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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden

Zusammenfassungen
Ausgabe 26 – 4/2006

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Qi-Walkin´Plädoyer für eine wissenschaftliche Europäisierung des Qigong
Von Michel Bouteville

Geleitet von der Frage, wie sich die Grundprinzipien des Qigong in einfacheBewegungen des Alltags übertragen lassen, hat Michel Bouteville ein Übungssystem kreiert, das vorrangig aus verschiedenen Schrittarten zusammengesetzt ist, die entsprechend der fünf Wandlungsphasen in unterschiedlicher Weise Einfluss auf den Körper haben. Sie ermöglichen einerseits Menschen, die sich von traditionellen Qigong-Methoden überfordert fühlen könnten oder das Gehen im Alltag als Übung nutzen möchten, einen relativ einfachen Einstieg in eine geschmeidigere Bewegungsweise und selbsttätige Harmonisierung der Körperfunktionen und gibt andererseits TCM-Praktizierenden die Möglichkeit, die Wirkung von Bewegung auf die Funktionskreise leibhaftig zu spüren.

 

Sich selbst entschleunigen, um achtsam zu sein
Von Manfred Folkers

Qigong-Übungen zeichnen sich in der Regel durch eine bewusste Verlangsamung aus, welche dazu beiträgt, dass der Geist aufmerksam am Geschehen teilnimmt. Manfred Folkers, der in diesem Zusammenhang den Begriff »Entschleunigung« geprägt hat, hebt diesen Aspekt besonders hervor als Grundlage für die meditativen Wirkungen des Qigong, die mit Achtsamkeit, Konzentration und Einsicht einhergehen. Insbesondere die Entwicklung von Achtsamkeit, die sowohl zu einer wahrhaftigeren Daseinsbetrachtung als auch zu einem heilsameren Umgang mit sich selbst und der Mitwelt führen kann, wird zu einem Weg in ein selbstbestimmteres, gelasseneres und integeres Leben.

 

»Der friedliche Krieger«
Qigong und Taijiquan mit Kindern und Jugendlichen
Von Harald Hasenöhrl

Aus seiner Erfahrung mit Taijiquan und Qigong sowie als Pädagoge im Kinder- und Jugendhilfebereich hat Harald Hasenöhrl ein Unterrichts-konzept entwickelt, mit dem Kinder spielerisch an die Kampf- und Bewegungskünste herangeführt werden und dabei nicht nur ihre körperlichen, sondern auch ihre geistigen und sozialen Fähigkeiten sowie ihre emotionale Kompetenz steigern können. Er beschreibt, wie vielfältig die Übungen auf die Kinder wirken, und macht am Beispiel einer Unterrichtsstunde deutlich, wie hier gezielte Spiele, Taiji- und Qigong-Übungen, vor allem aus dem »Spiel der fünf Tiere«, Erkenntnisse aus der Kinesiologie und aus dem Konflikt- und Deeskalationstraining zusammenkommen.

 

Eine Familientradition öffnet sich der Welt
Zur neueren Entwicklung des Chen Taijiquan aus Chenjiagou
Von Gabriela Morgado

Gabriela Morgado nutzte eine Trainingsreise nach Chenjiagou, dem Ursprungsort des Chen Taijiquan, um ausführlich mit Chen Xiaoxing, dem Leiter der traditionellen Taiji-Schule des Ortes, über die Entwicklung des Taijiquan zu sprechen. Auf der Grundlage dieses Interviews schildert sie, wie das Taijiquan durch die schwierigen Zeiten des letzten Jahrhunderts bewahrt und in welchen Etappen es außerhalb des Dorfes bekannt wurde. Nachdem Yang Luchan als Familienfremder das Taijiquan gelernt und daraus den Yang-Stil abgeleitet hatte, waren Chen Fake und sein Neffe Chen Zhaopidie ersten, die den Chen-Stil außerhalb von Chenjiagou unterrichteten. Durch das von Kungfu-Filmen ausgelöste Interesse an chinesischer Kampfkunst erhielt das Wushu in den 70er Jahren einen großen Aufschwung, in dessen Folge auch das Chen Taijiquan dann sowohl in ganz China als auch im Ausland bekannt wurde.

 

Jing vermehren und Schönheit bewahren
Interview mit Zhou Yi zur Inneren Alchemie der Frau (Teil 2)

Die Geschichte der Inneren Alchemie reicht mindestens zweitausend Jahre zurück, die der weiblichen Traditionslinie ist bis ins achte Jahrhundert belegt. Die Innere Alchemie der Frau trägt den Eigenarten des weiblichen Körpers Rechnung, die ihn auch in energetischer Hinsicht vom männlichen unterscheiden. Zhou Yi erläuterte im ersten Teil eines Interviews mit Almut Schmitz, der in der vorigen Ausgabe des TQJs erschienen ist, verschiedene Ansätze innerhalb der Inneren Alchemie der Frau und ihre Verbindung zur daoistischen Religion und zum Schamanismus. Im folgenden zweiten Teil veranschaulicht sie die klösterliche Tradition, die einen Hintergrund dieses Übungsweges darstellt und in der die Frauen zu früherer Zeit große Freiheit genießen konnten. Außerdem wird deutlich, dass ein wesentlicher Aspekt der Inneren Alchemie der Frau darin besteht, die äußere Schönheit zu bewahren, und dass es sich um eine intellektuell sehr anspruchsvolle Methode handelt.