, 16,95 EUR[D], 17,50 EUR[A], 30,70 SFR , ISBN 978-3-86728-023-5

Titel und Autor von »Shaolin Qi Gong – Energie in Bewegung« hören sich traditionell chinesisch an, aber das Buch ist entstanden aus einer interessanten west-östlichen Zusammenarbeit und vermittelt Qigong in einem westlichen Stil, ohne die chinesischen Wurzeln aufzugeben. Die österreichische Qigong-Lehrerin Eleonore Vogl lernte im Jahr 1995 auf einer Chinareise den Shaolin-Mönch Shi Xinggui kennen, der bereits zwei Jahre später nach Österreich umsiedelte. Seitdem arbeiten die beiden in Österreich zusammen und unterrichten Qigong, Chan Meditation, Taijiquan und Gongfu. Nun ist ihr erstes gemeinsames Buch mit einer beiliegenden Übungs-DVD erschienen. Zusätzlich haben sie gemeinsam mit dem Musiker Sayama eine CD mit Qigong-Musik herausgebracht.

Es ist ein kleines, feines Büchlein entstanden, liebevoll gestaltet mit etlichen chinesischen Tuschezeichnungen – leider erfährt man nicht, wer sie gemalt hat – und vielen Fotos, die den Ablauf der Übungen veranschaulichen. Auf der Basis seiner Ausbildung im Shaolin-Kloster hat Shi Xinggui einen eigenen Qigong-Stil für westliche Menschen entwickelt mit einfachen Übungen, die durch sanfte, harmonisierende Bewegungen bewirken sollen, dass der Körper beweglicher wird und der Geist sich entspannt. Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen des Qigong, die auch für Anfänger verständlich ist, werden die einzelnen Übungen mit klaren, einfachen Worten beschrieben.

Besonders gut gefällt mir, dass gleich eine DVD beiliegt, auf der man sich alle Übungen des Buches anschauen kann. Allerdings verführt das sicherlich dazu, dass auch Anfänger versuchen, die Übungen ohne Lehrer, nur nach Buch und DVD zu praktizieren, was leicht zu falscher Ausführung und damit zu Problemen führen kann.

Die Musik, zu der die Übungen auch auf der DVD ausgeführt werden, haben Shi Xinggui und der Musiker Sayama zusammen entwickelt. Sie besteht aus einer bunten Mischung verschiedener Instrumente von asiatisch bis hin zu Keyboards, dazu verschiedenen Samplern, Vogelgesang und Walgesängen. Musik ist nun mal Geschmackssache. Anderen wird es gelingen, danach Qigong zu üben, ich habe es probiert, aber leider nicht geschafft. Aber Buch und DVD finde ich gelungen.
(Elvira Glück)

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TQJ 2/2008

Stilles Qigong

Paul Shoju Schwerdt: »Stille ist das Licht des Herzens – Handbuch des Stillen Qigong«,
Theseus 2008, 160 Seiten, 14,95 EUR, ISBN 978-3-7831-9501-9
Paul Shoju Schwerdt: »Stille ist das Licht des Herzens – Anleitungen zum Stillen Qigong«,
Theseus 2008, CD, ca. 70 Minuten

Nach »Mit Qigong durch das Jahr« hat Paul Shoju Schwerdt nun ein zweites Buch geschrieben, das sich wohltuend unterscheidet von so manch anderen Qigong-Büchern, die allesamt nach einer kurzen Einführung viele Übungen beschreiben, die man dann doch nicht nach dem Buch üben kann. Hier ist dagegen mehr als die Hälfte des Textes den theoretischen Hintergründen des Stillen Qigong gewidmet sowie dem, was man vielleicht am ehesten als Selbstkultivierung bezeichnen kann. Dieser Teil wirkt dabei keineswegs »theoretisch«, sondern ausgesprochen lebensnah und spannt einen weiten Bogen von unserem alltäglichen Umgang mit uns selbst bis hin zur Erleuchtung – und auch die erscheint hier keineswegs abgehoben.

Anschaulich und lebendig gelingt es Paul Shoju Schwerdt mit einfachen und auch für AnfängerInnen verständlichen Worten erstaunlich tief in das Stille Qigong einzuführen. Dabei schöpft er aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Taijiquan- und Qigong-Praktizierender und als Zen-Dharmahalter in der Linie von Bernard Glassman Roshi. An manchen Stellen folgt er allerdings etwas der chinesischen Tradition des »Verschleierns«, deutet an, macht neugierig und geht darüber hinweg. Wo ist nun tatsächlich der berühmte »mystische Pass« und was hat es damit auf sich?

