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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden

Zusammenfassungen
Aktuelle Ausgabe
32 – 2/2008

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Vom Überlebenskampf zur Ruhe des Herzens
Erfahrungen mit Qigong im südlichen Afrika
Von Max Weier

Längst sind Taijiquan und Qigong auch in Afrika angekommen. Wie in anderen Teilen der Welt sind es bestimmte Bevölkerungsgruppen, die sich den chinesischen Bewegungskünsten zuwenden. Max Weier berichtet von seinen Erfahrungen als Qigong-Lehrer im südlichen Afrika, wo er sowohl Seminare gibt, die überwiegend von Weißen besucht werden, als auch Kurse in Schwarzen-Townships und Gefängnissen. Während die Schwarzafrikaner durch ihre intensive Körpererfahrung schnell den Fluss des Qi im Körper wahrnehmen, ist die Verlangsamung der Bewegungen eine große Herausforderung. Intensive Bewegungserlebnisse und der Bezug zu Tierbewegungen bilden eine Brücke zum innerlichen Spüren.



Jijian – Schwertsparring
Kämpfen mit Spaß und Sicherheit
Von Thomas Simianer

Wie die Schiebenden Hände, das Tuishou, zum waffenlosen Taiji-Training gehören, umfasst auch das Üben mit einem Schwert neben dem Erlernen einer Form ein Partnertraining. Da das Verletzungsrisiko hierbei auch mit ungeschärften Klingen erheblich größer ist, sind entweder gute
Schutzkleidung oder spezielle Sparring-Schwerter erforderlich, um Techniken wirklichkeitsnah ausprobieren zu können. Thomas Simianer berichtet über seine Erfahrungen mit eigens hierfür entwickelten schweren Kunststoffschwertern und geeigneten Übungstechniken.



Energiearbeit und Psychotherapie
Interview mit Margret Rueffler

Taijiquan und Qigong gehören zum großen Bereich der Körper- und Energiearbeit. Inwieweit Berührungen zu therapeutischen Prozessen bestehen, was diese Bewegungskünste da leisten können und wo deren Grenzen sind, darüber sprach Sonja Blank mit der deutsch-amerikanischen transpersonalen Psychotherapeutin Margret Rueffler. Sie entwickelte in über 20 Jahren eine Synthese aus Körperarbeit, Meditation, Psychotherapie und politischer Arbeit. Sie betont, dass die östlichen Wege die persönliche Entwicklung zwar positiv beeinflussen, aber keine Bewusstwerdung im Sinne tiefenpsychologischer Prozesse stattfindet. Eine Wirkung über die eigene Person hinaus setzt voraus, dass eine jeweilige Kunst durch intensive Praxis soweit verinnerlicht wurde, dass das innere Wachstum nach außen ausstrahlt.
 

Qigong und die Erforschung des eigenen Potenzials
Eine Verknüpfung mit der Potenzialentwicklung von Dr. Jean Houston
Von Karin Amberger

Die Arbeit mit der Vorstellung gehört seit jeher zum Qigong. Durch den Kontakt zu Dr. Jean Houston, deren Spezialgebiet die Entwicklung des menschlichen Potenzials ist, hat dieser Aspekt für Karin Amberger eine enorme Ausweitung erfahren. Diese erfasst die sinnliche, die
psychologische, die mystische und die spirituelle Ebene des inneren Erlebens. Durch verschiedene bewusst eingesetzte Vorstellungsbilder können sich die Qualität und die Wirkung an sich gleicher Übungen immer wieder verändern. Daraus können sich individuell über das Üben hinausgehend ein erweitertes Verständnis, ein Bewusstsein für die eigenen Potenziale, die Einbindung im Kosmos sowie neue Handlungsmöglichkeiten ergeben. Eine besondere Bedeutung hat dabei der Kontakt mit »dem Menschen, der Du werden wirst«, mit der Weisheit der eigenen Zukunft.

 

In die Mitte kommen
Zentrumsbewegung und die Entwicklung des Dantian im Taijiquan
Von Nabil Ranné

In wohl allen Taiji-Richtungen herrscht die Vorstellung, dass die Bewegungen vom Dantian ausgehen sollten. Wie wir das jedoch tatsächlich erreichen können, bleibt manchmal vage. Nabil Ranné
beschäftigt sich eingehend mit dem Thema, klärt die Bedeutung des Begriffs und den Zusammenhang zwischen subjektivem Empfinden und objektiver Ausrichtung des Körpers. Er sieht die Entwicklung des Dantian als Voraussetzung für eine ganzheitliche Bewegung, da erst eine Bewegung, die wirklich aus dem Zentrum kommt, sich ohne Unterbrechungen oder Gegenläufigkeiten im ganzen Körper ausbreiten kann.

 

Wudangshan
Training in daoistischer Tradition
Von Yürgen Oster

Nachdem Yürgen Oster in der vorletzten Ausgabe die Geschichte und heutige Entwicklung im Wudangshan, einem der heiligen Gebirge des Daoismus, dargestellt hat, geht er nun darauf ein, was dort praktiziert wird, seitdem dieser Ort Mitte der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts
wieder geöffnet wurde. Dazu gehört eine ganze Reihe von Inneren Kampfkünsten einschließlich verschiedener Taiji-Formen auf der Basis des Sanfeng Shisan Quan, des »13-Formen-Taiji nach Zhang Sanfeng«. Außerdem werden Methoden zur Gesundheitspflege und inneren Entwicklung
kultiviert, die neben Körperübungen, Selbstmassage und Atemübungen auch Duftbäder, Fasten, sexuelle Praktiken, Nahrungsergänzungsmittel, geistige Schulung, Rituale und die hohe Schule der inneren Alchemie umfassen. Nicht alles wird jedoch frei an Besucher weitergegeben und um den dahinterstehenden Geist zu erfassen, bedarf es wie überall des intensiven Übens und Einlassens.



Wu und Ren
Der Kampf und das Geduldüben
Von Wang Ning

Wu und Wen, Kampf und Zivilisation, auch symbolisiert durch Jian und Bi, Schwert und Pinsel, stellen ein Gegensatzpaar dar, das sozusagen die Erwartungen an einen kultivierten Mann zusammenfasst. Eine andere komplementäre Ergänzung zu Wu ist Ren, das Geduldüben, das in der bildlichen Darstellung »ins Herz schneidet«. Es entwickelt die psychischen Voraussetzungen für den Weg der Kampfkünste, die im Zeichen Wu gleichzeitig das Aufhören mit dem Kämpfen beinhalten.