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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden

Zusammenfassungen
Aktuelle Ausgabe
33 – 3/2008

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Laozi mit allen Sinnen erleben
Neue Impulse für ein Verständnis des Daodejing
Von Isolde Schwarz

Das Daodejing gilt im Westen neben dem Yijing als wichtigstes Werk der chinesischen Philosophie und Zitate daraus finden wir auf Postkarten und in Poesiealben ebenso wie in Taiji-Schulen. Doch bei aller Popularität bleiben weite Teile des Werkes dunkel und rätselhaft. Isolde Schwarz hat für ihre Qigong- und Taiji-Praxis eine ganze Reihe unterschiedlicher Bilder erstellt, die für sie bestimmte Aspekte oder Aussagen des Daodejing wiedergeben, und sie diesen zugeordnet. Das so entstandene Kartenset bildet die Ausgangsbasis für meditative Übungen, in denen sich die einzelnen Verse des Daodejing allmählich über Assoziationen, Intuition und Bewegung einem ganzheitlichen Begreifen erschließen können.

 

Ein Weg in die LeereDie drei Phasen der Sitzmeditation des Chen-Taijiquan der WCTAG
Von Jan Silberstorff

Die Sitzmeditation innerhalb des Chen-Taijiquan hat eine lange, wenn auch nie wirklich konkret überlieferte Tradition. Sie erfuhr bei den verschiedenen Meistern unterschiedliche Bedeutung und Ausprägungen. Jan Silberstorff entwickelte in Absprache mit Großmeister Chen Xiaowang eine Drei-
Phasen-Meditation, deren Konzept und Wirkungsrichtung er hier vorstellt. Sie beruht auf einer Verbindung der in Chenjiagou Anfang der 1990er Jahre an ihn vermittelten und intensiv praktizierten Techniken mit den Erfahrungen seiner seit über zehn Jahren hauptsächlich in den Bergen
von Sri Lanka durchgeführten Meditations-Retreats. Auf den Ablauf der Sitzmeditation geht er in der nächsten Ausgabe ein.

 

Die »Kraft der Mitte« entwickeln
Der Beckenboden – ein unbekanntes Land in Taijiquan und Qigong?
Von Dietlind Zimmermann

Der Beckenboden ist trotz seiner großen Bedeutung für unsere Haltung, unsere Gesundheit und Vitalität ein wenig erforschtes Gebiet. Dietlind Zimmermann hat ihn sowohl aus westlich-anatomischer als auch östlich-energetischer Sicht erkundet und seinen Einfluss auf das
Qigong- und Taiji-Üben bei sich und anderen beobachtet. Sie erläutert die anatomische und auch die energetische Position des Beckenbodens im Körper und plädiert dafür, ihm mehr gezielte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Einfache Übungen ermöglichen grundlegende Erfahrungen
mit diesem Bereich.

 

Die Entdeckung der Einfachheit
Interview mit Gabriele von Guenther zum Guolin Qigong
Von Martina Petersen

Die Hamburger Qigong-Lehrerin Gabriele von Guenther lernte bei Frau Wang Li, einer direkten Schülerin von Frau Guo Lin, das Guolin Qigong. Martina Petersen sprach mit ihr über die Eigenheiten dieser besonders in der Krebstherapie eingesetzten Qigong-Richtung, ihre persönlichen
Erfahrungen und ihre Art zu unterrichten. Dabei wird deutlich, welch große Bedeutung die Einfachheit der Bewegungen hat, die uns aus einem oftmals gehetzten und übervollen Alltag in den gegenwärtigen Moment führen und andere Ebenen der Wahrnehmung ermöglichen.

 

Sizheng Siyu
Die Theorie der vier Geraden und vier Diagonalen
Von Sam Masich

Die acht Grundenergien bilden zusammen mit den fünf Schrittrichtungen die 13 grundlegenden Bewegungsarten des Taijiquan. Sam Masich betont, dass es von weitreichender Bedeutung sei, die vier den Kardinalrichtungen zugeordneten »geraden« Kräfte von den vier den Zwischenrichtungen
zugeordneten »diagonalen« Kräften zu unterscheiden. Während die ersteren ein ruhiges, gelassenes, aufrichtiges Vorgehen im Tuishou fördern und neben dem kämpferischen auch einen spirituellen Fortschritt ermöglichen, sieht er bei der zweiten Gruppe die Gefahr, dass ihr übermäßiger Einsatz nur kurzfristig einen scheinbaren Vorteil verschafft, auf lange Sicht jedoch den Fortschritt verhindert und die Entwicklung der Persönlichkeit in eine ungünstige Richtung lenkt. Immer geht es darum, sich an den Taiji-Prinzipien zu orientieren, sonst gerät die eigene Praxis zu »Buzheng«, etwa durch unbedingtes Gewinnenwollen und Egozentriertheit, und eine Entwicklung im Sinne von Taijiquan wird unmöglich.

 

Das chinesische Herz – Xin
Von Wang Ning

Xin wird üblicherweise mit »Herz« übersetzt, was auch dem Ursprung des Zeichens entspricht. Die chinesischen Assoziationen zum Herzen sind jedoch andere als im Westen, ihm werden Fühlen und Denken zugeordnet. Eine wichtige Aufgabe in der Sozialisation besteht darin, das Herz zu
kontrollieren und dem Gemeinwohl zu unterstellen. Auch das Zeichen Yi beinhaltet das Herz und stellt das, was das Herz aussagen soll, dar.