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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden

Zusammenfassungen
Ausgabe 29 – 3/2007

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Sie sind da – Duan-Graduierungen im Qigong

Die mit der Einführung der vier standardisierten Formen des so genannten »Gesundheits-Qigong« sich abzeichnende Entwicklung im Ursprungsland des Qigong hat inzwischen zu einem klar gegliederten Stufensystem geführt, das die Praktizierenden dieser Formen neun Duan-Graden zuordnet. Neben der Beherrschung der Bewegungsfolgen und erwünschten Charaktereigenschaften spielt für die Einstufung auch der Einsatz für die Entwicklung und Verbreitung des Gesundheits-Qigong eine wichtige Rolle. Die Chinese Health Qigong Association stellt diese Regeln auf, ernennt die PrüferInnen und verleiht die Urkunden. Damit ist die Kontrolle über die gesamte Entwicklung dieser Qigong-Richtung im In- und Ausland durch chinesische Regierungsstellen vorgegeben.
Dass dieser Trend nicht nur das Gesundheits-Qigong betrifft, zeigt der Erfahrungsbericht von Annette Züllich-Suhr, die in Beijing an einem Graduierungskurs im Daoyin Yangsheng Gong teilgenommen hat.

 

Der Weg der Stehenden Säule
Von Gerhard Milbrat

Eine der grundlegenden Übungen des Qigong wie auch verschiedener Kampfkünste ist das Zhanzhuang, eine stille Übung im aufrechten Stand, die in ihrer Schlichtheit fundamentale Wirkungen entfalten kann. Gerhard Milbrat, der diese Übungsweise sowohl aus dem Qigong als auch aus dem Taijiquan her kennt, beschreibt den in drei Stufen verlaufenden Weg, mit dem Körper, Atmung, Geist, Bewusstsein und Qi reguliert werden. Am Anfang steht dabei eine sehr genaue Ausrichtung der körperlichen Haltung, um
einen freien und in sich verbundenen Energiefluss zu ermöglichen. Die damit einhergehende Entspannung setzt sich von der Ebene der Muskeln, Sehnen, Bänder und Knochen über die inneren Organe und die Emotionen bis hin zu einer tiefen geistigen Ruhe fort. Dieser Prozess erfordert intensives Loslassen und kann zu einer tief greifenden Transformation führen.

 

Taijiquan und Qigong für Senioren
Von Barbara Reik

Im Zuge der allgemeinen Verbreitung im Westen interessieren sich auch immer mehr ältere Menschen für Qigong und Taijiquan. Teilweise motiviert durch Berichte über die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit gerade bei chronischen Beschwerden kommen sie in die Kurse und fühlen sich oftmals überfordert, wenn sie zusammen mit Jüngeren üben, denen es leichter fällt, die Bewegungen auszuführen und zu erinnern. Barbara Reik hat bereits seit einigen Jahren Erfahrungen mit Seniorengruppen gesammelt und beschreibt die besonderen Bedürfnisse, mit denen ältere Menschen in ihre Kurse kommen. Der Gruppenzusammenhalt spielt dabei eine große Rolle. Sie zeigt auch an Beispielen, dass SeniorInnen erheblich von den chinesischen Bewegungskünsten profitieren, wenn sie auf eine ihnen gemäße Weise lernen können.

 

Über Form und Entstehung des Yang-Stil Bagua Taijiquan
Von Udo Werner und Thomas Richter

Im Laufe der Entwicklung des Yang-Stil Taijiquan gab es zahlreiche Linien, die sich nicht auf die Yang-Chengfu-Richtung zurückführen lassen und in Deutschland noch vergleichsweise unbeachtet sind. Eine solche Form
unterrichtet Li Suiyin aus Xian. Nach mehreren Seminaren und ausgiebigen Gesprächen mit ihm haben Udo Werner und Thomas Richter ihren derzeitigen Kenntnisstand zusammengefasst und geben einen Einblick in die 103er Bagua-Taijiquan-Form und die Besonderheiten dieser Tradition, die Prinzipien des Baguazhang und des Taijiquan vereint und auch Einflüsse aus dem Xingyiquan aufgenommen hat.

 

Zum philosophischen Hintergrund des Taijiquan Lun
Von Zhu Wenjun

Das »Taijiquan Lun« von Wang Zongyue gilt als eine der klassischen Schriften des Taijiquan. Der Autor stellte damit das Denkmodell von Yin und Yang als Taiji-Bewegungsprinzip heraus. Zhu Wenjun erklärt, wie diese Erläuterungen zum Taijiquan auf dem philosophischen Modell des Taiji von Zhou Dunyi aufbauen. Weitere Denkansätze im Taijiquan Lun stammen von Zhu Xi, der das Taiji-Modell aufgegriffen hat und ein Modell der Einheit
von Li (Prinzip), Qi und Wu (Ding) aufstellte sowie das Thema des harmonischen Gleichgewichts, des »Mitte-Denkens« behandelte.

 

Fu – das Glück
Von Wang Ning

Zusammen mit einem »langen Leben« sind Glück und Reichtum in China die wichtigsten Ziele für den Lebensweg. »Glück« wird dabei zu einem quasi religiösen Begriff, ob er erreicht wird, hängt vom eigenen Einsatz und von göttlicher Gnade ab. Dass der Mensch Glück und Unglück letztlich kaum ermessen kann, zeigt die Geschichte vom alten Mann an der Grenze, der sein Pferd verloren hat – in China ein geflügeltes Wort, wenn jemandem ein vermeintliches Unglück zustößt.