Im praktischen Teil beschränkt er sich auf einige einfache Übungen, unter anderem für den Atem, den »Kleinen himmlischen Kreislauf« und eine wunderbare Reise durch die fünf Wandlungsphasen. Diese Übung hätte ich mir auf der CD gewünscht, die mit dem Untertitel »Anleitungen zum Stillen Qigong« verheißt, eine Übungs-CD zu sein, aber schlichtweg nur ein Hörbuch ist – sehr schön vom Autor gelesen – und doch nur den verkürzten Text des Buches wiedergibt sowie drei kleine Übungen daraus. Wer eine Anleitung für die Reise durch die fünf Wandlungsphasen haben will, muss eine Extra-CD kaufen oder selbst eine besprechen.

Der Anhang des Buches wartet mit einer erfreulichen Zugabe auf, der kommentierten Übersetzung des daoistischen Klassikers
»Tianyinzi« zur weiteren Inspiration und wohl auch als Hinweis darauf, dass die daoistische Literatur sehr viel mehr und teilweise praxisnähere Texte umfasst als die von Laozi und Zhuangzi. Insgesamt ein wirklich empfehlenswertes Buch für alle Qigong-Interessierten.
(Elvira Glück)

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TQJ 3/2008

Stressbewältigung durch Qigong

Dorit Stövhase: »Stressbewältigung durch Qigong. Theoretische und empirische Untersuchungen zur Stressbewältigung und Qigong-Übungspraxis«
Prolog, Reihe Bewegungslehre und Bewegungsforschung Band 20, 2006, 415 Seiten, 34,80 EUR[D], 35,80 EUR[A], ISBN 3-934575-23-4

Dorit Stövhase hat ihre Doktorarbeit im Fachbereich Sportwissenschaften der Frage gewidmet, inwieweit Qigong einen positiven Beitrag im Umgang mit Stress leisten kann. Auch wenn die meisten Qigong-Praktizierenden aus eigener Erfahrung wissen, dass Qigong ihnen in stressigen Situationen hilft, ist ihre sehr differenzierte Betrachtung des Themas interessant.

Bereits die Kapitel, die das Phänomen »Stress« genauer beleuchten und verschiedene Theorien aus diesem Bereich vorstellen, machen deutlich, wie pauschalisierend wir mit dem Begriff im Allgemeinen umgehen. Den Schwerpunkt in der theoretischen Herangehensweise legt Dorit Stövhase auf das Salutogenese-Konzept nach Antonovsky, das weniger auf die vermeintlichen Stressoren als auf die Entwicklung eigener Kompetenzen im Umgang mit Stress gerichtet ist.

Die eigentliche Untersuchung fand auf drei Ebenen statt: einer Analyse der vorhandenen Qigong-Literatur, einer qualitativen Studie anhand von narrativen Interviews mit sieben Menschen, die bereits seit mindestens zwei Jahren Qigong üben, und einer quantitativen Befragung mittels Fragebögen in Qigong-Anfängergruppen sowie zum Vergleich in Aerobicgruppen. Ihre Vorüberlegungen, die Hypothesenbildung, die Durchführung der empirischen Untersuchung und die Beurteilung der Ergebnisse sind sehr detailliert dokumentiert. Dabei zeigt sich weniger eine direkte Wirkung des Qigong-Übens auf das körperliche und emotionale Befinden als eine indirekte über eine allmähliche positive Beeinflussung der Selbstwahrnehmung, der Lebensführung, im Umgang mit dem eigenen Körper und den eigenen Bedürfnissen und in der Interaktion mit dem Umfeld.

Entsprechend dem Salutogenese-Modell legt sie besonderen Wert auf die Eigenverantwortlichkeit jedes Menschen für sein Leben und damit auch den Umgang mit Stress. Sie kritisiert die in der Literatur teilweise übertrieben dargestellten Wirkungen und insbesondere »religiös-esoterische Deutungsversuche«, die ihrem wissenschaftlichen Ansatz entgegenstehen. Mit ihren eigenen Ergebnissen kommt sie zu dem Schluss, dass »die Leiberfahrungen im Bewegungs- und Meditationssystem Qigong als eine Ressource zur Stressbewältigung eingeschätzt werden können«.
Eine weitere Fragestellung der Arbeit ist auf den Einsatz von Qigong in herkömmlichen Gesundheits- sowie Erziehungs- und Fortbildungsinstitutionen gerichtet. Mit ihrer wissenschaftlichen Herangehensweise liefert Dorit Stövhase hier sicher allen AnbieterInnen gute Argumentationshilfen. Auch wenn ihre Dissertation wie bei solchen Arbeiten üblich nicht immer ganz leicht zu lesen ist, stellt sie eine lohnende Lektüre dar für alle, die sich eingehender mit diesem Thema befassen möchten.
(Almut Schmitz)

