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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden

Zusammenfassungen
Aktuelle Ausgabe
39 – 1/2010

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»Ohne Kraft geht es nicht!«
Kraftentwicklung in der Taijiquan-Theorie
Von Nabil Rannè

Die häufigen Hinweise, im Taijiquan Kraft zu vermeiden, können leicht den Anschein erwecken, dass generell keine Kraft eingesetzt werden sollte. Dass dies nicht einer traditionellen Auffassung entspricht, zeigt Nabil Rannè anhand von Zitaten aus klassischen Texten und durch eine Klärung der chinesischen Begriffe für Kraft. Es geht vielmehr um einen sinnvollen ganzkörperlichen Einsatz von Kraft, bei dem sich alle Teile des Körpers
verbunden und in Einheit bewegen. In der weiteren Verfeinerung der Bewegungsführung verbinden sich Körper, Atem und Geist immer stärker.

 

»Nichts ist weicher als das Wasser ...«
Xinyi Liuhe Bafa – die kaum bekannte daoistische Kampfkunst
Von Friedhelm Tippner

Liuhe Bafa ist eine im Westen noch wenig bekannte innere Kampfkunst. Trotz ihrer Ähnlichkeiten mit den drei bekannteren chinesischen inneren Kampfkünsten hat sie eine eigenständige Entwicklung durchlaufen, deren Ursprünge mehr als tausend Jahre zurückreichen. Auffällig sind die Tempo- und Richtungswechsel sowie die Wechsel zwischen drei unterschiedlichen Standhöhen beim Ausführen der Form. Friedhelm
Tippner gibt einen Überblick über die Entstehung und die Methodik dieses Übungssystems, das neben der Form auch dem Taijiquan vergleichbare Partnerübungen umfasst.

 

Beruhigen – Regulieren – Stabilisieren
Stressbewältigung durch Qigong
Von Lie Foen Tjoeng

Über die allgemeine entspannende und ausgleichende Wirkung von Qigong hinaus ist es möglich, an der individuellen Situation ausgerichtete Übungsprogramme zu erstellen, die aus einer massiven Stressbelastung herausführen und nicht nur die Belastbarkeit, sondern vor allem auch den Umgang mit Stressfaktoren positiv beeinflussen. Lie Foen Tjoeng hat hierzu ein Modell mit drei aufeinander aufbauenden Phasen entwickelt, mit dem zunächst der Organismus entlastet und reguliert wird. Anschließend soll durch das Üben das Qi stabilisiert und der frühere Gesundheitszustand wiederhergestellt werden. In der dritten Phase werden Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit erhöht. Die dem Qigong eigene Methodik trägt dazu bei, dass wir sensibler mit uns selbst umgehen, uns besser koordinieren und organisieren können und mehr Gelassenheit und Ausdauer entwickeln.

 

Erdung und Zentrierung in Taijiquan und Qigong
Von Rainer Lehrhuber

Erdung und Zentrierung sind zwei grundlegende Aspekte in den chinesischen Bewegungskünsten und das Fundament für Haltung und Bewegung. Rainer Lehrhuber hat diese beiden – häufig unhinterfragt gebrauchten – Begriffe genauer untersucht und ihre Umsetzung in Qigong und Taijiquan beleuchtet. Über die bewusste Wahrnehmung von Füßen, Beinen und Beckenbereich kommt er zur Ausrichtung auf das Dantian, das sozusagen den Bezugspunkt für die Zentrierung und auch für das Sinken in eine verwurzelte Haltung bildet. Um in einer lotrechten Haltung zu einer in sich verbundenen Bewegung aus dem Zentrum heraus zu kommen, ist mentale und körperliche Entspannung nötig. Geistige und körperliche Zentrierung, Körperausrichtung und Verwurzelung fördern und bedingen sich dabei gegenseitig.

 

Taijiquan als Lebenskunst
Strategien im Umgang mit Gesundheit und Krankheit
Von Klaus Moegling

Auf dem vom Deutschen Dachverband für Qigong und Taijiquan organisierten Kongress »Taijiquan als Lebenskunst« hielt Prof. Dr. Klaus Moegling den Eröffnungsvortrag. In der hier veröffentlichten Kurzfassung erläutert er sein Verständnis einer gesundheitsförderlichen Lebenskunst und die Rolle, die ein Übungssystem wie Taijiquan dabei spielen kann. So kann es dazu beitragen, das Leben sinnvoll, freudvoll und bewusst zu gestalten und die eigenen Ressourcen zu stärken. Die Aufmerksamkeit sollte neben dem eigenen Erleben auch die Mitwelt einschließen, Lebenskunst wird hier also nicht nur als Weg zu individuellem Glück, sondern in sozialer Verantwortung verstanden.

 

Mutig dem eigenen Herzen folgen
Die Wandlungsphase Holz
Von Joachim Stuhlmacher

Nach dem Winter beginnt mit dem Frühling das junge Leben zum Licht zu streben – Holzenergie macht sich breit. Sie prägt ebenso den Beginn des Tages wie die Lebendigkeit der Kinder- und Jugendzeit. Joachim Stuhlmacher weist darauf hin, dass diese stürmische Energie allzu oft ausgebremst wird und dann zu Frust und Zorn führt. Er gibt Ratschläge dazu, wie wir uns die frühlingshafte Energie, das Wachsen, die Kreativität, den Mut und die Tatkraft das ganze Leben lang erhalten können und welche Bedeutung der Funktionskreis von Leber und Gallenblase dabei hat. Aus einer starken Holzenergie entsteht in Verbindung mit einem mutigen Herzen auch die Kraft der Nächstenliebe.

 

Holz – Kraft des Anfangs
Von Ursula Rimbach

Der Baum, das Sinnbild für das Holz-Element,wächst aus der Erde dem Himmel entgegen. Dabei muss er die Erdkruste durchbrechen, Widerstand überwinden, Kraft aufbringen. Ursula Rimbach beschreibt, wie es die aufkeimende Kraft zu pflegen gilt, etwa durch sachte Bewegung, und dass sie nicht gleich strapaziert werden sollte. Es gilt auch hier, eine flexible
Balance zwischen Spannung und Entspannung zu entwickeln.

 

5. Tai-Chi Tcho
30. Oktober bis 1. November 2009 in La-Chaux-de-Fonds (CH)

Zum fünften Mal organisierte Cornelia Gruber-Bilgeri im vergangenen Herbst das Tai-Chi Tcho, ein großes internationales Treffen für Taijiquan und Qigong in ihrer Heimat, der französischen Schweiz. Unterrichtende wie Lernende kamen aus vielen verschiedenen europäischen Ländern zu einem lehrreichen und vergnüglichen Wochenende zusammen.