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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden

Helmut Oberlack
Meine »Taiji-Karriere« begann vor etwa 20 Jahren, als ich bei Christel Proksch anfing Taijiquan zu lernen. Christel Proksch ermunterte mich nach einigen Jahren dazu, mich auch bei anderen LehrerInnen umzuschauen, was ich tat. Meine weiteren HauptlehrerInnen wurden Lena Du Hong und Sui Qingbo vom LaoShan-Institut. Viele verschiedene Formen habe ich (kennen-)gelernt, geblieben sind zum Praktizieren und Unterrichten die Taijiquan Yang-Stil Kurzform, die Langform sowie eine Schwertform und die »18 Bewegungen Taiji-Qigong«.

Taijiquan ist mir begegnet als eine Meditation in Bewegung, als eine »spannende« Bewegungskunst, die mich - als damaligem Sportstudent - mit einem völlig anderen Bewegungskonzept faszinierte. Einige Jahre später realisierte ich mehr und mehr, dass Taijiquan auch eine Kampfkunst ist. Dieser Aspekt ist von großer Bedeutung und meines Erachtens bei vielen Taijiquan-Übenden nicht präsent genug. Doch sehr wohl muss ich zugeben, dass ich diesen Aspekt in meiner Praxis eher vernachlässige, denn mir reicht es - im Moment -, wenn ich einigermaßen regelmäßig zum eigenen Üben der Formen komme. Und wenn ich bei Treffen mit anderen gelegentlich Tuishou übe.

Meine erste Qigong-Form, die ich regelmäßig praktizierte, war der »Fliegende Kranich«. Dabei erlebte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, Qi durch meine Vorstellungskraft zu lenken. Am Anfang meiner »Qigong-Karriere« dachte ich, Qigong sei eine gute Ergänzung des Taijiquan und nutzte es gerne als Vorbereitung darauf. Mittlerweile halte ich das für nahezu vollkommen falsch. Entweder ich mache Qigong oder Taijiquan, man sollte beides nicht vermischen.

Um meine Vita zu ergänzen: Ich bin Gründungsmitglied des Netzwerkes Taijiquan und Qigong und zur Zeit dort als Schriftführer im Vorstand. Des Weiteren habe ich mich an dem Versuch der Gründung einer politischen Interessenvertretung aller Qigong- und Taijiquan-Unterrichtenden beteiligt. Leider ist zur Zeit der Gründungsprozess eines Berufsverbandes zum Erliegen gekommen. Aber ich hoffe, dass dies nur ein Teil der »Geburtswehen« ist. Doch das ist ein eigenes Thema.

Mein Wunsch für das Taijiquan & Qigong Journal ist folgender: Ich möchte ein Forum schaffen, auf dem sich alle TaijistInnen und QigonglerInnen, egal welcher Schule oder welchem Stil sie sich zurechnen, begegnen können. Ich halte es für wünschenswert und notwendig, dass es eine Fachzeitschrift gibt, in der sich alle Praktizierenden austauschen und informieren können. Es gibt einige Zeitschriften, in denen über Qigong und Taijiquan berichtet wird, aber keine davon ist eine verbandsunabhängige Fachzeitschrift, in der ausschließlich über Fachthemen geschrieben wird.

Ich wünsche mir, dass diese Zeitschrift hilft, das Wissen und das Verständnis von diesen beiden chinesischen Lebenskünsten zu erweitern. Dazu zähle ich neben den rein fachspezifischen Themen wie »Der Zusammenhang von Qi-Fluss und Aufmerksamkeit« auch Fragen bezüglich des gesellschaftlichen Umfeldes wie Gesetzgebung oder Versicherungen, die zwar im Wesentlichen diejenigen betreffen, die unterrichten, aber deren Zahl ist ja mittlerweile nicht unerheblich.
Ich hoffe, dass wir viele verschiedene AutorInnen haben werden, die hier ihre Arbeit vorstellen und ihr Wissen mit uns teilen. Ich hoffe auch, dass viele LeserInnen zu den angesprochenen Themen Stellung nehmen und eine rege Diskussion führen.

Und nicht zuletzt hoffe ich, dass viele dieses Journal unterstützen, denn der Aufbau einer Fachzeitschrift ist ein Wagnis - nicht nur der finanziellen Art. Die Unterstützung kann vielfältig sein, redaktioneller und finanzieller Art. Um dieses Wagnis einigermaßen überschaubar zu machen, haben wir uns entschlossen, den Verwaltungsaufwand, den eine Zeitschrift immer mit sich bringt, möglichst gering zu halten. Deswegen haben wir uns zu einigen Regelungen entschlossen, die vielleicht ungewöhnlich erscheinen mögen:
- Wir möchten viele Hefte über KooperationspartnerInnen verkaufen,
- Abos können vorerst nur für zwei Jahre und nur gegen Vorauskasse abgeschlossen werden,
- Einzelhefte können nur gegen Vorauskasse bestellt werden,
- Vorauskasse ist auch für die Einträge in den Kurskalender und Kleinanzeigen notwendig,
- im Branchenbuch können nur Jahreseinträge erfolgen.

Diese Regelungen ersparen uns eine unglaubliche Menge an Verwaltungsarbeit, und wir stecken unsere Energie lieber in den Inhalt des Heftes als in eine Rechnung über DM 35,43. Ich wünsche mir, dass diese »Verwaltungsvereinfachungsregelungen« von Ihnen und Euch, liebe LeserInnen, akzeptiert werden.

Das Taijiquan & Qigong Journal wird ein weiterer Teil meines Weges mit diesen beiden Lebenskünsten sein. Hoffentlich werden mich viele von Ihnen und Euch auf diesem Weg begleiten. Wohin er führen wird, kann ich nicht sagen. Aber ich konnte vor knapp 20 Jahren auch nicht sagen, wohin mich Taijiquan führen würde. Heute freue ich mich über jeden Schritt des Weges, den ich gegangen bin, und von jedem Schritt konnte ich etwas lernen.

Lernen möchte ich auch beim »Machen« dieses Journals. Denn ich lebe nicht in dem Glauben genau zu wissen, wie eine solche Fachzeitschrift auszusehen hat. Ich habe sicherlich meine Vorstellungen, einige kann ich verwirklichen, andere gehen »im Tagesgeschäft verlustig«, noch andere harmonieren nicht mit den Vorstellungen der anderen »MacherInnen« dieses Journals.

Jedenfalls freue ich mich über jede Anregung und über jeden Verbesserungsvorschlag. So werden wir gemeinsam das Taijiquan & Qigong Journal entwickeln können und sehen, wohin es uns führt.

Mit Spannung und Neugier grüßt
Helmut Oberlack

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