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ryzek

TQJ 2/2010

Taiji-Qigong einmal anders

Jürgen Ryzek: "Taiji-Qigong. Bewegte Stille"
Hannover 2009, Pb, 163 Seiten, 14,90 Euro (D)/ 15,40 Euro (A), ISBN 978-3-89993-579-0

Der erste Eindruck: eine Irritation. Der Begriff Taiji-Qigong wird gängigerweise für die sogenannten 18 Bewegungen verwendet, um die geht es hier aber nicht. Der Autor möchte uns ein neues Übungssystem vorstellen. Er nennt es »Taiji-Qigong« mit dem Untertitel „Bewegte Stille“. Es hat, so verspricht er, seine "Wurzeln in der unverfälschten Tradition und passt diese an die veränderten Bedürfnisse der modernen Lebensform an". Insbesondere weist er darauf hin, dass „diese spezielle Choreographie in Minuten innerhalb des Aktionsradius eines Bürostuhls ausgeführt werden kann“. Das scheint sinnvoll und kann durchaus nützlich sein.

Zugleich verspricht er, dies neue System sei die Essenz aus Taiji und Qigong. Nun ist er nicht der erste, der aus der Fülle der beiden alten Übungssysteme für sich ein neues kreiert, in der Meinung, die Zusammenfassung enthalte allemal die Essenz. Das mag stimmen oder nicht – ich neige bei solchen Aussagen, in Respekt vor der kaum auszulotenden Fülle des alten Wissen, zu Skepsis.

Die Darstellung der Übungsabfolge nimmt gut 100 Seiten des Buches ein, sorgsam bebildert mit Fotos und Fußdiagrammen. Die Beschreibungen sind so ausführlich wie möglich und ihnen ist viel Detailwissen über den philosophischen Hintergrund (Fünf Wandlungen beispielsweise), die Anwendungsbilder aus der Kampfkunst und die energetischen Dynamiken hinzugefügt worden. Die getroffenen Zuordnungen erschließen sich mir allerdings nicht immer – ich will aber nicht ausschließen, dass dies möglich wäre, wenn man denn treulich über lange Zeit dies System im Üben studiert.

Hier kommen wir allerdings zu dem für mich wirklich kritischen Punkt: Dies Buch ist eindeutig mit der Absicht geschrieben worden, der Leser könne sich ein Übungssystem, das „die Essenz von Taiji und Qigong“ enthält, allein durch die Lektüre dieses Buches im Selbstversuch beibringen.

Über den Autor Jürgen Ryzek ist zu lesen, dass er sich seit 30 Jahren mit „spirituellen und feinstofflich-energetischen Themen“ beschäftigt und auf eine 20-jährige Karriere als Business-Berater zurückschaut. So kann ich biographisch nachvollziehen, dass er vielleicht gerade für ein Klientel in der Geschäftswelt etwas greifbar-kompakt-effektiv wirkendes anbieten wollte. Passend dazu kommt das Buch im Layout möglichst sachlich funktional daher.

Zugleich zeigt der Inhalt seiner Einführungskapitel mit den Titeln „Stille schafft Raum“, "Eine Vision vom Menschen“, "Wege der Wahrnehmung“ und "Gleichgewicht im Wandel“ deutlich, dass er sich sehr ber die Notwendigkeit bewusst darüber ist, den Fokus vom rein intellektuellen und funktionalen Zugriff auf Welt zu verschieben in eine Wahrnehmung des „lebendigen Köpers“, wie er es nennt. Schön und schlüssig leitet er aus der neuen Wahrnehmungsweise dann eine neue Handlungsweise ab, die mit Taiji-Qigong einzuüben sei. Er stellt sie unter die drei Leitsätze: 1. Ich spüre mich, 2. Ich folge dem Rhythmus, 3. Ich ziele genau.

Wie er aber zu der Sicherheit gelangt, dass eine solche Wandlung von einer verkopft-abstrakten zur sinnlich-ganzheitliche Lebenshaltung allein aus einem Buch zu bewerkstelligen sei, das obendrein auch im Layout eher unsinnlich ist, bleibt mir ein Rätsel.

So ist dies Buch ein hübsches Paradox: Es vermittelt mir den Eindruck, dass hinter ihm ein interessanter Lehrer steckt – der von dem Buch nicht ersetzt werden kann. Dies wird besonders deutlich, gerade weil das Buch es behauptet.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 2/2009

Qigong als therapeutische Begleitung

Alexandra Tschom, Jumin Chen, Wolfgang Seiringer: »Therapeutisches Qi Gong. Die Kunst der Arbeit mit dem Qi – Qi Gong als therapeutische Begleitung«
Bacopa 2008, 253 Seiten, EUR 29, ISBN 978-3-901618-44-4

Das Buch ist so vielschichtig wie sein Titel, im Positiven wie leider auch im Negativen. Denn bis zum Schluss ist mir unklar geblieben, an wen es sich richtet, was es sein will: kulturphilosophische Betrachtung, Lehrbuch für Qigong-TherapeutInnen, Fachbuch für eine bestimmte Sparte der TCM – oder einfach eine Anregung für intensiv Praktizierende? Dem Vorwort entnehme ich, dass es der Autorin um die Fülle des tradierten Wissens und auch um den ernsthaften Umgang damit geht. Letztlich scheint dies Buch eine Einladung und Ermutigung für eine vorgebildete Fachleserschaft zu sein, Qigong als Übungstherapie – in Abgrenzung zu anderen behandelnden TCM-Verfahren – zu etablieren.

Alexandra Tschom, Magister der Philosophie, Lehrtrainerin der IQTÖ, lernt Taijiquan, Qigong und chinesische Medizin seit 1989, die Fülle dieser Erfahrungen ist beim Lesen spürbar. Die Co-Autoren sind ihr Lehrer Chen Jumin, dessen Beitrag sie charmanterweise in unredigiertem »Deutsch-Chinesisch« ließ, und der Arzt Dr. Wolfgang Seiringer.

Verwirrend ist ein recht unkritisches Gemisch westlich-wissenschaftlicher Sprache in dem offensichtlichen Wunsch, sprachlich ein ähnlich subtiles Tasten, Erahnen und Spüren anzuregen, wie wir es beim Qigong praktizieren. Klar definierte Begriffe wie Substanz, Essenz, Information, Kraft werden nebeneinander gestellt und zum Beispiel einmal im Sinne von Qi, ein anderes Mal im Sinne von Jing benutzt.

Wenn man sich in die Sprache von Alexandra Tschom hineingelesen hat, wird deutlich, dass sie bemüht ist, uns zu einem möglichst bildhaften und ganzheitlichen Verständnis davon zu führen, wie krankmachende Einflüsse sich dem Qi-System einprägen.

Ab Kapitel zehn werden noch einmal alle Organfunktionskreise aufgelistet und nach den zuvor genannten »Kriterien der Anwendung« wird eine wirklich interessante Fülle an Hinweisen aus der Praxis stichpunktartig aufgelistet. Auch einzelne bewegte Organ-übungen werden mit Bildern von Chen Jumin vorgestellt.

Die Darstellung der Meridianverläufe am Ende des Buches ist ästhetisch ansprechend und entspricht der offenen Idee von Spüren und Strömen – die Meridiane werden mit einem schwungvollen, breitfließenden Pinselstrich skizziert –, ist aber für die konkreten therapeutischen Hinweise, die den großen zweiten Teil des Buches ausmachen und sich häufig auf einzelne Punkte beziehen, nicht wirklich hilfreich. Wie schon im Teil über die fünf Elemente, wo auf jede bildhafte Darstellung verzichtet wird, müssen sich die LeserInnen ganz auf die verbalen Erklärungen verlassen.

Insgesamt hätte ich der Autorin, die uns an einem breiten Fachwissen teilhaben lässt, ein intensiveres Lektorat gewünscht. Denn auch in der Gestaltung häufen sich manche Unklarheiten. Insgesamt ist dies Buch ein mutiges und spannendes Unterfangen. LeserInnen mit guten Vorkenntnissen werden gewiss fruchtbare Vertiefungen finden und Gelegenheit, ihre eigenen Einschätzungen an denen der Autorin zu überprüfen – und umgekehrt.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 1/2007

Qigong im Gehen

Lam Kam Chuen: »Walking Qi Gong – Schritt für Schritt zu innerer Ruhe und Kraft«
Joy Verlag 2006, 144 Seiten, 18,95 EUR[D] / 19,50 EUR[A] / 33,50 sFR,
ISBN 3-928554-56-5

Von all den Büchern, die Lam Kam Chuen geschrieben hat, sind bisher leider nur wenige auf Deutsch erschienen. Bekannt ist er bei uns vor allem als Spezialist für das Zhan Zhuang (Stehen wie ein Baum) durch sein Buch »Chi Kung – Weg der Heilung«. Nun hat der Joy Verlag ein sehr schön gestaltetes Buch über Qigong-Gehübungen von ihm herausgebracht, mit dem etwas neumodischen Titel »Walking Qi Gong«.

Wie das Zhan Zhuang gehören die Gehübungen des Zou Bu (Gehende Schritte) zum Übungssystem Dachengquan (»Kampfkunst der großen Errungenschaft«), das von Wang Xiangzhai auf der Basis des Xingyiquan entwickelt wurde.
»Bevor ein Mensch alt wird, werden die Beine alt« lautet ein chinesisches Sprichwort, das auf die Bedeutung der Beine für die Gesundheit des Menschen hinweist. Die Beine werden sogar als das zweite Herz des Menschen angesehen. Qigong im Gehen kräftigt somit nicht nur die Beine, sondern wirkt sich positiv auf den ganzen Körper aus, auch auf die Atmung und den Geist.

Das Buch gliedert sich in mehrere aufeinander aufbauende Teile. Der erste Teil gibt eine detaillierte Einführung in die natürliche und die umgekehrte Atmung, gut veranschaulicht durch Bilder. Im zweiten Teil werden Vorübungen für die Schritt- und Gehübungen vorgestellt, die die Beinmuskeln stärken. Diese Übungen sind so gut erklärt, dass man sie tatsächlich nach der Beschreibung und den Bildern ausführen kann.

Die weiteren Teile des Buches führen nach und nach in die verschiedenen Schritte und Gehübungen ein. Hier wird es allerdings schwieriger, die Bewegungen exakt nachzuvollziehen. Dafür würde ich mir als Ergänzung zum Buch eine DVD wünschen. Ansonsten gefällt mir das Buch aber ausgesprochen gut, es ist didaktisch sehr gut aufgebaut, viele Fotos und Zeichnungen ergänzen den Text. Man möchte gleich losgehen ...
(Elvira Glück)

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TQJ 2/2009


Medizinisches Qigong

Jumin Chen/Thomas Weidinger: »Der Weg zur Gesundheit«
Residenz 2008, Buch 140 Seiten, 17,90 EUR, ISBN 978-3-7017-3119-0
>> siehe auch: DVD: 70 min, ISBN 978-3-7017-4003-1

Das Werk von Chen Jumin unter Mitarbeit von Thomas Weidinger ist nicht einfach ein weiterer Titel auf dem großen Markt an Qigongbüchern, sondern ein in Inhalt und Aufmachung durchweg erfrischender Beitrag zum Thema »Medizinisches Qigong«.

Das Buch besteht aus einem ersten Teil, der die Theorie des Qigong beschreibt, und einem zweiten mit Übungen. Die Autoren verstehen es, mit wenigen Worten eine ungemeine Tiefe an Information zu erreichen. Unterstützt werden sie dabei durch das lockere, moderne Layout sowie in regelmäßigen Abständen wohldosierte Infokästen, die auch ein zufälliges Stöbern im Buch zu einem informativen Erlebnis machen. Die Übungen im zweiten Teil sind mit wenigen, aber klaren Worten beschrieben. Dazu kommen diverse Fotos, die sie leicht nachvollziehbar erscheinen lassen.

Darüber hinaus haben die Autoren eine DVD veröffentlicht, auf der die Übungen in Aktion gezeigt werden. Während der erste Teil zur Theorie des Qigong auf der DVD etwas sparsam ausgefallen ist, vermag der zweite Teil mit einer Vielzahl an Übungen, Beschreibungen und Hinweisen zu glänzen. Und obwohl auch hier manche Darstellungen etwas länger hätten sein können, ist dieser Part wirklich gut gelungen. Zumal auch die Gestaltung in ihrer schlichten Schönheit zu überzeugen vermag.

Allerdings macht die DVD insgesamt hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Buch Sinn. Die Kombination ist ein rundum gelungenes Paket, welches das Thema Medizinisches Qigong hervorragend abdeckt.
(Frank Aichlseder)

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